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Schneeweißchen und Rosenrot
Schneeweißchen und Rosenrot Märchen

Schneeweißchen und Rosenrot - Märchen der Gebrüder Grimm

Vorlesezeit für Kinder: 18 min

Eine arme Witwe, die lebte einsam in einem Hüttchen, und vor dem Hüttchen war ein Garten, darin standen zwei Rosenbäumchen, davon trug das eine weiße, das andere rote Rosen; und sie hatte zwei Kinder, die glichen den beiden Rosenbäumchen, und das eine hieß Schneeweißchen, das andere Rosenrot. Sie waren aber so fromm und gut, so arbeitsam und unverdrossen, als je zwei Kinder auf der Welt gewesen sind: Schneeweißchen war nur stiller und sanfter als Rosenrot. Rosenrot sprang lieber in den Wiesen und Feldern umher, suchte Blumen und fing Sommervögel; Schneeweißchen aber saß daheim bei der Mutter, half ihr im Hauswesen oder las ihr vor, wenn nichts zu tun war.

Schneeweisschen und Rosenrot Märchen Gebrüder GrimmBild: Oskar Herrfurth (1862-1934)

Die beiden Kinder hatten einander so lieb, dass sie sich immer an den Händen fassten, sooft sie zusammen ausgingen; und wenn Schneeweißchen sagte: „Wir wollen uns nicht verlassen,“ so antwortete Rosenrot: „Solange wir leben, nicht,“ und die Mutter setzte hinzu: „Was das eine hat, soll’s mit dem anderen teilen.“ Oft liefen sie im Walde allein umher und sammelten rote Beeren, aber kein Tier tat ihnen etwas zuleid, sondern sie kamen vertraulich herbei: das Häschen fraß ein Kohlblatt aus ihren Händen, das Reh graste an ihrer Seite, der Hirsch sprang ganz lustig vorbei, und die Vögel blieben auf den Ästen sitzen und sangen, was sie nur wussten. Kein Unfall traf sie – wenn sie sich im Walde verspätet hatten und die Nacht sie überfiel, so legten sie sich nebeneinander auf das Moos und schliefen, bis der Morgen kam, und die Mutter wusste das und hatte ihretwegen keine Sorge. Einmal, als sie im Walde übernachtet hatten und das Morgenrot sie aufweckte, da sahen sie ein schönes Kind in einem weißen, glänzenden Kleidchen neben ihrem Lager sitzen.

Schneeweisschen und Rosenrot Märchen Gebrüder GrimmBild: Paul Hey (1867 – 1952)

Es stand auf und blickte sie ganz freundlich an, sprach aber nichts und ging in den Wald hinein. Und als sie sich umsahen, so hatten sie ganz nahe bei einem Abgrunde geschlafen und wären gewiss hineingefallen, wenn sie in der Dunkelheit noch ein paar Schritte weitergegangen wären. Die Mutter aber sagte ihnen, das müsste der Engel gewesen sein, der gute Kinder bewache. Schneeweißchen und Rosenrot hielten das Hüttchen der Mutter so reinlich, dass es eine Freude war hineinzuschauen. Im Sommer besorgte Rosenrot das Haus und stellte der Mutter jeden Morgen, ehe sie aufwachte, einen Blumenstrauß vors Bett, darin war von jedem Bäumchen eine Rose. Im Winter zündete Schneeweißchen das Feuer an und hing den Kessel an den Feuerhaken, und der Kessel war von Messing, glänzte aber wie Gold, so rein war er gescheuert. Abends, wenn die Flocken fielen, sagte die Mutter: „Geh, Schneeweißchen, und schiebe den Riegel vor,“ und dann setzten sie sich an den Herd, und die Mutter nahm die Brille und las aus einem großen Buche vor und die beiden Mädchen hörten zu, saßen und spannen; neben ihnen lag ein Lämmchen auf dem Boden, und hinter ihnen auf einer Stange saß ein weißes Täubchen und hatte seinen Kopf unter den Flügel gesteckt.

