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Die sechs Diener
Die sechs Diener Märchen

Die sechs Diener - Märchen der Gebrüder Grimm

Vorlesezeit für Kinder: 19 min

Vor Zeiten lebte eine alte Königin, die war eine Zauberin, und ihre Tochter war das schönste Mädchen unter der Sonne. Die Alte dachte aber auf nichts, als wie sie die Menschen ins Verderben locken könnte, und wenn ein Freier kam, so sprach sie, wer ihre Tochter haben wollte, müsste zuvor eine Aufgabe lösen, oder er müsste sterben. Viele waren von der Schönheit der Jungfrau verblendet und wagten es wohl, aber sie konnten nicht vollbringen, was die Alte ihnen auflegte, und dann war keine Gnade, sie mussten niederknien, und das Haupt ward ihnen abgeschlagen.

Ein Königssohn, der hatte auch von der großen Schönheit der Jungfrau gehört und sprach zu seinem Vater: „Lasst mich hinziehen, ich will um sie werben.“ – „Nimmermehr,“ antwortete der König, „gehst du fort, so gehst du in deinen Tod.“ Da legte der Sohn sich nieder und ward sterbenskrank und lag sieben Jahre lang, und kein Arzt konnte ihm helfen. Als der Vater sah, dass keine Hoffnung mehr war, sprach er voll Herzenstraurigkeit zu ihm: „Zieh hin und versuche dein Glück, ich weiß dir sonst nicht zu helfen.“ Wie der Sohn das hörte, stand er auf von seinem Lager, ward gesund und machte sich fröhlich auf den Weg.

Es trug sich zu, als er über eine Heide zu reiten kam, dass er von weitem auf der Erde etwas liegen sah wie einen großen Heuhaufen, und wie er sich näherte, konnte er unterscheiden, dass es der Bauch eines Menschen war, der sich dahingestreckt hatte; der Bauch aber sah aus wie ein kleiner Berg. Der Dicke, wie er den Reisenden erblickte, richtete sich in die Höhe und sprach: „Wenn Ihr jemand braucht, so nehmt mich in Eure Dienste.“

Der Königssohn antwortete: „Was soll ich mit einem so ungefügen Mann anfangen?“ – „Oh,“ sprach der Dicke, „das will nichts sagen, wenn ich mich recht auseinander tue, bin ich noch dreitausendmal so dick.“ – „Wenn das ist,“ sagte der Königssohn, „so kann ich dich brauchen, komm mit mir.“

Da ging der Dicke hinter dem Königssohn her, und über eine Weile fanden sie einen anderen, der lag da auf der Erde und hatte das Ohr auf den Rasen gelegt. Fragte der Königssohn: „Was machst du da?“

„Ich horche,“ antwortete der Mann. „Wonach horchst du so aufmerksam?“ – „Ich horche nach dem, was eben in der Welt sich zuträgt, denn meinen Ohren entgeht nichts, das Gras sogar hör ich wachsen. Fragte der Königssohn: „Sage mir, was hörst du am Hofe der alten Königin, welche die schöne Tochter hat?“

Da antwortete er: „Ich höre das Schwert sausen, das einem Freier den Kopf abschlägt.“ Der Königssohn sprach: „Ich kann dich brauchen, komm mit mir.“ Da zogen sie weiter und sahen einmal ein Paar Füße da liegen und auch etwas von den Beinen, aber das Ende konnten sie nicht sehen. Als sie eine gute Strecke fortgegangen waren, kamen sie zu dem Leib und endlich auch zu dem Kopf. „Ei,“ sprach der Königssohn, „was bist du für ein langer Strick!“

„Oh,“ antwortete der Lange, „das ist noch gar nichts, wenn ich meine Gliedmaßen erst recht ausstrecke, bin ich noch dreitausendmal so lang und bin größer als der höchste Berg auf Erden. Ich will Euch gerne dienen, wenn Ihr mich annehmen wollt.“ – „Komm mit,“ sprach der Königssohn, „ich kann dich brauchen.“

Sie zogen weiter und fanden einen am Weg sitzen, der hatte die Augen zugebunden. Sprach der Königssohn zu ihm: „Hast du blöde Augen, dass du nicht in das Licht sehen kannst?“ – „Nein,“ antwortete der Mann, „ich darf die Binde nicht abnehmen, denn was ich mit meinen Augen ansehe, das springt auseinander, so gewaltig ist mein Blick. Kann Euch das nützen, so will ich Euch gern dienen.“

