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Blaubart
Blaubart Märchen

Blaubart - Märchen der Gebrüder Grimm

Vorlesezeit für Kinder: 9 min

Achtung: Es handelt sich um eine Grusel-Geschichte.

In einem Walde lebte ein Mann, der hatte drei Söhne und eine schöne Tochter. Einmal kam ein goldener Wagen mit sechs Pferden und einer Menge Bedienten angefahren, hielt vor dem Haus still, und ein König stieg aus und bat den Mann, er möchte ihm seine Tochter zur Gemahlin geben. Der Mann war froh, dass seiner Tochter ein solches Glück widerfuhr, und sagte gleich ja; es war auch an dem Freier gar nichts auszusetzen, als dass er einen ganz blauen Bart hatte, so dass man einen kleinen Schrecken kriegte, sooft man ihn ansah. Das Mädchen erschrak auch anfangs davor und scheute sich, ihn zu heiraten, aber auf Zureden ihres Vaters willigte es endlich ein. Doch weil es so eine Angst fühlte, ging es erst zu seinen drei Brüdern, nahm sie allein und sagte: „Liebe Brüder, wenn ihr mich schreien hört, wo ihr auch seid, so lasst alles stehen und liegen und kommt mir zu Hülfe.“ Das versprachen ihm die Brüder und küssten es. „Leb wohl, liebe Schwester, wenn wir deine Stimme hören, springen wir auf unsere Pferde und sind bald bei dir.“ Darauf setzte es sich in den Wagen zu dem Blaubart und fuhr mit ihm fort.

Wie es in sein Schloss kam, war alles prächtig, und was die Königin nur wünschte, das geschah, und sie wären recht glücklich gewesen, wenn sie sich nur an den blauen Bart des Königs hätte gewöhnen können, aber immer, wenn sie den sah, erschrak sie innerlich davor. Nachdem das einige Zeit gewährt, sprach er: „Ich muss eine große Reise machen, da hast du die Schlüssel zu dem ganzen Schloss, du kannst überall aufschließen und alles besehen, nur die Kammer, wozu dieser kleine goldene Schlüssel gehört, verbiet ich dir; schließt du die auf, so ist dein Leben verfallen.“ Sie nahm die Schlüssel, versprach ihm zu gehorchen, und als er fort war, schloss sie nacheinander die Türen auf und sah so viel Reichtümer und Herrlichkeiten, dass sie meinte, aus der ganzen Welt wären sie hier zusammengebracht.

Blaubart Märchen Gebrüder Grimm

Es war nun nichts mehr übrig als die verbotene Kammer, der Schlüssel war von Gold, da gedachte sie, in dieser ist vielleicht das Allerkostbarste verschlossen; die Neugierde fing an, sie zu plagen, und sie hätte lieber all das andere nicht gesehen, wenn sie nur gewusst, was in dieser wäre. Eine Zeitlang widerstand sie der Begierde, zuletzt aber ward diese so mächtig, dass sie den Schlüssel nahm und zu der Kammer hinging: „Wer wird es sehen, dass ich sie öffne,“ sagte sie zu sich selbst, „ich will auch nur einen Blick hineintun.“ Da schloss sie auf, und wie die Türe aufging, schwomm ihr ein Strom Blut entgegen, und an den Wänden herum sah sie tote Weiber hängen, und von einigen waren nur die Gerippe noch übrig. Sie erschrak so heftig, dass sie die Türe gleich wieder zuschlug, aber der Schlüssel sprang dabei heraus und fiel in das Blut. Geschwind hob sie ihn auf und wollte das Blut abwischen, aber es war umsonst, wenn sie es auf der einen Seite abgewischt, kam es auf der anderen wieder zum Vorschein; sie setzte sich den ganzen Tag hin und rieb daran und versuchte alles Mögliche, aber es half nichts, die Blutflecken waren nicht herabzubringen; endlich am Abend legte sie ihn ins Heu, das sollte in der Nacht das Blut ausziehen. Am anderen Tag kam der Blaubart zurück, und das erste war, dass er die Schlüssel von ihr forderte; ihr Herz schlug, sie brachte die ändern und hoffte, er werde es nicht bemerken, dass der goldene fehlte.

