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Brüderchen und Schwesterchen
Brüderchen und Schwesterchen Märchen

Brüderchen und Schwesterchen - Märchen der Gebrüder Grimm

Vorlesezeit für Kinder: 18 min

Brüderchen nahm sein Schwesterchen an der Hand und sprach: „Seit die Mutter tot ist, haben wir keine gute Stunde mehr. Die Stiefmutter schlägt uns alle Tage, und wenn wir zu ihr kommen, stößt sie uns mit den Füßen fort. Die harten Brotkrusten, die übrig bleiben, sind unsere Speise, und dem Hündlein unter dem Tisch geht’s besser, dem wirft sie doch manchmal einen guten Bissen zu. Dass Gott erbarm! Wenn das unsere Mutter wüsste! Komm, wir wollen miteinander in die weite Welt gehen!“ Sie gingen den ganzen Tag über Wiesen, Felder und Steine, und wenn es regnete, sprach das Schwesterchen: „Gott und unsere Herzen, die weinen zusammen!“ Abends kamen sie in einen großen Wald und waren so müde von Jammer, Hunger und dem langen Weg, dass sie sich in einen hohlen Baum setzten und einschliefen.

Am anderen Morgen, als sie aufwachten, stand die Sonne schon hoch am Himmel und schien heiß in den Baum hinein. Da sprach das Brüderchen: „Schwesterchen, mich durstet‘s, wenn ich ein Brünnlein wüsste, ich ging und trank einmal; ich mein, ich hört eins rauschen.“ Brüderchen stand auf, nahm Schwesterchen an der Hand, und sie wollten das Brünnlein suchen. Die böse Stiefmutter aber war eine Hexe und hatte wohl gesehen, wie die beiden Kinder fortgegangen waren, war ihnen nachgeschlichen, heimlich, wie die Hexen schleichen, und hatte alle Brunnen im Walde verwünscht. Als sie nun ein Brünnlein fanden, dass so glitzerig über die Steine sprang, wollte das Brüderchen daraus trinken. Aber das Schwesterchen hörte, wie es im Rauschen sprach: „Wer aus mir trinkt, wird ein Tiger, wer aus mir trinkt, wird ein Tiger.“ – Da rief das Schwesterchen: „Ich bitte dich, Brüderlein, trink nicht, sonst wirst du ein wildes Tier und zerreißest mich!“

Das Brüderchen trank nicht, ob es gleich so großen Durst hatte, und sprach: „Ich will warten, bis zur nächsten Quelle.“ Als sie zum zweiten Brünnlein kamen, hörte das Schwesterchen, wie auch dieses sprach: „Wer aus mir trinkt, wird ein Wolf, wer aus mir trinkt, wird ein Wolf.“ Da rief das Schwesterchen: „Brüderchen, ich bitte dich, trink nicht, sonst wirst du ein Wolf und frisst mich!“ – Das Brüderchen trank nicht und sprach: „Ich will warten, bis wir zur nächsten Quelle kommen, aber dann muss ich trinken, du magst sagen, was du willst, mein Durst ist gar zu groß.“ Und als sie zum dritten Brünnlein kamen, hörte das Schwesterlein, wie es im Rauschen sprach: „Wer aus mir trinkt, wird ein Reh; wer aus mir trinkt, wird ein Reh.“ Das Schwesterchen sprach: „Ach Brüderchen, ich bitte dich, trink nicht, sonst wirst du ein Reh und läufst mir fort.“ Aber das Brüderchen hatte sich gleich beim Brünnlein niedergekniet, hinabgebeugt und von dem Wasser getrunken und wie die ersten Tropfen auf seine Lippen gekommen waren, lag es da als ein Rehkälbchen.

