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Die weiße Schlange
Die weiße Schlange Märchen

Die weiße Schlange - Märchen der Gebrüder Grimm

Vorlesezeit für Kinder: 12 min

Es ist nun schon lange her, da lebte ein König, dessen Weisheit im ganzen Lande berühmt war. Nichts blieb ihm unbekannt und es war, als ob ihm Nachricht von den verborgensten Dingen durch die Luft zugetragen würde. Er hatte aber eine seltsame Sitte. Jeden Mittag, wenn von der Tafel alles abgetragen und niemand mehr zugegen war, musste ein vertrauter Diener noch eine Schüssel bringen. Sie war aber zugedeckt, und der Diener wusste selbst nicht, was darin lag, und kein Mensch wüsste es, denn der König deckte sie nicht eher auf und aß nicht davon, bis er ganz allein war. Das hatte schon lange Zeit gedauert, da überkam eines Tages den Diener, der die Schüssel wieder wegtrug, die Neugierde, dass er nicht widerstehen konnte, sondern die Schüssel in seine Kammer brachte.

Als er die Tür sorgfältig verschlossen hatte, hob er den Deckel auf und da sah er, dass eine weiße Schlange darin lag. Bei ihrem Anblick konnte er die Lust nicht zurückhalten, sie zu kosten. Er schnitt ein Stückchen davon ab und steckte es in den Mund. Kaum aber hatte es seine Zunge berührt, so hörte er vor seinem Fenster ein seltsames Gewisper von feinen Stimmen. Er ging und horchte, da merkte er, dass es die Sperlinge waren, die miteinander sprachen und sich allerlei erzählten, was sie im Felde und Walde gesehen hatten. Der Genuss der Schlange hatte ihm die Fähigkeit verliehen, die Sprache der Tiere zu verstehen.

Nun trug es sich zu, dass gerade an diesem Tage der Königin ihr schönster Ring fortkam und auf den vertrauten Diener, der überall Zugang hatte, der Verdacht fiel, er habe ihn gestohlen. Der König ließ ihn vor sich kommen und drohte ihm unter heftigen Scheltworten, wenn er bis morgen den Täter nicht zu nennen wüsste, so sollte er dafür angesehen und gerichtet werden. Es half nichts, dass er seine Unschuld beteuerte, er ward mit keinem besseren Bescheid entlassen. In seiner Unruhe und Angst ging er hinab auf den Hof und bedachte, wie er sich aus seiner Not helfen könne. Da saßen die Enten an einem fließenden Wasser friedlich nebeneinander und ruhten, sie putzten sich mit ihren Schnäbeln glatt und hielten ein vertrauliches Gespräch. Der Diener blieb stehen und hörte ihnen zu.

Sie erzählten sich, wo sie heute Morgen all herumgewackelt wären und was für gutes Futter sie gefunden hätten. Da sagte eine verdrießlich: „Mir liegt etwas schwer im Magen, ich habe einen Ring, der unter der Königin Fenster lag, in der Hast mit hinuntergeschluckt.“ Da packte sie der Diener gleich beim Kragen, trug sie in die Küche und sprach zum Koch: „Schlachte doch diese ab, sie ist wohlgenährt.“

Die weiße Schlange

„Ja,“ sagte der Koch und wog sie in der Hand. „Die hat keine Mühe gescheut sich zu mästen und schon lange darauf gewartet, gebraten zu werden.“ Er schnitt ihr den Hals ab, und als sie ausgenommen ward, fand sich der Ring der Königin in ihrem Magen. Der Diener konnte nun leicht vor dem Könige seine Unschuld beweisen, und da dieser sein Unrecht wieder gut machen wollte, erlaubte er ihm, sich eine Gnade auszubitten und versprach ihm die größte Ehrenstelle, die er sich an seinem Hofe wünschte.

Der Diener schlug alles aus und bat nur um ein Pferd und Reisegeld. Denn er hatte Lust, die Welt zu sehen und eine Weile darin herumzuziehen. Als seine Bitte erfüllt war, machte er sich auf den Weg und kam eines Tages an einem Teich vorbei, wo er drei Fische bemerkte, die sich im Rohr gefangen hatten und nach Wasser schnappten. Obgleich man sagt, die Fische wären stumm, so vernahm er doch ihre Klage, dass sie so elend umkommen müssten.

