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Der treue Johannes
Grimm Märchen

Der treue Johannes - Märchen der Gebrüder Grimm

Vorlesezeit für Kinder: 22 min

Vorgelesen von Henning Vieser

Es war einmal ein alter König, der war krank und dachte es wird wohl das Totenbett sein, auf dem ich liege. Da sprach er: „Lasst mir den getreuen Johannes kommen!“ Der getreue Johannes war sein liebster Diener und hieß so, weil er ihm sein Leben lang so treu gewesen war. Als er nun vor das Bett kam, sprach der König zu ihm: „Getreuester Johannes, ich fühle, dass mein Ende herannaht, und da habe ich keine andere Sorge als um meinen Sohn. Er ist noch in jungen Jahren, wo er sich nicht immer zu raten weiß. Und wenn du mir nicht versprichst, ihn zu unterrichten in allem, was er wissen muss, und sein Pflegevater zu sein, so kann ich meine Augen nicht in Ruhe schließen.“

Da antwortete der getreue Johannes: „Ich will ihn nicht verlassen und will ihm mit Treue dienen, wenn’s auch mein Leben kostet.“ Da sagte der alte König: „So sterbe ich getrost und in Frieden.“ Und sprach dann weiter: „Nach meinem Tode sollst du ihm das ganze Schloss zeigen, alle Kammern, Säle und Gewölbe und alle Schätze, die darin liegen. Aber die letzte Kammer in dem langen Gange sollst du ihm nicht zeigen, worin das Bild der Königstochter vom goldenen Dache verborgen steht. Wenn er das Bild erblickt, wird er eine heftige Liebe zu ihr empfinden und wird in Ohnmacht niederfallen und wird ihretwegen in große Gefahren geraten. Davor sollst du ihn hüten.“ Und als der treue Johannes nochmals dem alten König die Hand darauf gegeben hatte, ward dieser still, legte sein Haupt auf das Kissen und starb.

Als der alte König zu Grabe getragen war, da erzählte der treue Johannes dem jungen König, was er seinem Vater auf dem Sterbelager versprochen hatte, und sagte: „Das will ich gewisslich halten und will dir treu sein, wie ich ihm gewesen bin, und sollte es mein Leben kosten.“ Die Trauer ging vorüber. Da sprach der treue Johannes zu ihm: „Es ist nun Zeit, dass du dein Erbe siehst, ich will dir dein väterliches Schloss zeigen.“ Da führte er ihn überall herum, auf und ab, und ließ ihn alle die Reichtümer und prächtigen Kammern sehen, nur die eine Kammer öffnete er nicht, worin das gefährliche Bild stand. Das Bild war aber so gestellt, dass, wenn die Türe aufging, man gerade darauf sah, und war so herrlich gemacht, dass man meinte, es leibte und lebte und es gäbe nichts Lieblicheres und Schöneres auf der ganzen Welt.

Der junge König aber merkte wohl, dass der getreue Johannes immer an einer Tür vorüberging, und sprach: „Warum schließest du mir diese niemals auf?“ – „Es ist etwas darin,“ antwortete er, „vor dem du erschrickst.“ Aber der König antwortete: „Ich habe das ganze Schloss gesehen, so will ich auch wissen, was darin ist,“ ging und wollte die Türe mit Gewalt öffnen. Da hielt ihn der getreue Johannes zurück und sagte: „Ich habe es deinem Vater vor seinem Tode versprochen, dass du nicht sehen sollst, was in der Kammer steht. Es könnte dir und mir zu großem Unglück ausschlagen.“ – „Ach nein,“ antwortete der junge König, „wenn ich nicht hineinkomme, so ist’s mein sicheres Verderben. Ich würde Tag und Nacht keine Ruhe haben, bis ich’s mit meinen Augen gesehen hätte. Nun gehe ich nicht von der Stelle, bis du aufgeschlossen hast.“

Da sah der getreue Johannes, dass es nicht mehr zu ändern war, und suchte mit schwerem Herzen und vielem Seufzen aus dem großen Bund den Schlüssel heraus. Als er die Tür geöffnet hatte, trat er zuerst hinein und dachte, er wolle das Bildnis bedecken, dass es der König vor ihm nicht sähe. Aber was half das? Der König stellte sich auf die Fußspitzen und sah ihm über die Schulter. Und als er das Bildnis der Jungfrau erblickte, das so herrlich war und von Gold und Edelsteinen glänzte, da fiel er ohnmächtig zur Erde nieder. Der getreue Johannes hob ihn auf, trug ihn in sein Bett und dachte voll Sorgen:

