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Der gläserne Schuh
Grimm Märchen

Der gläserne Schuh - Märchen von Ernst Moritz Arndt

Vorlesezeit für Kinder: 9 min

Ein Bauer aus Rothenkirchen, Johann Wilde genannt, fand einmal einen gläsernen Schuh auf einem der Berge, wo die kleinen Leute zu tanzen pflegen. Er steckte ihn flugs ein und lief weg damit und hielt die Hand fest auf der Tasche, als habe er eine Taube darin. Denn er wusste, dass er einen Schatz gefunden hatte, den die Unterirdischen teuer wiederkaufen müssten. Andere sagen, Johann Wilde habe die Unterirdischen mitternächtlich belauert und einem von ihnen den Schuh ausgezogen, indem er sich mit einer Branntweinflasche dort hingestreckt und gleich einem Besoffenen gebärdet habe. Denn er war ein sehr listiger und schlimmer Mensch und hatte durch seine Verschlagenheit manchen betrogen und war deswegen bei seinen Nachbarn gar nicht gut angeschrieben, und keiner hatte gern mit ihm zu tun. Viele sagen auch, er habe verbotene Künste gekonnt und mit den Unholden und alten Wettermacherinnen geheimen Umgang gepflogen.

Als er den Schuh nun hatte, tat er es denen, die unter der Erde wohnen, gleich zu wissen, indem er um die Mitternacht zu den Neun Bergen ging und lauten Halses schrie: „Johann Wilde in Rothenkirchen hat einen schönen gläsernen Schuh, wer kauft ihn? Wer kauft ihn?“ Denn er wusste, dass der Kleine, der einen Schuh verliert, den Fuß solange bloß tragen muss, bis er in wiederbekommt. Und das ist keine Kleinigkeit, da die kleinen Leute meist auf harten und steinichten Boden treten müssen. Der Kleine säumte auch nicht, ihn wieder einzulösen. Denn sobald er einen freien Tag hatte, wo er an das Tageslicht hinaus durfte, klopfte er als ein zierlicher Kaufmann an Johann Wildens Türe und fragte, ob er nicht gläserne Schuh zu verkaufen habe? Denn die seien jetzt eine angreifische Ware und werden auf allen Märkten gesucht. Der Bauer antwortete, er habe einen sehr kleinen, netten gläsernen Schuh, so dass auch eines Zwerges Fuß davon geklemmt werden müsse, und dass Gott erst eigene Leute dazu schaffen müsse; aber das sei ein seltener Schuh und ein kostbarer Schuh und ein teurer Schuh, und nicht jeder Kaufmann könne ihn bezahlen. Der Kaufmann ließ ihn sich zeigen und sprach:

„Es ist eben nichts so Seltenes mit den gläsernen Schuhen, lieber Freund, als Ihr hier in Rothenkirchen glaubt, weil Ihr nicht in die Welt hinauskommet“; dann sagte er nach einigen Hms: „Aber ich will ihn doch gut bezahlen, weil ich gerade einen Gespann dazu habe.“ Und er bot dem Bauern tausend Taler. „Tausend Taler ist Geld, pflegte mein Vater zu sagen, wenn er fette Ochsen zu Markt trieb“, sprach der Bauer spöttisch; „aber für den lumpigen Preis kommt er nicht aus meiner Hand, und mag er meinethalben auf dem Fuße von der Docke meiner Tochter prangen. Hör‘ Er, Freund, ich habe von dem gläsernen Schuh so ein Liedchen singen hören, und um einen Quark kommt er nicht aus meiner Hand. Kann Er nicht die Kunst, mein lieber Mann, daß ich in jeder Furche, die ich auspflüge, einen Dukaten finde, so bleibt der Schuh mein, und Er fragt auf anderen Märkten nach gläsernen Schuhen.“ Der Kaufmann machte noch viele Versuche und Wendungen hin und her; da er aber sah, dass der Bauer nicht nachließ, tat er ihm den Willen und schwur’s ihm zu. Der Bauer glaubte ihm’s und gab ihm den gläsernen Schuh; denn er wusste, mit wem er’s zu tun hatte. Und der Kaufmann ging mit seinem Schuh weg.

