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Der gläserne Sarg
Grimm Märchen

Der gläserne Sarg - Märchen der Gebrüder Grimm

Vorlesezeit für Kinder: 17 min

Sage niemand, dass ein armer Schneider es nicht weit bringen und nicht zu hohen Ehren gelangen könne, es ist weiter gar nichts nötig, als dass er an die rechte Schmiede kommt und, was die Hauptsache ist, dass es ihm glückt. Ein solches artiges und behändes Schneiderbürschchen ging einmal seiner Wanderschaft nach und kam in einen großen Wald, und weil es den Weg nicht wusste, verirrte es sich.

Der gläserne Sarg

Die Nacht brach ein, und es blieb ihm nichts übrig, als in dieser schauerlichen Einsamkeit ein Lager zu suchen. Auf dem weichen Moose hätte er freilich ein gutes Bett gefunden, allein die Furcht vor den wilden Tieren ließ ihm da keine Ruhe, und er musste sich endlich entschließen, auf einem Baum zu übernachten. Er suchte eine hohe Eiche, stieg bis in den Gipfel hinauf und dankte Gott, dass er sein Bügeleisen bei sich trug, weil ihn sonst der Wind, der über die Gipfel der Bäume wehte, weggeführt hätte.

Nachdem er einige Stunden in der Finsternis, nicht ohne Zittern und Zagen, zugebracht hatte, erblickte er in geringer Entfernung den Schein eines Lichtes. Und weil er dachte, dass da eine menschliche Wohnung sein möchte, wo er sich besser befinden würde als auf den Ästen eines Baums, so stieg er vorsichtig herab und ging dem Lichte nach. Es leitete ihn zu einem kleinen Häuschen, das aus Rohr und Binsen geflochten war. Er klopfte mutig an, die Türe öffnete sich, und bei dem Scheine des herausfallenden Lichtes sah er ein altes eisgraues Männchen, das ein von buntfarbigen Lappen zusammengesetztes Kleid anhatte.

„Wer seid Ihr, und was wollt Ihr?“ fragte es mit einer schnarrenden Stimme. „Ich bin ein armer Schneider,“ antwortete er, „den die Nacht hier in der Wildnis überfallen hat, und bitte Euch inständig, mich bis morgen in Eurer Hütte aufzunehmen.“ „Geh deiner Wege,“ erwiderte der Alte mit mürrischem Tone, „mit Landstreichern will ich nichts zu schaffen haben; suche dir anderwärts ein Unterkommen.“ Nach diesen Worten wollte er wieder in sein Haus schlüpfen, aber der Schneider hielt ihn am Rockzipfel fest und bat so beweglich, dass der Alte, der so böse nicht war, als er sich anstellte, endlich erweicht ward und ihn mit in seine Hütte nahm, wo er ihm zu essen gab und dann in einem Winkel ein ganz gutes Nachtlager anwies.

Der müde Schneider brauchte keines Einwiegens, sondern schlief sanft bis an den Morgen, würde auch noch nicht an das Aufstehen gedacht haben, wenn er nicht von einem lauten Lärm wäre aufgeschreckt worden. Ein heftiges Schreien und Brüllen drang durch die dünnen Wände des Hauses. Der Schneider, den ein unerwarteter Mut überkam, sprang auf, zog in der Hast seine Kleider an und eilte hinaus.

Da erblickte er nahe bei dem Häuschen einen großen schwarzen Stier und einen schönen Hirsch, die in dem heftigsten Kampf begriffen waren. Sie gingen mit so großer Wut aufeinander los, dass von ihrem Getrampel der Boden erzitterte, und die Luft von ihrem Geschrei erdröhnte. Es war lange ungewiss, welcher von beiden den Sieg davontragen würde: endlich stieß der Hirsch seinem Gegner das Geweih in den Leib, worauf der Stier mit entsetzlichem Brüllen zur Erde sank, und durch einige Schläge des Hirsches völlig getötet ward.

