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Die zertanzten Schuhe
Die zertanzten Schuhe Märchen

Die zertanzten Schuhe - Märchen der Gebrüder Grimm

Vorlesezeit für Kinder: 11 min

Es war einmal ein König, der hatte zwölf Töchter, eine immer schöner als die andere. Sie schliefen zusammen in einem Saal, wo ihre Betten nebeneinander standen, und abends wenn sie darin lagen, schloss der König die Tür zu und verriegelte sie. Wenn er aber am Morgen die Türe aufschloss, so sah er, dass ihre Schuhe zertanzt waren, und niemand konnte herausbringen, wie das zugegangen war.

Die zertanzten Schuhe

Da ließ der König ausrufen, wer’s könnte ausfindig machen, wo sie in der Nacht tanzten, der sollte sich eine davon zur Frau wählen und nach seinem Tod König sein: wer sich aber meldete und es nach drei Tagen und Nächten nicht herausbrächte, der hätte sein Leben verwirkt. Nicht lange, so meldete sich ein Königssohn und erbot sich, das Wagnis zu unternehmen.

Er ward wohl aufgenommen und abends in ein Zimmer geführt, das an den Schlafsaal stieß. Sein Bett war da aufgeschlagen, und er sollte Acht haben, wo sie hingingen und tanzten; und damit sie nichts heimlich treiben konnten oder zu einem anderen Ort hinausgingen, war auch die Saaltür offen gelassen. Dem Königssohn fiel‘s aber wie Blei auf die Augen und er schlief ein, und als er am Morgen aufwachte, waren alle zwölf zum Tanz gewesen, denn ihre Schuhe standen da und hatten Löcher in den Sohlen.

Die zertanzten Schuhe

Den zweiten und dritten Abend ging’s nicht anders, und da ward ihm sein Haupt ohne Barmherzigkeit abgeschlagen. Es kamen hernach noch viele und meldeten sich zu dem Wagestück, sie mussten aber alle ihr Leben lassen. Nun trug sich’s zu, dass ein armer Soldat, der eine Wunde hatte und nicht mehr dienen konnte, sich auf dem Weg nach der Stadt befand, wo der König wohnte. Da begegnete ihm eine alte Frau, die fragte ihn, wo er hin wollte. „Ich weiß selber nicht recht,“ sprach er, und setzte im Scherz hinzu „ich hätte wohl Lust, ausfindig zu machen, wo die Königstöchter ihre Schuhe vertanzen, und danach König zu werden.“ – „Das ist so schwer nicht,“ sagte die Alte, „du musst den Wein nicht trinken, der dir abends gebracht wird, und musst tun, als wärst du fest eingeschlafen.“

Darauf gab sie ihm ein Mäntelchen und sprach „wenn du das umhängst, so bist du unsichtbar und kannst den Zwölfen dann nachschleichen.“ Wie der Soldat den guten Rat bekommen hatte, ward‘s Ernst bei ihm, so dass er ein Herz fasste, vor den König ging und sich als Freier meldete. Er ward so gut aufgenommen wie die anderen auch, und wurden ihm königliche Kleider angetan. Abends zur Schlafenszeit ward er in das Vorzimmer geführt, und als er zu Bette gehen wollte, kam die älteste und brachte ihm einen Becher Wein: aber er hatte sich einen Schwamm unter das Kinn gebunden, ließ den Wein da hineinlaufen, und trank keinen Tropfen. Dann legte er sich nieder, und als er ein Weilchen gelegen hatte, fing er an zu schnarchen wie im tiefsten Schlaf. Das hörten die zwölf Königstöchter, lachten, und die älteste sprach „der hätte auch sein Leben sparen können.“ Danach standen sie auf, öffneten Schränke, Kisten und Kasten, und holten prächtige Kleider heraus: putzten sich vor den Spiegeln, sprangen herum und freuten sich auf den Tanz.