Blaubart Märchen Gebrüder Grimm

Er aber zählte sie alle, und wie er fertig war, sagte er: „Wo ist der zu der heimlichen Kammer?“ Dabei sah er ihr in das Gesicht. Sie ward blutrot und antwortete: „Er liegt oben, ich habe ihn verlegt, morgen will ich ihn suchen.“ – „Geh lieber gleich, liebe Frau, ich werde ihn noch heute brauchen.“ – „Ach ich will dir’s nur sagen, ich habe ihn im Heu verloren, da muss ich erst suchen.“ – „Du hast ihn nicht verloren,“ sagte der Blaubart zornig, „du hast ihn dahin gesteckt, damit die Blutflecken herausziehen sollen, denn du hast mein Gebot übertreten und bist in der Kammer gewesen, aber jetzt sollst du hinein, wenn du auch nicht willst.“

Da musste sie den Schlüssel holen, der war noch voller Blutflecken. „Nun bereite dich zum Tode, du sollst noch heute sterben,“ sagte der Blaubart, holte sein großes Messer und führte sie in den Hausflur. „Lass mich nur noch vor meinem Tod mein Gebet tun,“ sagte sie. „So geh, aber eil dich, denn ich habe keine Zeit lang zu warten.“ Da lief sie die Treppe hinauf und rief, so laut sie konnte, zum Fenster hinaus: „Brüder, meine lieben Brüder, kommt, helft mir!“ Die Brüder saßen im Wald beim kühlen Wein, da sprach der jüngste: „Mir ist, als hätte ich unserer Schwester Stimme gehört; auf! wir müssen ihr zu Hülfe eilen!“ Da sprangen sie auf ihre Pferde und ritten, als wären sie der Sturmwind.

Blaubart Märchen Gebrüder Grimm

Ihre Schwester aber lag in Angst auf den Knien; da rief der Blaubart unten: „Nun, bist du bald fertig?“ Dabei hörte sie, wie er auf der untersten Stufe sein Messer wetzte; sie sah hinaus, aber sie sah nichts als von Ferne einen Staub, als kam eine Herde gezogen. Da schrie sie noch einmal: „Brüder, meine lieben Brüder! kommt, helft mir!“ Und ihre Angst ward immer größer. Der Blaubart aber rief: „Wenn du nicht bald kommst, so hol ich dich, mein Messer ist gewetzt!“ Da sah sie wieder hinaus und sah ihre drei Brüder durch das Feld reiten, als flögen sie wie Vögel in der Luft, da schrie sie zum dritten Mal in der höchsten Not und aus allen Kräften: „Brüder, meine lieben Brüder! kommt, helft mir!“ Und der jüngste war schon so nah, dass sie seine Stimme hörte: „Tröste dich, liebe Schwester, noch einen Augenblick, so sind wir bei dir!“

Der Blaubart aber rief: „Nun ist’s genug gebetet, ich will nicht länger warten, kommst du nicht, so hol ich dich!“ – „Ach! nur noch für meine drei lieben Brüder lass mich beten.“ Er hörte aber nicht, kam die Treppe heraufgegangen und zog sie hinunter, und eben hatte er sie an den Haaren gefasst und wollte ihr das Messer in das Herz stoßen, da schlugen die drei Brüder an die Haustüre, drangen herein und rissen sie ihm aus der Hand, dann zogen sie ihre Säbel und hieben ihn nieder. Da ward er in die Blutkammer aufgehängt zu den anderen Weibern, die er getötet, die Brüder aber nahmen ihre liebste Schwester mit nach Haus, und alle Reichtümer des Blaubarts gehörten ihr.