Die weiße Schlange

Weil er ein mitleidiges Herz hatte, so stieg er vom Pferde ab und setzte die drei Gefangenen wieder ins Wasser. Sie zappelten vor Freude, steckten die Köpfe heraus und riefen ihm zu: „Wir wollen dir’s gedenken und dir’s vergelten, dass du uns errettet hast!“ Er ritt weiter, und nach einem Weilchen kam es ihm vor, als hörte er zu seinen Füßen in dem Sand eine Stimme.

Er horchte und vernahm, wie ein Ameisenkönig klagte: „Wenn uns nur die Menschen mit den ungeschickten Tieren vom Leib blieben! Da tritt mir das dumme Pferd mit seinen schweren Hufen meine Leute ohne Barmherzigkeit nieder!“ Er lenkte auf einen Seitenweg ein, und der Ameisenkönig rief ihm zu: „Wir wollen dir’s gedenken und dir’s vergelten!“ Der Weg führte ihn in einen Wald, und da sah er einen Rabenvater und eine Rabenmutter, die standen bei ihrem Nest und warfen ihre Jungen heraus.

„Fort mit euch, ihr Galgenschwengel!“ riefen sie, „wir können euch nicht mehr satt machen, ihr seid groß genug und könnt euch selbst ernähren.“ Die armen Jungen lagen auf der Erde, flatterten und schlugen mit ihren Fittichen und schrien: „Wir hilflosen Kinder, wir sollen uns selbst ernähren und können noch nicht fliegen! Was bleibt uns übrig, als hier Hungers zu sterben!“ Da stieg der gute Jüngling ab, tötete das Pferd mit seinem Degen und überließ es den jungen Raben zum Futter. Die kamen herbeigehüpft, sättigten sich und riefen: „Wir wollen dir’s gedenken und dir’s vergelten!“

Die weiße Schlange

Er musste jetzt seine Beine gebrauchen, und als er lange Wege gegangen war, kam er in eine große Stadt. Da war großer Lärm und Gedränge in den Straßen und kam einer zu Pferde und machte bekannt: Die Königstochter suche einen Gemahl, wer sich aber um sie bewerben wolle, der müsse eine schwere Aufgabe vollbringen, und könne er es nicht glücklich ausführen, so habe er sein Leben verwirkt. Viele hatten es schon versucht, aber vergeblich ihr Leben daran gesetzt. Der Jüngling, als er die Königstochter sah, ward von ihrer großen Schönheit so verblendet, dass er alle Gefahr vergaß, vor den König trat und sich als Freier meldete.

Alsbald ward er hinaus ans Meer geführt und vor seinen Augen ein goldener Ring hineingeworfen. Dann hieß ihn der König diesen Ring aus dem Meeresgrund wieder hervorzuholen, und fügte hinzu: „Wenn du ohne ihn wieder in die Höhe kommst, so wirst du immer aufs Neue hinabgestürzt, bis du in den Wellen umkommst.“ Alle bedauerten den schönen Jüngling und ließen ihn dann einsam am Meer zurück. Er stand am Ufer und überlegte, was er wohl tun sollte. Da sah er auf einmal drei Fische daher schwimmen, und es waren keine anderen als jene, welchen er das Leben gerettet hatte. Der mittlere hielt eine Muschel im Munde, die er an den Strand zu den Füßen des Jünglings hinlegte, und als dieser sie aufhob und öffnete, so lag der Goldring darin. Voll Freude brachte er ihn dem Könige und erwartete, dass er ihm den verheißenen Lohn gewähren würde.

Die stolze Königstochter aber, als sie vernahm, dass er ihr nicht ebenbürtig war, verschmähte ihn und verlangte, er sollte zuvor eine zweite Aufgabe lösen. Sie ging hinab in den Garten und streute selbst zehn Säcke voll Hirse ins Gras. „Die muss Er morgen, eh die Sonne hervorkommt, aufgelesen haben,“ sprach sie, „und es darf kein Körnchen fehlen.“ Der Jüngling setzte sich in den Garten und dachte nach, wie es möglich wäre, die Aufgabe zu lösen; aber er konnte nichts ersinnen, saß da ganz traurig und erwartete bei Anbruch des Morgens, zum Tode geführt zu werden.

