Childstories.org Logo
Menü
Childstories.org Logo
  • 1
  • Alle Grimm
    Märchen
  • 2
  • Nach Lesezeit
    sortiert
  • 3
  • Perfekt zum
    Vorlesen für Kinder
Der Hase und der Igel
Der Hase und der Igel Märchen

Der Hase und der Igel - Märchen der Gebrüder Grimm

Vorlesezeit für Kinder: 9 min

Diese Geschichte ist eigentlich gelogen, Kinder, aber wahr ist sie doch, denn mein Großvater, von dem ich sie habe, pflegte immer, wenn er sie erzählte, zu sagen: „Wahr muss sie sein, mein Sohn, sonst könnte man sie ja nicht erzählen.“ Die Geschichte aber hat sich so zugetragen.

Es war an einem Sonntagmorgen im Herbst, gerade als der Buchweizen blühte; die Sonne war am Himmel aufgegangen, und der Wind strich warm über die Stoppeln, die Lerchen sangen hoch in der Luft, und die Bienen summten im Buchweizen. Die Leute gingen in ihrem Sonntagsstaat zur Kirche, und alle Geschöpfe waren vergnügt, auch der Igel.

Er stand vor seiner Tür, hatte die Arme verschränkt, er guckte in den Morgenwind hinaus und trällerte ein kleines Liedchen vor sich hin, so gut und so schlecht wie am Sonntagmorgen ein Igel eben zu singen pflegt. Während er nun so vor sich hinsang, fiel ihm plötzlich ein, er könnte doch, während seine Frau die Kinder wusch und ankleidete, ein bisschen im Feld spazieren gehen und nachsehen, wie die Steckrüben standen. Die Steckrüben waren ganz nah bei seinem Haus, und er pflegte sie mit seiner Familie zu essen, darum sah er sie auch als die seinigen an.

Gedacht, getan. Er schloss die Haustür hinter sich und schlug den Weg zum Feld ein. Er war noch nicht sehr weit und wollte gerade um den Schlehenbusch herum, der vor dem Feld stand, als er den Hasen erblickte, der in ähnlichen Geschäften ausgegangen war, nämlich um seinen Kohl zu besehen. Als der Igel den Hasen sah, wünschte er ihm freundlich einen guten Morgen.

Das Hase und der Igel Märchen

Der Hase aber, der auf seine Weise ein vornehmer Herr war und grausam hochfahrend noch dazu, antwortete gar nicht auf des Igels Gruß, sondern sagte mit höhnischer Miene: „Wie kommt es, dass du hier schon so am frühen Morgen im Feld herumläufst?“

„Ich gehe spazieren“, sagte der Igel.

„Spazieren?“ lachte der Hase. „Du könntest deine Beine schon zu besseren Dingen gebrauchen.“

Diese Antwort verdross den Igel sehr. Alles kann er vertragen, aber auf seine Beine lässt er nichts kommen, gerade weil sie von Natur aus krumm sind.

„Du bildest dir wohl ein, du könntest mit deinen Beinen mehr ausrichten?“ sagte er.

„Das will ich meinen“, sagte der Hase.

„Nun, das kommt auf einen Versuch an“, meinte der Igel. „Ich wette, wenn wir um die Wette laufen, ich lauf schneller als du.“

„Du – mit deinen krummen Beinen?“ sagte der Hase. „Das ist ja zum Lachen. Aber wenn du so große Lust hast – was gilt die Wette?“

„Einen Golddukaten und eine Flasche Branntwein“, sagte der Igel.

„Angenommen“, sagte der Hase, „schlag ein, und dann kann es gleich losgehen.“

„Nein, so große Eile hat es nicht“, meinte der Igel, „ich hab‘ noch gar nichts gegessen; erst will ich nach Hause gehen und ein bisschen was frühstücken. In einer Stunde bin ich wieder hier.“

Damit ging er, und der Hase war es zufrieden. Unterwegs aber dachte der Igel bei sich: „Der Hase verlässt sich auf seine langen Beine, aber ich will ihn schon kriegen. Er ist zwar ein vornehmer Herr, aber doch ein dummer Kerl, und das soll er bezahlen.“

Als er nun nach Hause kam, sagte er zu seiner Frau: „Frau, zieh dich rasch an, du musst mit mir ins Feld hinaus.“

„Was gibt es denn?“ fragte die Frau.