„Komm mit,“ antwortete der Königssohn, „ich kann dich brauchen.“ Sie zogen weiter und fanden einen Mann, der lag mitten im heißen Sonnenschein und zitterte und fror am ganzen Leibe, so dass ihm kein Glied stillstand. „Wie kannst du frieren?“ sprach der Königssohn, „und die Sonne scheint so warm.“

„Ach,“ antwortete der Mann, „meine Natur ist ganz anderer Art, je heißer es ist, desto mehr frier ich, und der Frost dringt mir durch alle Knochen. Und je kälter es ist, desto heißer wird mir. Mitten im Eis kann ich’s vor Hitze und mitten im Feuer vor Kälte nicht aushalten.“

„Du bist ein wunderlicher Kerl,“ sprach der Königssohn, „aber wenn du mir dienen willst, so komm mit.“ Nun zogen sie weiter und sahen einen Mann stehen, der machte einen langen Hals, schaute sich um und schaute über alle Berge hinaus. Sprach der Königssohn: „Wonach siehst du so eifrig?“

Der Mann antwortete: „Ich habe so helle Augen, dass ich über alle Wälder und Felder, Täler und Berge hinaus und durch die ganze Welt sehen kann.“ Der Königssohn sprach: „Willst du, so komm mit mir, denn so einer fehlte mir noch.“

Nun zog der Königssohn mit seinen sechs Dienern in die Stadt ein, wo die alte Königin lebte. Er sagte nicht, wer er wäre, aber er sprach: „Wollt Ihr mir Eure schöne Tochter geben, so will ich vollbringen, was Ihr mir auferlegt.“ Die Zauberin freute sich, dass ein so schöner Jüngling wieder in ihre Netze fiel, und sprach: „Dreimal will ich dir eine Aufgabe aufgeben, lösest du sie jedes Mal, so sollst du der Herr und Gemahl meiner Tochter werden.“

„Was soll das erste sein?“ fragte er. „Dass du mir einen Ring herbeibringst, den ich ins Rote Meer habe fallen lassen.“ Da ging der Königssohn heim zu seinen Dienern und sprach: „Die erste Aufgabe ist nicht leicht, ein Ring soll aus dem Roten Meer geholt werden, nun schafft Rat.“ Da sprach der mit den hellen Augen: „Ich will sehen, wo er liegt,“ schaute in das Meer hinab und sagte: „Dort hängt er an einem spitzen Stein.“ Der Lange trug sie hin und sprach: „Ich wollte ihn wohl herausholen, wenn ich ihn nur sehen könnte.“

„Wenn’s weiter nichts ist,“ rief der Dicke, legte sich nieder und hielt seinen Mund ans Wasser. Da fielen die Wellen hinein wie in einen Abgrund, und er trank das ganze Meer aus, dass es trocken ward wie eine Wiese. Der Lange bückte sich ein wenig und holte den Ring mit der Hand heraus. Da ward der Königssohn froh, als er den Ring hatte, und brachte ihn der Alten.

Sie erstaunte und sprach: „Ja, es ist der rechte Ring. Die erste Aufgabe hast du glücklich gelöst, aber nun kommt die zweite. Siehst du, dort auf der Wiese vor meinem Schloss, da weiden dreihundert fette Ochsen, die musst du mit Haut und Haar, Knochen und Hörnern verzehren. Und unten im Keller liegen dreihundert Fässer Wein, die musst du dazu austrinken, und bleibt von den Ochsen ein Haar und von dem Wein ein Tröpfchen übrig, so ist mir dein Leben verfallen.“

Sprach der Königssohn: „Darf ich mir keine Gäste dazu laden? Ohne Gesellschaft schmeckt keine Mahlzeit.“ Die Alte lachte boshaft und antwortete: „Einen darfst du dir dazu laden, damit du Gesellschaft hast, aber weiter keinen.“ Da ging der Königssohn zu seinen Dienern und sprach zu dem Dicken: „Du sollst heute mein Gast sein und dich einmal satt essen.“ Da tat sich der Dicke voneinander und aß die dreihundert Ochsen, dass kein Haar übrigblieb, und fragte, ob weiter nichts als das Frühstück da wäre. Den Wein aber trank er gleich aus den Fässern, ohne dass er ein Glas nötig hatte, und trank den letzten Tropfen vom Nagel herunter.