Das Unglück ist geschehen, Herr Gott, was will daraus werden? Dann stärkte er ihn mit Wein, bis er wieder zu sich selbst kam. Das erste Wort, das er sprach, war: „Ach, wer ist das schöne Bild?“ – „Das ist die Königstochter von goldenen Dache,“ antwortete der treue Johannes. Da sprach der König weiter: „Meine Liebe zu ihr ist so groß, wenn alle Blätter an den Bäumen Zungen wären, sie könnten’s nicht aussagen; mein Leben setze ich daran, dass ich sie erlange. Du bist mein getreuester Johannes, du musst mir beistehen.“

Der treue Diener besann sich lange, wie die Sache anzufangen wäre, denn es hielt schwer, nur vor das Angesicht der Königstochter zu kommen. Endlich hatte er ein Mittel ausgedacht und sprach zu dem König: „Alles, was sie um sich hat, ist von Gold, Tische, Stühle, Schüsseln, Becher, Näpfe und alles Hausgerät. In deinem Schatze liegen fünf Tonnen Goldes, lass eine von den Goldschmieden des Reiches verarbeiten zu allerhand Gefäßen und Gerätschaften, zu allerhand Vögeln, Gewild und wunderbaren Tieren, das wird ihr gefallen, wir wollen damit hinfahren und unser Glück versuchen.“ Der König hieß alle Goldschmiede herbeiholen, die mussten Tag und Nacht arbeiten, bis endlich die herrlichsten Dinge fertig waren. Als alles auf ein Schiff geladen war, zog der getreue Johannes Kaufmannskleider an, und der König musste ein Gleiches tun, um sich ganz unkenntlich zu machen. Dann fuhren sie über das Meer und fuhren so lange, bis sie zu der Stadt kamen, worin die Königstochter vom goldenen Dache wohnte.

Der treue Johannes hieß den König auf dem Schiffe zurückbleiben und auf ihn warten. „Vielleicht,“ sprach er, „bring ich die Königstochter mit, darum sorgt, dass alles in Ordnung ist, lasst die Goldgefäße aufstellen und das ganze Schiff ausschmücken.“ Darauf suchte er sich in sein Schürzchen allerlei von den Goldsachen zusammen, stieg ans Land und ging gerade nach dem königlichen Schloss.

Als er in den Schlosshof kam, stand da beim Brunnen ein schönes Mädchen, das hatte zwei goldene Eimer in der Hand und schöpfte damit. Und als es das blinkende Wasser forttragen wollte und sich umdrehte, sah es den fremden Mann und fragte, wer er wäre. Da antwortete er: „Ich bin ein Kaufmann,“ und öffnete sein Schürzchen und ließ sie hineinschauen. Da rief sie: „Ei, was für schönes Goldzeug!“ setzte die Eimer nieder und betrachtete eins nach dem anderen.

Da sprach das Mädchen: „Das muss die Königstochter sehen, die hat so große Freude an den Goldsachen, dass sie Euch alles abkauft.“ Es nahm ihn bei der Hand und führte ihn hinauf, denn es war die Kammerjungfer. Als die Königstochter die Ware sah, war sie ganz vergnügt und sprach: „Es ist so schön gearbeitet, dass ich dir alles abkaufen will.“ Aber der getreue Johannes sprach: „Ich bin nur der Diener von einem reichen Kaufmann. Was ich hier habe, ist nichts gegen das, was mein Herr auf seinem Schiff stehen hat, und das ist das Künstlichste und Köstlichste, was je in Gold gearbeitet worden ist.“ Sie wollte alles heraufgebracht haben, aber er sprach: „Dazu gehören viele Tage, so groß ist die Menge, und so viele Säle, um es aufzustellen, dass Euer Haus nicht Raum dafür hat.“ Da ward ihre Neugierde und Lust immer mehr angeregt, so dass sie endlich sagte: „Führe mich hin zu dem Schiff, ich will selbst hingehen und deines Herrn Schätze betrachten.“

Da führte sie der treue Johannes zu dem Schiffe hin und war ganz freudig, und der König, als er sie erblickte, sah, dass ihre Schönheit noch größer war, als das Bild sie dargestellt hatte, und meinte nicht anders, als das Herz wollte ihm zerspringen. Nun stieg sie in das Schiff, und der König führte sie hinein. Der getreue Johannes aber blieb zurück bei dem Steuermann und hieß das Schiff abstoßen: „Spannt alle Segel auf, dass es fliegt wie ein Vogel in der Luft.“ Der König aber zeigte ihr drinnen das goldene Geschirr, jedes einzeln, die Schüsseln, Becher, Näpfe, die Vögel, das Gewild und die wunderbaren Tiere.