„Ich habe mit dem Hasen um einen Golddukaten und eine Flasche Branntwein gewettet, dass ich mit ihm um die Wette laufen will. Und da sollst du dabei sein.“

„O mein Gott, Mann“, begann die Frau loszuschreien, „hast du denn ganz den Verstand verloren? Wie willst du mit dem Hasen um die Wette laufen?“

„Halt das Maul, Weib“, sagte der Igel, „das ist meine Sache. Misch dich nicht in Männergeschäfte! Marsch, zieh dich an und komm mit!“ Was sollte also die Frau des Igels tun? Sie musste gehorchen, ob sie wollte oder nicht.

Als sie miteinander unterwegs waren, sprach der Igel zu seiner Frau: „Nun pass auf, was ich dir sage. Dort auf dem langen Acker will ich unseren Wettlauf machen. Der Hase läuft in einer Furche, und ich in der anderen, und dort oben fangen wir an. Du hast nun weiter nichts zu tun, als dass du dich hier unten in die Furche stellst, und wenn der Hase in seiner Furche daherkommt, so rufst du ihm entgegen: „Ich bin schon da!“

So kamen sie zu dem Acker, der Igel wies seiner Frau ihren Platz an und ging den Acker hinauf. Als er oben ankam, war der Hase schon da. „Kann es losgehen?“ fragte er.

„Jawohl“, erwiderte der Igel.

„Dann nur zu.“ Damit stellte sich jeder in seine Furche. Der Hase zählte: „Eins, zwei, drei“, und los ging er wie ein Sturmwind den Acker hinunter. Der Igel aber lief nur etwa drei Schritte, dann duckte er sich in die Furche hinein und blieb ruhig sitzen. Und als der Hase im vollen Lauf am Ziel unten am Acker ankam, rief ihm die Frau des Igels entgegen: „Ich bin schon da!“

Das Hase und der Igel Märchen

Der Hase war nicht wenig erstaunt, glaubte er doch nichts anderes, als dass er den Igel selbst vor sich hatte. Bekanntlich sieht die Frau Igel genauso aus wie ihr Mann. „Das geht nicht mit rechten Dingen zu“, rief er. „Noch einmal gelaufen, in die andere Richtung!“ Und fort ging es wieder wie der Sturmwind, dass ihm die Ohren am Kopf flogen. Die Frau des Igels aber blieb ruhig an ihrem Platz sitzen, und als der Hase oben ankam, rief ihm der Herr Igel entgegen: „Ich bin schon da!“

Der Hase war ganz außer sich vor Ärger und schrie: „Noch einmal gelaufen, noch einmal herum!“

„Meinetwegen“, gab der Igel zurück. „Sooft du Lust hast.“

So lief der Hase dreiundsiebzigmal, und der Igel hielt immer mit. Und jedes Mal, wenn der Hase oben oder unten am Ziel ankam, sagten der Igel oder seine Frau: „Ich bin schon da.“

Beim vierundsiebzigsten Male aber kam der Hase nicht mehr ans Ziel. Mitten auf dem Acker fiel er zu Boden, das Blut floss ihm aus der Nase, und er blieb tot liegen. Der Igel aber nahm seinen gewonnenen Golddukaten und die Flasche Branntwein, rief seine Frau von ihrem Platz am Ende der Furche, und vergnügt gingen beide nach Hause. Und wenn sie nicht gestorben sind, leben sie heute noch. So geschah es, dass auf der Buxtehuder Heide der Igel den Hasen zu Tode gelaufen hatte, und seit jener Zeit hat kein Hase mehr gewagt, mit dem Buxtehuder Igel um die Wette zu laufen.