Eines Abends, als sie so vertraulich beisammensaßen, klopfte jemand an die Türe, als wollte er eingelassen sein. Die Mutter sprach: „Geschwind, Rosenrot, mach auf, es wird ein Wanderer sein, der Obdach sucht.“ Rosenrot ging und schob den Riegel weg und dachte, es wäre ein armer Mann, aber der war es nicht, es war ein Bär, der seinen dicken schwarzen Kopf zur Türe hereinstreckte. Rosenrot schrie laut und sprang zurück: das Lämmchen blökte, das Täubchen flatterte auf, und Schneeweißchen versteckte sich hinter der Mutter Bett. Der Bär aber fing an zu sprechen und sagte: „Fürchtet euch nicht, ich tue euch nichts zuleid, ich bin halb erfroren und will mich nur ein wenig bei euch wärmen.“ – „Du armer Bär,“ sprach die Mutter, „leg dich ans Feuer und gib nur acht, dass dir dein Pelz nicht brennt.“ Dann rief sie: „Schneeweißchen, Rosenrot, kommt hervor, der Bär tut euch nichts, er meint’s ehrlich.“

Schneeweisschen und Rosenrot Märchen Gebrüder GrimmBild: Oskar Herrfurth (1862-1934)

Da kamen sie beide heran, und nach und nach näherten sich auch das Lämmchen und Täubchen und hatten keine Furcht vor ihm. Der Bär sprach: „Ihr Kinder, klopft mir den Schnee ein wenig aus dem Pelzwerk,“ und sie holten den Besen und kehrten dem Bär das Fell rein; er aber streckte sich ans Feuer und brummte ganz vergnügt und behaglich. Nicht lange, so wurden sie ganz vertraut und trieben Mutwillen mit dem unbeholfenen Gast. Sie zausten ihm das Fell mit den Händen, setzten ihre Füßchen auf seinen Rücken und rollten ihn hin und her, oder sie nahmen eine Haselrute und schlugen auf ihn los, und wenn er brummte, so lachten sie. Der Bär ließ sich’s aber gerne gefallen, nur wenn sie’s gar zu arg machten, rief er: „Lasst mich am Leben, ihr Kinder.

Schneeweißchen, Rosenrot,
schlägst dir den Freier tot.“

Als Schlafenszeit war und die anderen zu Bett gingen, sagte die Mutter zu dem Bär: „Du kannst in Gottes Namen da am Herde liegenbleiben, so bist du vor der Kälte und dem bösen Wetter geschützt.“ Sobald der Tag graute, ließen ihn die beiden Kinder hinaus, und er trabte über den Schnee in den Wald hinein. Von nun an kam der Bär jeden Abend zu der bestimmten Stunde, legte sich an den Herd und erlaubte den Kindern, Kurzweil mit ihm zu treiben, so viel sie wollten; und sie waren so gewöhnt an ihn, dass die Türe nicht eher zugeriegelt ward, als bis der schwarze Gesell angelangt war.

Als das Frühjahr herangekommen und draußen alles grün war, sagte der Bär eines Morgens zu Schneeweißchen: „Nun muss ich fort und darf den ganzen Sommer nicht wiederkommen.“ – „Wo gehst du denn hin, lieber Bär?“ fragte Schneeweißchen. „Ich muss in den Wald und meine Schätze vor den bösen Zwergen hüten: im Winter, wenn die Erde hartgefroren ist, müssen sie wohl unten bleiben und können sich nicht durcharbeiten, aber jetzt, wenn die Sonne die Erde aufgetaut und erwärmt hat, da brechen sie durch, steigen herauf, suchen und stehlen; was einmal in ihren Händen ist und in ihren Höhlen liegt, das kommt so leicht nicht wieder an des Tages Licht.“ Schneeweißchen war ganz traurig über den Abschied, und als es ihm die Türe aufriegelte und der Bär sich hinausdrängte, blieb er an dem Türhaken hängen, und ein Stück seiner Haut riss auf, und da war es Schneeweißchen, als hätte es Gold durchschimmern gesehen; aber es war seiner Sache nicht gewiss. Der Bär lief eilig fort und war bald hinter den Bäumen verschwunden.