Viele Stunden gingen herum, während sie alles besah, und in ihrer Freude merkte sie nicht, dass das Schiff dahinfuhr Nachdem sie das letzte betrachtet hatte, dankte sie dem Kaufmann und wollte heim, als sie aber an des Schiffes Rand kam sah sie, dass es fern vom Land auf hohem Meere ging und mit vollen Segeln forteilte. „Ach,“ rief sie erschrocken, „ich bin betrogen, ich bin entführt und in die Gewalt eines Kaufmannes geraten; lieber wollt ich sterben!“ Der König aber fasste sie bei der Hand und sprach: „Ein Kaufmann bin ich nicht ich bin ein König und nicht geringer an Geburt als du bist. Aber dass ich dich mit List entführt habe, das ist aus übergroßer Liebe geschehen. Das erste Mal, als ich dein Bildnis gesehen habe, bin ich ohnmächtig zur Erde gefallen.“ Als die Königstochter vom goldenen Dache das hörte, ward sie getröstet, und ihr Herz ward ihm geneigt, so dass sie gerne einwilligte, seine Gemahlin zu werden.

Es trug sich aber zu, während sie auf dem hohen Meere dahinfuhren, dass der treue Johannes, als er vorn auf dem Schiffe saß und Musik machte, in der Luft drei Raben erblickte, die dahergeflogen kamen. Da hörte er auf zu spielen und horchte, was sie miteinander sprachen, denn er verstand das wohl. Der eine rief: „Ei, da führt er die Königstochter vom goldenen Dache heim.“ – „Ja,“ antwortete der zweite, „er hat sie noch nicht.“ Sprach der dritte: „Er hat sie doch, sie sitzt bei ihm im Schiffe.“ Da fing der erste wieder an und rief: „Was hilft ihm das! Wenn sie ans Land kommen, wird ihm ein fuchsrotes Pferd entgegenspringen, da wird er sich aufschwingen wollen, und tut er das, so sprengt es mit ihm fort und in die Luft hinein dass er nimmer mehr seine Jungfrau wiedersieht.“ Sprach der zweite: „Ist gar keine Rettung?“ – „O ja, wenn ein anderer schnell aufsitzt, das Feuergewehr, das in den Halftern stecken muss, herausnimmt und das Pferd damit totschießt, so ist der junge König gerettet. Aber wer weiß das! Und wer’s weiß und sagt’s ihm, der wird zu Stein von den Fußzehen bis zum Knie.“

Da sprach der zweite: „Ich weiß noch mehr, wenn das Pferd auch getötet wird, so behält der junge König doch nicht seine Braut. Wenn sie zusammen ins Schloss kommen, so liegt dort ein gemachtes Brauthemd in einer Schüssel und sieht aus, als wär’s von Gold und Silber gewebt, ist aber nichts als Schwefel und Pech. Wenn er’s antut, verbrennt es ihn bis auf Mark und Knochen.“ Sprach der dritte: „Ist da gar keine Rettung?“ – „0 ja,“ antwortete der zweite, „wenn einer mit Handschuhen das Hemd packt und wirft es ins Feuer, dass es verbrennt, so ist der junge König gerettet. Aber was hilft’s! Wer’s weiß und es ihm sagt, der wird halben Leibes Stein vom Knie bis zum Herzen.“ Da sprach der dritte: „Ich weiß noch mehr, wird das Brauthemd auch verbrannt, so hat der junge König seine Braut doch noch nicht.

Wenn nach der Hochzeit der Tanz anhebt und die junge Königin tanzt, wird sie plötzlich erbleichen und wie tot hinfallen, und hebt sie nicht einer auf und zieht aus ihrer rechten Brust drei Tropfen Blut und speit sie wieder aus, so stirbt sie. Aber verrät das einer, der es weiß, so wird er ganzen Leibes zu Stein vom Wirbel bis zur Fußzehe.“ Als die Raben das miteinander gesprochen hatten, flogen sie weiter, und der getreue Johannes hatte alles wohl verstanden, aber von der Zeit an war er still und traurig. Denn verschwieg er seinem Herrn, was er gehört hatte, so war dieser unglücklich; entdeckte er es ihm, so musste er selbst sein Leben hingeben. Endlich aber sprach er bei sich: „Meinen Herrn will ich retten, und sollte ich selbst darüber zugrunde gehen.“

