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Das Mädchen ohne Hände
Grimm Märchen

Das Mädchen ohne Hände - Märchen der Gebrüder Grimm

Vorlesezeit für Kinder: 17 min

Achtung: Es handelt sich um eine Grusel-Geschichte.

Ein Müller war nach und nach in Armut geraten und hatte nichts mehr als seine Mühle und einen großen Apfelbaum dahinter. Einmal war er in den Wald gegangen, Holz zu holen, da trat ein alter Mann zu ihm, den er noch niemals gesehen hatte, und sprach „was quälst du dich mit Holzhacken, ich will dich reich machen, wenn du mir versprichst, was hinter deiner Mühle steht.“ – „Was kann das anders sein als mein Apfelbaum?“ dachte der Müller, sagte „ja,“ und verschrieb es dem fremden Manne.

Das Mädchen ohne Hände

Der aber lachte höhnisch und sagte „nach drei Jahren will ich kommen und abholen, was mir gehört,“ und ging fort. Als der Müller nach Haus kam, trat ihm seine Frau entgegen und sprach „sage mir, Müller, woher kommt der plötzliche Reichtum in unser Haus? auf einmal sind alle Kisten und Kasten voll, kein Mensch hat’s hereingebracht, und ich weiß nicht, wie es zugegangen ist.“ Er antwortete „das kommt von einem fremden Manne, der mir im Walde begegnet ist und mir große Schätze verheißen hat; ich habe ihm dagegen verschrieben, was hinter der Mühle steht: den großen Apfelbaum können wir wohl dafür geben.“ – „Ach, Mann,“ sagte die Frau erschrocken, „das ist der Teufel gewesen: den Apfelbaum hat er nicht gemeint, sondern unsere Tochter, die stand hinter der Mühle und kehrte den Hof.“

Die Müllerstochter war ein schönes und frommes Mädchen und lebte die drei Jahre in Gottesfurcht und ohne Sünde. Als nun die Zeit herum war, und der Tag kam, wo sie der Böse holen wollte, da wusch sie sich rein und machte mit Kreide einen Kranz um sich. Der Teufel erschien ganz frühe, aber er konnte ihr nicht nahe kommen. Zornig sprach er zum Müller „tut ihr alles Wasser weg, damit sie sich nicht mehr waschen kann, denn sonst habe ich keine Gewalt über sie.“ Der Müller fürchtete sich und tat es. Am anderen Morgen kam der Teufel wieder, aber sie hatte auf ihre Hände geweint, und sie waren ganz rein. Da konnte er ihr wiederum nicht nahen und sprach wütend zu dem Müller „hau ihr die Hände ab, sonst kann ich ihr nichts anhaben.“ Der Müller entsetzte sich und antwortete „wie könnt ich meinem eigenen Kinde die Hände abhauen!“ Da drohte ihm der Böse und sprach „wo du es nicht tust, so bist du mein, und ich hole dich selber.“ Dem Vater ward Angst, und er versprach, ihm zu gehorchen. Da ging er zu dem Mädchen und sagte „mein Kind, wenn ich dir nicht beide Hände abhaue, so führt mich der Teufel fort, und in der Angst hab ich es ihm versprochen. Hilf mir doch in meiner Not und verzeihe mir, was ich Böses an dir tue.“ Sie antwortete „lieber Vater, macht mit mir, was Ihr wollt, ich bin Euer Kind.“ Darauf legte sie beide Hände hin und ließ sie sich abhauen. Der Teufel kam zum dritten Mal, aber sie hatte so lange und so viel auf die Stümpfe geweint, dass sie doch ganz rein waren. Da musste er weichen und hatte alles Recht auf sie verloren.