Als aber die ersten Sonnenstrahlen in den Garten fielen, so sah er die zehn Säcke alle wohlgefüllt nebeneinander stehen, und kein Körnchen fehlte darin. Der Ameisenkönig war mit seinen tausend und tausend Ameisen in der Nacht angekommen, und die dankbaren Tiere hatten die Hirse mit großer Emsigkeit gelesen und in die Säcke gesammelt. Die Königstochter kam selbst in den Garten herab und sah mit Verwunderung, dass der Jüngling vollbracht hatte, was ihm aufgegeben war.

Aber sie konnte ihr stolzes Herz noch nicht bezwingen und sprach: „Hat er auch die beiden Aufgaben gelöst, so soll er doch nicht eher mein Gemahl werden, bis er mir einen Apfel vom Baume des Lebens gebracht hat.“ Der Jüngling wusste nicht, wo der Baum des Lebens stand. Er machte sich auf und wollte immer zugehen, solange ihn seine Beine trügen, aber er hatte keine Hoffnung, ihn zu finden. Als er schon durch drei Königreiche gewandert war und abends in einen Wald kam, setzte er sich unter einen Baum und wollte schlafen.

Die weiße Schlange

Da hörte er in den Ästen ein Geräusch und ein goldener Apfel fiel in seine Hand. Zugleich flogen drei Raben zu ihm herab, setzten sich auf seine Knie und sagten: „Wir sind die drei jungen Raben, die du vom Hungertod errettet hast. Als wir groß geworden waren und hörten, dass du den goldenen Apfel suchtest, so sind wir über das Meer geflogen bis ans Ende der Welt, wo der Baum des Lebens steht, und haben dir den Apfel geholt.“

Die weiße Schlange

Voll Freude machte sich der Jüngling auf den Heimweg und brachte der schönen Königstochter den goldenen Apfel, der nun keine Ausrede mehr übrig blieb. Sie teilten den Apfel des Lebens und aßen ihn zusammen. Da ward ihr Herz mit Liebe zu ihm erfüllt, und sie erreichten in ungestörtem Glück ein hohes Alter.

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Hintergründe zum Märchen „Die weiße Schlange“

„Die weiße Schlange“ ist ein Märchen, das von den Brüdern Jacob und Wilhelm Grimm gesammelt und veröffentlicht wurde. Es gehört zu den weniger bekannten Geschichten der Grimmschen Märchensammlung und ist in der Sammlung „Kinder- und Hausmärchen“ als KHM 17 enthalten. Die erste Ausgabe der Sammlung wurde 1812 veröffentlicht, und das Märchen „Die weiße Schlange“ ist in allen Ausgaben enthalten, die bis 1857 erschienen sind.

Die Handlung des Märchens dreht sich um einen jungen Diener, der durch das Essen einer weißen Schlange die Gabe erhält, die Sprache der Tiere zu verstehen. Mit Hilfe dieser Fähigkeit und der Unterstützung von verschiedenen Tieren gelingt es ihm, schwierige Aufgaben zu lösen und das Herz der Königstochter zu gewinnen.

Die Erzählung von „Die weiße Schlange“ vereint verschiedene Elemente aus der europäischen Märchentradition, wie die Hilfe von Tieren, die magische Gabe des Protagonisten und die Bewältigung von Herausforderungen, um eine Prinzessin zu heiraten. Solche Elemente finden sich in vielen Märchen aus unterschiedlichen Kulturen.

Die Brüder Grimm haben dieses Märchen wahrscheinlich aus mündlichen und schriftlichen Quellen gesammelt, wie sie es bei den meisten Geschichten ihrer Sammlung taten. Die Hauptquelle für „Die weiße Schlange“ ist bisher jedoch nicht eindeutig identifiziert worden. Es gibt jedoch einige Theorien, dass das Märchen auf älteren Erzählungen basiert, die in verschiedenen Teilen Europas und auch im Nahen Osten verbreitet waren.

Die Botschaft des Märchens „Die weiße Schlange“ kann als eine Aufforderung zum Mitgefühl und zur Zusammenarbeit mit anderen Lebewesen gedeutet werden. Der Protagonist wird für seine Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft gegenüber Tieren belohnt, die ihm im Gegenzug bei seinen Prüfungen helfen. Das Märchen unterstreicht die Bedeutung von Einfühlungsvermögen und der Fähigkeit, die Perspektive anderer zu verstehen.