Als sie nun ans Land kamen, da geschah es, wie der Rabe vorher gesagt hatte, und es sprengte ein prächtiger fuchsroter Gaul daher. „Wohlan,“ sprach der König, „der soll mich in mein Schloss tragen,“ und wollte sich aufsetzen, doch der treue Johannes kam ihm zuvor, schwang sich schnell darauf, zog das Gewehr aus den Halftern und schoss den Gaul nieder. Da riefen die anderen Diener des Königs, die dem treuen Johannes doch nicht gut waren: „Wie schändlich, das schöne Tier zu töten, das den König in sein Schloss tragen sollte!“ Aber der König sprach: „Schweigt und lasst ihn gehen, es ist mein getreuester Johannes, wer weiß, wozu das gut ist!“ Nun gingen sie ins Schloss, und da stand im Saal eine Schüssel, und das gemachte Brauthemd lag darin und sah nicht anders aus, als wäre es von Gold und Silber. Der junge König ging darauf zu und wollte es ergreifen, aber der Johannes schob ihn weg, packte es mit Handschuhen an, trug es schnell ins Feuer und ließ es verbrennen. Die anderen Diener fingen wieder an zu murren und sagten: „Seht, nun verbrennt er gar des Königs Brauthemd.“

Aber der junge König sprach: „Wer weiß, wozu es gut ist lasst ihn gehen, es ist mein getreuester Johannes!“ Nun ward die Hochzeit gefeiert. Der Tanz hub an, und die Braut trat auch hinein, da harte der treue Johannes acht und schaute ihr ins Antlitz. Auf einmal erbleichte sie und fiel wie tot zur Erde. Da sprang er eilends hinzu, hob sie auf und trug sie in eine Kammer, da legte er sie nieder, kniete und sog die drei Blutstropfen aus ihrer rechten Brust und speite sie aus. Als bald atmete sie wieder und erholte sich, aber der junge König hatte es mit angesehen und wusste nicht, warum es der getreue Johannes getan hatte, ward zornig darüber und rief: „Werft ihn ins Gefängnis!“

Am anderen Morgen ward der getreue Johannes verurteilt und zum Galgen geführt und als er oben stand und gerichtet werden sollte, sprach er: „Jeder, der sterben soll darf vor seinem Ende noch einmal reden, soll ich das Recht auch haben?“ – „Ja,“ antwortete der König „es soll! dir vergönnt sein.“ Da sprach der treue Johannes: „Ich bin mit Unrecht verurteilt und bin dir immer treu gewesen, und erzählte, wie er auf dem Meer das Gespräch der Raben gehört und wie er, um seinen Herrn zu retten, das alles hätte tun müssen. Da rief der König: „Oh, mein treuester Johannes Gnade! Gnade! Führt ihn herunter!“ Aber der treue Johannes war bei dem letzten Wort das er geredet hatte, leblos herabfallen und war ein Stein.

Darüber trugen nun der König und die Königin großes Leid, und der König sprach: „Ach, was hab ich große Treue so übel belohnt!“ und ließ das steinerne Bild aufheben und in seine Schlafkammer neben sein Bett stellen. Sooft er es ansah, weinte er und sprach: „Ach, könnt“ ich dich wieder lebendig machen, mein getreuester Johannes!“ Es ging eine Zeit herum, da gebar die Königin Zwillinge, zwei Söhnlein, die wuchsen heran und waren ihre Freude. Einmal, als die Königin in der Kirche war und die zwei Kinder bei dem Vater saßen und spielten, sah dieser wieder das steinerne Bildnis voll Trauer an, seufzte und rief: „Ach, könnt“ ich dich wieder lebendig machen, mein getreuester Johannes!“ Da fing der Stein an zu reden und sprach: „Ja, du kannst mich wieder lebendig machen, wenn du dein Liebstes daran wenden willst“ Da rief der König: „Alles, was ich auf der Welt habe, will ich für dich hingeben!“ Sprach der Stein weiter: „Wenn du mit deiner eigenen Hand deinen beiden Kindern den Kopf abhaust und mich mit ihrem Blute bestreichst, so erhalte ich das Leben wieder.“

Der König erschrak, als er hörte, dass er seine liebsten Kinder selbst töten sollte, doch dachte er an die große Treue und dass der getreue Johannes für ihn gestorben war, zog sein Schwert und hieb mit eigner Hand den Kindern den Kopf ab. Und als er mit ihrem Blute den Stein bestrichen hatte, so kehrte das Leben zurück, und der getreue Johannes stand wieder frisch und gesund vor ihm. Er sprach zum König: „Deine Treue soll nicht unbelohnt bleiben,“ und nahm die Häupter der Kinder, setzte sie auf und bestrich die Wunde mit ihrem Blut, davon wurden sie im Augenblick wieder heil, sprangen herum und spielten fort, als war ihnen nichts geschehen.