Nach einiger Zeit schickte die Mutter die Kinder in den Wald, Reisig zu sammeln. Da fanden sie draußen einen großen Baum, der lag gefällt auf dem Boden, und an dem Stamme sprang zwischen dem Gras etwas auf und ab, sie konnten aber nicht unterscheiden, was es war. Als sie näher kamen, sahen sie einen Zwerg mit einem alten, verwelkten Gesicht und einem ellenlangen, schneeweißen Bart. Das Ende des Bartes war in eine Spalte des Baums eingeklemmt, und der Kleine sprang hin und her wie ein Hündchen an einem Seil und wusste nicht, wie er sich helfen sollte. Er glotzte die Mädchen mit seinen roten feurigen Augen an und schrie. „Was steht ihr da! Könnt ihr nicht herbeigehen und mir Beistand leisten?“ – „Was hast du angefangen, kleines Männchen?“ fragte Rosenrot. „Dumme, neugierige Gans,“ antwortete der Zwerg, „den Baum habe ich mir spalten wollen, um kleines Holz in der Küche zu haben; bei den dicken Klötzen verbrennt gleich das bisschen Speise, das unsereiner braucht, der nicht so viel hinunterschlingt als ihr grobes, gieriges Volk.

Schneeweisschen und Rosenrot Märchen Gebrüder GrimmBild: Oskar Herrfurth (1862-1934)

Ich hatte den Keil schon glücklich hineingetrieben, und es wäre alles nach Wunsch gegangen, aber das verwünschte Holz war zu glatt und sprang unversehens heraus, und der Baum fuhr so geschwind zusammen, dass ich meinen schönen weißen Bart nicht mehr herausziehen konnte; nun steckt er drin, und ich kann nicht fort. Da lachen die albernen glatten Milchgesichter! Pfui, was seid ihr garstig!“ Die Kinder gaben sich alle Mühe, aber sie konnten den Bart nicht herausziehen, er steckte zu fest. „Ich will laufen und Leute herbeiholen,“ sagte Rosenrot. „Wahnsinnige Schafsköpfe,“ schnarrte der Zwerg, „wer wird gleich Leute herbeirufen, ihr seid mir schon um zwei zu viel; fällt euch nicht Besseres ein?“ – „Sei nur nicht ungeduldig,“ sagte Schneeweißchen, „ich will schon Rat schaffen,“ holte sein Scherchen aus der Tasche und schnitt das Ende des Bartes ab. Sobald der Zwerg sich frei fühlte, griff er nach einem Sack, der zwischen den Wurzeln des Baums steckte und mit Gold gefüllt war, hob ihn heraus und brummte vor sich hin: „Ungehobeltes Volk, schneidet mir ein Stück von meinem stolzen Barte ab! Lohn’s euch der Guckuck!“ Damit schwang er seinen Sack auf den Rücken und ging fort, ohne die Kinder nur noch einmal anzusehen.