Als die Mahlzeit zu Ende war, ging der Königssohn zur Alten und sagte ihr, die zweite Aufgabe wäre gelöst. Sie verwunderte sich und sprach: „So weit hat’s noch keiner gebracht, aber es ist noch eine Aufgabe übrig,“ und dachte: Du sollst mir nicht entgehen und wirst deinen Kopf nicht oben behalten. „Heute Abend,“ sprach sie, „bring ich meine Tochter zu dir in deine Kammer, und du sollst sie mit deinem Arm umschlingen. Und wenn ihr da beisammen sitzt, so hüte dich, dass du nicht einschläfst. Ich komme Schlag zwölf Uhr, und ist sie dann nicht mehr in deinen Armen, so hast du verloren.“ Der Königssohn dachte: Der Bund ist leicht, ich will wohl meine Augen offen behalten, doch rief er seine Diener, erzählte ihnen, was die Alte gesagt hatte, und sprach: „Wer weiß, was für eine List dahintersteckt, Vorsicht ist gut, haltet Wache und sorgt, dass die Jungfrau nicht wieder aus meiner Kammer kommt.“

Als die Nacht einbrach, kam die Alte mit ihrer Tochter und führte sie in die Arme des Königssohns, und dann schlang sich der Lange um sie beide in einen Kreis, und der Dicke stellte sich vor die Türe, also dass keine lebendige Seele herein konnte. Da saßen sie beide, und die Jungfrau sprach kein Wort, aber der Mond schien durchs Fenster auf ihr Angesicht, dass er ihre wunderbare Schönheit sehen konnte. Er tat nichts als sie anschauen, war voll Freude und Liebe, und es kam keine Müdigkeit in seine Augen.

Das dauerte bis elf Uhr, da warf die Alte einen Zauber über alle, dass sie einschliefen, und in dem Augenblick war auch die Jungfrau entrückt. Nun schliefen sie hart bis ein Viertel vor zwölf, da war der Zauber kraftlos, und sie erwachten alle wieder.

„O Jammer und Unglück,“ rief der Königssohn, „nun bin ich verloren!“ Die treuen Diener fingen auch an zu klagen, aber der Horcher sprach: „Seid still, ich will horchen,“ da horchte er einen Augenblick, und dann sprach er: „Sie sitzt in einem Felsen dreihundert Stunden von hier und bejammert ihr Schicksal. Du allein kannst helfen, Langer, wenn du dich aufrichtest, so bist du mit ein paar Schritten dort.“

„Ja,“ antwortete der Lange, „aber der mit den scharfen Augen muss mitgehen, damit wir den Felsen wegschaffen.“ Da huckte der Lange den mit den verbundenen Augen auf, und im Augenblick, wie man eine Hand umwendet, waren sie vor dem verwünschten Felsen. Alsbald nahm der Lange dem anderen die Binde von den Augen, der sich nur umschaute, so zersprang der Felsen in tausend Stücke. Da nahm der Lange die Jungfrau auf den Arm, trug sie in einem Nu zurück, holte ebenso schnell auch noch seinen Kameraden, und eh es zwölf schlug, saßen sie alle wieder wie vorher und waren munter und guter Dinge.

Als es zwölf schlug, kam die alte Zauberin herbeigeschlichen, machte ein höhnisches Gesicht, als wollte sie sagen: „Nun ist er mein,“ und glaubte, ihre Tochter säße dreihundert Stunden weit im Felsen. Als sie aber ihre Tochter in den Armen des Königssohns erblickte, erschrak sie und sprach: „Da ist einer, der kann mehr als ich.“ Aber sie durfte nichts einwenden und musste ihm die Jungfrau zusagen. Da sprach sie ihr ins Ohr: „Schande für dich, dass du gemeinem Volk gehorchen sollst und dir einen Gemahl nicht nach deinem Gefallen wählen darfst.“

Da ward das stolze Herz der Jungfrau mit Zorn erfüllt und sann auf Rache. Sie ließ am anderen Morgen dreihundert Malter Holz zusammenfahren und sprach zu dem Königssohn, die drei Aufgaben wären gelöst, sie würde aber nicht eher seine Gemahlin werden, bis einer bereit wäre, sich mitten in das Holz zu setzen und das Feuer auszuhalten. Sie dachte, keiner seiner Diener würde sich für ihn verbrennen und aus Liebe zu ihr würde er selber sich hineinsetzen und dann wäre sie frei.