Brüderchen und Schwesterchen MärchenBild: George Hinke (1883 – 1953)

Nun weinte das Schwesterchen über das arme verwünschte Brüderchen, und das Rehchen weinte auch und saß so traurig neben ihm. Da sprach das Mädchen endlich: „Sei still, liebes Rehchen, ich will dich ja nimmermehr verlassen.“ Dann band es sein goldenes Strumpfband ab, tat es dem Rehchen um den Hals und rupfte Binsen und flocht ein weiches Seil daraus. Daran band es das Tierchen und führte es weiter und ging immer tiefer in den Wald hinein. Und als sie lange, lange gegangen waren, kamen sie endlich an ein kleines Haus, und das Mädchen schaute hinein, und weil es leer war, dachte es: Hier können wir bleiben und wohnen. Da suchte es dem Rehchen Laub und Moos zu einem weichen Lager, und jeden Morgen ging es aus und sammelte sich Wurzeln, Beeren und Nüsse, und für das Rehchen brachte es zartes Gras mit, das fraß es ihm aus der Hand, war vergnügt und spielte vor ihm herum. Abends wenn Schwesterchen müde war und sein Gebet gesagt hatte, legte es seinen Kopf auf den Rücken des Rehkälbchens, das war sein Kissen, darauf es sanft einschlief. Und hätte das Brüderchen nur seine menschliche Gestalt gehabt, es wäre ein herrliches Leben gewesen.

Das dauerte eine Zeitlang, dass sie so allein in der Wildnis waren. Es trug sich aber zu, dass der König des Landes eine große Jagd in dem Wald hielt. Da schallte das Hörnerblasen, Hundegebell und das lustige Geschrei der Jäger durch die Bäume, und das Rehlein hörte es und wäre gar zu gerne dabei gewesen. „Ach!“ sprach es zu dem Schwesterlein, „lasst mich hinaus in die Jagd, ich kann’s nicht länger mehr aushalten!“ und bat so lange, bis es einwilligte. „Aber,“ sprach es zu ihm, „komm mir ja abends wieder, vor den wilden Jägern schließ ich mein Türlein; und damit ich dich kenne, so klopf und sprich: „Mein Schwesterlein, lass mich herein!“ Und wenn du nicht so sprichst, so schließ ich mein Türlein nicht auf.“ Nun sprang das Rehchen hinaus, und war ihm so wohl und war so lustig in freier Luft. Der König und seine Jäger sahen das schöne Tier und setzten ihm nach, aber sie konnten es nicht einholen und wenn sie meinten, sie hätten es gewiss, da sprang es über das Gebüsch weg und war verschwunden.

Brüderchen und Schwesterchen MärchenBild: George Hinke (1883 – 1953)

Als es dunkel ward, lief es zu dem Häuschen, klopfte und sprach: „Mein Schwesterchen, lass mich herein!“ Da ward ihm die kleine Tür auf getan, es sprang hinein und ruhte sich die ganze Nacht auf seinem weichen Lager aus. Am anderen Morgen ging die Jagd von neuem an, und als das Rehlein das Hifthorn hörte und das „Ho, Ho!“ der Jäger, da hatte es keine Ruhe und sprach: „Schwesterchen, mach mir auf, ich muss hinaus.“ Das Schwesterchen öffnete ihm die Türe und sprach: „Aber zum Abend musst du wieder da sein und dein Sprüchlein sagen,“ Als der König und seine Jäger das Rehlein mit dem goldenen Halsband wieder sahen, jagten sie ihm alle nach, aber es war ihnen zu schnell und behänd.

Brüderchen und Schwesterchen MärchenBild: George Hinke (1883 – 1953)

Das währte den ganzen Tag, endlich aber hatten es die Jäger abends umzingelt, und einer verwundete es ein wenig am Fuß, so dass es hinken musste und langsam fortlief. Da schlich ihm ein Jäger nach bis zu dem Häuschen und hörte, wie es rief: „Mein Schwesterlein, lass mich herein!“ und sah, dass die Tür ihm auf getan und alsbald wieder zugeschlossen ward. Der Jäger behielt das alles wohl im Sinn, ging zum König und erzählte ihm, was er gesehen und gehört hatte. Da sprach der König: „Morgen soll noch einmal gejagt werden!“

Das Schwesterchen aber erschrak gewaltig, als es sah, dass sein Rehkälbchen verwundet war. Es wusch ihm das Blut ab, legte Kräuter auf und sprach: „Geh auf dein Lager, lieb Rehchen, dass du wieder heil wirst.“ Die Wunde aber war so gering, dass das Rehchen am Morgen nichts mehr davon spürte. Und als es die Jagdlust wieder draußen hörte, sprach es: „Ich kann’s nicht aushalten, ich muss dabei sein; so bald soll mich keiner kriegen!“ Das Schwesterchen weinte und sprach: „Nun werden sie dich töten, und ich bin hier allein im Walde und bin verlassen von aller Welt. Ich lass dich nicht hinaus.“ – „So sterbe ich dir hier vor Betrübnis,“ antwortete das Rehchen, „wenn ich das Hifthorn höre, so mein ich, ich müsst“ aus den Schuhen springen!“ Da konnte das Schwesterchen nicht anders und schloss ihm mit schwerem Herzen die Tür auf, und das Rehchen sprang gesund und fröhlich in den Wald.