Der Schneider, welcher dem Kampf mit Erstaunen zugesehen hatte, stand noch unbeweglich da, als der Hirsch in vollen Sprüngen auf ihn zueilte und ihn, ehe er entfliehen konnte, mit seinem großen Geweihe geradezu aufgabelte. Er konnte sich nicht lange besinnen, denn es ging schnellen Laufes fort über Stock und Stein, Berg und Tal, Wiese und Wald. Er hielt sich mit beiden Händen an den Enden des Geweihes fest und überließ sich seinem Schicksal. Es kam ihm aber nicht anders vor, als flöge er davon. Endlich hielt der Hirsch vor einer Felsenwand still und ließ den Schneider sanft herabfallen.

Der Schneider, mehr tot als lebendig, bedurfte längerer Zeit, um wieder zur Besinnung zu kommen. Als er sich einigermaßen erholt hatte, stieß der Hirsch, der neben ihm stehen geblieben war, sein Geweih mit solcher Gewalt gegen eine in dem Felsen befindliche Türe, dass sie aufsprang. Feuerflammen schlugen heraus, auf welche ein großer Dampf folgte, der den Hirsch seinen Augen entzog. Der Schneider wusste nicht, was er tun und wohin er sich wenden sollte, um aus dieser Einöde wieder unter Menschen zu gelangen. Indem er also unschlüssig stand, tönte eine Stimme aus dem Felsen, die ihm zurief „tritt ohne Furcht herein, dir soll kein Leid widerfahren.“

Er zauderte zwar, doch, von einer heimlichen Gewalt angetrieben, gehorchte er der Stimme und gelangte durch die eiserne Tür in einen großen geräumigen Saal, dessen Decke, Wände und Boden aus glänzend geschliffenen Quadratsteinen bestanden, auf deren jedem ihm unbekannte Zeichen eingehauen waren. Er betrachtete alles voll Bewunderung und war eben im Begriff, wieder hinauszugehen, als er abermals die Stimme vernahm, welche ihm sagte „tritt auf den Stein, der in der Mitte des Saales liegt, und dein wartet großes Glück.“

Sein Mut war schon so weit gewachsen, dass er dem Befehle Folge leistete. Der Stein begann unter seinen Füßen nachzugeben und sank langsam in die Tiefe hinab. Als er wieder feststand und der Schneider sich umsah, befand er sich in einem Saale, der an Umfang dem vorigen gleich war. Hier aber gab es mehr zu betrachten und zu bewundern.

In die Wände waren Vertiefungen eingehauen, in welchen Gefäße von durchsichtigem Glase standen, die mit farbigem Spiritus oder mit einem bläulichen Rauche angefüllt waren. Auf dem Boden des Saales standen, einander gegenüber, zwei große gläserne Kasten, die sogleich seine Neugierde reizten. Indem er zu dem einen trat, erblickte er darin ein schönes Gebäude, einem Schloss ähnlich, von Wirtschaftsgebäuden, Ställen und Scheuern und einer Menge anderer artigen Sachen umgeben. Alles war klein, aber überaus sorgfältig und zierlich gearbeitet, und schien von einer kunstreichen Hand mit der höchsten Genauigkeit ausgeschnitzt zu sein.

Er würde seine Augen von der Betrachtung dieser Seltenheiten noch nicht abgewendet haben, wenn sich nicht die Stimme abermals hätte hören lassen. Sie forderte ihn auf, sich umzukehren und den gegenüberstehenden Glaskasten zu beschauen. Wie stieg seine Verwunderung, als er darin ein Mädchen von größter Schönheit erblickte. Es lag wie im Schlafe, und war in lange blonde Haare wie in einen kostbaren Mantel eingehüllt. Die Augen waren fest geschlossen, doch die lebhafte Gesichtsfarbe und ein Band, das der Atem hin und her bewegte, ließen keinen Zweifel an ihrem Leben.