Nur die jüngste sagte „ich weiß nicht, ihr freut euch, aber mir ist so wunderlich zumute: gewiss widerfährt uns ein Unglück.“ – „Du bist eine Schneegans,“ sagte die älteste, „die sich immer fürchtet. Hast du vergessen, wie viel Königssöhne schon umsonst dagewesen sind? dem Soldaten hätte ich nicht einmal einen Schlaftrunk geben brauchen, der Lümmel wäre doch nicht aufgewacht.“ Wie sie alle fertig waren, sahen sie erst nach dem Soldaten, aber der hatte die Augen zugetan, rührte und regte sich nicht, und sie glaubten nun ganz sicher zu sein. Da ging die älteste an ihr Bett und klopfte daran: alsbald sank es in die Erde, und sie stiegen durch die Öffnung hinab, eine nach der anderen, die älteste voran. Der Soldat, der alles mit angesehen hatte, zauderte nicht lange, hing sein Mäntelchen um und stieg hinter der jüngsten mit hinab. Mitten auf der Treppe trat er ihr ein wenig aufs Kleid, da erschrak sie und rief „was ist das? wer hält mich am Kleid?“ – „Sei nicht so einfältig,“ sagte die älteste, „du bist an einem Haken hängen geblieben.“ Da gingen sie vollends hinab, und wie sie unten waren, standen sie in einem wunderprächtigen Baumgang, da waren alle Blätter von Silber und schimmerten und glänzten. Der Soldat dachte „du willst dir ein Wahrzeichen mitnehmen,“ und brach einen Zweig davon ab: da fuhr ein gewaltiger Krach aus dem Baum.

Die jüngste rief wieder „es ist nicht richtig, habt ihr den Knall gehört?“ Die älteste aber sprach „das sind Freudenschüsse, weil wir unsere Prinzen bald erlöst haben.“ Sie kamen darauf in einem Baumgang, wo alle Blätter von Gold, und endlich in einen dritten, wo sie klarer Demant waren: von beiden brach er einen Zweig ab, wobei es jedes Mal krachte, dass die jüngste vor Schrecken zusammenfuhr: aber die älteste blieb dabei, es wären Freudenschüsse. Sie gingen weiter und kamen zu einem großen Wasser, darauf standen zwölf Schifflein, und in jedem Schifflein saß ein schöner Prinz, die hatten auf die zwölf gewartet, und jeder nahm eine zu sich, der Soldat aber setzte sich mit der jüngsten ein. Da sprach der Prinz „ich weiß nicht. das Schiff ist heute viel schwerer, und ich muss aus allen Kräften rudern, wenn ich es fortbringen soll.“ – „Wovon sollte das kommen,“ sprach die jüngste, „als vom warmen Wetter, es ist mir auch so heiß zumut.“

Die zertanzten Schuhe

Jenseits des Wassers aber stand ein schönes hellerleuchtetes Schloss, woraus eine lustige Musik erschallte von Pauken und Trompeten. Sie ruderten hinüber, traten ein, und jeder Prinz tanzte mit seiner Liebsten; der Soldat aber tanzte unsichtbar mit, und wenn eine einen Becher mit Wein hielt, so trank er ihn aus, dass er leer war, wenn sie ihn an den Mund brachte; und der jüngsten ward auch angst darüber, aber die älteste brachte sie immer zum Schweigen. Sie tanzten da bis drei Uhr am anderen Morgen, wo alle Schuhe durchgetanzt waren und sie aufhören mussten. Die Prinzen fuhren sie über das Wasser wieder zurück, und der Soldat setzte sich dieses Mal vorne hin zur ältesten. Am Ufer nahmen sie von ihren Prinzen Abschied und versprachen, in der folgenden Nacht wiederzukommen. Als sie an der Treppe waren, lief der Soldat voraus und legte sich in sein Bett, und als die zwölf langsam und müde heraufgetrippelt kamen, schnarchte er schon wieder so laut, dass sie’s alle hören konnten, und sie sprachen „vor dem sind wir sicher.“

