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Allerleirauh
Allerleirauh Märchen

Allerleirauh - Märchen der Gebrüder Grimm

Vorlesezeit für Kinder: 16 min

Es war einmal ein König, der hatte eine Frau mit goldenen Haaren, und sie war so schön, dass sich ihresgleichen nicht mehr auf Erden fand. Es geschah, dass sie krank lag, und als fühlte sie bald, dass sie sterben würde, rief sie den König und sprach:

„Wenn du nach meinem Tode dich wieder vermählen willst, so nimm keine, die nicht ebenso schön ist, als ich bin, und die nicht solche Haare hat, wie ich habe. Das musst du mir versprechen!“ Nachdem es ihr der König versprochen hatte, tat sie die Augen zu und starb.

Der König war lange Zeit nicht zu trösten und dachte nicht daran, eine zweite Frau zu nehmen. Endlich sprachen seine Räte: „Es geht nicht anders, der König muss sich wieder vermählen, damit wir eine Königin haben.“ Nun wurden Boten weit und breit herumgeschickt, um eine Braut zu suchen, die an Schönheit der verstorbenen Königin ganz gleichkäme.

Es war aber keine in der ganzen Welt zu finden, und wenn man sie auch gefunden hätte, so war doch keine da, die solche goldene Haare gehabt hätte. Also kamen die Boten unverrichteter Sache wieder heim.

Nun hatte der König eine Tochter, die war geradeso schön wie ihre verstorbene Mutter und hatte auch solche goldene Haare. Als sie herangewachsen war, sah sie der König einmal an und sah, dass sie in allem seiner verstorbenen Gemahlin ähnlich war, und fühlte plötzlich eine heftige Liebe zu ihr. Da sprach er zu seinen Räten:

„Ich will meine Tochter heiraten, denn sie ist das Ebenbild meiner verstorbenen Frau, und sonst kann ich doch keine Braut finden, die ihr gleicht.“ Als die Räte das hörten, erschraken sie und sprachen: „Gott hat verboten, dass der Vater seine Tochter heirate, aus der Sünde kann nichts Gutes entspringen, und das Reich wird mit ins Verderben gezogen.“ Die Tochter erschrak noch mehr, als sie den Entschluss ihres Vaters vernahm, hoffte aber, ihn von seinem Vorhaben noch abzubringen.

Da sagte sie zu ihm: „Eh ich Euren Wunsch erfülle, muss ich erst drei Kleider haben: eins so golden wie die Sonne, eins so silbern wie der Mond und eins so glänzend wie die Sterne; ferner verlange ich einen Mantel von tausenderlei Pelz und Rauchwerk zusammengesetzt, und ein jedes Tier in Eurem Reich muss ein Stück von seiner Haut dazu geben.“

Sie dachte aber: Das anzuschaffen ist ganz unmöglich, und ich bringe damit meinen Vater von seinen bösen Gedanken ab. Der König ließ aber nicht ab, und die geschicktesten Jungfrauen in seinem Reiche mussten die drei Kleider weben, eins so golden wie die Sonne, eins so silbern wie der Mond und eins so glänzend wie die Sterne, und seine Jäger mussten alle Tiere im ganzen Reiche auffangen und ihnen ein Stück von ihrer Haut abziehen. Daraus ward ein Mantel aus tausenderlei Rauchwerk gemacht. Endlich, als alles fertig war, ließ der König den Mantel herbeiholen, breitete ihn vor ihr aus und sprach: „Morgen soll die Hochzeit sein!“

Als nun die Königstochter sah, dass keine Hoffnung mehr war, ihres Vaters Herz umzuwandeln, so fasste sie den Entschluss zu entfliehen. In der Nacht, während alles schlief, stand sie auf und nahm von ihren Kostbarkeiten dreierlei: einen goldenen Ring, ein goldenes Spinnrädchen und ein goldenes Haspelchen.

