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Die Sparbüchse
Grimm Märchen

Die Sparbüchse - Märchen von Hans Christian Andersen

Vorlesezeit für Kinder: 7 min

Da gab es so viel Spielzeug in der Kinderstube. Oben auf dem Schranke stand die Sparbüchse. Sie war aus Ton und hatte die Gestalt eines Schweins. Auf dem Rücken hatte sie natürlich einen Spalt und der Spalt war mit einem Messer noch größer gemacht worden, damit auch Silbertaler hineingehen könnten, und es waren wirklich zwei, neben vielen anderen Schillingen, durch den Spalt gewandert. Die Sparbüchse war vollgepfropft, dass sie gar nicht mehr klappern konnte, und das ist das Höchste, wozu eine Sparbüchse es bringen kann.

Da stand sie nun ganz oben auf dem Schranke und sah auf alles in der Stube herab, sie wusste recht wohl, dass sie mit dem, was sie im Bauche hatte, das Ganze hätte kaufen können, und das ist ein angenehmes Bewusstsein. Das dachten die anderen auch, obwohl sie es nicht sagten. Es gab ja auch andere Dinge, um darüber zu sprechen. Die Kommodenschublade stand halb aufgezogen und darin erhob sich eine große Puppe. Etwas alt war sie schon und am Halse gekittet.

Sie guckte heraus und sagte: „Wollen wir nun Menschen spielen? Das ist doch immer etwas!“ Und dann rührte es sich überall emsig, sogar die Bilder drehten sich an den Wänden, sie zeigten, dass sie auch eine Kehrseite hatten, und dagegen war nichts zu sagen. Es war mitten in der Nacht. Der Mond schien zum Fenster herein und gab seinerseits freie Beleuchtung dazu. Nun sollte das Spiel beginnen, alles war eingeladen, selbst der Kinderwagen, der doch zu dem gröberen Spielzeug gehörte.

„Jedes Ding hat sein Gutes“ sagte er. „Es kann nicht jeder von Adel sein. Einer muss ja immer die Arbeit tun.“ Die Sparbüchse war die einzige, die eine schriftliche Einladung erhielt, sie war zu hochstehend, als dass man hätte annehmen können, sie würde auch einer mündlichen Gehör schenken. Sie gab auch keine Antwort, denn sie kam nicht. Sollte sie mithalten, so musste sie es von zuhause aus genießen können. Danach konnten sich die anderen richten, und das taten sie.

Das kleine Puppentheater wurde sogleich aufgebaut, und zwar so, dass sie gerade hineinsehen konnte. Sie wollten mit einer Komödie beginnen und dann sollte es Tee geben und Gedankenspiele gespielt werden. Damit fing man sogleich an. Das Schaukelpferd sprach von Training und Vollblut, der Kinderwagen von Eisenbahnen und Dampfkraft, immer war es etwas, was in ihr Fach gehörte und worüber sie zu sprechen verstanden. Die Stubenuhr sprach von Politik – tik-tik.

Sie wusste, was die Glocke geschlagen hatte, aber man sagte von ihr, dass sie falsch ginge. Das spanische Rohr stand da und war stolz auf seine Spitze und seinen silbernen Knopf, er war oben und unten beschlagen. Im Sofa lagen zwei gestickte Kissen, sie waren hübsch und dumm – nun konnte die Komödie beginnen. Alle saßen und schauten zu, dann wurde höflich ersucht zu klatschen, zu knallen oder zu poltern, ganz wie man eben aufgelegt sei durch das Spiel. Aber die Reitpeitsche sagte, dass sie niemals für ältere Leute, sondern nur für die Unverlobten knalle. „Ich knalle für jeden“ sagte die Knallerbse.

„Einen Standpunkt muss man ja haben“ sagte der Spucknapf. Das waren so die Gedanken, die ihnen bei dem Komödienspiel kamen. Das Stück taugte nichts, aber es wurde gut gegeben. Alle Spielenden wandten die bemalte Seite nach außen. Sie waren nur dazu da, um von der einen Seite gesehen zu werden, aber nicht von der Rückseite. Alle spielten ausgezeichnet und ganz im Vordergrunde des Theaters, sie hingen zwar an zu langen Drähten, aber dadurch wurden sie nur umso bemerkbarer.