Der Müller sprach zu ihr „ich habe so großes Gut durch dich gewonnen, ich will dich zeitlebens aufs köstlichste halten.“ Sie antwortete aber „hier kann ich nicht bleiben: ich will fortgehen: mitleidige Menschen werden mir schon so viel geben, als ich brauche.“ Darauf ließ sie sich die verstümmelten Arme auf den Rücken binden, und mit Sonnenaufgang machte sie sich auf den Weg und ging den ganzen Tag, bis es Nacht ward. Da kam sie zu einem königlichen Garten, und beim Mondschimmer sah sie, dass Bäume voll schöner Früchte darin standen; aber sie konnte nicht hinein, denn es war ein Wasser darum. Und weil sie den ganzen Tag gegangen war und keinen Bissen genossen hatte, und der Hunger sie quälte, so dachte sie „ach, wäre ich darin, damit ich etwas von den Früchten äße, sonst muss ich verschmachten.“ Da kniete sie nieder, rief Gott den Herrn an und betete. Auf einmal kam ein Engel daher, der machte eine Schleuse in dem Wasser zu, so dass der Graben trocken ward und sie hindurchgehen konnte. Nun ging sie in den Garten, und der Engel ging mit ihr. Sie sah einen Baum mit Obst, das waren schöne Birnen, aber sie waren alle gezählt. Da trat sie hinzu und aß eine mit dem Munde vom Baume ab, ihren Hunger zu stillen, aber nicht mehr.

Der Gärtner sah es mit an, weil aber der Engel dabeistand, fürchtete er sich und meinte, das Mädchen wäre ein Geist, schwieg still und getraute nicht zu rufen oder den Geist anzureden. Als sie die Birne gegessen hatte, war sie gesättigt, und ging und versteckte sich in das Gebüsch. Der König, dem der Garten gehörte, kam am anderen Morgen herab, da zählte er und sah, dass eine der Birnen fehlte, und fragte den Gärtner, wo sie hingekommen wäre: sie läge nicht unter dem Baume und wäre doch weg. Da antwortete der Gärtner „vorige Nacht kam ein Geist herein, der hatte keine Hände und aß eine mit dem Munde ab.“ Der König sprach „wie ist der Geist über das Wasser hereingekommen? und wo ist er hingegangen, nachdem er die Birne gegessen hatte?“ Der Gärtner antwortete „es kam jemand in schneeweißem Kleide vom Himmel, der hat die Schleuse zugemacht und das Wasser gehemmt, damit der Geist durch den Graben gehen konnte. Und weil es ein Engel gewesen sein muss, so habe ich mich gefürchtet, nicht gefragt und nicht gerufen. Als der Geist die Birne gegessen hatte, ist er wieder zurückgegangen.“ Der König sprach „verhält es sich, wie du sagst, so will ich diese Nacht bei dir wachen.“

Als es dunkel ward, kam der König in den Garten, und brachte einen Priester mit, der sollte den Geist anreden. Alle drei setzten sich unter den Baum und gaben Acht. Um Mitternacht kam das Mädchen aus dem Gebüsch gekrochen, trat zu dem Baum, und aß wieder mit dem Munde eine Birne ab; neben ihr aber stand der Engel im weißen Kleide. Da ging der Priester hervor und sprach „bist du von Gott gekommen oder von der Welt? bist du ein Geist oder ein Mensch?“ Sie antwortete „ich bin kein Geist, sondern ein armer Mensch, von allen verlassen, nur von Gott nicht.“ Der König sprach „wenn du von aller Welt verlassen bist, so will ich dich nicht verlassen.“ Er nahm sie mit sich in sein königliches Schloss, und weil sie so schön und fromm war, liebte er sie von Herzen, ließ ihr silberne Hände machen und nahm sie zu seiner Gemahlin.

Nach einem Jahre musste der König über Feld ziehen, da befahl er die junge Königin seiner Mutter und sprach „wenn sie ins Kindbett kommt, so haltet und verpflegt sie wohl und schreibt mir’s gleich in einem Briefe.“ Nun gebar sie einen schönen Sohn. Da schrieb es die alte Mutter eilig und meldete ihm die frohe Nachricht. Der Bote aber ruhte unterwegs an einem Bache, und da er von dem langen Wege ermüdet war, schlief er ein. Da kam der Teufel, welcher der frommen Königin immer zu schaden trachtete, und vertauschte den Brief mit einem anderen, darin stand, dass die Königin einen Wechselbalg zur Welt gebracht hätte. Als der König den Brief las, erschrak er und betrübte sich sehr, doch schrieb er zur Antwort, sie sollten die Königin wohl halten und pflegen bis zu seiner Ankunft.