Der Schneider betrachtete die Schöne mit klopfendem Herzen, als sie plötzlich die Augen aufschlug und bei seinem Anblick in freudigem Schrecken zusammenfuhr. „Gerechter Himmel,“ rief sie, „meine Befreiung naht! geschwind, geschwind, hilf mir aus meinem Gefängnis: wenn du den Riegel an diesem gläsernen Sarg wegschiebst, so bin ich erlöst.“ Der Schneider gehorchte ohne Zaudern, alsbald hob sie den Glasdeckel in die Höhe, stieg heraus und eilte in die Ecke des Saals, wo sie sich in einen weiten Mantel verhüllte.

Dann setzte sie sich auf einen Stein nieder, hieß den jungen Mann herangehen, und nachdem sie einen freundlichen Kuss auf seinen Mund gedrückt hatte, sprach sie „mein lang ersehnter Befreier, der gütige Himmel hat mich zu dir geführt und meinen Leiden ein Ziel gesetzt. An demselben Tage, wo sie endigen, soll dein Glück beginnen. Du bist der vom Himmel bestimmte Gemahl, und sollst, von mir geliebt und mit allen irdischen Gütern überhäuft, in ungestörter Freud dein Leben zubringen. Sitz nieder und höre die Erzählung meines Schicksals.

Ich bin die Tochter eines reichen Grafen. Meine Eltern starben, als ich noch in zarter Jugend war, und empfahlen mich in ihrem letzten Willen meinem älteren Bruder, bei dem ich aufgezogen wurde. Wir liebten uns so zärtlich und waren so übereinstimmend in unserer Denkungsart und unsern Neigungen, dass wir beide den Entschluss fassten, uns niemals zu verheiraten, sondern bis an das Ende unseres Lebens beisammen zu bleiben. In unserm Hause war an Gesellschaft nie Mangel: Nachbarn und Freunde besuchten uns häufig, und wir übten gegen alle die Gastfreundschaft in vollem Maße.

So geschah es auch eines Abends, dass ein Fremder in unser Schloss geritten kam und unter dem Vorgeben, den nächsten Ort nicht mehr erreichen zu können, um ein Nachtlager bat. Wir gewährten seine Bitte mit zuvorkommender Höflichkeit, und er unterhielt uns während des Abendessens mit seinem Gespräche und eingemischten Erzählungen auf das anmutigste.

Mein Bruder hatte ein so großes Wohlgefallen an ihm, dass er ihn bat, ein paar Tage bei uns zu verweilen, wozu er nach einigem Weigern einwilligte. Wir standen erst spät in der Nacht vom Tische auf, dem Fremden wurde ein Zimmer angewiesen, und ich eilte, ermüdet, wie ich war, meine Glieder in die weichen Federn zu senken. Kaum war ich ein wenig eingeschlummert, so weckten mich die Töne einer zarten und lieblichen Musik.

Da ich nicht begreifen konnte, woher sie kamen, so wollte ich mein im Nebenzimmer schlafendes Kammermädchen rufen, allein zu meinem Erstaunen fand ich, dass mir, als lastete ein Alp auf meiner Brust, von einer unbekannten Gewalt die Sprache benommen und ich unvermögend war, den geringsten Laut von mir zu geben.

Indem sah ich bei dem Schein der Nachtlampe den Fremden in mein durch zwei Türen fest verschlossenes Zimmer eintreten. Er näherte sich mir und sagte, dass er durch Zauberkräfte, die ihm zu Gebote standen, die liebliche Musik habe ertönen lassen, um mich aufzuwecken, und dringe jetzt selbst durch alle Schlösser in der Absicht, mir Herz und Hand anzubieten. Mein Widerwille aber gegen seine Zauberkünste war so groß, dass ich ihn keiner Antwort würdigte.