Und nun hat der Bauer sich flugs in seinen Stall gemacht und Pferde und Pflug bereitet und ist ins Feld gezogen und hat sich ein Stück mit der allerkürzesten Wendung ausgesucht, und wie der Pflug die erste Scholle gebrochen, ist der Dukaten aus der Erde gesprungen, und so hat er’s bei jeder neuen Furche wieder gemacht. Da ist des Pflügen’s denn kein Ende gewesen, und der Bauer hat sich bald noch acht neue Pferde gekauft und auf den Stall gestellt zu den achten, die er schon hatte, und ihre Krippen sind nie leer geworden von Hafer, damit er je alle zwei Stunden zwei frische Pferde anschirren und desto rascher treiben könnte. Und der Bauer ist unersättlich gewesen im Pflügen und ist immer vor Sonnenaufgang ausgezogen und hat oft noch nach der Mitternacht gepflügt, und immerfort, immerfort, solange die Erde nicht zu Stein gefroren war, Sommer und Winter. Er hat aber immer allein gepflügt und nicht gelitten, dass jemand mit ihm gegangen oder zu ihm gekommen ist; denn er wollte nicht sehen lassen, warum er so pflügte. Und er ist weit geplagter gewesen als seine Pferde, welche den schönen Hafer fraßen und ordentlich Schicht und Wechsel hielten; und er ist bleich und mager geworden von dem vielen Wachen und Arbeiten.

Seine Frau und Kinder haben keine Freude mehr an ihm gehabt; auf die Schenken und Gelage ist er nicht mehr gegangen und hat sich allen Leuten entzogen und kaum ein Wort mehr gesprochen, sondern ist stumm und in sich gekehrt so für sich hingegangen und hat des Tages auf seine Dukaten gearbeitet, und des Nachts hat er sie zählen und darauf grübeln müssen, wie er noch einen geschwinderen Pflug erfände. Und seine Frau und die Nachbarn haben ihn bejammert wegen seines wunderlichen Tuns und wegen seiner Stummheit und Schwermut und haben geglaubt, er sei närrisch geworden; auch haben alle Leute seine Frau und Kinder bedauert, denn sie meinten, durch die vielen Pferde, die er auf dem Stalle hielt, und durch die verkehrte Ackerwirtschaft mit dem überflüssigen Pflügen müsse er sich um Haus und Hof bringen.

So ist es aber nicht ausgefallen. Aber das ist wahr, der arme Bauer hat keine vergnügte Stunde mehr gehabt, seit er so die Dukaten aus der Erde pflügte, und es hat wohl mit Recht von ihm geheißen: Wer sich dem Golde ergibt, ist schon halb in des Bösen Klauen. Auch hat er es nicht lange ausgehalten mit diesem Laufen in den Furchen bei Tage und Nacht. Denn als der zweite Frühling kam, ist er eines Tages hinterm Pflug hingefallen wie eine matte Novemberfliege und vor lauter Golddurst vertrocknet und verwelkt, da er doch ein sehr starker und lustiger Mensch war, ehe er den unterirdischen Schuh in seine Gewalt bekam.

Der gläserne Schuh MärchenBild: Paul Hey (1867 – 1952)

Seine Frau aber fand nach ihm einen Schatz, zwei große vernagelte Kisten voll heller, blanker Dukaten. Und seine Söhne haben sich große Güter gekauft und sind Herren und Edelleute geworden. So macht der Teufel zuweilen auch große Herren. Aber was hat das dem armen Johann Wilde gefrommt?