Der Bote ging mit dem Brief zurück, ruhte an der nämlichen Stelle und schlief wieder ein. Da kam der Teufel abermals und legte ihm einen anderen Brief in die Tasche, darin stand, sie sollten die Königin mit ihrem Kinde töten. Die alte Mutter erschrak heftig, als sie den Brief erhielt, konnte es nicht glauben und schrieb dem Könige noch einmal, aber sie bekam keine andere Antwort, weil der Teufel dem Boten jedes Mal einen falschen Brief unterschob: und in dem letzten Briefe stand noch, sie sollten zum Wahrzeichen Zunge und Augen der Königin aufheben. Aber die alte Mutter weinte, dass so unschuldiges Blut sollte vergossen werden, ließ in der Nacht eine Hirschkuh holen, schnitt ihr Zunge und Augen aus und hob sie auf. Dann sprach sie zu der Königin „ich kann dich nicht töten lassen, wie der König befiehlt, aber länger darfst du nicht hier bleiben: geh mit deinem Kinde in die weite Welt hinein und komm nie wieder zurück.“ Sie band ihr das Kind auf den Rücken, und die arme Frau ging mit weinerlichen Augen fort.

Das Mädchen ohne Hände

Sie kam in einen großen wilden Wald, da setzte sie sich auf ihre Knie und betete zu Gott, und der Engel des Herrn erschien ihr und führte sie zu einem kleinen Haus, daran war ein Schildchen mit den Worten „hier wohnt ein jeder frei.“ Aus dem Häuschen kam eine schneeweiße Jungfrau, die sprach „willkommen, Frau Königin,“ und führte sie hinein. Da band sie ihr den kleinen Knaben von dem Rücken und hielt ihn an ihre Brust, damit er trank, und legte ihn dann auf ein schönes gemachtes Bettchen. Da sprach die arme Frau „woher weißt du, dass ich eine Königin war?“ Die weiße Jungfrau antwortete „ich bin ein Engel, von Gott gesandt, dich und dein Kind zu verpflegen.“ Da blieb sie in dem Hause sieben Jahre, und war wohl verpflegt, und durch Gottes Gnade wegen ihrer Frömmigkeit wuchsen ihr die abgehauenen Hände wieder.

Der König kam endlich aus dem Felde wieder nach Haus, und sein erstes war, dass er seine Frau mit dem Kinde sehen wollte. Da fing die alte Mutter an zu weinen und sprach „du böser Mann, was hast du mir geschrieben, dass ich zwei unschuldige Seelen ums Leben bringen sollte!“ und zeigte ihm die beiden Briefe, die der Böse verfälscht hatte, und sprach weiter „ich habe getan, wie du befohlen hast,“ und wies ihm die Wahrzeichen, Zunge und Augen. Da fing der König an noch viel bitterlicher zu weinen über seine arme Frau und sein Söhnlein, dass es die alte Mutter erbarmte und sie zu ihm sprach „gib dich zufrieden, sie lebt noch. Ich habe eine Hirschkuh heimlich schlachten lassen und von dieser die Wahrzeichen genommen, deiner Frau aber habe ich ihr Kind auf den Rücken gebunden, und sie geheißen, in die weite Welt zu gehen, und sie hat versprechen müssen, nie wieder hierher zu kommen, weil du so zornig über sie wärst.“ Da sprach der König „ich will gehen, soweit der Himmel blau ist, und nicht essen und nicht trinken, bis ich meine liebe Frau und mein Kind wiedergefunden habe, wenn sie nicht in der Zeit umgekommen oder Hungers gestorben sind.“

Darauf zog der König umher, an die sieben Jahre lang, und suchte sie in allen Steinklippen und Felsenhöhlen, aber er fand sie nicht und dachte, sie wäre verschmachtet. Er aß nicht und trank nicht während dieser ganzen Zeit, aber Gott erhielt ihn. Endlich kam er in einen großen Wald und fand darin das kleine Häuschen, daran das Schildchen war mit den Worten „hier wohnt jeder frei.“ Da kam die weiße Jungfrau heraus, nahm ihn bei der Hand, führte ihn hinein und sprach „seid willkommen, Herr König,“ und fragte ihn, wo er herkäme. Er antwortete „ich bin bald sieben Jahre umhergezogen, und suche meine Frau mit ihrem Kinde, ich kann sie aber nicht finden.“ Der Engel bot ihm Essen und Trinken an, er nahm es aber nicht, und wollte nur ein wenig ruhen. Da legte er sich schlafen, und deckte ein Tuch über sein Gesicht.