Nun war der König voll Freude, und als er die Königin kommen sah, versteckte er den getreuen Johannes und die beiden Kinder in einen großen Schrank. Wie sie hereintrat, sprach er zu ihr: „Hast du gebetet in der Kirche?“ – „Ja,“ antwortete sie, „aber ich habe beständig an den getreuen Johannes gedacht, dass er so unglücklich durch uns geworden ist.“ Da sprach er: „Liebe Frau, wir können ihm das Leben wiedergeben. aber es kostet uns unsere beiden Söhnlein, die müssen wir opfern.“ Die Königin ward bleich und erschrak im Herzen, doch sprach sie: „Wir sind’s ihm schuldig wegen seiner großen Treue.“ Da freute er sich, dass sie dachte, wie er gedacht hatte, ging hin und schloss den Schrank auf, holte die Kinder und den treuen Johannes heraus und sprach: „Gott sei gelobt, er ist erlöst, und unsere Söhnlein haben wir auch wieder!“ und erzählte ihr, wie sich alles zugetragen hatte. Da lebten sie zusammen in Glückseligkeit bis an ihr Ende.

Hintergründe zum Märchen „Der treue Johannes“

„Der treue Johannes“ ist ein Märchen, das von den Brüdern Jacob und Wilhelm Grimm in ihrer Sammlung „Kinder- und Hausmärchen“ (1812) veröffentlicht wurde. Es ist auch als „KHM 6“ bekannt. Hier sind einige Hintergründe zum Märchen: Wie die meisten Märchen der Gebrüder Grimm hat auch „Der treue Johannes“ seine Wurzeln in der mündlichen Erzähltradition. Die Brüder Grimm sammelten die Geschichte von verschiedenen Erzählern und zeichneten sie auf, um sie für die Nachwelt zu bewahren. Das Märchen enthält Motive und Elemente, die auch in anderen Kulturen und Traditionen vorkommen.

Die Geschichte handelt von einem treuen Diener namens Johannes, der dem verstorbenen König verspricht, seinen Sohn, den jungen König, zu beschützen und ihm beizustehen. Der treue Johannes rettet den jungen König vor verschiedenen Gefahren und hilft ihm dabei, die schöne Prinzessin von Golden Dach zu gewinnen. Um den König und seine Frau vor einem schrecklichen Schicksal zu bewahren, befolgt Johannes drei Prophezeiungen, die er während einer Reise erfährt. Dabei muss er jedoch ungewöhnliche und beunruhigende Handlungen vollziehen, die dazu führen, dass der junge König ihn für seine Taten verurteilt. Nachdem Johannes‘ Loyalität und Treue aufgedeckt werden, wird er wieder zum Leben erweckt und alle leben glücklich und zufrieden.

„Der treue Johannes“ behandelt Themen wie Loyalität, Treue, Opfer, Vertrauen und die Bedeutung von Freundschaft. Die Geschichte zeigt, dass wahre Freundschaft und Loyalität auch unter schwierigen Umständen bestehen können und dass Vertrauen eine wichtige Rolle in menschlichen Beziehungen spielt. Das Märchen folgt einer linearen Erzählstruktur mit einer Reihe von Ereignissen, die den treuen Johannes und den jungen König auf ihrer Reise begleiten. Die Handlung ist komplexer als bei vielen anderen Märchen der Gebrüder Grimm und beinhaltet verschiedene Prophezeiungen, die die Charaktere beeinflussen. Die Geschichte ist reich an Symbolik und verwendet metaphorische Elemente, um die Botschaft von Loyalität und Treue zu vermitteln.

„Der treue Johannes“ ist ein bekanntes und geschätztes Märchen der Gebrüder Grimm, das die Werte von Treue, Loyalität und Vertrauen betont. Die Geschichte hat in der Literatur und in anderen künstlerischen Ausdrucksformen einen bleibenden Einfluss gehabt und ist ein wichtiger Bestandteil des kulturellen Erbes. Insgesamt ist „Der treue Johannes“ ein faszinierendes und lehrreiches Märchen, das die Bedeutung von Loyalität, Vertrauen und Freundschaft in den Mittelpunkt stellt und den Leser dazu anregt, über die wahren Werte menschlicher Beziehungen nachzudenken.