Einige Zeit danach wollten Schneeweißchen und Rosenrot ein Gericht Fische angeln. Als sie nahe bei dem Bach waren, sahen sie, dass etwas wie eine große Heuschrecke nach dem Wasser zuhüpfte, als wollte es hineinspringen. Sie liefen heran und erkannten den Zwerg. „Wo willst du hin?“ sagte Rosenrot, „du willst doch nicht ins Wasser?“ – „Solch ein Narr bin ich nicht,“ schrie der Zwerg, „seht ihr nicht, der verwünschte Fisch will mich hineinziehen?“ Der Kleine hatte dagesessen und geangelt, und unglücklicherweise hatte der Wind seinen Bart mit der Angelschnur verflochten; als gleich darauf ein großer Fisch anbiss, fehlten dem schwachen Geschöpf die Kräfte, ihn herauszuziehen: der Fisch behielt die Oberhand und riss den Zwerg zu sich hin. Zwar hielt er sich an allen Halmen und Binsen, aber das half nicht viel, er musste den Bewegungen des Fisches folgen und war in beständiger Gefahr, ins Wasser gezogen zu werden.

Die Mädchen kamen zu rechter Zeit, hielten ihn fest und versuchten, den Bart von der Schnur loszumachen, aber vergebens, Bart und Schnur waren fest ineinander verwirrt. Es blieb nichts übrig, als das Scherchen hervorzuholen und den Bart abzuschneiden, wobei ein kleiner Teil desselben verlorenging. Als der Zwerg das sah, schrie er sie an: „Ist das Manier, ihr Lorche, einem das Gesicht zu schänden? Nicht genug, dass ihr mir den Bart unten abgestutzt habt, jetzt schneidet ihr mir den besten Teil davon ab: ich darf mich vor den Meinigen gar nicht sehen lassen. Dass ihr laufen müsstet und die Schuhsohlen verloren hättet!“ Dann holte er einen Sack Perlen, der im Schilfe lag, und ohne ein Wort weiter zu sagen, schleppte er ihn fort und verschwand hinter einem Stein.

Es trug sich zu, dass bald hernach die Mutter die beiden Mädchen nach der Stadt schickte, Zwirn, Nadeln, Schnüre und Bänder einzukaufen. Der Weg führte sie über eine Heide, auf der hier und da mächtige Felsenstücke zerstreut lagen. Da sahen sie einen großen Vogel in der Luft schweben, der langsam über ihnen kreiste, sich immer tiefer herabsenkte und endlich nicht weit bei einem Felsen niederstieß. Gleich darauf hörten sie einen durchdringenden, jämmerlichen Schrei. Sie liefen herzu und sahen mit Schrecken, dass der Adler ihren alten Bekannten, den Zwerg, gepackt hatte und ihn forttragen wollte. Die mitleidigen Kinder hielten gleich das Männchen fest und zerrten sich so lange mit dem Adler herum, bis er seine Beute fahren ließ. Als der Zwerg sich von dem ersten Schrecken erholt hatte, schrie er mit einer kreischenden Stimme: „Konntet ihr nicht säuberlicher mit mir umgehen? Gerissen habt ihr an meinem dünnen Röckchen, dass es überall zerfetzt und durchlöchert ist, unbeholfenes und läppisches Gesindel, das ihr seid!“ Dann nahm er einen Sack mit Edelsteinen und schlüpfte wieder unter den Felsen in seine Höhle.

Die Mädchen waren an seinen Undank schon gewöhnt, setzten ihren Weg fort und verrichteten ihr Geschäft in der Stadt. Als sie beim Heimweg wieder auf die Heide kamen, überraschten sie den Zwerg, der auf einem reinlichen Plätzchen seinen Sack mit Edelsteinen ausgeschüttet und nicht gedacht hatte, dass so spät noch jemand daherkommen würde. Die Abendsonne schien über die glänzenden Steine, sie schimmerten und leuchteten so prächtig in allen Farben, dass die Kinder stehenblieben und sie betrachteten. „Was steht ihr da und habt Maulaffen feil!“ schrie der Zwerg, und sein aschgraues Gesicht ward zinnoberrot vor Zorn.