Als es der König erblickte, sprach er zu seinen Jägern: „Nun jagt ihm nach den ganzen Tag bis in die Nacht, aber dass ihm keiner etwas zuleide tut!“ Sobald die Sonne untergegangen war, sprach der König zum Jäger: „Nun komm und zeige mir das Waldhäuschen!“ Und als er vor dem Türlein war, klopfte er an und rief: „Lieb Schwesterlein, lass mich herein!“ Da ging die Tür auf, und der König trat herein, und da stand ein Mädchen, das war so schön, wie er noch keins gesehen hatte. Das Mädchen erschrak, als es sah, dass nicht sein Rehlein, sondern ein Mann hereinkam, der eine goldene Krone auf dem Haupt hatte.

Brüderchen und Schwesterchen MärchenBild: George Hinke (1883 – 1953)

Aber der König sah es freundlich an, reichte ihm die Hand und sprach: „Willst du mit mir gehen auf mein Schloss und meine liebe Frau sein?“ – „Ach ja,“ antwortete das Mädchen, „aber das Rehchen muss auch mit, das verlass ich nicht.“ Sprach der König: „Es soll bei dir bleiben, solange du lebst, und soll ihm an nichts fehlen.“ Indem kam es hereingesprungen, da band es das Schwesterchen wieder an das Binsenseil, nahm es selbst in die Hand und ging mit ihm aus dem Waldhäuschen fort. Der König nahm das schöne Mädchen auf sein Pferd und führte es in sein Schloss, wo die Hochzeit mit großer Pracht gefeiert wurde, und war es nun die Frau Königin, und lebten sie lange Zeit vergnügt zusammen; das Rehlein ward gehegt und gepflegt und sprang in dem Schlossgarten herum.

Brüderchen und Schwesterchen MärchenBild: George Hinke (1883 – 1953)

Die böse Stiefmutter aber, um derentwillen die Kinder in die Welt hineingegangen waren, die meinte nicht anders, als Schwesterchen wäre von den wilden Tieren im Walde zerrissen worden und Brüderchen als ein Rehkalb von den Jägern totgeschossen. Als sie nun hörte, dass sie so glücklich waren, und es ihnen so wohl ging, da wurden Neid und Missgunst in ihrem Herzen rege und ließen ihr keine Ruhe, und sie hatte keinen anderen Gedanken, als wie sie die beiden doch noch ins Unglück bringen könnte. Ihre rechte Tochter, die hässlich war wie die Nacht und nur ein Auge hatte, die machte ihr Vorwürfe und sprach: „Eine Königin zu werden, das Glück hätte mir gebührt.“ – „Sei nur still,“ sagte die Alte und sprach sie zufrieden, „wenn’s Zeit ist, will ich schon bei der Hand sein.“ Als nun die Zeit herangerückt war und die Königin ein schönes Knäblein zur Welt gebracht hatte und der König gerade auf der Jagd war, nahm die alte Hexe die Gestalt der Kammerfrau an, trat in die Stube, wo die Königin lag, und sprach zu der Kranken: „Kommt, das Bad ist fertig, das wird Euch wohl tun und frische Kräfte geben. Geschwind, eh es kalt wird!“ Ihre Tochter war auch bei der Hand, sie trugen die schwache Königin in die Badstube und legten sie in die Wanne, dann schlossen sie die Tür ab und liefen davon. In der Badstube aber hatten sie ein rechtes Höllenfeuer angemacht, dass die schöne junge Königin bald ersticken musste.