Die drei Kleider von Sonne, Mond und Sterne tat sie in eine Nussschale, zog den Mantel von allerlei Rauchwerk an und machte sich Gesicht und Hände mit Ruß schwarz. Dann befahl sie sich Gott und ging fort und ging die ganze Nacht, bis sie in einen großen Wald kam. Und weil sie müde war, setzte sie sich in einen hohlen Baum und schlief ein.

Die Sonne ging auf, und sie schlief fort und schlief noch immer, als es schon hoher Tag war. Da trug es sich zu, dass der König, dem dieser Wald gehörte, darin jagte. Als seine Hunde zu dem Baum kamen, schnupperten sie, liefen rings herum und bellten. Sprach der König zu den Jägern: „Seht nach, was dort für ein Wild sich versteckt hat.“

Die Jäger folgten dem Befehl, und als sie wiederkamen, sprachen sie: „In dem hohlen Baum liegt ein wunderliches Tier, wie wir noch niemals eins gesehen haben. An seiner Haut ist tausenderlei Pelz. Es liegt aber und schläft.“ Sprach der König „Seht zu, ob ihr’s lebendig fangen könnt, dann bindet’s auf den Wagen und nehmt’s mit.“

Als die Jäger das Mädchen anfassten, erwachte es voll Schrecken und rief ihnen zu „Ich bin ein armes Kind, von Vater und Mutter verlassen, erbarmt euch mein und nehmt mich mit!“ Da sprachen sie: Allerleirauh, du bist gut für die Küche, komm nur mit, da kannst du die Asche zusammenkehren.“ Also setzten sie es auf den Wagen und fuhren heim in das königliche Schloss.

Dort wiesen sie ihm ein Ställchen an unter der Treppe, wo kein Tageslicht hinkam, und sagten: „Rauhtierchen, da kannst du wohnen und schlafen.“ Dann ward es in die Küche geschickt, da trug es Holz und Wasser, schürte das Feuer, rupfte das Federvieh, sortierte das Gemüse, kehrte die Asche und tat alle schlechte Arbeit.

Da lebte Allerleirauh lange Zeit recht armselig. Ach, du schöne Königstochter, wie soll’s mit dir noch werden! Es geschah aber einmal, dass ein Fest im Schloss gefeiert ward, da sprach sie zum Koch: „Darf ich ein wenig hinaufgehen und zusehen? Ich will mich außen vor die Türe stellen.“ Antwortete der Koch: „Ja, geh nur hin, aber in einer halben Stunde musst du wieder hier sein und die Asche zusammentragen!“

Da nahm sie ihr Öllämpchen, ging in ihr Ställchen, zog den Pelzrock aus und wusch sich den Ruß von dem Gesicht und den Händen ab, so dass ihre volle Schönheit wieder an den Tag kam. Dann machte sie die Nuss auf und holte ihr Kleid hervor, das wie die Sonne glänzte. Und wie das geschehen war, ging sie hinauf zum Fest, und alle traten ihr aus dem Weg, denn niemand kannte sie, und meinten nicht anderes, als dass es eine Königstochter wäre.

Der König aber kam ihr entgegen, reichte ihr die Hand und tanzte mit ihr und dachte in seinem Herzen: So schön haben meine Augen noch keine gesehen. Als der Tanz zu Ende war, verneigte sie sich, und wie sich der König umsah, war sie verschwunden, und niemand wusste wohin. Die Wächter, die vor dem Schloss standen, wurden gerufen und ausgefragt, aber niemand hatte sie erblickt.

Sie war aber in ihr Ställchen gelaufen, hatte geschwind ihr Kleid ausgezogen, Gesicht und Hände schwarz gemacht und den Pelzmantel umgetan und war wieder Allerleirauh. Als sie nun in die Küche kam und an ihre Arbeit gehen und die Asche zusammenkehren wollte, sprach der Koch: „Lass das gut sein bis morgen und koche mir da die Suppe für den König, ich will auch einmal ein bisschen oben zugucken, aber lass mir kein Haar hineinfallen, sonst kriegst du in Zukunft nichts mehr zu essen!“

Da ging der Koch fort, und Allerleirauh kochte die Suppe für den König und kochte eine Brotsuppe, so gut es konnte, und wie sie fertig war, holte es in dem Ställchen seinen goldenen Ring und legte ihn in die Schüssel, in welche die Suppe angerichtet ward.