Er blieb eine Zeit lang unbeweglich stehen, wahrscheinlich in der Absicht, einen günstigen Entschluss zu erwarten, als ich aber fortfuhr zu schweigen, erklärte er zornig, dass er sich rächen und Mittel finden werde, meinen Hochmut zu bestrafen, worauf er das Zimmer wieder verließ. Ich brachte die Nacht in höchster Unruhe zu und schlummerte erst gegen Morgen ein. Als ich erwacht war, eilte ich zu meinem Bruder, um ihn von dem, was vorgefallen war, zu benachrichtigen, allein ich fand ihn nicht auf seinem Zimmer, und der Bediente sagte mir, dass er bei anbrechendem Tage mit dem Fremden auf die Jagd geritten sei.

Mir ahnte gleich nichts Gutes. Ich kleidete mich schnell an, ließ meinen Leibzelter satteln und ritt, nur von einem Diener begleitet, in vollem Jagen nach dem Walde. Der Diener stürzte mit dem Pferde und konnte mir, da das Pferd den Fuß gebrochen hatte, nicht folgen. Ich setzte, ohne mich aufzuhalten, meinen Weg fort, und in wenigen Minuten sah ich den Fremden mit einem schönen Hirsch, den er an der Leine führte, auf mich zukommen.

Ich fragte ihn, wo er meinen Bruder gelassen habe und wie er zu diesem Hirsche gelangt sei, aus dessen großen Augen ich Tränen fließen sah. Anstatt mir zu antworten, fing er an laut aufzulachen. Ich geriet darüber in höchsten Zorn, zog eine Pistole und drückte sie gegen das Ungeheuer ab, aber die Kugel prallte von seiner Brust zurück und fuhr in den Kopf meines Pferdes. Ich stürzte zur Erde, und der Fremde murmelte einige Worte, die mir das Bewusstsein raubten.

Als ich wieder zur Besinnung kam, fand ich mich in dieser unterirdischen Gruft in einem gläsernen Sarg. Der Schwarzkünstler erschien nochmals, sagte, dass er meinen Bruder in einen Hirsch verwandelt, mein Schloss mit allem Zubehör verkleinert in den anderen Glaskasten eingeschlossen und meine in Rauch verwandelten Leute in Glasflaschen gebannt hätte. Wolle ich mich jetzt seinem Wunsche fügen, so sei ihm ein leichtes, alles wieder in den vorigen Stand zu setzen: er brauche nur die Gefäße zu öffnen, so werde alles wieder in die natürliche Gestalt zurückkehren. Ich antwortete ihm so wenig als das erste Mal.

Er verschwand und ließ mich in meinem Gefängnisse liegen, in welchem mich ein tiefer Schlaf befiel. Unter den Bildern, welche an meiner Seele vorübergingen, war auch das tröstliche, dass ein junger Mann kam und mich befreite, und als ich heute die Augen öffne, so erblicke ich dich und sehe meinen Traum erfüllt. Hilf mir vollbringen, was in jenem Gesichte noch weiter geschah. Das erste ist, dass wir den Glaskasten, in welchem mein Schloss sich befindet, auf jenen breiten Stein heben.“

Der Stein, sobald er beschwert war, hob sich mit dem Fräulein und dem Jüngling in die Höhe und stieg durch die Öffnung der Decke in den oberen Saal, wo sie dann leicht ins Freie gelangen konnten. Hier öffnete das Fräulein den Deckel, und es war wunderbar anzusehen, wie Schloss, Häuser und Gehöfte sich ausdehnten und in größter Schnelligkeit zu natürlicher Größe heranwuchsen. Sie kehrten darauf in die unterirdische Höhle zurück und ließen die mit Rauch gefüllten Gläser von dem Steine herauftragen.

Kaum hatte das Fräulein die Flaschen geöffnet, so drang der blaue Rauch heraus und verwandelte sich in lebendige Menschen, in welchen das Fräulein ihre Diener und Leute erkannte. Ihre Freude ward noch vermehrt, als ihr Bruder, der den Zauberer in dem Stier getötet hatte, in menschlicher Gestalt aus dem Walde herankam, und noch denselben Tag reichte das Fräulein, ihrem Versprechen gemäß, dem glücklichen Schneider die Hand am Altare.