Als das vollbracht war, nahm die Alte ihre Tochter, setzte ihr eine Haube auf und legte sie ins Bett an der Königin Stelle. Sie gab ihr auch die Gestalt und das Aussehen der Königin; nur das verlorene Auge konnte sie ihr nicht wiedergeben. Damit es aber der König nicht merkte, musste sie sich auf die Seite legen, wo sie kein Auge hatte. Am Abend, als er heim kam und hörte, dass ihm ein Söhnlein geboren war, freute er sich herzlich, und wollte ans Bett seiner lieben Frau gehen und sehen, was sie machte. Da rief die Alte geschwind: „Beileibe, lasst die Vorhänge zu, die Königin darf noch nicht ins Licht sehen und muss Ruhe haben!“ Der König ging zurück und wusste nicht, dass eine falsche Königin im Bette lag.

Brüderchen und Schwesterchen MärchenBild: George Hinke (1883 – 1953)

Als es aber Mitternacht war und alles schlief, da sah die Kinderfrau, die in der Kinderstube neben der Wiege saß und allein noch wachte, wie die Türe aufging und die rechte Königin hereintrat. Sie nahm das Kind aus der Wiege, legte es in ihren Arm und gab ihm zu trinken. Dann schüttelte sie ihm sein Kisschen, legte es wieder hinein und deckte es mit dem Deckbettchen zu. Sie vergaß aber auch das Rehchen nicht, ging in die Ecke, wo es lag, und streichelte ihm über den Rücken. Darauf ging sie ganz stillschweigend wieder zur Tür hinaus, und die Kinderfrau fragte am anderen Morgen die Wächter, ob jemand während der Nacht ins Schloss gegangen wäre. Aber sie antworteten: „Nein, wir haben niemand gesehen.“

So kam sie viele Nächte und sprach niemals ein einziges Wort dabei; die Kinderfrau sah sie immer, aber sie getraute sich nicht, jemand etwas davon zu sagen.

Als nun so eine Zeit verflossen war, da hub die Königin in der Nacht an zu reden und sprach:

„Was macht mein Kind? Was macht mein Reh?
Nun komm ich noch zweimal und dann nimmermehr.“

Die Kinderfrau antwortete ihr nicht, aber als sie wieder verschwunden war, ging sie zum König und erzählte ihm alles. Sprach der König: „Ach Gott! Was ist das! Ich will in der nächsten Nacht bei dem Kinde wachen.“ Abends ging er in die Kinderstube, aber um Mitternacht erschien die Königin wieder und sprach:

„Was macht mein Kind? Was macht mein Reh?
Nun komm ich noch einmal und dann nimmermehr.“

Und pflegte dann des Kindes, wie sie gewöhnlich tat, ehe sie verschwand. Der König getraute sich nicht, sie anzureden, aber er wachte auch in der folgenden Nacht. Sie sprach abermals:

„Was macht mein Kind? Was macht mein Reh?
Nun komm ich noch diesmal und dann nimmermehr.“

Da konnte sich der König nicht zurückhalten, sprang zu ihr und sprach: „Du kannst niemand anders sein, als meine liebe Frau!“ Da antwortete sie: „Ja, ich bin deine Frau,“ und hatte in dem Augenblick durch Gottes Gnade das Leben wiedererhalten, war frisch, rot und gesund. Darauf erzählte sie dem König den Frevel, den die böse Hexe und ihre Tochter an ihr verübt hatten. Der König ließ beide vor Gericht führen, und es ward ihnen das Urteil gesprochen. Die Tochter ward in den Wald geführt, wo sie die wilden Tiere zerrissen, die Hexe aber ward ins Feuer gelegt und musste jammervoll verbrennen. Und wie sie zu Asche verbrannt war, verwandelte sich das Rehkälbchen und erhielt seine menschliche Gestalt wieder; Schwesterchen und Brüderchen aber lebten glücklich zusammen bis an ihr Ende.

Lesen Sie ein Kurz-Märchen (5 min)

Hintergründe zum Märchen „Brüderchen und Schwesterchen“

„Brüderchen und Schwesterchen“ ist ein europäisches Märchen, das u.a. von den Brüdern Grimm (KHM 11) niedergeschrieben wurde. Es ist als Aarne-Thompson Typ 450 klassifiziert. Es ist in „Kinder- und Hausmärchen“ enthalten, der 1812 von den Brüdern Grimm zusammengestellten Anthologie deutscher Volksmärchen. Eine leicht abgewandelte Version der Grimmschen Geschichte erscheint auch in „The Red Fairy Book“, der Märchensammlung des schottischen Volkskundlers Andrew Lang aus dem Jahr 1890. In Russland ist die Geschichte als Schwester Alionuschka, Bruder Iwanuschka bekannt und wurde von Alexander Afanassjew veröffentlicht. Das Märchen wurde für andere Medien, darunter Film und Fernsehen, adaptiert.