Als der Tanz zu Ende war, ließ sich der König die Suppe bringen und aß sie, und sie schmeckte ihm so gut, dass er meinte, niemals eine bessere Suppe gegessen zu haben. Wie er aber auf den Grund kam, sah er da einen goldenen Ring liegen und konnte nicht begreifen, wie er dahin geraten war. Da befahl er, der Koch sollte vor ihn kommen.

Der Koch erschrak, wie er den Befehl hörte, und sprach zum Allerleirauh: „Gewiss hast du ein Haar in die Suppe fallen lassen; wenn’s wahr ist, so kriegst du Schläge!“ Als er vor den König kam, fragte dieser, wer die Suppe gekocht hätte. Antwortete der Koch: „Ich habe sie gekocht.“ Der König sprach: „Das ist nicht wahr, denn sie war auf andere Art und viel besser gekocht als sonst.“ Antwortete er: „Ich muss gestehen, dass ich sie nicht gekocht habe, sondern das Rauhtierchen.“ Sprach der König: „Geh und lass es heraufkommen.“

Als Allerleirauh kam, fragte der König: „Wer bist du?“ – „Ich bin ein armes Kind, das keinen Vater und Mutter mehr hat.“ Fragte er weiter: „Wozu bist du in meinem Schloss?“ Antwortete es: „Ich bin zu nichts gut, als dass mir die Stiefel um den Kopf geworfen werden.“ Fragte er weiter: „Wo hast du den Ring her, der in der Suppe war?“ Antwortete es: „Von dem Ring weiß ich nichts.“ Also konnte der König nichts erfahren und musste es wieder fortschicken.

Über eine Zeit war wieder ein Fest, da bat Allerleirauh den Koch wie voriges Mal um Erlaubnis, zusehen zu dürfen. Antwortete er: „Ja, aber komm in einer halben Stunde wieder und koch dem König die Brotsuppe, die er so gerne isst.“ Da lief es in sein Ställchen, wusch sich geschwind und nahm aus der Nuss das Kleid, das so silbern war wie der Mond, und tat es an. Da ging sie hinauf und glich einer Königstochter, und der König trat ihr entgegen und freute sich, dass er sie wiedersah, und weil eben der Tanz anhub, so tanzten sie zusammen.

Als aber der Tanz zu Ende war, verschwand sie wieder so schnell, dass der König nicht bemerken konnte, wo sie hinging. Sie sprang aber in ihr Ställchen und machte sich wieder zum Rauhtierchen und ging in die Küche, die Brotsuppe zu kochen. Als der Koch oben war, holte es das goldene Spinnrad und tat es in die Schüssel, so dass die Suppe darüber angerichtet wurde.

Danach ward sie dem König gebracht, der aß sie und sie schmeckte ihm so gut wie das vorige Mal, und ließ den Koch kommen, der musste auch diesmal gestehen, dass Allerleirauh die Suppe gekocht hätte. Allerleirauh kam da wieder vor den König, aber sie antwortete, dass sie nur dazu wäre, dass ihr die Stiefel an den Kopf geworfen würden und dass sie von dem goldenen Spinnrädchen gar nichts wüsste

Als der König zum dritten Mal ein Fest anstellte, da ging es nicht anders als die vorigen Male. Der Koch sprach zwar: „Du bist eine Hexe, Rauhtierchen, und tust immer was in die Suppe, davon sie so gut wird und dem König besser schmeckt als was ich koche.“ Doch weil sie so bat, so ließ er es auf die bestimmte Zeit hingehen.

Nun zog es ein Kleid an, das wie die Sterne glänzte, und trat damit in den Saal. Der König tanzte wieder mit der schönen Jungfrau und meinte, dass sie noch niemals so schön gewesen wäre. Und während er tanzte, steckte er ihr, ohne dass sie es merkte, einen goldenen Ring an den Finger und hatte befohlen, dass der Tanz recht lang währen sollte.