In der modernen Literaturwissenschaft wird „Die weiße Schlange“ im Kontext der Grimmschen Märchen und der europäischen Märchentradition erforscht. Dabei werden Themen wie die Rolle der Tiere, die Bedeutung von Magie und die Darstellung von Geschlechterrollen analysiert.

Interpretationen zum Märchen „Die weiße Schlange“

„Die weiße Schlange“ von den Gebrüder Grimm bietet verschiedene Interpretationsmöglichkeiten. Hier sind einige mögliche Deutungen dieses Märchens:

Loyalität und Gehorsam: Der junge Diener zeigt Loyalität und Gehorsam gegenüber dem König, indem er dessen Befehl ausführt, die geheimnisvolle Schüssel zum König zu bringen. Diese Loyalität wird belohnt, als der Diener die magische Fähigkeit erlangt, die Sprache der Tiere zu verstehen. Dieses Motiv lehrt den Leser, dass Loyalität und Gehorsam positive Eigenschaften sind, die zu Wohlstand und Glück führen können.

Wissen und Weisheit: Die Fähigkeit, die Sprache der Tiere zu verstehen, symbolisiert Wissen und Weisheit. Der Diener gewinnt diese Fähigkeit durch das Essen der weißen Schlange, die in vielen Kulturen als Symbol für Weisheit und Erkenntnis gilt. Diese Interpretation betont die Bedeutung von Wissen und Weisheit für ein erfolgreiches Leben.

Zusammenarbeit und Freundschaft: Die Tiere spielen im Märchen eine wichtige Rolle, indem sie dem jungen Diener bei seinen Prüfungen helfen. Die Freundschaften, die er mit den Tieren eingeht, sind entscheidend für seinen Erfolg. Diese Interpretation unterstreicht die Wichtigkeit von Zusammenarbeit und Freundschaft, um Herausforderungen zu bewältigen.

Demut und Mitgefühl: Der Diener ist demütig und zeigt Mitgefühl gegenüber den Tieren, indem er ihnen hilft und auf ihre Bedürfnisse eingeht. Als Ergebnis erhält er ihre Hilfe und Unterstützung, was ihm ermöglicht, die Prüfungen zu bestehen und die Prinzessin zu heiraten. Diese Deutung betont die Werte der Demut und des Mitgefühls als essenzielle Charaktereigenschaften, die zu einem erfüllten Leben führen.

Die Rolle von Schicksal und Magie: Das Märchen zeigt, dass Schicksal und Magie die Lebenswege von Menschen beeinflussen können. Die magische Gabe, die der Diener erhält, ermöglicht es ihm, die Prüfungen zu bestehen und seinen Platz im Leben zu finden. Diese Interpretation zeigt, dass Schicksal und Magie in Märchen oft als metaphorische Mittel dienen, um Lebensveränderungen und persönliches Wachstum zu verdeutlichen.

Insgesamt bieten die verschiedenen Interpretationen von „Die weiße Schlange“ Einblicke in die menschliche Natur, die Bedeutung von Werten und die Rolle von Schicksal und Magie in der Erzähltradition.

Adaptionen zum Märchen „Die weiße Schlange“

„Die weiße Schlange“ ist ein deutsches Märchen, das von den Brüdern Grimm gesammelt und in Grimms Märchen (KHM 17) veröffentlicht wurde. Es ist vom Aarne-Thompson-Typ 673 und enthält eine Episode vom Typ 554 („Die dankbaren Tiere“). Im Laufe der Zeit wurden verschiedene Adaptionen des Märchens „Die weiße Schlange“ von den Gebrüder Grimm für unterschiedliche Medien geschaffen. Hier sind einige Beispiele:

Film: „Die weiße Schlange“ (2015): Ein deutscher Fernsehfilm, der im Rahmen der ARD-Märchenfilmreihe „Sechs auf einen Streich“ produziert wurde. Regie führte Stefan Bühling, und der Film hält sich weitgehend an die Handlung des Originalmärchens.

Animation: „SimsalaGrimm“ (1999-2010): Eine deutsch-koreanische Zeichentrickserie, die verschiedene Märchen der Gebrüder Grimm adaptiert. In der Episode „Die weiße Schlange“ wird die Geschichte kindgerecht und humorvoll erzählt, wobei die Hauptfiguren Yoyo und Doc Croc die Ereignisse begleiten und kommentieren.