Schneeweisschen und Rosenrot Märchen Gebrüder GrimmBild: Oskar Herrfurth (1862-1934)

Er wollte mit seinen Scheltworten fortfahren, als sich ein lautes Brummen hören ließ und ein schwarzer Bär aus dem Walde herbeitrabte. Erschrocken sprang der Zwerg auf, aber er konnte nicht mehr zu seinem Schlupfwinkel gelangen, der Bär war schon in seiner Nähe. Da rief er in Herzensangst: „Lieber Herr Bär, verschont mich, ich will Euch alle meine Schätze geben, seht, die schönen Edelsteine, die da liegen. Schenkt mir das Leben, was habt Ihr an mir kleinen, schmächtigen Kerl? Ihr spürt mich nicht zwischen den Zähnen; da, die beiden gottlosen Mädchen packt, das sind für Euch zarte Bissen, fett wie junge Wachteln, die fresst in Gottes Namen.“ Der Bär kümmerte sich um seine Worte nicht, gab dem boshaften Geschöpf einen einzigen Schlag mit der Tatze, und es regte sich nicht mehr.

Die Mädchen waren fortgesprungen, aber der Bär rief ihnen nach: „Schneeweißchen und Rosenrot, fürchtet euch nicht, wartet, ich will mit euch gehen.“ Da erkannten sie seine Stimme und blieben stehen, und als der Bär bei ihnen war, fiel plötzlich die Bärenhaut ab, und er stand da als ein schöner Mann und war ganz in Gold gekleidet. „Ich bin eines Königs Sohn,“ sprach er, „und war von dem gottlosen Zwerg, der mir meine Schätze gestohlen hatte, verwünscht, als ein wilder Bär in dem Walde zu laufen, bis ich durch seinen Tod erlöst würde. Jetzt hat er seine wohlverdiente Strafe empfangen.“

Schneeweißchen ward mit ihm vermählt und Rosenrot mit seinem Bruder, und sie teilten die großen Schätze miteinander, die der Zwerg in seiner Höhle zusammengetragen hatte. Die alte Mutter lebte noch lange Jahre ruhig und glücklich bei ihren Kindern. Die zwei Rosenbäumchen aber nahm sie mit, und sie standen vor ihrem Fenster und trugen jedes Jahr die schönsten Rosen, weiß und rot.

Lesen Sie ein Kurz-Märchen (5 min)

Hintergründe zum Märchen „Schneeweißchen und Rosenrot“

„Schneeweißchen und Rosenrot“ ist ein deutsches Märchen. Am bekanntesten ist die von den Gebrüdern Grimm gesammelte Fassung (KHM 161). Eine ältere, etwas kürzere Version, „Der undankbare Zwerg“, stammt von Caroline Stahl (1776-1837). Dies scheint in der Tat die älteste Variante zu sein; eine frühere mündliche Fassung ist nicht bekannt, obwohl seit ihrer Veröffentlichung im Jahre 1818 mehrere gesammelt wurden. Mündliche Fassungen sind regional sehr begrenzt. Die Erzählung ist als Aarne-Thompson-Typ 426 klassifiziert („Die zwei Mädchen, der Bär und der Zwerg“).

Schneeweisschen und Rosenrot Märchen Gebrüder Grimm

„Schneeweißchen und Rosenrot“ ist in der Anthologie der deutschen Volksmärchen „Kinder- und Hausmärchen“ der Gebrüder Grimm enthalten. Die Geschichte erscheint zwar nicht in der Erstausgabe des Sammelbandes von 1812, aber in der dritten Auflage von 1837 und allen folgenden Ausgaben. Eine sehr ähnliche und etwas kürzere Geschichte mit dem Titel „Der undankbare Zweig“ erscheint 1818 in Karolina Stahls Sammelband „Fabein, Märchen und Erzählagen für Kinder“ von 1818. Es ist möglich, dass Karolina Stahl die Geschichte erfunden hat, weil vor 1818 keine Versionen davon in der Folklore bekannt sind.