Das Hase und der Igel Märchen

Die Lehre aus dieser Geschichte aber ist erstens, dass sich keiner, und wenn er sich auch noch so vornehm dünkt, einfallen lassen soll, sich über einen kleinen Mann lustig zu machen, und wäre es auch nur ein Igel. Und zweitens, dass es gut ist, wenn einer heiratet, dass er sich eine Frau von seinem Stand nimmt, die geradeso aussieht wie er. Wer also ein Igel ist, der muss darauf sehen, dass auch seine Frau ein Igel ist.

Lesen Sie ein Kurz-Märchen (5 min)

Hintergründe zum Märchen „Der Hase und der Igel“

„Der Hase und der Igel“ oder „Der Wettlauf zwischen dem Hasen und dem Igel“ (niedersächsisch: „Dat Wettlopen twischen den Hasen un den Swinegel up de lütje Heide bi Buxtehude“) ist eine niedersächsische Fabel. Sie erschien 1843 in der 5. Ausgabe der Grimmschen Märchen der Brüder Grimm in Niedersachsen (KHM 187) und 1840 in Wilhelm Schröders Hannoverschem Volksblatt unter dem vollen Titel „Ein plattdeutsches Volksmärchen. Dat Wettlopen twischen den Hasen un den Swinegel up de lütje Heide bi Buxtehude“.

Der Hase und der Igel

Ludwig Bechstein veröffentlichte es auch in deutscher Sprache in seinem Deutschen Märchenbuch im Jahr 1853. Grimms Text folgt genau dem im Hannoversches Volksblatt Nr. 51 vom 26. April 1840, von dem Karl Georg Firnhaber ihnen im November 1840 ein Exemplar zur Verfügung stellte. Nur einige wenige Schreibweisen des Dialekts wurden geändert oder mit einer Übersetzung in Klammern versehen. Nur der Titel ist jetzt hochdeutsch und kurz. Sogar in alten Erzählungen gibt es Fabeln über den Wettlauf zwischen langsamen und schnellen Tieren. Ein Beispiel dafür ist Äsops „Die Schildkröte und der Hase“. Nach Lutz Röhrich überlistet in Afrika die Schildkröte den Elefanten auf ganz ähnliche Weise.

Handlung und Zusammenfassung des Märchen

Eines schönen Morgens macht sich der Hase über die krummen Beine des Igels lustig, woraufhin der Igel ihn zu einem Wettlauf um einen goldenen „Louisdor“ (Louis d’or) und eine Flasche Branntwein herausfordert. Als das Rennen im Feld beginnt, rennt der Igel nur ein paar Schritte, aber am Ende der Furche hat er seine Frau platziert, die ihm sehr ähnlich sieht. Als der siegessichere Hase hereinstürmt, erhebt sich die Frau des Igels und ruft ihm zu: „Ick bün alle hier!“ („Ich bin schon hier!“). Der Hase kann die Niederlage nicht verstehen, er fordert Rache und führt insgesamt 73 Läufe mit immer gleichem Ergebnis durch. Im 74. Lauf bricht er erschöpft zusammen und ist tot.

Stil und Hintergründe des Märchen

Der Erzähler beginnt schelmisch und sagt, die Geschichte sei „lügnerisch zu erzählen“, aber sein Großvater hat gesagt, sie müsse wahr sein, sonst könne man sie nicht erzählen („Wahr mutt se doch sein, mien Söhn, anners kunn man se jo nich vertellen“), und erzählt gemütlich, wie der „Swinegel“ ein Lied im Morgenwind singt und nach den Rüben sucht. Die Bemerkung des Hasen über seine Beine ärgert ihn, weil sie von Natur aus so sind. Die Moral ist, sich nicht über einen gewöhnlichen Mann lustig zu machen und jemanden zu heiraten, der genauso aussieht.

Der Hase und der Igel MärchenBild: Paul Hey (1867 – 1952)

Der Igel ist der „gemeine Mann“, der die Rüben in der Nähe seines Hauses aß, deshalb betrachtete er sie als seine eigenen. Der Hase hingegen ist ein vornehmer Gentleman und dazu noch grausam hochmütig. Die Protagonisten spielen also die Rolle eines Bauern und eines Landbesitzers. Die beiden moralischen Schlussfolgerungen zielen auch auf diesen sozialen Hintergrund; für den Hasen: Man sollte sich nicht über vermeintlich minderwertige Menschen lustig machen – und für den Igel: Wenn man heiratet, sollte man eine Frau aus der eigenen Klasse wählen, am besten eine Frau mit einer ähnlichen Mentalität wie man selbst: „Wenn du also ein Swinegel bist, solltest du froh sein, dass deine Frau auch ein Swinegel ist“.