Brüderchen und Schwesterchen MärchenBild: Carl Offterdinger (1829 – 1889)

Die erste Dokumentation der Geschichte findet sich in der Giambattista Basiles Pentamerone um 17 Jh. wieder. Sie wurde als die Geschichte von Ninnillo und Nennella niedergeschrieben. Seitdem ist es in einer Reihe von europäischen Ländern unter verschiedenen Titeln verbreitet worden. Eine kürzere Version der Erzählung wurde von den Gebrüdern Grimm 1812 in der ersten Ausgabe von Kinder- und Hausmärchen veröffentlicht, dann in der zweiten Ausgabe (1819) wesentlich erweitert und überarbeitet. Ihre Version basiert auf dem Bericht der deutschen Erzählerin Marie Hassenpflug (1788-1856).

Zuweilen wurde „Brüderchen und Schwesterchen“ mit Hänsel und Gretel verwechselt, das auch unter dem alternativen Titel „Kleiner Bruder und Kleine Schwester“ bekannt war. Die Grimms wählten „Hänsel und Gretel“ als Namen zur Abgrenzung aus und behielten den Titel „Brüderchen und Schwesterchen“ für diese Erzählung bei. Einige Publikationen des Märchens von Hänsel und Gretel verwenden immer noch den Titel „Kleiner Bruder und kleine Schwester“, was bei einigen Lesern Verwirrung stiftet.

Märchen, die der Geschichte ähneln, gibt es in der Folklore mehrerer europäischer, asiatischer und afrikanischer Länder. Die früheste bekannte schriftliche Erzählung, ist „Nennillo und Nennella“, die vom italienischen Schriftsteller Giambattista Basile in seiner Anthologie „Pentamerone“ 1635 erstmals veröffentlicht wurde. Basils Geschichte kann auch als ein Vorläufer von Grimms „Hänsel und Gretel“ und Charles Perraults „Hop-o‘-My-Thumb“ betrachtet werden.

Brüderchen und Schwesterchen

Die Handlung von „Brüderchen und Schwesterchen“ wird in Gang gesetzt, als die beiden Titelfiguren der Geschichte beschließen, vor ihrer Stiefmutter wegzulaufen. Die Stiefmutter entpuppt sich als Hexe, die den fliehenden Bruder bestraft, indem sie ihn in ein Reh verwandelt. Trotz der Verwandlung des Bruders leben er und seine Schwester eine Zeit lang glücklich in einer Hütte im Wald. Als der König im Wald jagen geht, trifft er die Schwester. Er verliebt sich in sie, heiratet sie und sie haben einen Sohn. Die Hexenstiefmutter erfährt davon. Sie hasst ihre Stiefkinder immer noch und kann den Gedanken nicht ertragen, dass sie glücklich sind. Sie ist entschlossen, dem Glück ihrer Stieftochter ein Ende zu setzen.

Handlung des Märchen „Brüderchen und Schwesterchen“

Die Geschwister leben bei ihrer Stiefmutter, die sie ständig schlecht behandelt. Sie beschließen in den Wald zu fliehen. Die Stiefmutter ist eine Hexe, die ihre Stiefkinder für die Flucht bestrafen will. Sie folgt ihnen heimlich. Sie verhext drei Bäche, so dass, wer aus dem ersten trinkt, in einen Tiger verwandelt wird, wer aus dem zweiten trinkt, in einen Wolf und wer aus dem dritten trinkt, in einen Hirsch verwandelt wird. Die Schwester hört dem Wispern der Bäche aufmerksam zu und erfährt das die Bäche verhext sind. Sie sagt dem Bruder, er solle nicht aus ihnen trinken. Als sie den dritten Bach erreichen, ist Bruder jedoch zu durstig, er kann nicht widerstehen und trinkt. Er verwandelt sich augenblicklich in ein Reh, obwohl er die Fähigkeit zu sprechen behält. Die Schwester sagt dem Bruder, dass sie bei ihm bleiben wird. Sie gibt ihm ihr goldenes Halsband. Schwester und Bruder finden eine verlassene Hütte im Wald. Sie leben dort für einige Zeit glücklich und zufrieden.

