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Die Boten des Todes
Grimm Märchen

Die Boten des Todes - Märchen der Gebrüder Grimm

Vorlesezeit für Kinder: 5 min

Vor alten Zeiten wanderte einmal ein Riese auf der großen Landstraße, da sprang ihm plötzlich ein unbekannter Mann entgegen und rief „halt! keinen Schritt weiter!“ – „Was,“ sprach der Riese, „du Wicht, den ich zwischen den Fingern zerdrücken kann, du willst mir den Weg vertreten? Wer bist du, dass du so keck reden darfst?“ – „Ich bin der Tod,“ erwiderte der andere, „mir widersteht niemand, und auch du musst meinen Befehlen gehorchen.“ Der Riese aber weigerte sich und fing an mit dem Tode zu ringen. Es war ein langer heftiger Kampf, zuletzt behielt der Riese die Oberhand und schlug den Tod mit seiner Faust nieder, dass er neben einen Stein zusammensank. Der Riese ging seiner Wege, und der Tod lag da besiegt und war so kraftlos, dass er sich nicht wieder erheben konnte. „Was soll daraus werden,“ sprach er, „wenn ich da in der Ecke liegen bleibe? Es stirbt niemand mehr auf der Welt, und sie wird so mit Menschen angefüllt werden, dass sie nicht mehr Platz haben, nebeneinander zu stehen.“

Indem kam ein junger Mensch des Wegs, frisch und gesund, sang ein Lied und warf seine Augen hin und her. Als er den halb Ohnmächtigen erblickte, ging er mitleidig heran, richtete ihn auf, flößte ihm aus seiner Flasche einen stärkenden Trank ein und wartete, bis er wieder zu Kräften kam. „Weißt du auch,“ fragte der Fremde, indem er sich aufrichtete, „wer ich bin, und wem du wieder auf die Beine geholfen hast?“ – „Nein,“ antwortete der Jüngling, „ich kenne dich nicht.“ – „Ich bin der Tod,“ sprach er, „ich verschone niemand und kann auch mit dir keine Ausnahme machen. Damit du aber siehst, dass ich dankbar bin, so verspreche ich dir, dass ich dich nicht unversehens überfallen, sondern dir erst meine Boten senden will, bevor ich komme und dich abhole.“ – „Wohlan,“ sprach der Jüngling, „immer ein Gewinn, dass ich weiß, wann du kommst, und so lange wenigstens sicher vor dir bin.“

Dann zog er weiter, war lustig und guter Dinge und lebte in den Tag hinein. Allein Jugend und Gesundheit hielten nicht lange aus, bald kamen Krankheiten und Schmerzen, die ihn bei Tag plagten und ihm nachts die Ruhe wegnahmen. „Sterben werde ich nicht,“ sprach er zu sich selbst, „denn der Tod sendet erst seine Boten, ich wollte nur, die bösen Tage der Krankheit wären erst vorüber.“ Sobald er sich gesund fühlte, fing er wieder an in Freuden zu leben.

Da klopfte ihn eines Tages jemand auf die Schulter: er blickte sich um, und der Tod stand hinter ihm und sprach „folge mir, die Stunde deines Abschieds von der Welt ist gekommen.“ – „Wie,“ antwortete der Mensch, „willst du dein Wort brechen? Hast du mir nicht versprochen, dass du mir, bevor du selbst kamst, deine Boten senden wolltest? Ich habe keinen gesehen.“ – „Schweig,“ erwiderte der Tod, „habe ich dir nicht einen Boten über den anderen geschickt? Kam nicht das Fieber, stieß dich an, rüttelte dich und warf dich nieder? Hat der Schwindel dir nicht den Kopf betäubt? Zwickte dich nicht die Gicht in allen Gliedern? Brauste dir’s nicht in den Ohren? Nagte nicht der Zahnschmerz in deinen Backen? Wird dir’s nicht dunkel vor den Augen? Über das alles, hat nicht mein leiblicher Bruder, der Schlaf, dich jeden Abend an mich erinnert? lagst du nicht in der Nacht, als wärst du schon gestorben?“

Der Mensch wusste nichts zu erwidern, ergab sich in sein Geschick und ging mit dem Tode fort.

Lesen Sie ein Kurz-Märchen (5 min)

Hintergründe zum Märchen „Die Boten des Todes“

„Die Boten des Todes“ ist ein deutsches Märchen, das von den Brüdern Grimm mit der Märchennummer 177 gesammelt wurde.

Handlung und Zusammenfassung des Märchen

Der Tod trifft auf einen Riesen und wird schwer geschlagen. Der junge Mann stößt auf den erschlagenen Tod und hilft ihm auf. Der dankbare Tod verspricht dem jungen Mann, dass er, obwohl er den jungen Mann nicht verschonen kann, wenn die Zeit gekommen ist, vorher Boten schicken wird, um den jungen Mann vor seinem Tod zu warnen.

Viele Jahre später wird der Mann, der nicht mehr jung ist, überrascht, als der Tod ihn holen kommt. Der Mann beschwert sich beim Tod, dass der Tod nicht vorher Boten geschickt habe, um ihn zu warnen, wie es der Tod versprochen hatte. Aber der Tod weist darauf hin, dass er Boten geschickt hatte: Krankheit, die Zeichen des Alterns und Schlaf. Der Mann erlaubt dann dem Tod, ihn ohne weitere Beschwerden zu empfangen.

Informationen für wissenschaftliche Analysen


Statistiken zum Märchen
Wert
NummerKHM 177
Aarne-Thompson-Uther-IndexATU Typ 335
Übersetzungen english
Lesbarkeitsindex nach Amstad81.1
Lesbarkeitsindex nach Björnsson31.9
Flesch-Reading-Ease Index70.8
Flesch–Kincaid Grade-Level7.4
Gunning Fog Index9.1
Coleman–Liau Index11.6
SMOG Index9.7
Automated Readability Index8.6
Zeichen-Anzahl3.398
Anzahl der Buchstaben2.631
Anzahl der Sätze35
Wortanzahl565
Durchschnittliche Wörter pro Satz16,14
Wörter mit mehr als 6 Buchstaben89
Prozentualer Anteil von langen Wörtern15.8%
Silben gesamt799
Durchschnittliche Silben pro Wort1,41
Wörter mit drei Silben45
Prozentualer Anteil von Wörtern mit drei Silben8%

Bildquellen: © Andrea Danti / Shutterstock

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