Varianten und Adaptionen des Märchen

Günter Grass schrieb eine gleichnamige Kurzgeschichte. Fredrik Vahle singt das Lied des Kaninchens Augustin auf seiner 1973 erschienenen Kinderliedplatte Die Rübe. Der zweite Teil ist eine musikalische Version des Märchens vom Hasen und dem Igel. Die Geschichte ist dem Märchen ähnlich, aber etwas verkürzt. Der Hase und die Schildkröte ist ein 1973 von dem Engländer David Parlett erfundenes Brettspiel, das als erstes Spiel 1979 unter dem Namen Hase und Igel mit dem Preis Deutsches Spiel des Jahres ausgezeichnet wurde. Der englische Originaltitel Hase und Schildkröte bezieht sich auf die Fabel von Äsop.

Das Hase und der Igel MärchenBild: Carl Offterdinger (1829 – 1889)

Ein Film Der Wettlauf zwischen dem Hasen und dem Igel wurde 1921 nach einem Drehbuch von Johannes Meyer veröffentlicht. Der Hase und der Igel ist ein deutscher Märchenfilm von 1982. Gurimu Meisaku Gekijō, eine japanische Zeichentrickserie von 1987, erzählt in Episode 41 die Geschichte des Wettlaufs zwischen dem Hasen und dem Igel.

Der Hase und der Igel

Grimms Märchenklassiker haben eine Adaption dieser Geschichte mit dem Hasen in der englischen Synchronisation von Robert Axelrod und dem Igel in der englischen Synchronisation von Steve Kramer gemacht.

Informationen für wissenschaftliche Analysen


Statistiken zum Märchen
Wert
NummerKHM 187
Aarne-Thompson-Uther-IndexATU Typ 275A
Übersetzungen english
Lesbarkeitsindex nach Amstad82.4
Lesbarkeitsindex nach Björnsson27.6
Flesch-Reading-Ease Index71.9
Flesch–Kincaid Grade-Level6.8
Gunning Fog Index8
Coleman–Liau Index10.4
SMOG Index9.2
Automated Readability Index6.8
Zeichen-Anzahl6.666
Anzahl der Buchstaben5.124
Anzahl der Sätze79
Wortanzahl1.151
Durchschnittliche Wörter pro Satz14,57
Wörter mit mehr als 6 Buchstaben150
Prozentualer Anteil von langen Wörtern13%
Silben gesamt1.634
Durchschnittliche Silben pro Wort1,42
Wörter mit drei Silben86
Prozentualer Anteil von Wörtern mit drei Silben7.5%

Copyright-Hinweis: Hintergrund-Informationen, Zusammenfassungen und Analysen zum Märchen sind selbst verfasste urheberrechtlich geschützte Texte, die Sie nicht kopieren dürfen. Die Erstellung dieser Informationen, hat sehr viel Zeit in Anspruch genommen. Wir bedanken uns für Ihr Verständnis. Sie können den Beitrag gerne auf Facebook, WhatsApp, in Foren oder auf Ihrer eigenen Webseite verlinken.

Fragen, Anmerkungen oder Erfahrungsberichte?

Datenschutzerklärung.

Die besten Märchen

Copyright © 2021 - Alle Rechte vorbehalten | Impressum | DatenschutzPowered by childstories.org

Keine Internetverbindung


Sie sind nicht mit dem Internet verbunden. Bitte überprüfen Sie Ihre Netzwerkverbindung.


Versuchen Sie Folgendes:


  • 1. Prüfen Sie Ihr Netzwerkkabel, ihren Router oder Ihr Smartphone

  • 2. Aktivieren Sie ihre Mobile Daten -oder WLAN-Verbindung erneut

  • 3. Prüfen Sie das Signal an Ihrem Standort

  • 4. Führen Sie eine Netzwerkdiagnose durch