Interpretationen zum Märchen „Der treue Johannes“

„Der treue Johannes“ ist ein Märchen von den Gebrüdern Grimm, das verschiedene Interpretationsmöglichkeiten bietet. Hier sind einige mögliche Deutungen der Geschichte:

Loyalität und Treue: Ein zentrales Thema des Märchens ist die Loyalität und Treue, die Johannes dem jungen König gegenüber zeigt. Johannes ist bereit, alles zu opfern, um den König und seine Familie zu schützen. Die Geschichte lehrt, dass wahre Freundschaft und Loyalität in schwierigen Zeiten bestehen können und von unschätzbarem Wert sind.

Vertrauen: Ein weiteres wichtiges Thema in „Der treue Johannes“ ist das Vertrauen. Der junge König vertraut zunächst blind auf Johannes, aber seine Misstrauen wächst, als Johannes scheinbar unerklärliche und unverzeihliche Handlungen begeht. Die Geschichte zeigt, wie wichtig es ist, in schwierigen Situationen Vertrauen zu haben, und lehrt, dass man manchmal über seinen eigenen Verdacht und seine Zweifel hinwegsehen muss, um die wahren Absichten eines Freundes zu erkennen.

Opferbereitschaft: Die Handlung des Märchens stellt Johannes‘ Bereitschaft, sich selbst und seine eigenen Interessen für das Wohl des Königs und seiner Familie zu opfern, in den Vordergrund. Diese Opferbereitschaft zeigt die wahre Stärke der Freundschaft und Loyalität, die Johannes dem König gegenüber empfindet.

Schicksal und Prophezeiungen: „Der treue Johannes“ beinhaltet auch das Motiv von Schicksal und Prophezeiungen, die die Charaktere beeinflussen und die Handlung vorantreiben. Die Geschichte zeigt, dass das Schicksal manchmal unerklärlich und unvorhersehbar sein kann, aber wahre Freundschaft und Loyalität können helfen, selbst die schwierigsten Situationen zu bewältigen.

Menschliche Schwächen und Stärken: Das Märchen zeigt auch menschliche Schwächen und Stärken, wie Misstrauen, Neugier und Eifersucht, die zu Fehlentscheidungen führen können. Gleichzeitig zeigt die Geschichte die Stärke von Loyalität, Treue und Vertrauen, die in schwierigen Situationen triumphieren können.

Insgesamt bietet „Der treue Johannes“ verschiedene Interpretationsmöglichkeiten und regt zum Nachdenken über Themen wie Loyalität, Vertrauen, Opferbereitschaft und menschliche Schwächen und Stärken an. Die Geschichte lehrt wichtige moralische Lektionen über die Bedeutung von Freundschaft und die Fähigkeit, über den eigenen Verdacht und die Zweifel hinwegzusehen, um die wahren Absichten eines Freundes zu erkennen.

Adaptionen zum Märchen „Der treue Johannes“

Obwohl „Der treue Johannes“ nicht zu den bekanntesten Märchen der Gebrüder Grimm gehört, gibt es dennoch einige Adaptionen und Neuinterpretationen in verschiedenen Medien. Hier sind einige Beispiele:

Literatur: In Philip Pullmans Buch „Grimm Tales for Young and Old“ bietet der Autor eine Neuerzählung des Märchens, die die ursprüngliche Geschichte aufgreift und eigene Interpretationen hinzufügt. Diese Adaption bewahrt den Geist der ursprünglichen Erzählung und bringt sie einem neuen Publikum näher. Joseph Jacobs weist in seinen Kommentaren zu seiner eigenen Rekonstruktion (John The True) in seinem Europa’s Fairy Book darauf hin, dass die Geschichte auffällige Parallelen zu Erzählungen der indischen Literaturgeschichte aufweist und sie aufgrund der antiken Quellen, wie Panchatantra und Somadevas The Ocean of Stories, als möglichen Ausgangspunkt vorschlägt. „Trusty John“ ist eine Nebenfigur in der langjährigen Comicserie Fables.

Theater: „Der treue Johannes“ wurde gelegentlich als Theaterstück aufgeführt, meist in Schul- oder Gemeinschaftstheatern. Eine solche Inszenierung ist das Stück „Der treue Johannes – Das Märchen vom treuen Diener“, das von der Theatergruppe „RatzFatz“ in Deutschland aufgeführt wurde.

Hörspiele und Audiobücher: Es gibt mehrere Hörspiel- und Audiobuchversionen des Märchens „Der treue Johannes“. Eine solche Adaption ist das Hörspiel „Der treue Johannes“ aus der Hörspielreihe „Die schönsten Märchen der Brüder Grimm“, das von verschiedenen Sprechern und mit Musikuntermalung präsentiert wird.