Hintergründe zum Märchen „Der gläserne Sarg“

„Der gläserne Sarg“ ist ein Märchen, das in der Sammlung „Kinder- und Hausmärchen“ der Brüder Grimm als KHM 163 enthalten ist. Es wurde erstmals in der 3. Auflage von 1837 veröffentlicht und stammt ursprünglich aus dem Roman „Das verwöhnte Mutter-Söhngen oder Polidors ganz besonderer und überaus lustiger Lebenslauf auf Schulen und Universitäten“ von Sylvano, das 1728 erschienen ist. Wilhelm Grimm hatte das Märchen aus diesem Roman übernommen und leicht bearbeitet, bevor es in die Sammlung der Brüder Grimm aufgenommen wurde.

Der gläserne Sarg

Die Geschichte handelt von einem armen Schneider, der sich in einem Wald verirrt und schließlich von einem verwandelten Hirsch zu einem verwunschenen Schloss geführt wird. Dort entdeckt er ein schlafendes Mädchen in einem gläsernen Sarg. Der Schneider befreit sie und löst dadurch den Fluch, der auf ihr und ihrem Bruder liegt.

Einige Motive und Elemente des Märchens finden sich auch in anderen Geschichten der Brüder Grimm wieder, wie zum Beispiel der Glassarg in „Schneewittchen“ oder die Verwandlung von Menschen in Tiere, wie in „Die drei Schwestern“. Das Motiv des Todes- oder Zauberschlafs ist ebenfalls ein bekanntes Thema in Märchen, zum Beispiel in „Dornröschen“ und „Schneewittchen“.

Die Brüder Grimm selbst vermuteten, dass „Der gläserne Sarg“ auf einer echten, jedoch überarbeiteten Sage basierte. Tatsächlich ist dieses Märchen einer der frühesten Belege für Märchenmotive in Deutschland, bevor sie in Mode kamen. Obwohl einige Aspekte des Märchens von Wilhelm Grimm zensiert und angepasst wurden, ist „Der gläserne Sarg“ dennoch ein interessantes Beispiel für die Weiterentwicklung von Märchenmotiven und -themen im Laufe der Zeit.

Interpretationen zum Märchen „Der gläserne Sarg“

„Der gläserne Sarg“ bietet verschiedene Interpretationsmöglichkeiten und kann auf unterschiedliche Weise gelesen werden. Hier sind einige Interpretationsansätze:

Transformation und Reifung: In vielen Märchen sind Verwandlungen und die Überwindung von Schwierigkeiten zentrale Themen. Die Geschwister in „Der gläserne Sarg“ werden in Tiere verwandelt und müssen erlöst werden, bevor sie ihre menschliche Gestalt wiedererlangen. Der arme Schneider spielt eine entscheidende Rolle in dieser Transformation und zeigt, dass man trotz bescheidener Herkunft eine wichtige Aufgabe erfüllen kann.

Die Überwindung von Ängsten und Hindernissen: Der Schneider stellt sich mutig den Herausforderungen und Gefahren, die ihm im Wald und im verwunschenen Schloss begegnen. Seine Entschlossenheit und sein Mut sind ausschlaggebend für den erfolgreichen Ausgang der Geschichte und die Befreiung der Geschwister.

Liebe und Selbstlosigkeit: Obwohl der Schneider arm ist, handelt er selbstlos und zeigt Mitgefühl für das schlafende Mädchen im gläsernen Sarg. Seine guten Absichten und seine Bereitschaft, anderen zu helfen, sind zentrale Werte der Geschichte und tragen zum positiven Ausgang bei.

Todesschlaf und Depression: Der Psychotherapeut Jobst Finke interpretiert das Motiv des Todesschlafs, das auch in anderen Märchen wie „Dornröschen“ und „Schneewittchen“ vorkommt, als mögliche Metapher für die Einengungen in schwerer Depression. Die Befreiung der schlafenden Prinzessin könnte somit auch als Überwindung von emotionalen und psychischen Hindernissen gelesen werden.