Wie er zu Ende war, wollte er sie an den Händen festhalten, aber sie riss sich los und sprang so geschwind unter die Leute, dass sie vor seinen Augen verschwand. Sie lief, was sie konnte, in ihr Ställchen unter der Treppe, weil sie aber zu lange und über eine halbe Stunde geblieben war, so konnte sie das schöne Kleid nicht ausziehen, sondern warf nur den Mantel von Pelz darüber, und in der Eile machte sie sich auch nicht ganz rußig, sondern ein Finger blieb weiß.

Allerleirauh lief nun in die Küche kochte dem König die Brotsuppe und legte, wie der Koch fort war, den goldenen Haspel hinein. Der König, als er den Haspel auf dem Grunde fand, ließ Allerleirauh rufen, da erblickte er den weißen Finger und sah den Ring, den er im Tanze ihr angesteckt hatte. Da ergriff er sie an der Hand und hielt sie fest, und als sie sich losmachen und fortspringen wollte, tat sich der Pelzmantel ein wenig auf, und das Sternenkleid schimmerte hervor.

Der König fasste den Mantel und riss ihn ab. Da kamen die goldenen Haare hervor, und sie stand da in voller Pracht und konnte sich nicht länger verbergen. Und als sie Ruß und Asche aus ihrem Gesicht gewischt hatte, da war sie schöner, als man noch jemand auf Erden gesehen hat. Der König aber sprach: „Du bist meine liebe Braut, und wir scheiden nimmermehr voneinander!“ Darauf ward die Hochzeit gefeiert, und sie lebten vergnügt bis zu ihrem Tod.

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Hintergründe zum Märchen „Allerleirauh“

„Allerleirauh“ ist ein Märchen aus der Sammlung der Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm, das an der 65. Stelle (KHM 65) steht. Die Geschichte hat viele verschiedene Ursprünge und ähnliche Erzählungen in verschiedenen Kulturen, was zeigt, dass sie tief in der europäischen Folklore verwurzelt ist. Die bekannteste Version stammt jedoch von den Brüdern Grimm.

Allerleirauh Märchen Gebrüder Grimm

Die Handlung des Märchens dreht sich um die Tochter eines Königs, dessen Frau auf dem Sterbebett verspricht, nur dann wieder zu heiraten, wenn seine zukünftige Frau genauso schön ist wie sie und ebenso goldene Haare hat. Als der König keine solche Frau findet, entscheidet er sich, seine eigene Tochter zu heiraten. Die Tochter flieht und versteckt sich im Wald, wo sie schließlich als Allerleirauh arbeitet. Nach einer Reihe von Ereignissen wird ihre wahre Identität enthüllt, und sie wird zur Königin.

Die Geschichte von „Allerleirauh“ hat eine lange und komplexe Herkunft. Die Brüder Grimm selbst verwiesen auf verschiedene Quellen und Varianten des Märchens, einschließlich einer „hessischen“ Version, die ihnen von Dortchen Wild erzählt wurde, sowie einer „paderbörnischen“ Erzählung, die möglicherweise aus der Familie von Haxthausen stammt. Andere verwandte Geschichten sind Charles Perraults „Peau d’Âne“ (Eselshaut), Giambattista Basiles „Die Bärin“ und Straparolas „Doralice“. Das Motiv des Königs, der seine Tochter heiraten möchte, ist in der abendländischen Dichtung seit dem 12. Jahrhundert weit verbreitet.

Die Interpretation von „Allerleirauh“ ist vielfältig und reicht von psychologischen Analysen bis hin zu kulturellen und historischen Untersuchungen. Einige Interpretationen konzentrieren sich auf die Themen von Inzest, Flucht und Selbstentwicklung, während andere das Märchen im Kontext von Widerstand und Stärke sehen. Die Geschichte hat auch in der modernen Kultur eine gewisse Bedeutung, wie zum Beispiel der Verein Allerleirauh, der sexuell missbrauchten Kindern und Jugendlichen hilft.