Film und Fernsehen: Obwohl es keine großen Film- oder Fernsehadaptionen von „Der treue Johannes“ gibt, wurde die Geschichte in einigen Märchenverfilmungen und Fernsehserien aufgegriffen. Zum Beispiel erscheint eine Adaption des Märchens in der deutschen Fernsehserie „Grimms Märchen“ aus den 1960er Jahren.

Illustrationen und bildende Kunst: In verschiedenen Ausgaben der Märchen der Gebrüder Grimm wurden Illustrationen zu „Der treue Johannes“ angefertigt. Künstler wie Otto Ubbelohde und Walter Crane haben sich von dem Märchen inspirieren lassen und es in ihren Werken dargestellt.

Insgesamt sind Adaptionen von „Der treue Johannes“ weniger verbreitet als bei anderen, bekannteren Märchen der Gebrüder Grimm. Dennoch zeigt die Geschichte in verschiedenen künstlerischen Ausdrucksformen ihren anhaltenden Einfluss und die Faszination, die sie auf Leser und Künstler ausübt. „Der treue Johannes“ ist ein deutsches Märchen, das von den Brüdern Grimm gesammelt und 1819 in Grimms Märchen veröffentlicht wurde (KHM 6). Andrew Lang hat es in „Das Blaue Märchenbuch“ aufgenommen. Es ist als Aarne-Thompson Typ 516 klassifiziert. Weitere Exemplare dieses Typs sind Pater Roquelaure und The Raven. Antti Aarne und Stith Thompson katalogisierten etwa 500 Erzählungen unter diesem Typus, von denen über 200 irische und die übrigen aus dem übrigen Europa und den europäischen Kolonien in Amerika stammten. Zu diesen Erzählungen gehören In Love with a Statue, How to find out a True Friend, The Man of Stone und Amis et Amiles. Die Erzählung wurde 1819 von den Brüdern Grimm in der zweiten Ausgabe von Kinder- und Hausmärchen veröffentlicht. Ihre Quelle war die deutsche Erzählerin Dorothea Viehmann aus dem Dorf Niederzwehren bei Kassel.

Zusammenfassung des Märchen „Der treue Johannes“

„Der treue Johannes“ ist ein Märchen der Gebrüder Grimm, das von Loyalität und Freundschaft handelt. Die Geschichte beginnt mit dem Tod eines alten Königs, der seinen treuen Diener Johannes bittet, seinen Sohn, den jungen König, zu beschützen und ihm beizustehen. Johannes verspricht dies und wird seinem Namen gerecht.

Eines Tages sieht der junge König ein Porträt der schönen Prinzessin von Golden Dach und beschließt, sie zur Frau zu nehmen. Johannes erfährt durch drei Raben von einer Prophezeiung, die drei Gefahren für den König und die Prinzessin offenbart. Um diese Gefahren abzuwenden, muss Johannes drei bestimmte Aufgaben erfüllen, auch wenn sie ihm großen Ärger einbringen könnten.

Die erste Gefahr besteht darin, dass der König während der Reise zur Prinzessin von einem Pferd zu Tode getrampelt wird. Johannes handelt schnell und tötet das Pferd, ohne dem König den Grund zu nennen. Die zweite Gefahr ist ein vergiftetes Hochzeitskleid, das Johannes ebenfalls rechtzeitig entfernt. Schließlich offenbart die Prophezeiung, dass die Prinzessin nach der Hochzeitsnacht sterben wird, wenn der König sie nicht zuerst umarmt. Johannes steht in der Schlafkammer Wache und verhindert auch diese Gefahr.

Jedoch missversteht der junge König Johannes‘ Handlungen und glaubt, er hätte böse Absichten. Er verurteilt Johannes zum Tode. Vor seiner Hinrichtung bittet Johannes den König, ihm noch drei Wünsche zu erfüllen. Der erste Wunsch ist, dem König die Wahrheit über die Prophezeiung und die abgewendeten Gefahren zu erzählen. Der zweite Wunsch betrifft eine gerechte Bestrafung für den Verräter, der das vergiftete Kleid geschickt hat. Der dritte Wunsch ist, dass Johannes‘ treuer Diener an seiner Stelle hingerichtet wird.

Der junge König, nun über die wahren Absichten von Johannes informiert, ist zutiefst betrübt und bereut seine Entscheidung. Als Johannes‘ treuer Diener hingerichtet wird, verwandelt er sich in Stein. Später bringt ein Zufall ein Heilmittel für die Versteinerung hervor, und Johannes wird wieder lebendig. Der treue Johannes kehrt an den Hof des Königs zurück, und alle leben glücklich und zufrieden.