Die Macht von Magie und Alchemie: Das Motiv der magischen Gläser und der Zauber, der in ihnen eingeschlossen ist, erinnert an alchemistische Praktiken und das Streben nach höherem Wissen und Macht. Die Befreiung der Geschwister und die Zerstörung des Bösen sind auch ein Sieg des Guten über die dunklen Kräfte, die die Welt bedrohen.

Insgesamt ist „Der gläserne Sarg“ ein vielschichtiges Märchen, das verschiedene Interpretationen zulässt und unterschiedliche Themen wie Transformation, Liebe, Mut und die Überwindung von Hindernissen behandelt.

Adaptionen zum Märchen „Der gläserne Sarg“

„Der gläserne Sarg“ ist ein deutsches Märchen, das von den Gebrüdern Grimm gesammelt wurde (Märchennummer 163). Andrew Lang hat es als „Der Kristallsarg“ in das Grüne Märchenbuch aufgenommen. Es ist als Aarne-Thompson Typ 410 klassifiziert (Dornröschen). Eine weitere Variante ist „Der junge Sklave“. Obwohl „Der gläserne Sarg“ (KHM 163) nicht zu den bekanntesten Märchen der Gebrüder Grimm gehört, gibt es dennoch einige Adaptionen und Neuinterpretationen der Geschichte. Hier sind einige Beispiele:

Film- und Fernsehadaptionen: „Der gläserne Sarg“ wurde in verschiedenen filmischen Adaptionen umgesetzt. Eine davon ist eine Episode der deutschen Fernsehserie „Grimms Märchen“ aus dem Jahr 1970, in der die Geschichte von Wilhelm Grimm verfilmt wurde.

Theater und Musicals: Das Märchen wurde auch für die Bühne adaptiert. In Deutschland gibt es verschiedene Theaterproduktionen, die sich dem Märchenstoff angenommen haben und das Stück für Kinder- und Erwachsenenpublikum inszeniert haben.

Literarische Adaptionen: Verschiedene Autoren haben sich von „Der gläserne Sarg“ inspirieren lassen und ihre eigenen Versionen oder Neuerzählungen des Märchens geschrieben. Ein Beispiel ist das Buch „Die Prinzessin im gläsernen Sarg“ von Eufemia von Adlersfeld-Ballestrem, das eine moderne Interpretation des Märchens bietet.

Illustrationen und Bildergeschichten: Viele Künstler haben im Laufe der Zeit Illustrationen und Bildergeschichten zu „Der gläserne Sarg“ angefertigt. Die Märchensammlungen der Gebrüder Grimm enthalten oft Illustrationen von zeitgenössischen Künstlern, die das Märchen visuell interpretieren.

Musik: Auch in der Musik findet sich das Märchen wieder. Komponisten wie Gerhard Braun oder Erich Krötzschmar haben Werke geschaffen, die von „Der gläserne Sarg“ inspiriert sind und das Märchen in musikalischer Form erzählen.

Insgesamt ist „Der gläserne Sarg“ ein Märchen, das zwar weniger bekannt ist als einige der populäreren Geschichten der Gebrüder Grimm, aber dennoch in verschiedenen künstlerischen Formen adaptiert und neu interpretiert wurde.

Zusammenfassung des Märchen „Der gläserne Sarg“

„Der gläserne Sarg“ ist ein Märchen der Brüder Grimm, das von einem armen Schneider handelt, der sich in einem Wald verirrt. Auf der Suche nach einem Schlafplatz entdeckt er ein Haus, dessen Bewohner ihn zuerst abweisen, aber schließlich ein Nachtlager gewähren. In der Nacht erwacht der Schneider durch den Lärm eines Kampfes zwischen einem schwarzen Stier und einem großen Hirsch. Der Hirsch tötet den Stier und trägt den Schneider auf seinem Geweih zu einer Felswand, hinter der sich ein verwunschenes Schloss verbirgt.