Die Diener aber sprachen: „Wir haben alle etwas getan, nur der Frostige noch nicht, der muss auch daran,“ setzten ihn mitten auf den Holzstoß und steckten ihn an. Da begann das Feuer zu brennen und brannte drei Tage, bis alles Holz verzehrt war, und als die Flammen sich legten, stand der Frostige mitten in der Asche, zitterte wie ein Espenlaub und sprach: „Einen solchen Frost habe ich mein Lebtage nicht ausgehalten, und wenn er länger gedauert hätte, so wäre ich erstarrt.“

Nun war keine Ausflucht mehr zu finden, die schöne Jungfrau musste den unbekannten Jüngling zum Gemahl nehmen. Als sie aber nach der Kirche fuhren, sprach die Alte: „Ich kann die Schande nicht ertragen,“ und schickte ihr Kriegsvolk nach, das sollte alles niedermachen, was ihm vorkäme, und ihr die Tochter zurückbringen. Der Horcher aber hatte die Ohren gespitzt und die heimlichen Reden der Alten vernommen.

„Was fangen wir an?“ sprach er zu dem Dicken, aber der wusste Rat, spie einmal oder zweimal hinter dem Wagen einen Teil von dem Meereswasser aus, das er getrunken hatte, da entstand ein großer See, worin die Kriegsvölker steckenblieben und ertranken. Als die Zauberin das vernahm, schickte sie ihre geharnischten Reiter, aber der Horcher hörte das Rasseln ihrer Rüstung und band dem einen die Augen auf, der guckte die Feinde ein bisschen scharf an, da sprangen sie auseinander wie Glas. Nun fuhren sie ungestört weiter, und als die beiden in der Kirche eingesegnet waren, nahmen die sechs Diener ihren Abschied und sprachen zu ihrem Herrn: „Eure Wünsche sind erfüllt. Ihr habt uns nicht mehr nötig, wir wollen weiter ziehen und unser Glück versuchen.“

Eine halbe Stunde vor dem Schloss war ein Dorf, vor dem hütete ein Schweinehirt seine Herde. Wie sie dahin kamen, sprach er zu seiner Frau: „Weißt du auch recht, wer ich bin? Ich bin kein Königssohn, sondern ein Schweinehirt, und der mit der Herde dort, das ist mein Vater. Wir zwei müssen auch daran und ihm helfen hüten.“ Dann stieg er mit ihr in das Wirtshaus ab und sagte heimlich zu den Wirtsleuten, in der Nacht sollten sie ihr die königlichen Kleider wegnehmen.

Wie sie nun am Morgen aufwachte, hatte sie nichts anzutun, und die Wirtin gab ihr einen alten Rock und ein Paar alte, wollene Strümpfe, dabei tat sie noch, als wär’s ein großes Geschenk, und sprach: „Wenn nicht Eurer Mann wäre, hätte ich’s Euch gar nicht gegeben.“ Da glaubte sie, er wäre wirklich ein Schweinehirt, und hütete mit ihm die Herde und dachte: Ich habe es verdient mit meinem Übermut und Stolz. Das dauerte acht Tage, da konnte sie es nicht mehr aushalten, denn die Füße waren ihr wund geworden. Da kamen ein paar Leute und fragten, ob sie wüsste, wer ihr Mann wäre.

„Ja,“ antwortete sie, „er ist ein Schweinehirt und ist eben ausgegangen, mit Bändern und Schnüren einen kleinen Handel zu treiben.“ Sie sprachen aber: „Kommt einmal mit, wir wollen Euch zu ihm hinführen,“ und brachten sie ins Schloss hinauf; und wie sie in den Saal kam, stand da ihr Mann in königlichen Kleidern. Sie erkannte ihn aber nicht, bis er ihr um den Hals fiel, sie küsste und sprach: „Ich habe so viel für dich gelitten, da hast du auch für mich leiden sollen.“ Nun ward erst die Hochzeit gefeiert, und der’s erzählt hat, wollte, er wäre auch dabei gewesen.