Lesen Sie ein Kurz-Märchen (5 min)

Hintergründe zum Märchen „Blaubart“

„Blaubart“ (französisch: Barbe bleue) ist ein französisches Volksmärchen, dessen berühmteste erhaltene Version von Charles Perrault verfasst und erstmals 1697 von Barbin in Paris in Histoires ou contes du temps passé veröffentlicht wurde. Das Märchen erzählt die Geschichte eines wohlhabenden Mannes, der es sich zur Gewohnheit gemacht hat, seine Frauen zu ermorden, und die Versuche einer Ehefrau, sich dem Schicksal ihrer Vorgängerinnen zu entziehen. „Die weiße Taube“, „Der Räuberbräutigam“ und „Fitchers Vogel“ sind Geschichten, die dem „Blaubart“ ähneln. Die Geschichte ist so berüchtigt, dass Merriam-Webster dem Wort „Blaubart“ die Definition von „einem Mann, der eine Frau nach der anderen heiratet und tötet“ gibt, und das Verb „Blaubart“ ist sogar als eine Möglichkeit erschienen, das Verbrechen zu beschreiben, entweder eine Reihe von Frauen zu töten oder eine Reihe von Frauen zu verführen und zu verlassen. Nach dem Aarne-Thompson-System zur Klassifizierung von Volksmärchenparzellen ist die Geschichte von Blaubart Typ 312.

Handlung und Zusammenfassung des Märchen

Blaubart ist ein wohlhabender und mächtiger Adliger, der mehrere Male mit schönen Frauen verheiratet war, die alle auf mysteriöse Weise verschwunden sind. Als Blaubart seinen Nachbarn besucht und um die Heirat einer seiner Töchter bittet, sind die Mädchen entsetzt. Nachdem er ein wunderbares Bankett ausgerichtet hat, wählt er – gegen ihren Willen – die jüngste Tochter zu seiner Ehefrau aus, und sie zieht mit ihm in seinen reichen und luxuriösen Palast auf dem Land, weit weg von ihrer Familie.

Blaubart verkündet, dass er aufs Land fahren muss, und übergibt seiner Frau die Schlüssel des Schlosses. Sie ist in der Lage, mit ihnen jede Tür des Hauses zu öffnen, von denen jede einen Teil seiner Reichtümer enthält, mit Ausnahme einer unterirdischen Kammer, deren Betreten er ihr strikt verbietet, damit sie nicht unter seinem Zorn leidet. Dann geht er weg und verlässt das Haus und die Schlüssel in ihren Händen. Sie lädt ihre Schwester Anne und ihre Freunde und Cousins zu einer Party ein. Sie wird jedoch schließlich von dem Wunsch überwältigt, zu sehen, was der verbotene Raum enthält, und sie schleicht sich von der Party weg und wagt sich in den Raum.

Sofort entdeckt sie, dass der Raum mit Blut überflutet ist und die ermordeten Leichen von Blaubarts ehemaligen Ehefrauen an Haken an den Wänden hängen. Entsetzt lässt sie den Schlüssel in das Blut fallen und flieht aus dem Raum. Sie versucht, das Blut vom Schlüssel abzuwaschen, aber der Schlüssel ist magisch, und das Blut lässt sich nicht entfernen. Aus Angst um ihr Leben verrät sie das Geheimnis ihres Mannes an ihre Schwester, die zu Besuch ist, und beide planen, am nächsten Morgen zu fliehen. Blaubart kehrt jedoch unerwartet zurück und findet den blutigen Schlüssel. In blinder Wut droht er, seine Frau auf der Stelle zu töten, aber sie bittet um ein letztes Gebet mit ihrer Schwester Anne. Als Blaubart kurz davor ist, den tödlichen Schlag auszuführen, kommen Anne und die Brüder der Frau an und töten Blaubart. Die Frau erbt sein Vermögen und sein Schloss und lässt die toten Ehefrauen begraben. Sie nutzt das Vermögen, um ihre anderen Geschwister heiraten zu lassen, heiratet dann selbst wieder, um endlich von ihrer schrecklichen Erfahrung mit Blaubart abzulassen.

Varianten und Adaptionen des Märchen

In Charles Dickens‘ Kurzgeschichte „Captain Murderer“ wird die Titelfigur als „ein Ableger der Blaubart-Familie“ beschrieben und ist weit blutrünstiger als die meisten Blaubärte: Er kannibalisiert jede Frau einen Monat nach der Heirat. Er stirbt, nachdem seine Schwägerin, aus Rache für den Tod ihrer Schwester, ihn heiratet und ein tödliches Gift zu sich nimmt, kurz bevor er sie verschlingt.