Schneeweißchen und Rosenrot

Die beiden Titelfiguren der Geschichte sind zwei junge Schwestern. Im Winter kommt ein freundlicher Bär, um die Abende in der Hütte von Schneeweißchen und Rosenrot zu verbringen. Im Sommer kommen die beiden Schwestern bei drei verschiedenen Gelegenheiten einem Zwerg in Not zu Hilfe. Jedes Mal zeigt der Zwerg keine Dankbarkeit gegenüber den beiden Mädchen. Auch wenn es Schneeweißchen und Rosenrot jedes Mal gelingt, den Zwerg zu retten, zeigt er ihnen nichts als Ärger. Am Ende der Geschichte wird eine Verbindung zwischen dem Zwerg und dem Bären aufgedeckt.

Schneeweißchen und Rosenrot

Die Figur Schneeweißchen ist nicht zu verwechseln mit der Titelfigur aus dem bekannteren Märchen der Gebrüder Grimm „Schneewittchen“, das im Englischen oft als „Snow White and the Seven Dwarfs“ bezeichnet wird. Die Geschichte „Schneeweißchen und Rosenrot“ hat nichts mit dem Gebrüder Grimm Märchen „Schneewittchen“ zu tun, das 1937 die Grundlage für den Walt Disney-Zeichentrickfilm „Schneewittchen und die sieben Zwerge“ bildete. Der Name dieser Heldin lautet Schneewittchen und nicht Schneeweißchen. Beide Geschichten haben wenig gemeinsam, außer dem ähnlichen Namen.

Handlung und Zusammenfassung des Märchen

Eine alte Witwe lebt in einer Hütte in der Nähe des Waldes. Sie hat zwei Rosenbäume. Einer trägt weiße und der andere rote Rosen. Die Witwe hat auch zwei Töchter, deren Aussehen sie an die Rosen auf ihren beiden Bäumen erinnert. Deshalb werden die Mädchen Schneeweißchen und Rosenrot genannt.

Schneeweißchen und Rosenrot

Schneeweißchen und Rosenrot sind zwei kleine Mädchen, die mit ihrer Mutter, einer armen Witwe, in einem kleinen Häuschen am Waldrand leben. Die blonde Schneeweißchen ist ruhig und schüchtern und verbringt ihre Zeit am liebsten drinnen, bei der Hausarbeit und beim Lesen. Die dunkelhaarige Rosa-Rot ist freimütig, lebhaft und fröhlich und hält sich am liebsten draußen auf. Sie sind beide wohlerzogene Mädchen, die einander und ihre Mutter sehr lieb haben, und ihre Mutter hat sie auch sehr lieb.

Schneeweisschen und Rosenrot Märchen Gebrüder GrimmBild: Paul Hey (1867 – 1952)

An einem Winterabend klopft es an der Tür. Rosarot öffnet die Tür, um einen Bären vorzufinden. Zuerst hat sie schreckliche Angst, aber der Bär sagt ihr, sie solle sich nicht fürchten. „Ich bin halb erfroren und möchte mich bei Ihnen nur ein wenig aufwärmen“, sagt er. Sie lassen den Bären herein, und er legt sich vor das Feuer. Schneeweißchen und Rosarot schlagen dem Bären den Schnee vom Leib, und freunden sich schnell mit ihm an. Die alte Witwe hat Mitleid mit dem Bären und lässt ihn am Feuer sitzen. Schneeweißchen und Rosarot säubern den Schnee vom Rücken des Bären. Die Mädchen merken bald, dass der Bär keine Gefahr für sie darstellt. Sie beginnen, mit ihm zu spielen. Die alte Witwe lässt den Bären in dieser Nacht vor dem Feuer schlafen. Am Morgen verlässt der Bär das Haus und geht zurück in den verschneiten Wald. Für den Rest des Winters kommt der Bär jede Nacht zurück, und die Familie gewöhnt sich an ihn.

