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Die schönste Rose der Welt
Grimm Märchen

Die schönste Rose der Welt - Märchen von Hans Christian Andersen

Vorlesezeit für Kinder: 7 min

Es war eine mächtige Königin, in deren Garten befanden sich die schönsten Blumen jeder Jahreszeit und aus allen Ländern der Welt. Aber die Rosen liebte sie besonders, und deshalb hatte sie von diesen die verschiedensten Arten, von der wilden Heckenrose mit den nach Äpfeln duftenden grünen Blättern bis zur schönsten Rose aus Frankreichs Provence. Und sie wuchsen an den Mauern des Schlosses hinauf, rankten sich um Säulen und Fensterrahmen, in die Gänge hinein und an den Decken der Säle entlang, und jede gab ihr Bestes in Duft, Form und Farbe.

Aber Trauer und Trübsal wohnten drinnen. Die Königin lag auf dem Sterbelager und die Ärzte verkündeten, dass sie sterben müsse. „Eine Rettung gibt es noch für sie“ sagte der Weiseste unter ihnen. „Bringt ihr die schönste Rose der Welt, die Rose, die das Sinnbild der höchsten und reinsten Liebe ist. Kommt ihr diese vor die Augen, ehe sie brechen, so stirbt sie nicht.“

Und Jung und Alt kamen von weit und breit mit Rosen, den herrlichsten, die in jedem Garten wuchsen. Aber diese Rosen waren es nicht. Aus dem Garten der Liebe musste die Blume geholt werden. Aber welche von den Rosen dort mochte der Ausdruck der höchsten, der reinsten Liebe sein? Und die Skalden sangen von der schönsten Rose der Welt, jeder sang von der seinigen. Und es erging Botschaft weit im Lande umher an jedes Herz, das in Liebe schlug, Botschaft an jeden Stand und jedes Alter.

„Noch hat niemand die Blume genannt!“ sagte der Weise. „Niemand hat den Ort gewiesen, wo ihre Schönheit entsprang. Nicht sind es die Rosen von Romeos und Julias Sarg oder von Walborgs Grabe, ob sie auch immer durch Sage und Lied duften werden: es sind nicht die Rosen, die aus Winkelrieds blutigen Lanzen hervorsprießen, ans dem Blute, das heilig der Brust des Helden entströmt beim Tode fürs Vaterland, obgleich kein Tod süßer, keine Rose röter ist als das Blut, was da geflossen ist.

Auch jene Wunderblume ist es nicht, für deren Pflege der Mann im Jahr und Tag, in langen schlaflosen Nächten, in einsamer Stube, sein frisches Leben hingibt, der Wissenschaft magische Rose.“ – „Ich weiß, wo sie blüht“ sagte eine glückselige Mutter, die mit ihrem kleinen Kinde an das Lager der Königin trat. „Ich weiß, wo man die schönste Rose der Welt finden kann, die Rose, die das Sinnbild der höchsten und reinsten Liebe ist.

Sie blüht auf den rosigen Wangen meines süßen Kindes, wenn es, vom Schlafe gestärkt, die Augen aufschlägt und mich mit all seiner Liebe anlacht!“ „Lieblich ist diese Rose, aber es gibt eine schönere“ sagte der Weise. „Ja, eine weit schönere“ sagte eine der Frauen. „Ich habe sie erblickt. Eine erhabenere, eine heiligere Rose blüht nirgends, aber sie war bleich, wie die Blütenblätter der Teerose.

Auf den Wangen der Königin sah ich sie. Sie hatte ihre königliche Krone abgetan und trug selbst in langer, sorgenvoller Nacht ihr krankes Kind in den Armen, weinte darum, küsste es und flehte darum zu Gott, wie nur eine Mutter betet in der Stunde der Angst“ – „Heilig und wunderbar in ihrer Macht ist der Sorge weiße Rose, aber auch sie ist es nicht.“