Lesen Sie ein Kurz-Märchen (5 min)

Geschichte zu Johann Wilde von Jodocus Donatus und Hubertus Temme

Vor vielen Jahren lebte in dem Dorfe Rodenkirchen auf Rügen ein Bauer, Namens Johann Wilde. Der wollte gern reich werden, und fing das auf folgende listige Weise an: Er ging um Mitternacht zu den neun Bergen, nahm eine Branntweinflasche mit und legte sich nieder, als wenn er schwer betrunken wäre. Wie nun die Zwerge aus den neun Bergen hervorkamen, um auf der Oberwelt zu tanzen, da glaubten sie, dass er wirklich betrunken sei, und nahmen sich nicht sonderlich vor ihm in Acht, so dass es ihm glückte, einem von ihnen, ehe derselbe sich dessen versehen konnte, seinen gläsernen Schuh von dem kleinen Fuße zu ziehen. Mit dem lief er eilig zu Hause, wo er ihn sorgfältig verbarg. Die andere Nacht aber ging er zu den neun Bergen zurück, und rief laut hinein: Johann Wilde in Rodenkirchen hat einen schönen gläsernen Schuh; wer kauft ihn? wer kauft ihn? Denn er wusste, dass der Zwerg dann bald kommen würde, um seinen Schuh wieder einzulösen.

Der arme Zwerg musste nun seinen Fuß so lange bloß tragen, bis er seinen Schuh zurück hatte. Sobald er daher wieder auf die Oberwelt kommen durfte, verkleidete er sich als ein reisender Kaufmann und ging zu Johann Wilde. Dem suchte er den Schuh Anfangs für ein Spottgeld abzukaufen; Johann Wilde pries aber seine Ware an, bis der Kleine ihm zuletzt die Kunst anzauberte, dass er in jeder Furche, die er pflügte, einen Dukaten finde. Dafür gab er den Schuh zurück.

Nun fing der Bauer geschwinde an zu pflügen, und so wie er die erste Scholle gebrochen hatte, sprang ein blanker Dukaten ihm aus der Erde entgegen, und das ging immer so von neuem, so oft er eine neue Furche anfing. Daher machte er denn auch bald ganz kleine Furchen, und er wendete den Pflug so oft um, als er nur eben konnte. Dadurch wurde Johann Wilde in Kurzem ein so reicher Mann, dass er selbst nicht wusste, wie reich er war. Aber es war dies Alles sein Unglück, und er hatte keinen Segen davon.

Denn weil er immer des Geldes mehr haben wollte, so pflügte er zuletzt Tag und Nacht und tat nichts mehr als pflügen. Das konnten nun zwar seine Pferde wohl aushalten, denn er kaufte sich deren eine große Menge, damit sie immer frische Kräfte hätten, und desto mehr Furchen pflügen könnten; aber er selbst wurde durch die viele Mühe und Arbeit ganz krank und elend; und zuletzt fiel er hinter dem Pfluge hin und war vor Entkräftung plötzlich gestorben. Seine Frau und Kinder fanden nach seinem Tode einen ungeheuren Schatz von Dukaten vor, davon haben sie sich große Güter gekauft, und sind nachher reiche und vornehme Edelleute geworden.

Informationen für wissenschaftliche Analysen


Statistiken zum Märchen
Wert
Lesbarkeitsindex nach Amstad62.9
Lesbarkeitsindex nach Björnsson46.9
Flesch-Reading-Ease Index49.4
Flesch–Kincaid Grade-Level12
Gunning Fog Index14.3
Coleman–Liau Index12
SMOG Index12
Automated Readability Index12
Zeichen-Anzahl6.323
Anzahl der Buchstaben5.098
Anzahl der Sätze38
Wortanzahl1.050
Durchschnittliche Wörter pro Satz27,63
Wörter mit mehr als 6 Buchstaben202
Prozentualer Anteil von langen Wörtern19.2%
Silben gesamt1.606
Durchschnittliche Silben pro Wort1,53
Wörter mit drei Silben112
Prozentualer Anteil von Wörtern mit drei Silben10.7%

Bildquellen: © Andrea Danti / Shutterstock

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