Schneeweißchen und Rosenrot

Schneeweißchen und Rosenrot freuen sich auf die Besuche des Bären und spielen gerne mit ihm. Als der Winter zu Ende geht, teilt der Bär Schneeweißchen mit, dass er den ganzen Sommer über nicht mehr zurückkommen wird. Er erklärt, dass er seine Schätze vor bösen Zwergen schützen müsse. Im Winter bleiben die Zwerge unter dem gefrorenen Boden gefangen. Im Sommer können sie auftauchen und Unheil anrichten. Als der Bär geht, bleibt ein Teil seines Fells an der Tür hängen. Schneeweißchen glaubt, dass sie Gold an der Stelle sieht, an der das Fell des Bären herausgerissen wurde. Kurz darauf schickt die alte Witwe Schneeweißchen und Rosenrot los, um Brennholz zu holen. Sie sehen einen Zwerg. Der Zwerg war dabei, einen umgefallenen Baum in kleine Brennholzstückchen zu zerhacken, als sein langer weißer Bart in dem Baum stecken blieb.

Schneeweißchen und Rosenrot

Schneeweißchen und Rosenrot versuchen, dem Zwerg den Bart aus dem Baum zu ziehen, sind aber nicht erfolgreich. Schließlich holt Schneeweißchen ihre Schere heraus und schneidet dem Zwerg das Ende seines Bartes ab. Anstatt sich bei den beiden Mädchen für seine Befreiung zu bedanken, beschwert sich der Zwerg wütend über den Verlust des Bartzipfels.

Ein paar Tage später werden Schneeweißchen und Rosenrot losgeschickt, um einige Fische für das Abendessen zu fangen. Sie sehen den gleichen Zwerg wieder. Diesmal hat sich sein Bart in einer Angelschnur verheddert und er riskiert, von einem großen Fisch, der das Ende der Schnur im Maul hat, ins Wasser gezogen zu werden. Schneeweißchen und Rosenrot sind nicht in der Lage, den Bart des Zwerges von der Angelschnur zu befreien. Auch hier muss eine Schere benutzt werden, um dem Zwerg etwas vom Bart abzuschneiden. Der Zwerg ist noch wütender über den weiteren Verlust seines Bartes.

Schneeweißchen und Rosenrot

Bald darauf schickt die alte Witwe Schneeweißchen und Rosenrot in die nächste Stadt zum Einkaufen. Auf dem Weg dorthin sehen sie einen Adler, der versucht, den Zwerg zu entführen. Den beiden Mädchen gelingt es, den Zwerg aus dem Griff des Adlers zu befreien. Dabei wird der Mantel des Zwerges jedoch stark zerrissen. Der Zwerg ist entsetzt über den Schaden, der an seinem Mantel entstanden ist. Er schreit die Mädchen wütend an, bevor er in ein Loch im Boden versinkt und einen Sack mit Juwelen mitnimmt.

Schneeweißchen und Rosenrot

Auf dem Rückweg aus der Stadt sehen die Mädchen den Zwerg wieder. Er hat den Inhalt seines Sackes auf den Boden gelegt und bewundert die Juwelen. Schneeweißchen und Rosenrot können nicht anders, als auch die Juwelen zu bewundern. Der Zwerg bemerkt die Mädchen und beginnt, sie anzuschreien. In diesem Moment kommt ein Bär aus dem Wald und nähert sich dem Zwerg. Diesmal hat er schreckliche Angst, denn der Bär ist dabei, ihn zu töten. Der Zwerg fleht den Bären an, ihn nicht zu fressen. Er bietet dem Bären seine Juwelen an. Er fragt den Bären, warum er einen kleinen Menschen wie ihn fressen will, und sagt: „Komm, nimm diese bösen Mädchen, sie sind zarte Leckerbissen für dich. Der Bär ignoriert die Worte des Zwerges und tötet ihn mit einem Hieb seiner Pfote.