Interpretationen zum Märchen „Allerleirauh“

„Allerleirauh“ ist ein tiefgründiges Märchen, das verschiedene Interpretationsansätze ermöglicht. Hier sind einige gängige Interpretationen des Märchens:

Allerleirauh Märchen Gebrüder Grimm

Inzest und Missbrauch: Eines der zentralen Themen von „Allerleirauh“ ist der geplante Inzest zwischen dem König und seiner Tochter. Die Geschichte behandelt auf metaphorische Weise, wie das Mädchen mit dieser traumatischen Situation umgeht und letztendlich Widerstand leistet, indem sie aus dem Königreich flieht. In diesem Zusammenhang kann das Märchen als Allegorie für die Befreiung von Missbrauch und die Suche nach einem neuen Leben interpretiert werden.

Transformation und Selbstfindung: In „Allerleirauh“ durchläuft die Protagonistin eine Reihe von Veränderungen und Transformationen, sowohl äußerlich als auch innerlich. Indem sie ihre Identität hinter der Rolle von Allerleirauh verbirgt, erlangt sie eine gewisse Autonomie und Kontrolle über ihr Leben. Die Geschichte kann als Symbol für persönliches Wachstum und Selbstfindung gesehen werden, wobei das Mädchen letztendlich ihre wahre Identität enthüllt und ihre Stärke wiedererlangt.

Soziale Hierarchien und Geschlechterrollen: Das Märchen zeigt auch die Schwierigkeiten, die mit festgelegten Geschlechterrollen und sozialen Hierarchien verbunden sind. Die Tochter des Königs wird zunächst als Objekt betrachtet und soll einer höheren Autorität unterworfen werden. Indem sie ihre Rolle als Prinzessin hinter sich lässt und als Allerleirauh arbeitet, hinterfragt sie implizit diese festgelegten Rollen und Hierarchien. In diesem Sinne kann das Märchen als Kritik an patriarchalischen Strukturen und der Unterdrückung von Frauen interpretiert werden.

Die Rolle von Zufall und Schicksal: In „Allerleirauh“ spielen Zufall und Schicksal eine bedeutende Rolle. Die Begegnungen der Protagonistin mit dem Prinzen und die Enthüllung ihrer wahren Identität sind von einem gewissen Schicksal und Zufall geprägt. Das Märchen zeigt, dass selbst in schwierigsten Zeiten das Schicksal eine Rolle spielen und das Leben der Charaktere zum Besseren wenden kann.

Liebe und Heirat: „Allerleirauh“ behandelt auch die Themen Liebe und Heirat. Die Protagonistin findet schließlich ihre wahre Liebe, nachdem sie ihre innere Stärke wiedererlangt hat. Dieses Motiv betont die Bedeutung von Selbstliebe und Selbstachtung als Grundlage für eine gesunde und glückliche Beziehung.

Insgesamt bietet das Märchen „Allerleirauh“ eine Fülle von Interpretationsmöglichkeiten, die auf verschiedenen Ebenen gelesen und analysiert werden können. Die Geschichte bleibt ein bedeutendes Werk der Brüder Grimm und der europäischen Folklore.

Adaptionen zum Märchen „Allerleirauh“

„Allerleirauh“ ist ein Märchen, das von den Brüdern Grimm gesammelt wurde. Seit der zweiten Ausgabe, die 1819 veröffentlicht wurde, ist es als Märchen Nr. 65 verzeichnet. Andrew Lang nahm es in „Das Grüne Märchenbuch“ auf. Es ist als Aarne-Thompson-Volksmärchen vom Typ 510B klassifiziert (unnatürliche Liebe). Andere Märchen dieser Art sind „Mütze O‘ Rushes“, „Eselsfell“, „Katzenfell“, „Kätzchenfell“, „Der König, der seine Tochter heiraten wollte“, „Die Bärin“, „Mossycoat“, „Fetzenmäntel“, „Die Prinzessin, die ein Hasenfellkleid trug“, „Katie Holzmantel“ und „Der Bär“. Das Märchen „Allerleirauh“ der Gebrüder Grimm hat im Laufe der Zeit zahlreiche Adaptionen und Neuinterpretationen erfahren. Hier sind einige konkrete Beispiele von verschiedenen Medien:

Film: „Allerleirauh“ (2012) – Dieser deutsche Fernsehfilm ist eine Adaption des Märchens und wurde von Christian Theede inszeniert. Die Hauptrollen sind besetzt mit Michelle Barthel als Allerleirauh, Jannik Schümann als Prinz und Michael Gwisdek als König. Die Geschichte bleibt weitgehend der Originalversion treu, fügt aber einige moderne Elemente hinzu. „Donkey Skin“ (1970) – Dieser französische Film von Jacques Demy, im Original „Peau d’âne“, basiert auf Charles Perraults Version des Märchens und enthält Elemente von „Allerleirauh“. Catherine Deneuve spielt die Hauptrolle, und der Film enthält Lieder von Michel Legrand. Im Laufe der Jahre wurde „Allerleirauh“ auch in verschiedenen Film- und Fernsehadaptionen umgesetzt, einschließlich einer deutschen Verfilmung von 2012 als Teil der ARD-Reihe „Sechs auf einen Streich“.

Fernsehn: Eine Episode von Jim Hensons Fernsehserie „Der Geschichtenerzähler“ basiert auf dieser Geschichte, mit einigen Änderungen. Nämlich, dass die Prinzessin die jüngste und schönste der drei Töchter des Königs ist und von ihren grausamen Schwestern den Spitznamen „Sapsorrow“ erhielt. Statt dass der König sie heiraten will, wird die Ehe vom Gericht durchgesetzt, da ein Gesetz bestimmt, dass der König denjenigen heiraten muss, dessen Finger in den Ring der verstorbenen Königin passt. Da Sapsorrow der Ring passt, ist sie gezwungen, ihren Vater zu heiraten, gegen ihren und ihres Vaters Wunsch.

Bücher: „Deerskin“ (1993) – In Robin McKinleys Roman „Deerskin“ wird die Geschichte von „Allerleirauh“ neu interpretiert. Die Hauptfigur, Lissar, ist die Tochter eines Königs und einer Königin, die mit der Bedrohung von Inzest und Missbrauch konfrontiert ist. Der Roman untersucht Themen wie Trauma, Heilung und Selbstfindung auf tieferer Ebene. „Princess: A True Story of Life Behind the Veil in Saudi Arabia“ (1992) – In diesem biografischen Roman von Jean Sasson wird die wahre Geschichte einer saudischen Prinzessin erzählt, deren Leben Parallelen zur Geschichte von „Allerleirauh“ aufweist. Die Prinzessin muss sich der Unterdrückung entgegenstellen und einen Weg finden, um Freiheit und Autonomie zu erlangen. Robin McKinley adaptierte dies in ihrem Roman Hirschleder, in dem die Prinzessin vom König vergewaltigt wird, bevor sie fliehen kann. In Jane Yolens Version, die auch den Titel „Allerleirauh“ trägt, heiratet der König seine Tochter, die von ihrem Vater emotional vernachlässigt wurde und die die Absichten des Königs ihr gegenüber missversteht. Die Tochter stirbt im Kindbett wie ihre Mutter. Das Ende der Geschichte legt nahe, dass die Tochter der Tochter dasselbe Schicksal erleiden wird, wenn sie volljährig wird. Chantal Gadoury schrieb eine Nacherzählung des Märchens mit dem gleichnamigen Titel „Allerleirauh“. In Elizabeth Lims Roman „Spin the Dawn“ aus dem Jahr 2019 muss die Protagonistin Maia drei Kleider nähen, die aus dem Lachen der Sonne, den Tränen des Mondes und dem Blut der Sterne gefertigt sind, um zur Schneidermeisterin des Kaisers zu werden.

Theater: „Allerleirauh: The Many-Furred Creature“ (2016) – Diese Theaterproduktion von Charles Way ist eine moderne Adaption des Märchens für die Bühne. Die Aufführung stellt Allerleirauh als starke und unabhängige Frau dar, die ihre Situation meistert und sich selbst rettet. Allerleirauh ist eines der Grimm-Märchen, die im Stück „Das Geheimnis“ von Mary Zimmerman vorkommen.