„Nein, die schönste Rose der Welt sah ich am Altar des Herrn“ sagte der gute, alte Bischof. „Ich sah sie leuchten. Wie eines Engels Antlitz zeigte sie sich. Die jungen Mädchen gingen zum Tische des Herrn, um den Bund der Taufe zu erneuen, und es erblühten und erbleichten Rosen auf ihren frischen Wangen. Ein junges Mädchen stand dort. Sie schaute mit der vollen Reinheit und Liebe ihrer ganzen Seele zu ihrem Gott auf. Das war der Ausdruck der reinsten und höchsten Liebe.“

„Gesegnet sei sie!“ sagte der Weise, „doch noch immer hat keiner von Euch die schönste Rose der Welt genannt.“ Da trat in die Stube ein Kind, der Königin kleiner Sohn. Die Tränen standen in seinen Augen und auf seinen Wangen. Er trug ein großes, aufgeschlagenes Buch, in Samt gebunden und mit Silber beschlagen. „Mutter“ sagte der Kleine, „O, hör doch, was ich gelesen habe.“

Und das Kind setzte sich an das Bett und las aus dem Buche vor von dem, der sich selbst am Kreuze geopfert hatte, um die Menschheit, selbst die noch ungeborenen Geschlechter, zu erlösen. Größere Liebe gibt es nicht.“ Da ging ein Rosenschein über die Wangen der Königin, ihre Augen wurden groß, so klar, denn sie sah aus den Blättern des Buches die schönste Rose der Welt emporwachsen, sie, die aus Christi Blut am Kreuzesstamm hervorspross. „Ich sehe sie“ sagte sie. „Niemals stirbt, wer diese Rose sah, die schönste auf Erden.“

Hintergründe zum Märchen „Die schönste Rose der Welt“

„Die schönste Rose der Welt“ ist ein Märchen des dänischen Autors Hans Christian Andersen, der für seine Sammlung von Märchen, Geschichten und Gedichten bekannt ist. Andersens Werke enthalten oft moralische oder spirituelle Botschaften und sind inspiriert von traditionellen Volksgeschichten und persönlichen Erfahrungen.

Hans Christian Andersen wurde 1805 in Odense, Dänemark, geboren und hatte eine schwierige Kindheit, geprägt von Armut und dem Verlust seiner Eltern. Seine Erfahrungen und die Auseinandersetzung mit verschiedenen sozialen Schichten beeinflussten sein Schreiben. Im Laufe seiner Karriere veröffentlichte er viele Geschichten und Märchen, die bis heute weltweit gelesen und geliebt werden, wie „Das hässliche Entlein“, „Die Prinzessin auf der Erbse“ und „Die kleine Meerjungfrau“.

In „Die schönste Rose der Welt“ verbindet Andersen seine typischen Elemente von Märchen, Symbolik und Moral. Der Hintergrund dieser Geschichte ist geprägt von einer starken Betonung der spirituellen Dimension, in der die Liebe und Hingabe an Gott sowie das Opfer Jesu am Kreuz im Mittelpunkt stehen. Diese Themen sind möglicherweise von Andersens eigener christlicher Erziehung und seinen persönlichen Glaubensüberzeugungen beeinflusst.

Die Geschichte enthält auch eine subtile Kritik an der Oberflächlichkeit und dem Materialismus in der Gesellschaft, da die Menschen zuerst den Wert der äußerlichen Schönheit der Rosen betrachten, bevor sie schließlich die tiefere Bedeutung der höchsten und reinsten Liebe erkennen. Dieser Aspekt kann als Kommentar von Andersen zur Gesellschaft seiner Zeit oder zur menschlichen Natur im Allgemeinen verstanden werden.

„Die schönste Rose der Welt“ ist also ein Märchen, das sowohl von Andersens persönlichem Hintergrund als auch von den kulturellen und religiösen Einflüssen seiner Zeit geprägt ist. Die Geschichte vermittelt wichtige Botschaften über die Bedeutung der Liebe und die spirituellen Aspekte des menschlichen Lebens und bleibt dabei in der traditionellen Form der Märchenerzählung verwurzelt.