Brüderchen und Schwesterchen MärchenBild: Paul Hey (1867 – 1952)

Der König beschließt, eine Reihe von Jagden im Wald zu veranstalten. Der Bruder hört den Klang der Hörner und der Hunde und ist aufgeregt. Er beschließt, dass er hinausgehen und vor den Jägern weglaufen will. Die Schwester willigt widerwillig ein, und lässt ihn gehen. Da die Schwester nicht will, dass Jäger in die Hütte kommen, sagt sie dem Bruder, er soll abends zurückkehren, an die Tür klopfen und sagen: „Meine kleine Schwester, lass mich herein“. An zwei aufeinanderfolgenden Tagen rennt der Hirsch mit dem goldenen Halsband vor den Jägern weg und kommt abends wieder in die Hütte. Am dritten Tag folgt einer der Jäger dem Reh zu Hütte und hört ihn sagen: „Meine kleine Schwester, lass mich rein“. Der Jäger erzählt dem König, was er erfahren hat. Der König sagt, dass sie am nächsten Tag das Reh mit dem goldenen Halsband jagen sollen, aber darauf achten sollen, ihn nicht zu erlegen.

Bei Sonnenuntergang am folgenden Tag geht der König zur Hütte. Er klopft an die Tür und sagt: „Meine kleine Schwester, lass mich herein“. Er ist sofort von der Schönheit der jungen Frau beeindruckt, die die Tür öffnet. Er bittet sie, ihn zu heiraten, mit ihm in den Palast zu kommen und seine Königin zu sein. Sie antwortet, dass sie den König heiraten wird, wenn der Hirsch auch im Palast mit ihnen leben kann. Der König stimmt dem zu.

Brüderchen und Schwesterchen MärchenBild: Paul Hey (1867 – 1952)

Die Königin gebiert einen Sohn. Die Hexen-Stiefmutter erfährt davon. Sie hasst ihre Stiefkinder immer noch und kann den Gedanken nicht ertragen, dass sie glücklich sind. Sie und ihre einäugige Tochter verkleiden sich als Dienerinnen und dringen in das Schloss ein. Sie töten die Königin. Die Hexe benutzt einen Zauberspruch, um ihre Tochter wie die Königin aussehen zu lassen. Sie ist jedoch nicht in der Lage, ihrer Tochter ein zweites Auge zu geben. Aus diesem Grund bleibt die Tochter der Hexe im Bett und legt sich auf die Seite, auf der ihr Auge fehlt. Um Mitternacht erscheint das Gespenst der Königin. Sie wird von der Amme ihres Sohnes gesehen, die zu dieser Zeit die einzige wache Person im Palast ist. Das Gespenst hebt ihren kleinen Sohn auf und streichelt den Hirsch, der ihr Bruder ist.

Brüderchen und Schwesterchen MärchenBild: Paul Hey (1867 – 1952)

Nachdem der Geist der Königin mehrere Nächte lang erneut erschient, teilt der Geist der Amme mit, dass sie nur noch zwei weitere Male erscheinen wird. Die Amme erzählt es dem König. Der König wartet und hört das Gespenst sagen, dass sie nur noch einmal erscheinen wird, traut sich aber nicht, mit ihr zu sprechen. In der darauffolgenden Nacht wartet der König erneut und schaut wieder zu. Er hört das Gespenst sagen, dass sie nie wieder erscheinen wird. Der König sagt zu dem Gespenst, dass sie seine Frau sein müsse. Das Gespenst antwortet ihm, dass sie es ist. In diesem Moment erlaubt Gott der Königin, ins Leben zurückzukehren. Die Königin erzählt dem König, dass sie von ihrer Hexen-Stiefmutter und Stiefschwester getötet wurde. Sie werden für ihr Verbrechen hingerichtet. Als die Hexe stirbt, wird der Zauber des Bruders, gebrochen und er nimmt wieder eine menschliche Gestalt an.