Die zertanzten Schuhe

Da taten sie ihre schönen Kleider aus, brachten sie weg, stellten die zertanzten Schuhe unter das Bett und legten sich nieder. Am anderen Morgen wollte der Soldat nichts sagen, sondern das wunderliche Wesen noch mit ansehen, und ging die zweite und die dritte Nacht wieder mit. Da war alles wie das erste Mal, und sie tanzten jedes Mal, bis die Schuhe entzwei waren. Das dritte Mal aber nahm er zum Wahrzeichen einen Becher mit. Als die Stunde gekommen war, wo er antworten sollte, steckte er die drei Zweige und den Becher zu sich und ging vor den König, die zwölf aber standen hinter der Türe und horchten, was er sagen würde. Als der König die Frage tat „wo haben meine zwölf Töchter ihre Schuhe in der Nacht vertanzt?“ so antwortete er „mit zwölf Prinzen in einem unterirdischen Schloss,“ berichtete, wie es zugegangen war, und holte die Wahrzeichen hervor. Da ließ der König seine Töchter kommen und fragte sie, ob der Soldat die Wahrheit gesagt hätte, und da sie sahen, dass sie verraten waren und leugnen nichts half, so mussten sie alles eingestehen. Darauf fragte ihn der König, welche er zur Frau haben wollte. E r antwortete „ich bin nicht mehr jung, so gebt mir die älteste.“

Da ward noch am selbigen Tag die Hochzeit gehalten und ihm das Reich nach des Königs Tode versprochen. Aber die Prinzen wurden auf so viel Tage wieder verwünscht, als sie Nächte mit den Zwölfen getanzt hatten.

Lesen Sie ein Kurz-Märchen (5 min)

Hintergründe zum Märchen „Die zertanzten Schuhe“

„Die zwölf tanzenden Prinzessinnen“ (oder „Die abgetragenen Tanzschuhe“ oder „Die zertanzten Schuhe“) ist ein deutsches Märchen, das von den Gebrüdern Grimm gesammelt und 1812 in Grimms Märchen veröffentlicht wurde (KHM 133). Es ist als Aarne-Thompson-Typ 306 klassifiziert. Eine französische Version sammelte Charles Deulin in seinem Buch „Contes du Roi Cambrinus“ (1874), die er der Grimmschen Version zuschrieb. Alexander Afanassjew veröffentlichte in seinem Buch „Narodnye russkie skazki“ zwei russische Varianten mit dem Titel „Die Nachttänze“. Seine engste Entsprechung hat das Märchen in der Gesichte zur schottischen Kate Crackernuts, bei der es sich um einen Prinzen handelt, die verpflichtet wird, jeden Abend zu tanzen. Die Erzählung wurde 1815 von den Brüdern Grimm in der ersten Ausgabe von Kinder- und Hausmärchen, Band 2, veröffentlicht. Als Quelle wurde Jenny von Droste-Hülshoff angegeben. Ursprünglich trug es die Nummer 47, erschien aber in späteren Ausgaben als KHM 133.

Die zertanzten Schuhe

Die Brüder Grimm erfuhren die Geschichte von ihren Freunden, die das Märchen in Münster gehört hatten. Andere Versionen waren in Hessen und Paderborn bekannt. In der hessischen Version ist es nur eine Prinzessin, die jeden Abend tanzt. In der Paderborner Version sind es drei Prinzessinnen, die jeden Abend tanzen. Diese Version führt die List des Soldaten ein, der den vergifteten Wein entsorgt und vorgibt, zu schlafen. Andrew Langs Version lässt die gescheiterten Prinzen verschwinden, und beschreibt, dass sie verzaubert und in der Untergrundwelt gefangen sind. Der Held von Langs Version ist ein Kuhhirte namens Michael, der die jüngste Prinzessin, Lina, heiratet, und nicht die älteste. Der Garten der Bäume mit goldenen, silbernen und diamantenen Blättern erinnert an einen ähnlichen Garten im sumerischen Epos von Gilgamesch.

Die Prinzessinnen in der Grimm-Version werden oft als bösartige Charaktere dargestellt, die keine Reue dafür zeigen, dass sie ihren Vater belogen haben, und die ihren Verehrern wiederholt betäubenden Wein geben, um sicherzustellen, dass ihr Rätsel ungelöst bleibt, obwohl sie wissen, dass diejenigen, die scheitern, hingerichtet werden.

Handlung und Zusammenfassung des Märchen

Zwölf Prinzessinnen, eine schöner als die andere, schlafen in zwölf Betten im selben Zimmer. Jede Nacht werden ihre Türen von ihrem Vater sicher verschlossen. Doch am Morgen stellt der König fest, dass ihre Tanzschuhe durchgescheuert sind, als hätten sie die ganze Nacht getanzt. Der König ist ratlos und bittet seine Töchter um eine Erklärung, aber sie weigern sich. Daraufhin bittet der König Prinzen darum das Mitternachtsgeheimnis der Prinzessinnen innerhalb von drei Tagen und drei Nächten aufzudecken. Diejenigen, die scheitern, werden zum Tode verurteilt.