Die Handlung des Märchen

In einigen Varianten befiehlt ein König auf seinem Sterbebett seinem Diener Trusty John, seinen Sohn nicht in ein bestimmtes Zimmer zu lassen, in dem sich das Porträt einer Prinzessin befindet.

In allen Varianten dringt der neue König, wenn er an die Macht kommt, mit Gewalt in den Raum ein. Sofort verliebt er sich in die Prinzessin. In Joseph Jacobs‘ Version befand sich ihr Land mit seinem im Krieg, und das Porträt stammt aus Verlobungsverhandlungen, die gescheitert waren; aber in allen Varianten weiß der König nicht, wie er sie gewinnen kann. Der treue Johannes weist ihn an, ein Schiff mit allen möglichen reichen Schätzen vorzubereiten, und segelt dann entweder selbst damit oder lässt den König mit ihm in ihr Land segeln. Die Prinzessin wird von den Gütern an Bord gelockt, und das Schiff setzt die Segel und trägt sie fort.

Während der Fahrt hört Johannes drei Raben. Einer sagt, dass, sobald sie das Ufer erreichen, ein Pferd kommen wird. wenn der König darauf steigt, wird es mit ihm in die Luft fliegen, und keiner von beiden wird wieder gesehen werden. Die Lösung ist, dass jemand das Pferd tötet, aber wer dies durch lautes Aussprechen verrät, dessen Beine würden bis zu den Knien zu Stein werden. Der zweite Rabe sagt (mit Variationen in verschiedenen Erzählungen), dass der König auf dem Hochzeitsmahl durch Wein getötet würde, wenn er nicht zu Boden geschleudert würde, oder dass er durch ein Hochzeitshemd verbrannt würde, wenn es nicht von einer Person, die Handschuhe trägt, zerstört würde usw.. In allen Varianten würde sich derjenige, der dies sagt, bis zur Taille zu Stein verwandeln. Der dritte Rabe sagt, wiederum in verschiedenen Varianten, dass die Prinzessin in Ohnmacht fallen und sterben würde, wenn nicht jemand drei Tropfen Blut aus ihrer rechten Brust saugt; oder ein Drache würde ihr Brautgemach angreifen und sie töten, wenn sie nicht vertrieben wird. Wer dies behauptet, würde sich ganz in Stein verwandeln.

Johannes verhindert alle drei Schicksale. Bei den ersten beiden vertraut der König darauf, dass Johannes in seinem Dienst gehandelt hat; aber bei dem dritten Schicksal beschließt der König, ihn hinzurichten. Am Ort der Hinrichtung erzählt Johannes die Geschichte der Raben und verwandelt sich nach und nach in Stein. Mit der Zeit gebiert die Königin Zwillingssöhne. Der König erfährt, dass er wieder zum Leben erwacht, wenn er die Jungen tötet und die Statue von Johannes mit ihrem Blut einreibt. Der König tut dies, und nach der Auferstehung von Johannes tut er dasselbe mit den Jungen und lässt sie wieder auferstehen. Später verstecken sich John und die Zwillinge in einem Schrank, während der König erklärt, was getan werden müsste, um John zurückzubringen und ihre Loyalität zu testen. Als die Königin dem Opfer zustimmt, kommen Johannes und die Zwillinge aus der Tür und umarmen alle. Der König und die Königin leben glücklich bis zu ihrem Tod.

Informationen für wissenschaftliche Analysen


Statistiken zum Märchen
Wert
NummerKHM 6
Aarne-Thompson-Uther-IndexATU Typ 516
Übersetzungen DE, EN, EL, DA, ES, FR, PT, FI, HU, IT, JA, NL, KO, PL, RU, TR, VI, ZH,
Lesbarkeitsindex nach Amstad73.8
Lesbarkeitsindex nach Björnsson38.9
Flesch-Reading-Ease Index62.4
Flesch–Kincaid Grade-Level9.8
Gunning Fog Index11.3
Coleman–Liau Index11.8
SMOG Index11.2
Automated Readability Index11.2
Zeichen-Anzahl16.737
Anzahl der Buchstaben13.209
Anzahl der Sätze133
Wortanzahl2.816
Durchschnittliche Wörter pro Satz21,17
Wörter mit mehr als 6 Buchstaben498
Prozentualer Anteil von langen Wörtern17.7%
Silben gesamt4.094
Durchschnittliche Silben pro Wort1,45
Wörter mit drei Silben257
Prozentualer Anteil von Wörtern mit drei Silben9.1%

Bildquellen: © Andrea Danti / Shutterstock

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