Die gekittete Puppe war so hingerissen, dass der Kitt sich löste, und die Sparbüchse war auf ihre Art so gerührt, dass sie beschloss, für einen der Schauspieler etwas zu tun, und zwar wollte sie in ihrem Testament bestimmen, dass er mit ihr im offenen Grab liegen solle, wenn die Zeit einst da sei. Das war wirklich ein solcher Genuss, dass man vom Tee trinken absah und bei den Gedankenspielen blieb, was man „Menschen spielen“ nannte. Darin war keine Bosheit, denn sie spielten nur – und jeder dachte an sich und an die merkwürdigen Gedanken, die die Sparbüchse zuweilen hatte.

Die Sparbüchse besaß am meisten Weitblick, sie dachte ja schon an Testament und Begräbnis – und wann geschah das wohl? – Immer, bevor man es erwartet. – Knack, da fiel sie vom Schranke – lag auf dem Fußboden in tausend Scherben, während die Schillinge tanzten und sprangen. Die kleinsten drehten sich um sich selbst, die großen rollten, besonders der eine Silbertaler wollte durchaus in die Welt hinaus. Und das kam er auch und alle die anderen mit. Die Scherben der Sparbüchse wanderten in den Kehricht. Doch am nächsten Tage schon stand auf dem Schranke eine neue Sparbüchse aus Ton. Noch war kein Schilling darin, daher konnte sie auch nicht klappern. Hierin glich sie der anderen, das war immer ein Anfang – und damit sind wir auch am Ende.

Hintergründe zum Märchen „Die Sparbüchse“

„Die Sparbüchse“ ist ein Märchen des dänischen Schriftstellers Hans Christian Andersen, der für seine zahlreichen Geschichten und Märchen für Kinder bekannt ist. Seine Werke, die häufig moralische Lektionen enthalten, wurden in viele Sprachen übersetzt und sind weltweit bekannt. Einige seiner berühmtesten Geschichten sind „Die kleine Meerjungfrau“, „Das hässliche Entlein“ und „Die Prinzessin auf der Erbse“.

Andersens Märchen sind oft von den traditionellen Volksmärchen seiner Heimat und anderer Länder inspiriert. Allerdings brachte er seine persönliche Handschrift in seine Geschichten ein, indem er sie mit einer feinen Ironie und einer poetischen Sensibilität erzählte. Oft spielen Alltagsgegenstände und nicht-menschliche Figuren eine Hauptrolle in seinen Geschichten, die eine tiefere Bedeutung und moralische Botschaften vermitteln.

In „Die Sparbüchse“ nutzt Andersen die Anthropomorphisierung von Spielzeugen und Gegenständen, um verschiedene Persönlichkeiten und Eigenschaften darzustellen. Die Geschichte vermittelt dabei mehrere Botschaften, wie zum Beispiel die Vergänglichkeit von materiellem Reichtum, die Bedeutung von Gemeinschaft und Zusammenhalt, und die Ironie, die oft in menschlichen Eitelkeiten und Selbstwahrnehmungen zu finden ist.

Andersen schrieb das Märchen in einer Zeit, in der die Industrialisierung, die Urbanisierung und die damit einhergehenden sozialen Veränderungen zunehmend Einfluss auf das Leben der Menschen nahmen. Diese Veränderungen und ihre Auswirkungen auf die Gesellschaft spiegeln sich oft in Andersens Märchen wider, einschließlich „Die Sparbüchse“. Seine Geschichten können als Kommentare zu den Herausforderungen und den moralischen und sozialen Fragen verstanden werden, die die Menschen in dieser Zeit bewegten.

Interpretationen zum Märchen „Die Sparbüchse“

Das Märchen „Die Sparbüchse“ von Hans Christian Andersen kann auf verschiedene Arten interpretiert werden. Hier sind einige mögliche Interpretationen:

Vergänglichkeit und Wertvorstellungen: Die Sparbüchse ist stolz auf ihren Inhalt und glaubt, dass sie wertvoller ist als die anderen Spielzeuge. Doch ihr Sturz und ihre Zerstörung zeigen, dass materieller Reichtum vergänglich ist und dass die wahren Werte im Leben oft in immateriellen Dingen liegen, wie in Freundschaft und gemeinsamen Erlebnissen.

Gesellschaft und Hierarchie: Das Märchen verdeutlicht die Unterschiede in gesellschaftlichen Hierarchien. Die Sparbüchse steht buchstäblich über den anderen Spielzeugen und fühlt sich ihnen überlegen. Doch am Ende wird sie zerstört, und ihr „Reichtum“ verteilt sich. Dies kann als Kritik an der Klassenstruktur und an der Vorstellung verstanden werden, dass Reichtum oder Status einen Menschen besser oder wertvoller macht als andere.