In Anatole France’s The Seven Wives of Bluebeard (Die sieben Frauen des Blaubarts) ist der Blaubart das Opfer des Märchens, und seine Frauen sind die Täter. Blaubart ist ein großzügiger, gutherziger, wohlhabender Adliger namens Bertrand de Montragoux, der eine Reihe grotesker, ehebrecherischer, schwieriger oder einfältiger Ehefrauen heiratet. Seine ersten sechs Ehefrauen sterben alle, fliehen oder werden unter unglücklichen Umständen weggeschickt, die nicht seine Schuld sind. Seine siebte Frau betrügt ihn mit einem anderen Liebhaber und ermordet ihn wegen seines Reichtums.

In Angela Carters „Die blutige Kammer“ ist Blaubart ein Dekadenter der 1920er Jahre mit einer Sammlung erotischer Zeichnungen, und die Frau von Blaubart wird von ihrer Mutter gerettet, die auf einem Pferd einreitet und Blaubart zwischen die Augen schießt, und nicht von ihren Brüdern wie im ursprünglichen Märchen.

In Joyce Carol Oates‘ Kurzgeschichte „Blue-Bearded Lover“ kennt die jüngste Ehefrau die ermordeten Ehefrauen Blaubarts gut: Sie schließt die Tür zum verbotenen Raum nicht auf und vermeidet so selbst den Tod. Sie bleibt bei Blaubart, obwohl sie weiß, dass er ein Mörder ist, und bringt Blaubarts Kinder zur Welt. Das Buch ist als feministischer Kampf um sexuelle Macht interpretiert worden.

In Helen Oyeyemis Mr. Fox ist Mr. Fox ein Autor von Slasher-Romanen, verlobt mit einer Frau namens Mary. Marys Vater machte ihr als kleines Mädchen Angst, als er ihr von all den Frauen erzählte, die von ungehorsamen Männern getötet wurden. Mary fragt Herrn Fox, warum er über die Tötung von Frauen schreibt, die patriarchalische Gesetze übertreten haben, und macht ihm bewusst, wie seine Worte häusliche Gewalt normalisieren.

In Kurt Vonneguts Blaubart ist ein Maler zu sehen, der sich selbst Blaubart nennt und sein Kunstatelier als verbotene Kammer betrachtet, in die seine Freundin Circe Berman nicht gehen darf.

In Donald Barthelmes Blaubart glaubt die Ehefrau, dass sich die Kadaver von Blaubarts früheren sechs Ehefrauen hinter der Tür befinden. Sie verliert den Schlüssel, und ihr Liebhaber versteckt die drei Duplikate. Eines Nachmittags besteht Blaubart darauf, dass sie die Tür öffnet, also leiht sie sich seinen Schlüssel. Im Inneren findet sie die verwesenden Kadaver von sechs Zebras in Coco-Chanel-Kleidern.

Informationen für wissenschaftliche Analysen


Statistiken zum Märchen
Wert
NummerKHM 62a
Aarne-Thompson-Uther-IndexATU Typ 312
Lesbarkeitsindex nach Amstad72.7
Lesbarkeitsindex nach Björnsson42
Flesch-Reading-Ease Index62.1
Flesch–Kincaid Grade-Level10.6
Gunning Fog Index11.8
Coleman–Liau Index11.2
SMOG Index10.6
Automated Readability Index12
Zeichen-Anzahl6.342
Anzahl der Buchstaben4.972
Anzahl der Sätze45
Wortanzahl1.083
Durchschnittliche Wörter pro Satz24,07
Wörter mit mehr als 6 Buchstaben194
Prozentualer Anteil von langen Wörtern17.9%
Silben gesamt1.540
Durchschnittliche Silben pro Wort1,42
Wörter mit drei Silben74
Prozentualer Anteil von Wörtern mit drei Silben6.8%

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