Lesen Sie ein Kurz-Märchen (5 min)

Hintergründe zum Märchen „Die sechs Diener“

Das Märchen ist in den Niederlanden gut bekannt, da es Teil mehrerer Märchen ist, die im Themenpark Efteling in Kaatsheuvel, Nord-Brabant, ausgestellt werden. Dort ist seit 1952 eine riesige animatronische Statue des langhalsigen Dieners zu sehen, die auf einer wiederholten Tonaufnahme allen Besuchern die Geschichte erzählt. Diese Statue, genannt Langnek („Longneck“), ist auch ein Maskottchen für den Park. 1955 wurde ein kleiner Teich um den Stein gegraben, auf dem Longneck sitzt. Neben dem Langhals stand eine Büste des scharfsichtigen Dieners Bullet-eye mit einer Wespe auf der Nase. In den späten 1950er Jahren wurde Bullet-eye entfernt und eine kleinere Büste des Dieners mit verbundenen Augen Bullet-eye auf einen Kiosk in der Nähe von Long-neck gelegt. Long-neck erhielt in den 1970er Jahren einen neuen Kopf, und 1979 wurden sein Körper und sein Hals erneuert. Im Jahr 2006 wurden Sicherheitszäune in der Nähe des Teiches aufgestellt. Die Geschichte stammt von Peter Reijnders und kann aus einem Buch auf Niederländisch, Englisch, Französisch und Deutsch vorgelesen werden.

Handlung und Zusammenfassung des Märchen

Eine böse Königin ist eine Zauberin, die eine schöne Prinzessin-Tochter hat. Sie bietet ihre Hand zur Heirat an, aber alle Bewerber müssen unmögliche Aufgaben erfüllen. Keiner von ihnen hat es je geschafft, diese zu einem guten Ende zu bringen, also lässt sie alle, die versagt haben, enthaupten.

Eines Tages erfährt ein Prinz von der Prinzessin und will um ihre Hand wetteifern. Zuerst verbietet ihm sein Vater dies, doch der Sohn erkrankt sieben Jahre lang, ohne dass ihm ein Arzt helfen kann. Erst als der Vater ihn gehen lässt, bessert sich sein Gesundheitszustand. Auf seiner Reise trifft der Fürst auf sechs Männer mit erstaunlichen Talenten und Kräften, die er alle als seine Diener mitnimmt. Der erste ist ein Mann mit einem Bauch so groß wie ein kleiner Berg, der in der Lage ist, sich zu noch größerer Fettleibigkeit auszudehnen. Der zweite ist ein Mann, der in der Lage ist, selbst das kleinste Geräusch zu hören, was dadurch bewiesen wird, dass er, wenn der Prinz ihm begegnet, dem Gras beim Wachsen zuhört und auch hören kann, wie jemand im Schloss der bösen Königin enthauptet wird. Der dritte Diener ist ein unglaublich großer Mann. Der vierte ist ein Mann, der eine Augenbinde vor den Augen trägt, weil sein Blick so stark ist, dass er alles, was er sieht, in Stücke spaltet. Der fünfte Diener ist ein Mann, der sich bei extremer Hitze kalt und bei extremem Frost heiß fühlt. Der sechste und letzte Diener ist ein Mann, der seinen langen Hals ausstrecken kann, um über weite Strecken zu sehen.

Der Prinz und seine Diener kommen im Schloss der Königin an. Ihm wird aufgetragen, drei Aufgaben zu erfüllen, um die Hand ihrer Tochter in die Ehe zu bekommen. Zuerst muss er einen Ring holen, den die Königin in das Rote Meer fallen ließ. Der Mann mit den scharfen Augen bemerkt den Ring, der an einem spitzen Felsen hängt. Der fettleibige Mann trinkt das Meer trocken, woraufhin der große Mann den Ring mit Leichtigkeit aufhebt. Die Königin ist überrascht, dass sie die erste Aufgabe sicher bewältigt hat, ordnet aber als nächstes die zweite Aufgabe an. Der Prinz muss dreihundert Ochsen essen, Haut, Haare, Knochen, Hörner und so weiter, und trinkt dreihundert Fässer Wein bis zum letzten Tropfen. Wenn auch nur eine Spur davon gefunden wird, wird er sein Leben verlieren. Der Fürst fragt, ob er einen Gast bei sich haben darf, und sein Wunsch wird erfüllt. Natürlich bringt er den fettleibigen Diener mit, und im Handumdrehen ist alles erledigt.