Analyse und Interpretation von „Brüderchen und Schwesterchen“

Die Geschichte „Brüderchen und Schwesterchen“ ähnelt anderen AT-450 Erzählungen, wie z.B. „Das Lämmchen und der kleine Fisch“. In diesem Märchen, wie auch in „Die Zwölf Brüder“, „Die sieben Raben“ und „Die sechs Schwäne“, rettet eine Frau ihren Bruder. In der Epoche und in der Region, in der die Märchen erzählt wurden, wurden viele Männer von Königen zum Wehrdienst eingezogen und als Söldner entsandt. Infolgedessen machten viele Väter ihre Tochter zu ihren Erben. Sie übten jedoch auch mehr Kontrolle über sie und ihre Ehen aus. Die Geschichten wurden von den Frauen als Wunsch nach der Rückkehr ihrer Brüder interpretiert, um sie von dieser Kontrolle zu befreien. Die Frage, wann die Geschichten erzählt wurden, ist jedoch unklar. Geschichten dieser Art sind in vielen anderen Kulturen gefunden worden.

Brüderchen und Schwesterchen MärchenBild: Carl Offterdinger (1829 – 1889)

Die moderne Psychoanalyse interpretiert die Beziehung zwischen Bruder und Schwester in dieser Geschichte als eine Metapher für die animalische und spirituelle Dualität im Menschen. Der Bruder repräsentiert die instinktive und die Schwester die rationale Seite. Als die Geschichte beginnt, befinden sich die beiden Kinder noch in ihrer Jugend und offensichtlich in einem Konflikt über die Entscheidungen des jeweils anderen. Der Bruder kann seinen Drang, aus der Quelle zu trinken, nicht kontrollieren und wird anschließend „bestraft“, indem er in ein Reh verwandelt wird. Beachten Sie dann die symbolische Geste, mit der das Mädchen die Goldkette um den Hals des Bruders bindet, als wolle es eine Zähmung der animalischen Seite erreichen. Es folgt eine Periode relativen Glücks, in der die beiden Seiten in Harmonie miteinander leben. In diesem Zusammenhang könnte man Bruder und Schwester als ein verschleiertes Coming-of-Age Märchen betrachten. In dieser Geschichte wird die animalische Seite mit der männlichen und die spirituell/rationale Seite mit der weiblichen Seite assoziiert.

Zu den zeitgenössischen literarischen Werken, die sich auf dieses Märchen und seine analytischen Themen stützen, gehören „In the Night Country“, eine Geschichte von Ellen Steiber, „Brother and Sister“, ein Gedicht von Terri Windling, und „Sister and Brother“, ein Gedicht von Barth Anderson.

Adaptionen von „Brüderchen und Schwesterchen“

„Brüderchen und Schwesterchen“ wurde verfilmt und 1953 veröffentlicht.

Die zwölfte Episode der zweiten Staffel der japanischen Serie Grimms Märchenklassiker ist eine Adaption von „Brüderchen und Schwesterchen“. Sie wurde erstmals am 25. Dezember 1988 auf TV Asahi in Japan ausgestrahlt.

Brüderchen und Schwesterchen Märchen

„Brüderchen und Schwesterchen“ wurde als dreizehnte und letzte Episode der ersten Staffel der deutschen Zeichentrickserie Simsala Grimm adaptiert. Die Episode wurde ursprünglich am 17. November 1995 auf dem Kanal „Kinderkanal“ in Deutschland ausgestrahlt.

Ein einstündiger Film auf der Grundlage von „Brüderchen und Schwesterchen“ wurde am 20. Dezember 2008 erstmals auf dem Kanal „Das Erste“ in Deutschland ausgestrahlt.

Skulpturen, die Figuren aus „Brüderchen und Schwesterchen“ darstellen, befinden sich in zwei Parks in Berlin, Deutschland. Die Skulpturen schmücken den Märchenbrunnen im Volkspark Friedrichshan. Kalksteinskulpturen mit Figuren aus der Geschichte wurden 1970 von der deutschen Künstlerin Katharina Szelinski-Singer geschaffen. Sie zieren den Märchenbrunnen im Schulenburgpark.

Die deutsche Comic-Zeichnerin Inga Steinmetz adaptierte „Brüderchen und Schwesterchen“ als Graphic Novel im Manga-Stil, der 2011 erstmals veröffentlicht wurde.