Theater: Verschiedene Theatergruppen und Schulen haben das Märchen im Laufe der Jahre als Bühnenstück aufgeführt. Die Inszenierungen variieren in Stil und Interpretation, aber sie alle greifen auf die Grundelemente der Originalgeschichte zurück.

Hörspiele: Die weiße Schlange“ (Europa): Eine Hörspieladaption des Märchens, die als Teil der Reihe „Märchen der Gebrüder Grimm“ veröffentlicht wurde. Die Hörspiele dieser Reihe halten sich eng an die Originaltexte und sind für Kinder und Erwachsene geeignet. „Die weiße Schlange“ (Der Audio Verlag): Eine weitere Hörspielversion des Märchens, die sich ebenfalls an die Originalgeschichte anlehnt und von professionellen Sprechern vorgetragen wird.

Literatur: „The White Snake“ von Ben Haggarty und Grahame Baker-Smith (2012): Eine englischsprachige Nacherzählung des Märchens mit eindrucksvollen Illustrationen, die sich an ein jüngeres Publikum richtet.

Diese Adaptionen zeigen, wie das Märchen „Die weiße Schlange“ von den Gebrüder Grimm auf unterschiedliche Weise interpretiert und für verschiedene Medien und Zielgruppen neu erzählt wurde. Sie tragen dazu bei, die Popularität und den kulturellen Einfluss dieses Märchens zu erhalten und an neue Generationen weiterzugeben.

Zusammenfassung des Märchen „Die weiße Schlange“

Im Märchen „Die weiße Schlange“ von den Gebrüder Grimm geht es um einen jungen Diener, der durch das Essen einer weißen Schlange die Fähigkeit erlangt, die Sprache der Tiere zu verstehen. Die Geschichte beginnt damit, dass der König jeden Tag eine geheimnisvolle Schüssel mit einer weißen Schlange serviert bekommt. Der junge Diener, neugierig auf den Inhalt der Schüssel, probiert eines Tages davon und erlangt dadurch die Gabe, die Sprache der Tiere zu verstehen.

Eines Tages hört der Diener, wie einige Vögel über eine goldene Kugel sprechen, die die Königstochter verloren hat. Der Diener findet die Kugel und bringt sie der Prinzessin zurück. Als Belohnung bietet sie ihm eine Stelle in ihrem Dienst an, doch er lehnt ab und bittet stattdessen um ein Pferd, um in die weite Welt zu ziehen. Auf seiner Reise trifft der Diener auf verschiedene Tiere in Not, darunter einen Fisch, der auf dem Trockenen liegt, ein Nest junger Raben, die vor Hunger weinen, und Ameisen, deren Hügel zerstört wurde. Er hilft jedem Tier und erhält im Gegenzug ihre Dankbarkeit und Unterstützung.

Eines Tages erfährt der Diener, dass die Königstochter einen Ehemann sucht und drei schwierige Prüfungen für ihre Bewerber aufgestellt hat. Der Diener entscheidet sich, sein Glück zu versuchen, und wird dabei von den Tieren unterstützt, denen er zuvor geholfen hatte. Der Fisch bringt ihm einen Ring aus dem Meer, die Raben helfen ihm, die Kugel der Königstochter zu finden, und die Ameisen sortieren Linsen aus der Asche.

Dank der Hilfe der Tiere besteht der Diener alle Prüfungen und gewinnt das Herz der Königstochter. Die beiden heiraten, und der Diener wird König. So endet das Märchen „Die weiße Schlange“ mit einem glücklichen Ausgang für den Diener, der durch seine Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft sowohl die magische Gabe als auch die Liebe der Prinzessin erlangt hat.

Die Handlung des Märchen

Ein weiser König erhält jeden Abend ein zugedecktes Gericht. Ein Diener ist fasziniert, als er eines Abends das Gericht des Königs holt und unter der Decke eine zusammengerollte weiße Schlange entdeckt. Der Diener nimmt einen kleinen Bissen und stellt fest, dass er nun Tiere verstehen und mit ihnen kommunizieren kann.