Musik: „Allerleirauh“ (2008) – Die deutsche Musikgruppe Faun hat das Märchen „Allerleirauh“ in einem ihrer Lieder aus dem Album „Buch der Balladen“ vertont. Das Lied erzählt die Geschichte aus der Sicht von Allerleirauh und verleiht der Erzählung eine mystische Atmosphäre.

Diese Beispiele zeigen, wie das Märchen „Allerleirauh“ im Laufe der Zeit in verschiedenen Medien adaptiert und neu interpretiert wurde. Jede Adaption bringt neue Perspektiven und Interpretationen der Geschichte hervor, was zur anhaltenden Beliebtheit und Relevanz des Märchens beiträgt.

Zusammenfassung des Märchen „Allerleirauh“

„Allerleirauh“ ist ein Märchen der Gebrüder Grimm, das die Geschichte eines jungen Mädchens erzählt, das vor einer ungewollten Heirat mit ihrem eigenen Vater flieht. Die Handlung beginnt, als eine Königin auf dem Sterbebett ihrem König verspricht, dass er nur wieder heiraten sollte, wenn er eine Frau findet, die ebenso schön ist wie sie und ebenso goldenes Haar besitzt. Nach ihrem Tod sucht der König vergeblich nach einer solchen Frau, bis er schließlich feststellt, dass seine eigene Tochter die einzige ist, die diese Bedingungen erfüllt. Trotz der Einwände der Tochter besteht der König darauf, sie zu heiraten.

Um der Heirat zu entkommen, bittet die Tochter den König um drei Kleider – eines so golden wie die Sonne, eines so silbern wie der Mond und eines so funkelnd wie die Sterne – sowie um einen Mantel aus Tausenden von Tierpelzen. Als ihr Vater die Forderungen erfüllt, flieht die Prinzessin, verkleidet in dem Mantel und mit den Kleidern in einer Nussschale versteckt.

In einem benachbarten Königreich findet Allerleirauh, so benannt wegen ihres Tierpelzmantels, Arbeit in der königlichen Küche. Sie versteckt ihre wahre Identität und besucht heimlich drei königliche Bälle, jedes Mal in einem der prächtigen Kleider. Beim letzten Ball verliert sie einen goldenen Ring, den der Prinz findet. Er schwört, nur die Frau zu heiraten, deren Finger in den Ring passt. Nach vielen vergeblichen Versuchen, den Ring anderen Frauen aufzusetzen, entdeckt der Prinz schließlich Allerleirauh und erkennt sie als die schöne Unbekannte von den Bällen. Die beiden heiraten, und Allerleirauh offenbart ihre wahre Identität als Prinzessin. Das Märchen endet damit, dass die beiden zusammen ein glückliches Leben führen.


Informationen für wissenschaftliche Analysen

Kennzahl
Wert
NummerKHM 65
Aarne-Thompson-Uther-IndexATU Typ 510B
ÜbersetzungenDE, EN, DA, ES, PT, FI, IT, JA, NL, PL, RO, RU, TR, VI, ZH
Lesbarkeitsindex nach Amstad74.4
Lesbarkeitsindex nach Björnsson36.9
Flesch-Reading-Ease Index63.3
Flesch–Kincaid Grade-Level9.7
Gunning Fog Index11
Coleman–Liau Index10.9
SMOG Index10.7
Automated Readability Index10.7
Zeichen-Anzahl11.638
Anzahl der Buchstaben9.135
Anzahl der Sätze94
Wortanzahl2.011
Durchschnittliche Wörter pro Satz21,39
Wörter mit mehr als 6 Buchstaben311
Prozentualer Anteil von langen Wörtern15.5%
Silben gesamt2.896
Durchschnittliche Silben pro Wort1,44
Wörter mit drei Silben161
Prozentualer Anteil von Wörtern mit drei Silben8%
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