Zusammenfassung des Märchen

Müde von den grausamen Behandlungen, die sie von ihrer bösen Stiefmutter, die auch eine Hexe ist, erdulden müssen, laufen Bruder und Schwester von zu Hause weg, wandern im Land umher und verbringen die Nacht im Wald. Am Morgen hat der Junge Durst, und so machen sich die Kinder auf die Suche nach einer Quelle mit klarem Wasser. Doch ihre Stiefmutter hat ihre Flucht bereits entdeckt und alle Quellen im Wald verhext. Der Junge ist gerade dabei, aus einer Quelle zu trinken, als seine Schwester hört, wie eine Stimme sagt: „Wer von mir trinkt, wird ein Tiger“.

Brüderchen und Schwesterchen Märchen

Verzweifelt fleht das Mädchen Ihren Bruder an, nicht aus der Quelle zu trinken, damit er sich nicht in einen Tiger verwandelt und sie in Stücke reißt. So setzen sie ihren Weg fort, aber als sie zur zweiten Quelle kommen, hört das Mädchen: „Wer von mir trinkt, wird ein Wolf werden“. Wieder versucht sie verzweifelt, ihren Bruder daran zu hindern, daraus zu trinken. Widerwillig stimmt er schließlich ihren Bitten zu, besteht aber darauf, dass er aus der nächsten Quelle trinkt, der sie begegnen. Und so kommen sie an der dritten Quelle an, und das Mädchen hört das rauschende Wasser sagen: „Wer von mir trinkt, wird ein Reh werden“. Aber es ist zu spät, denn ihr Bruder hat bereits daraus getrunken und verwandelt sich in ein Reh.

Als sich das anfängliche Gefühl der Verzweiflung auflöst, beschließen die Kinder, für immer im Wald zu leben. Das Mädchen kümmert sich um ihren Bruder und bindet ihm ihre Goldkette um den Hals. Sie ziehen in ein kleines Haus tief im Wald und leben dort einige Jahre lang glücklich, bis sie eines Tages von einer Jagdgesellschaft und dem König selbst, der dem fremden Reh nach Hause gefolgt ist, gestört werden. Als er das schöne Mädchen sieht, bittet er sie sofort, ihn zu heiraten, und sie akzeptiert. So wurde sie Königin, und sie alle leben glücklich im Schloss des Königs. Die Zeit vergeht, und die Königin bringt einen Sohn zur Welt.

Brüderchen und Schwesterchen Märchen

Ihre Stiefmutter entdeckt jedoch bald, dass sie noch am Leben sind, und schmiedet ein Komplott gegen sie. Eines Nachts tötet sie die Königin und ersetzt sie durch ihre eigene entstellte Tochter, die sie so verwandelt hat, dass sie ihr ähnelt. Als der Geist der Königin in drei aufeinanderfolgenden Nächten heimlich das Bett ihres Babys besucht, wird der König davon in Kenntnis gesetzt und der böse Plan ihrer Stiefmutter aufgedeckt. Die Königin erwacht wieder zum Leben, als der König sie umarmt, und ihre Stieffamilie wird für ihre Verbrechen vor Gericht gestellt. Die Tochter wird in die Wälder verbannt und von wilden Tieren in Stücke gerissen, und die Stiefmutter wird auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Genau im Moment ihres Todes wird das Reh wieder zum Menschen, und endlich ist die Familie wieder vereint, die glücklich und zufrieden weiterlebt.

Informationen für wissenschaftliche Analysen


Statistiken zum Märchen
Wert
NummerKHM 11
Aarne-Thompson-Uther-IndexATU Typ 450
Übersetzungen english
Lesbarkeitsindex nach Amstad76.5
Lesbarkeitsindex nach Björnsson37.1
Flesch-Reading-Ease Index65.8
Flesch–Kincaid Grade-Level9
Gunning Fog Index9.5
Coleman–Liau Index11.8
SMOG Index10.5
Automated Readability Index10.6
Zeichen-Anzahl13.352
Anzahl der Buchstaben10.525
Anzahl der Sätze113
Wortanzahl2.244
Durchschnittliche Wörter pro Satz19,86
Wörter mit mehr als 6 Buchstaben386
Prozentualer Anteil von langen Wörtern17.2%
Silben gesamt3.207
Durchschnittliche Silben pro Wort1,43
Wörter mit drei Silben181
Prozentualer Anteil von Wörtern mit drei Silben8.1%

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