Darauf ging der Engel in die Kammer, wo die Königin mit ihrem Sohne saß, den sie gewöhnlich Schmerzenreich nannte, und sprach zu ihr „geh heraus mitsamt deinem Kinde, dein Gemahl ist gekommen.“ Da ging sie hin, wo er lag, und das Tuch fiel ihm vom Angesicht. Da sprach sie „Schmerzenreich, hebe deinem Vater das Tuch auf und decke ihm sein Gesicht wieder zu.“ Das Kind hob es auf und deckte es wieder über sein Gesicht. Das hörte der König im Schlummer und ließ das Tuch noch einmal gerne fallen.

Da ward das Knäbchen ungeduldig und sagte „liebe Mutter, wie kann ich meinem Vater das Gesicht zudecken, ich habe ja keinen Vater auf der Welt. Ich habe das Beten gelernt, unser Vater, der du bist im Himmel; da hast du gesagt, mein Vater wär im Himmel und wäre der liebe Gott: wie soll ich einen so wilden Mann kennen? der ist mein Vater nicht.“ Wie der König das hörte, richtete er sich auf und fragte, wer sie wäre. Da sagte sie „ich bin deine Frau, und das ist dein Sohn Schmerzenreich.“ Und er sah ihre lebendigen Hände und sprach „meine Frau hatte silberne Hände.“ Sie antwortete „die natürlichen Hände hat mir der gnädige Gott wieder wachsen lassen;“ und der Engel ging in die Kammer, holte die silbernen Hände und zeigte sie ihm. Da sah er erst gewiss, dass es seine liebe Frau und sein liebes Kind war, und küsste sie und war froh, und sagte „ein schwerer Stein ist von meinem Herzen gefallen.“ Da speiste sie der Engel Gottes noch einmal zusammen, und dann gingen sie nach Haus zu seiner alten Mutter. Da war große Freude überall, und der König und die Königin hielten noch einmal Hochzeit, und sie lebten vergnügt bis an ihr seliges Ende.

Lesen Sie ein Kurz-Märchen (5 min)

Hintergründe zum Märchen „Das Mädchen ohne Hände“

„Das Mädchen ohne Hände“ (Englisch: „The Girl Without Hands“ oder „The Handless Maiden“ oder „The Girl With Silver Hands“ oder „The Armless Maiden“) ist ein deutsches Märchen, das von den Brüdern Grimm gesammelt wurde. Es hat die Nummer 31 und wurde erstmals 1812 in der Ausgabe der Kinder- und Hausmärchen veröffentlicht. Im Laufe der Jahre wurde das Märchen von den Gebrüdern Grimm überarbeitet, und die endgültige Fassung erschien 1857 in der 7. Ausgabe der Kinder- und Hausmärchen. Es handelt sich um den Typ 706 von Aarne-Thompson.

Es wurden verschiedene Versuche unternommen, um zu erklären, warum ihre Hände das Ziel der Wut ihres Vaters – oder manchmal auch ihres Bruders – sind, aber das Motiv, obwohl weit verbreitet, war nie klar, und wenn Motive geliefert werden, variieren sie sehr stark. In „Penta der abgehackten Hände“ gab sich Basile große Mühe, ein Motiv für die Taten seiner Heldin zu liefern: Ihr Bruder, der sich über ihre Schönheit ausruft, beschäftigt sich besonders ausführlich mit der Lieblichkeit ihrer Hände. In der ritterlichen Romanze „La Manekine“ tut es die Prinzessin selbst, weil der König laut Gesetz keine Frau heiraten kann, der irgendein Körperteil fehlt.