Im Schloss findet der Schneider eine Halle, in der er eine Reihe von Glasgefäßen entdeckt, sowie eine schlafende Prinzessin in einem gläsernen Sarg. Er befreit die Prinzessin, die ihm ihre Geschichte erzählt: Sie und ihr Bruder wurden verflucht, weil sie den Heiratsantrag eines bösen Zauberers abgelehnt hatte. Ihr Bruder wurde in den Hirsch verwandelt, während sie und ihr gesamtes Hofstaat in den Glasgefäßen gefangen wurden. Zusammen mit der Prinzessin befreit der Schneider die Menschen aus den Glasgefäßen, wodurch der Fluch gebrochen wird. Der Hirsch verwandelt sich zurück in den Bruder der Prinzessin, und die beiden Geschwister können ihr Leben wieder aufnehmen.

Die Handlung des Märchen

Ein Schneiderlehrling verirrte sich in einem Wald. Als es Nacht wurde, sah er ein Licht aufleuchten und folgte ihm zu einer Hütte. Dort wohnte ein alter Mann, der, nachdem der Schneider gebettelt hatte, ihm erlaubte, über Nacht zu bleiben. Am Morgen erwachte der Schneider und wurde Zeuge eines Kampfes zwischen einem großen Hirsch und einem Stier. Nachdem der Hirsch gewonnen hatte, band er sich an ihn und trug ihn mit seinem Geweih davon. Er setzte ihn vor einer Steinmauer ab und stieß ihn gegen eine Tür darin, die sich dann öffnete. Im Inneren der Tür wurde ihm gesagt, er solle auf einem Stein stehen, der ihm Glück bringen würde. Er tat dies, und er sank in einen großen Saal hinab, wo die Stimme ihn anwies, in eine Glastruhe zu schauen. In der Truhe befand sich ein schönes Mädchen, das ihn bat, die Truhe zu öffnen und sie zu befreien, und er tat es.

Die Jungfrau erzählte ihm ihre Geschichte: Sie war die Tochter eines reichen Grafen, und nach dem Tod ihrer Eltern war sie von ihrem Bruder aufgezogen worden. Eines Tages blieb ein Reisender über Nacht und benutzte Magie, um in der Nacht zu ihr zu gelangen und sie zu bitten, ihn zu heiraten. Sie fand den Gebrauch von Magie abstoßend und lehnte seinen Antrag ab. Aus Rache verwandelte der Zauberer dann ihren Bruder in den Hirsch, sperrte sie in der Glastruhe (Sarg) ein und verzauberte alle Länder um sie herum. Der Schneider und das Mädchen verließen die verzauberte Halle und stellten fest, dass der Hirsch wieder in ihren Bruder verwandelt worden war. Der Stier, den er getötet hatte, war der Zauberer gewesen. Der Schneider und die Jungfrau heirateten dann.

Informationen für wissenschaftliche Analysen


Statistiken zum Märchen
Wert
NummerKHM 163
Aarne-Thompson-Uther-IndexATU Typ 410
Übersetzungen DE, EN, DA, ES, FR, PT, IT, JA, NL, PL, RO, RU, TR, VI, ZH,
Lesbarkeitsindex nach Amstad61.6
Lesbarkeitsindex nach Björnsson48.5
Flesch-Reading-Ease Index45.8
Flesch–Kincaid Grade-Level12
Gunning Fog Index13.6
Coleman–Liau Index12
SMOG Index12
Automated Readability Index12
Zeichen-Anzahl13.521
Anzahl der Buchstaben10.949
Anzahl der Sätze90
Wortanzahl2.128
Durchschnittliche Wörter pro Satz23,64
Wörter mit mehr als 6 Buchstaben528
Prozentualer Anteil von langen Wörtern24.8%
Silben gesamt3.447
Durchschnittliche Silben pro Wort1,62
Wörter mit drei Silben306
Prozentualer Anteil von Wörtern mit drei Silben14.4%

Bildquellen: © Andrea Danti / Shutterstock

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