Für die letzte Aufgabe muss der Prinz die Prinzessin in ihrem Zimmer mit seinen Armen um sie herum bewachen. Wenn die Königin um Mitternacht zurückkehrt und die Prinzessin nicht mehr in seinen Armen liegt, ist sein Leben verloren. Der Prinz trifft Vorsichtsmaßnahmen, indem er sich und die Prinzessin vom Grossen Diener und vom fettleibigen Diener umgeben lässt, so dass niemand sie berühren kann. Die Königin verzaubert sie jedoch mit einem Zauber, der sie in einen tiefen Schlaf versetzt. Dann trägt sie die Prinzessin weg. Um viertel vor zwölf erwachen alle, und der Prinz gerät in Panik. Der Mann mit dem erstaunlichen Gehör hört und hört sie weinend auf einem Felsen, dreihundert Meilen entfernt. Der Lange erhebt sich, macht ein paar Schritte und läuft auf sie zu, wobei er den Diener mit dem scharfen Sehvermögen mitnimmt. Dieser schaut den Felsen an, wodurch er in tausend Stücke zerbricht, während der Lange die Prinzessin packt und sie vor Ablauf der Frist zurückbringt.

Nachdem alle drei Aufgaben erfüllt sind, flüstert die Königin der Prinzessin ins Ohr, dass es eine Schande sei, dass sie dem gemeinen Volk gehorchen müsse und sich keinen Ehemann nach ihrem Gutdünken aussuchen dürfe. Das macht die Prinzessin wütend. Am nächsten Tag befiehlt sie, dreihundert große Holzbündel anzuzünden. Wenn jemand in der Mitte des Holzes sitzen und das Feuer ertragen kann, dann wird sie ihn wirklich heiraten. Der Diener, der die Kälte nicht ertragen kann, erfüllt die Aufgabe, immer noch zitternd, weil die Flammen ausgebrannt sind.

Nun kann die Prinzessin den Prinzen nicht davon abhalten, sie zu heiraten. Als sie zur Kirche fahren, schickt die böse Königin ihre Soldaten hinterher, um sie aufzuhalten. Die Dienerin mit dem erstaunlichen Gehörsinn hört ihren Plan und erzählt ihn den anderen. Der fettleibige Diener spuckt all das Wasser aus, das er zuvor getrunken hatte, und ertränkt dabei alle Soldaten. Eine nächste Legion von Soldaten wird von der Dienerin mit dem erstaunlichen Sehvermögen angehalten, die sie ansieht und sie in Stücke schießt. Danach findet die Hochzeit ohne weitere Probleme statt, und alle Diener gehen ihre eigenen Wege.

Als der Prinz in sein Königreich zurückkehrt, lügt er seiner Braut vor, dass er eigentlich ein Schweinehirt sei. Er zwingt seine Braut, acht Tage lang in extremer Armut und Elend zu arbeiten, was sie glauben lässt, dass sie es für ihren Stolz und Hochmut verdient hätte. Dann wird sie in den Palast gebracht, wo der Prinz enthüllt, dass alles nur ein Trick war, um sie für ihn genauso leiden zu lassen wie er für sie. Dann heiraten sie als Prinz und Prinzessin und leben glücklich bis ans Ende ihrer Tage.

Informationen für wissenschaftliche Analysen


Statistiken zum Märchen
Wert
NummerKHM 134
Aarne-Thompson-Uther-IndexATU Typ 513A
Übersetzungen english
Lesbarkeitsindex nach Amstad74.1
Lesbarkeitsindex nach Björnsson37.6
Flesch-Reading-Ease Index62.7
Flesch–Kincaid Grade-Level9.7
Gunning Fog Index10.7
Coleman–Liau Index11.7
SMOG Index11
Automated Readability Index11.1
Zeichen-Anzahl14.295
Anzahl der Buchstaben11.224
Anzahl der Sätze114
Wortanzahl2.399
Durchschnittliche Wörter pro Satz21,04
Wörter mit mehr als 6 Buchstaben398
Prozentualer Anteil von langen Wörtern16.6%
Silben gesamt3.481
Durchschnittliche Silben pro Wort1,45
Wörter mit drei Silben207
Prozentualer Anteil von Wörtern mit drei Silben8.6%

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