Durch den Verlust ihrer Hände wird das Mädchen in dieser Geschichte hilflos und sehr abhängig von der Laune eines jeden, der ihr helfen kann. In Grimms Märchen werden männliche Protagonisten aufgrund einer bösen oder übernatürlichen Kraft eher deformiert oder behindert als weibliche Protagonisten. Die Missgestalt einer Frau führt jedoch eher dazu, dass sie passiv und hilflos bleibt, während die Missgestalt eines Mannes ihn oft zu einem Ausgestoßenen macht, aber nicht dazu, dass er seine Handlungsfähigkeit verliert. Dies hat damit zu tun, dass Frauen in der Literatur des 19. Jahrhunderts kaum eine Plattform hatten, um einen Beitrag zu leisten. Der Mangel an Händen des Mädchens ist repräsentativ für die Kultur, in der diese Geschichte ihren Ursprung hat.

Diese Geschichte hat eine ähnliche Anziehungskraft bewahrt wie Geschichten wie Aschenputtel und Schneewittchen, ohne jedoch den Mainstream-Appeal aufrechtzuerhalten. Sie wurde im Laufe der Jahre unzählige Male in verschiedenen Medien adaptiert, aber nie in einem so großen Maßstab wie die Geschichten anderer Grimms, die populärer wurden. Dies kann darauf zurückgeführt werden, dass die in dieser Geschichte vorherrschenden Themen zu unangemessen waren, als dass sie bei Kleinkindern auf dieselbe Weise populär werden konnte wie andere Geschichten. Die Geschichte wird jedoch immer noch erzählt und gilt in der Folklore als Beispiel für Unterdrückung und Beharrlichkeit.

Handlung und Zusammenfassung des Märchen

In verschiedenen Variationen spielt sich die Geschichte in vier Abschnitten ab.

Die verstümmelte Heldin: Ein seltsamer Mann näherte sich einem Müller und bot ihm Reichtum im Tausch gegen das, was hinter der Mühle stand, an. Der Müller dachte, es sei nur ein Apfelbaum, und war sich nicht bewusst, dass der fremde Mann in Wirklichkeit der Teufel war. Er fand bald heraus, dass es in Wirklichkeit seine Tochter war, die hinter der Mühle stand, und dass der Mann der Teufel war. Als drei Jahre vergangen waren, tauchte der Teufel wieder auf, um das Mädchen zu holen, wie er es versprochen hatte, aber das Mädchen hatte sich selbst ohne Sünde und mit sauberen Händen gehalten, und der Teufel war nicht in der Lage, sie zu holen. Der Teufel drohte, stattdessen den Müller zu holen, wenn er die Hände seiner Tochter nicht abhacken würde. Aus Angst stimmten der Müller und seine Tochter dem zu. Sie weinte jedoch weiter auf die Stümpfe, wo ihre Hände einst waren, so dass sie sauber blieben und der Teufel sie immer noch nicht holen konnte.

Heirat mit dem König: Trotz des neuen Reichtums ihres Vaters beschloss sie, in die Welt hinauszugehen, um zu fliehen. Sie stieß auf einen königlichen Garten und sah Früchte an den Bäumen. Nachdem sie den ganzen Tag gelaufen war, war sie hungrig und wollte die Früchte essen, also betete sie, dass sie in den Garten gelangen möge. Ein Engel erschien und half ihr. Am nächsten Tag bemerkte der König, dass Birnen fehlten, und sein Gärtner sagte ihm, er habe gesehen, wie ein Geist sie nahm. Der König erwartete sie und näherte sich ihr, als sie am nächsten Tag in den Garten zurückkam. Sie sagte ihm, dass alle sie verlassen hätten, und er sagte, dass er sie nicht im Stich lassen würde. Bald darauf heiratete er sie und machte sie zur Königin und gab ihr neue Hände aus Silber. Ein Jahr später gebar sie einen Sohn, und die Mutter des Königs sandte die Nachricht von seiner Geburt an den König, der in die Schlacht gezogen war. Der Bote hielt auf dem Weg an, und der Teufel änderte den Brief, um zu sagen, dass die Königin einen Wechselbalg geboren hatte. Der König schickte zurück, dass sie sich trotzdem um das Kind kümmern sollten, aber der Teufel stahl auch diesen Brief und formulierte ihn noch einmal um. Diesmal stand darin, dass sie die Königin und das Kind töten und das Herz der Königin als Beweis behalten sollten.