Schneeweisschen und Rosenrot Märchen Gebrüder Grimm

Die beiden Mädchen fliehen vor Angst. Der Bär ruft ihnen zu, und sie erkennen seine Stimme. Als Schneeweißchen und Rosenrot zurückkommen, sehen sie statt eines Bären einen in Gold gekleideten jungen Mann. Der junge Mann erklärt ihnen, dass er ein Prinz sei. Der Zwerg stahl seinen Schatz und verzauberte ihn mit einem Zauber, der ihn in einen Bären verwandelte. Nun, da der Zwerg tot ist, ist der Zauber aufgehoben. Der Fluch wird mit dem Tod des Zwergs gebrochen. Schneeweißchen heiratet den Prinzen. Rose-Rot heiratet seinen Bruder. Die Mutter der Mädchen zieht zu ihnen. Sie nimmt ihre beiden Rosenbäume mit, und sie tragen weiterhin wunderschöne weiße und rote Rosen.

Adaptionen von „Schneeweißchen und Rosenrot“

„Schneeweißchen und Rosenrot“ wurde als eine Episode der japanischen Anime-Serie Grimms Märchenklassiker adaptiert (japanisch: グリム名作劇場; Gurimu Meisaku Gekijō). Die Episode wurde erstmals am 16. Dezember 1987 im TV Asahi ausgestrahlt. Der preisgekrönte Fantasy-Roman „Tender Morsels“ der australischen Autorin Margo Lanagan aus dem Jahr 2008 ist eine Adaption von „Schneeweißchen und Rosenrot“.

Schneeweißchen und rosarot

Obwohl es in den Schriften der Gebrüder Grimm keine direkte Verbindung zwischen der Geschichte „Schneeweißchen und Rosenrot“ und der „Schneewittchen“ Geschichte gibt, sind in der neueren Populärkultur Verbindungen zwischen den beiden Geschichten hergestellt worden. In dem amerikanischen Fernsehfilm „Snow White: The Fairest of Them All“ (der am 11. März 2002 zum ersten Mal auf ABC ausgestrahlt wurde und in Europa und im Nahen Osten in die Kinos kam) wird „Schneeweißchen und Rosenrot“ erwähnt, als ein Prinz in einen Bären verwandelt wird.

Schneeweißchen und Rosenrot

In der amerikanischen Comicserie Fables (die zwischen 2002 und 2015 von DC Comics unter dem Namen Vertigo veröffentlicht wurde) hat die berühmte Schneeweißchen-Figur eine weniger bekannte Zwillingsschwester namens Rose Red. In der Videospielserie „Dark Parables“ hat Schneeweißchen einen Zwillingsbruder namens Rose Red. In der amerikanischen Fernsehserie Once Upon a Time, die ursprünglich zwischen dem 23. Oktober 2011 und dem 18. Mai 2018 auf ABC ausgestrahlt wurde, ist die Freundschaft zwischen Schneeweißchen und Rotkäppchen eine Anspielung auf „Schneeweißchen und Rosenrot“.

Informationen für wissenschaftliche Analysen


Statistiken zum Märchen
Wert
NummerKHM 161
Aarne-Thompson-Uther-IndexATU Typ 426
Übersetzungen english
Lesbarkeitsindex nach Amstad67.1
Lesbarkeitsindex nach Björnsson43.3
Flesch-Reading-Ease Index53.5
Flesch–Kincaid Grade-Level11.6
Gunning Fog Index12.1
Coleman–Liau Index12
SMOG Index12
Automated Readability Index12
Zeichen-Anzahl14.007
Anzahl der Buchstaben11.220
Anzahl der Sätze97
Wortanzahl2.255
Durchschnittliche Wörter pro Satz23,25
Wörter mit mehr als 6 Buchstaben453
Prozentualer Anteil von langen Wörtern20.1%
Silben gesamt3.457
Durchschnittliche Silben pro Wort1,53
Wörter mit drei Silben228
Prozentualer Anteil von Wörtern mit drei Silben10.1%

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