Kurz darauf wird der Diener beschuldigt, den Ring der Königin gestohlen zu haben. Man gibt ihm einen Tag Zeit, seine Unschuld zu beweisen oder sich der Strafe zu unterwerfen. Nachdem er aufgegeben hat, sitzt er in Erwartung seines Ablebens, als er eine Gans belauscht, die sich über einen in ihrer Kehle stecken gebliebenen Ring beklagt. Der Diener springt auf, packt die Gans und eilt in die Küche. Als der Koch der Gans den Hals aufschlitzt und den fehlenden Goldring findet. Der König entschuldigt sich und bietet der Dienerin Land und Reichtümer an. Der Diener lehnt es ab, nur ein wenig Gold und ein Pferd zu akzeptieren, auf dem er die Landschaft sehen kann.

Die weiße Schlange

Auf seiner Reise in eine Stadt begegnet der Diener zunächst einer Reihe von Tieren in Not, darunter drei Fische aus dem Wasser, Ameisen, die Gefahr laufen, zertreten zu werden, und hungernde Rabenjungen in einem Nest. In jedem Fall hört der Diener auf den Hilferuf, und in jedem Fall antworten die dankbaren Tiere mit „Ich werde mich erinnern und den Gefallen erwidern“.

In der Stadt hat der König angekündigt, dass er seine Tochter verheiraten will, aber jeder Freier muss sich bereit erklären, eine mühsame Aufgabe bis zum Ende zu erfüllen oder getötet zu werden. Nach einem flüchtigen Blick auf das schöne Mädchen stimmt der junge Mann zu. Der König wirft einen goldenen Ring ins Meer und fordert den jungen Mann auf, ihn zurückzuholen. Er fügt auch hinzu, dass der junge Mann den Ring entweder zurückbringen, ertrinken muss, um den Ring zu bekommen, oder bei seiner Rückkehr ohne ihn ertränkt werden muss.

Sofort erscheinen drei Fische, die mit einer Muschel schwimmen. In der Muschel ruht der Ring des Königs. Erstaunt stimmt der König der Heirat seiner Tochter mit dem jungen Mann zu. Die Tochter stellt ihn jedoch vor die Aufgabe, Getreidesäcke wieder aufzufüllen, die sie ins Gras verschüttet hat, weil sie herausgefunden hat, dass er kein Freier ist. Der junge Mann ist entmutigt, weil er es für unmöglich hält, das gesamte Getreide vom Boden zu holen, und er legt sich hin und schläft kurz ein. Als er aufwacht, schaut er zu den Säcken hinüber, die in der Nacht zuvor leer waren. Zu seiner Überraschung sind sie jetzt mit Getreide gefüllt, und es fehlt kein einziges Korn. Der Ameisenkönig ließ alle Ameisen die ganze Nacht arbeiten, um sie zu füllen.

Da er mit dem Diener immer noch nicht zufrieden ist, schickt ihn die Tochter auf ein anderes Unterfangen, ihr einen Apfel vom Baum des Lebens zu bringen. Der Mann wusste nicht, wo der Baum des Lebens stand, aber er machte sich trotzdem auf den Weg. Nachdem er drei Königreiche durchwandert hatte, hörte er die drei Jungvögel sagen, dass sie den Goldenen Apfel für ihn geholt hätten, nachdem sie über das Meer ans Ende der Welt geflogen waren, wo der Baum des Lebens stand. Äußerst dankbar brachte der junge Mann den Goldenen Apfel zu der Prinzessin und teilte ihn mit ihr. Die beiden heirateten und lebten in ungestörtem Glück bis ins hohe Alter.


Informationen für wissenschaftliche Analysen

Kennzahl
Wert
NummerKHM 17
Aarne-Thompson-Uther-IndexATU Typ 673
ÜbersetzungenDE, EN, DA, ES, FR, PT, HU, IT, JA, NL, PL, RU, VI, ZH
Lesbarkeitsindex nach Amstad69.8
Lesbarkeitsindex nach Björnsson39.3
Flesch-Reading-Ease Index56.6
Flesch–Kincaid Grade-Level10.6
Gunning Fog Index11.4
Coleman–Liau Index12
SMOG Index11.7
Automated Readability Index11.5
Zeichen-Anzahl8.817
Anzahl der Buchstaben7.021
Anzahl der Sätze70
Wortanzahl1.483
Durchschnittliche Wörter pro Satz21,19
Wörter mit mehr als 6 Buchstaben269
Prozentualer Anteil von langen Wörtern18.1%
Silben gesamt2.256
Durchschnittliche Silben pro Wort1,52
Wörter mit drei Silben151
Prozentualer Anteil von Wörtern mit drei Silben10.2%
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