Selbstwahrnehmung und Selbstwert: Jedes der Spielzeuge definiert seinen Wert und seine Identität basierend auf seinen speziellen Fähigkeiten und seiner Rolle im Raum. Die Sparbüchse sieht sich als besonders wertvoll und einflussreich, aber ihr Sturz zeigt, dass auch sie verwundbar ist. Dies kann darauf hindeuten, dass ein überhöhtes Selbstwertgefühl und Selbstwahrnehmung nicht unbedingt der Realität entsprechen.

Das Spiel des Lebens: Das Spiel „Menschen spielen“ kann als Metapher für das Leben selbst gesehen werden. Die Spielzeuge schlüpfen in verschiedene Rollen und erkennen, dass sie nur auf eine bestimmte Art und Weise gesehen werden können (von der bemalten Seite). Dies zeigt, dass auch Menschen oft verschiedene Rollen im Leben einnehmen und sich entsprechend präsentieren. Das Schicksal der Sparbüchse kann uns daran erinnern, dass das Leben unvorhersehbar ist und sich jederzeit ändern kann.

Zusammenhalt und Gemeinschaft: Die Spielzeuge kommen zusammen, um ein Theaterstück aufzuführen und Gedankenspiele zu spielen. Sie unterstützen sich gegenseitig und arbeiten als Team, trotz ihrer unterschiedlichen Fähigkeiten und Interessen. Die Sparbüchse, die sich nicht aktiv beteiligt, verpasst diese gemeinsamen Erlebnisse und die Freude daran. Das Märchen kann so auch die Bedeutung von Zusammenhalt und Gemeinschaft betonen.

Zusammenfassung der Handlung

In dem Märchen „Die Sparbüchse“ von Hans Christian Andersen geht es um eine mit Geld gefüllte Sparbüchse in Form eines Schweins, die in der Kinderstube auf einem Schrank steht. Sie ist stolz darauf, so voll zu sein, dass sie nicht mehr klappern kann. Die anderen Spielzeuge und Gegenstände im Raum bewundern sie, obwohl sie es nicht aussprechen.

In einer Nacht, bei Mondschein, beschließen die Spielzeuge, ein Theaterstück aufzuführen und Gedankenspiele zu spielen. Die Sparbüchse erhält eine schriftliche Einladung, bleibt aber auf ihrem Platz auf dem Schrank, um von dort aus zuzusehen. Die Spielzeuge richten das Puppentheater so aus, dass die Sparbüchse gut sehen kann, und beginnen das Stück. Jedes Spielzeug spricht über das, was es am besten kennt, und sie alle spielen ihre Rollen hervorragend.

Die Sparbüchse ist so gerührt, dass sie beschließt, einem der Schauspieler in ihrem Testament etwas Gutes zu tun. Sie will verfügen, dass er, wenn die Zeit gekommen ist, mit ihr im offenen Grab liegen soll. Anschließend lassen die Spielzeuge das Teetrinken ausfallen und spielen weiter „Menschen spielen“. Unvermittelt fällt die Sparbüchse jedoch vom Schrank und zerbricht in tausend Scherben. Die Münzen tanzen und springen, und die größten rollen fort, um in die Welt hinauszugehen. Die Scherben der Sparbüchse landen im Müll, aber schon am nächsten Tag steht eine neue leere Sparbüchse auf dem Schrank. Diese klappert noch nicht, aber das ist immer ein Anfang – und damit sind wir am Ende.

Informationen für wissenschaftliche Analysen


Statistiken zum Märchen
Wert
Übersetzungen DE, EN, DA, ES, FR, IT, NL,
Lesbarkeitsindex nach Amstad73.9
Lesbarkeitsindex nach Björnsson38.4
Flesch-Reading-Ease Index59.9
Flesch–Kincaid Grade-Level8.7
Gunning Fog Index8.7
Coleman–Liau Index12
SMOG Index10.9
Automated Readability Index9.4
Zeichen-Anzahl4.903
Anzahl der Buchstaben3.923
Anzahl der Sätze52
Wortanzahl796
Durchschnittliche Wörter pro Satz15,31
Wörter mit mehr als 6 Buchstaben184
Prozentualer Anteil von langen Wörtern23.1%
Silben gesamt1.236
Durchschnittliche Silben pro Wort1,55
Wörter mit drei Silben94
Prozentualer Anteil von Wörtern mit drei Silben11.8%

Bildquellen: © Andrea Danti / Shutterstock

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