Ein alter Soldat, der aus dem Krieg zurückgekehrt ist, kommt dem Ruf des Königs nach, nachdem mehrere Prinzen bei dem Versuch gescheitert sind. Während er durch einen Wald reist, stößt er auf eine alte Frau, die ihm einen verzauberten Umhang gibt, mit dem er die ahnungslosen Töchter des Königs beobachten kann. Er soll zudem nichts essen oder trinken, was ihm am Abend von einer der Prinzessinnen gegeben wird, und so tun, als ob er fest schläft, bis sie gehen.

Die zertanzten Schuhe

Der Soldat wird im Palast genau wie die anderen Soldaten empfangen, und tatsächlich kommt am Abend die königliche Prinzessin (die älteste Tochter) in sein Gemach und bietet ihm einen Becher Wein an. Der Soldat, der sich an den Rat der alten Frau erinnert, wirft ihn heimlich weg und beginnt laut zu schnarchen und tut so als ob er schläft.

Die zwölf Prinzessinnen, denen versichert wurde, dass der Soldat schläft, ziehen sich feine Tanzkleider an und fliehen aus ihrem Zimmer durch eine Falltür im Boden. Als der Soldat dies sieht, zieht er seinen Zaubermantel an und folgt ihnen. Der Durchgang führt sie zu drei Baumgruppen, von denen die erste silberne Blätter, die zweite goldene Blätter und die dritte glitzernde Diamanten trägt. Der Soldat bricht von jedem einen Zweig als Beweis ab. Sie gehen weiter, bis sie auf einen großen, klaren See stoßen. Es erscheinen zwölf Boote mit zwölf Prinzen, wo die zwölf Prinzessinnen warten. Jede Prinzessin steigt in eines, und der Soldat steigt in dasselbe Boot mit der zwölften und jüngsten Prinzessin. Die jüngste Prinzessin beklagt sich darüber, dass der Prinz nicht schnell genug rudert, ohne zu wissen, dass der Soldat im Boot sitzt. Auf der anderen Seite des Sees steht ein Schloss, in das alle Prinzessinnen gehen und die Nacht durchtanzen.

Die zertanzten Schuhe

Die zwölf Prinzessinnen tanzen fröhlich die ganze Nacht, bis ihre Schuhe durchgescheuert sind und sie gezwungen sind zu gehen. Das seltsame Abenteuer geht in der zweiten und dritten Nacht weiter, und alles geschieht wie zuvor, außer dass der Soldat in der dritten Nacht einen goldenen Becher als Beweis mitnimmt. Als es für ihn an der Zeit ist, das Geheimnis der Prinzessinnen zu verraten, geht er mit den drei Zweigen und dem goldenen Kelch zum König und erzählt ihm von allem, was er gesehen hat. Die Prinzessinnen wissen, dass es sinnlos ist, die Wahrheit zu leugnen, und gestehen. Der Soldat wählt die erste und älteste Prinzessin zu seiner Braut, denn er ist kein junger Mann mehr und wird zum Erben des Königs ernannt. Die zwölf Prinzen werden für so viele Nächte unter einen Fluch gestellt, wie sie mit den Prinzessinnen getanzt haben.

Informationen für wissenschaftliche Analysen


Statistiken zum Märchen
Wert
NummerKHM 133
Aarne-Thompson-Uther-IndexATU Typ 306
Übersetzungen english
Lesbarkeitsindex nach Amstad69.5
Lesbarkeitsindex nach Björnsson41.8
Flesch-Reading-Ease Index56.8
Flesch–Kincaid Grade-Level11
Gunning Fog Index11.8
Coleman–Liau Index12
SMOG Index11.2
Automated Readability Index12
Zeichen-Anzahl7.988
Anzahl der Buchstaben6.333
Anzahl der Sätze58
Wortanzahl1.317
Durchschnittliche Wörter pro Satz22,71
Wörter mit mehr als 6 Buchstaben252
Prozentualer Anteil von langen Wörtern19.1%
Silben gesamt1.977
Durchschnittliche Silben pro Wort1,50
Wörter mit drei Silben111
Prozentualer Anteil von Wörtern mit drei Silben8.4%

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