Interpretationen zum Märchen „Die schönste Rose der Welt“

„Die schönste Rose der Welt“ von Hans Christian Andersen bietet verschiedene Interpretationen und Botschaften:

Die Bedeutung der Liebe: Die Geschichte zeigt, dass die höchste und reinste Liebe in verschiedenen Formen vorkommen kann – mütterliche Liebe, königliche Hingabe und Liebe zu Gott. Jede dieser Liebesformen wird durch eine Rose symbolisiert, die als die schönste Rose der Welt angesehen werden könnte. Die Geschichte betont die Kraft der Liebe, die Leben retten und Veränderungen bewirken kann.

Die spirituelle Dimension: Das Märchen hat eine starke spirituelle Komponente, in der die höchste Liebe auf der Hingabe an Gott und das Opfer Jesu am Kreuz basiert. Die schönste Rose der Welt, die aus Christi Blut am Kreuzesstamm entsteht, verweist auf die Bedeutung des Glaubens und die Erlösung durch die göttliche Liebe.

Die Wertschätzung der Schönheit: Das Märchen betont die Schönheit von Rosen als Ausdruck der Liebe. Jeder Charakter im Märchen bringt seine eigene Vorstellung von der schönsten Rose der Welt vor, was darauf hindeutet, dass Schönheit subjektiv ist und von verschiedenen Menschen auf unterschiedliche Weise geschätzt wird.

Die Rolle von Symbolen: Die Geschichte zeigt, wie Geschichten und Symbole (in diesem Fall die Rose) als Verbindung zwischen der materiellen Welt und der spirituellen Welt dienen können. Die verschiedenen Rosen repräsentieren verschiedene Aspekte der Liebe, und die Erzählungen um diese Rosen helfen den Menschen, die Bedeutung und den Wert dieser Liebe zu erkennen und zu schätzen.

Insgesamt zeigt „Die schönste Rose der Welt“ die Vielfalt und Tiefe der Liebe, die in verschiedenen Formen und Ebenen existiert, und wie diese Liebe durch Geschichten, Symbole und Glauben Ausdruck finden kann. Die Geschichte betont die transformative Kraft der Liebe und die Wichtigkeit der spirituellen Dimension im menschlichen Leben.

Zusammenfassung der Handlung

In dem Märchen „Die schönste Rose der Welt“ von Hans Christian Andersen liegt die Königin auf dem Sterbebett. Es gibt nur eine Rettung: die schönste Rose der Welt finden, die als Symbol der höchsten und reinsten Liebe gilt. Viele Menschen bringen Rosen und erzählen Geschichten über die schönsten Rosen, die sie kennen. Die Mutter mit ihrem Kind, die Frau, die von der Königin spricht, und der Bischof erzählen von ihren schönsten Rosen, aber keiner nennt die schönste Rose der Welt.

Schließlich betritt der kleine Sohn der Königin das Zimmer und liest aus einem Buch vor. Er erzählt die Geschichte von Jesus, der sich selbst am Kreuz opferte, um die Menschheit zu erlösen – die größte Liebe. Die Königin sieht daraufhin die schönste Rose der Welt aus den Seiten des Buches hervorwachsen, welche aus Christi Blut am Kreuzesstamm entspringt. Sie erkennt, dass sie nicht sterben wird, solange sie diese Rose gesehen hat – die schönste Rose der Welt.

Informationen für wissenschaftliche Analysen


Kennzahl
Wert
ÜbersetzungenDE, EN, DA, ES, NL
Lesbarkeitsindex nach Amstad79
Lesbarkeitsindex nach Björnsson34.3
Flesch-Reading-Ease Index67.8
Flesch–Kincaid Grade-Level7.9
Gunning Fog Index8.4
Coleman–Liau Index11.8
SMOG Index9.6
Automated Readability Index8.9
Zeichen-Anzahl4.493
Anzahl der Buchstaben3.544
Anzahl der Sätze46
Wortanzahl756
Durchschnittliche Wörter pro Satz16,43
Wörter mit mehr als 6 Buchstaben135
Prozentualer Anteil von langen Wörtern17.9%
Silben gesamt1.093
Durchschnittliche Silben pro Wort1,45
Wörter mit drei Silben56
Prozentualer Anteil von Wörtern mit drei Silben7.4%
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