Die geköpfte Gattin: Die Königsmutter verzweifelte. Um der Königin und ihrem Sohn zu helfen, tötete sie einen Hirsch für sein Herz und befahl der Königin, ihr Kind in die Welt zu bringen, um es zu verstecken. Die Königin ging in den Wald und betete um Hilfe, und ein Engel erschien und brachte sie zu einer Hütte und pflegte ihren Sohn. Sie lebte sieben Jahre lang in dieser Hütte im Wald, und schließlich wuchsen ihre Hände auf wundersame Weise wieder nach.

Die Hände wurden wiederhergestellt: Der König kehrte in sein Schloss zurück und entdeckte, dass die Briefe manipuliert worden waren, also machte er sich auf die Suche nach seiner Frau und seinem Kind. Nach sieben Jahren fand er die Hütte, in die der Engel die Königin brachte. Er wurde von einem Engel hineingebracht und legte sich mit einem Taschentuch, das sein Gesicht bedeckte, zum Schlafen nieder. Seine Frau erschien, und das Taschentuch fiel ihm vom Gesicht. Das Kind wurde zornig, weil ihm gesagt worden war, dass Gott der einzige Vater des Menschen sei. Der König fragte, wer sie seien, und die Königin sagte ihm, dass sie seine Frau und sein Sohn seien. Er glaubte ihr zunächst nicht und sagte, dass seine Frau silberne Hände habe. Sie antwortete, dass Gott ihr ihre echten Hände gegeben und ihre abgefallenen silbernen Hände, die sie dem König gezeigt hatte, zurückgeholt habe. Der König freute sich, seine Frau gefunden zu haben. Beide kehrten in ihr Königreich zurück und lebten glücklich bis ans Ende ihrer Tage.

Varianten und Adaptionen des Märchen

Die Brüder Grimm änderten das von ihnen gesammelte Märchen und nahmen ein Motiv auf, das in anderen Märchen von einem unwissentlich versprochenen Kind zu finden war (ein Motiv, das in „Nix nix nix“, „Die Nixie vom Mühlenteich“, „Der dankbare Prinz“ und „König Kojata“ zu finden ist), aber nicht in der Originalfassung dieses Märchens. Tatsächlich fand eine Studie über deutsche Volksmärchen heraus, dass von 16 Varianten, die nach der Veröffentlichung der Grimmschen Märchen gesammelt wurden, nur eine den Grimms in dieser Eröffnung folgte.

In früheren und krasseren Versionen des Märchens, die auf der ganzen Welt gefunden wurden, kommt es zur Zerstückelung des Mädchens, wenn sie sich den sexuellen Avancen ihres Vaters oder ihres Bruders verweigert, wie in der Xhosa-Version des Märchens „Ein Vater schneidet seiner Tochter die Arme ab“. In Basils Penta der abgehackten Hände schneidet die Heldin ihre eigenen Hände ab, um die Avancen ihrer Brüder abzuwehren. Andere Varianten dieser Geschichte sind „Das einhändige Mädchen“, „Die armlose Jungfrau“ und „Biancabella und die Schlange“, die alle vom Typ 706 von Aarne-Thompson sind.

Dies ist nicht die häufigste Form eines Märchens, in dem der Vater, der versucht, seine Tochter zu heiraten, enthalten ist. „Allerleirauh“, „Der König, der seine Tochter heiraten wollte“ und andere vom Aarne-Thompson-Typ 510B sind häufiger anzutreffen. Dieses Motiv wurde jedoch in ritterlichen Romanzen ausschließlich in Erzählungen wie „Das Mädchen ohne Hände“ aufgegriffen; keine Romanze enthält das Aschenputtel ähnliche Ende von drei Bällen, das den charakteristischen Abschluss der verfolgten Heldin darstellt. Die älteste derartige Nacherzählung erscheint in „Vitae Duorum Offarum“ und nennt den König Offa; der König selbst scheint historisch zu sein, aber die Details seines Königreichs sind ungenau. Andere Romane, die den Handlungsstrang dieses Märchens verwenden, sind „Emaré“, „Mai und Beaflor“ und „La Belle Helene de Constantinople“.

Die Mutter, die fälschlicherweise beschuldigt wird, seltsame Kinder zur Welt zu bringen, hat Gemeinsamkeiten mit dem Märchen von Aarne-Thompson 707, in dem die Frau den König geheiratet hat, weil sie gesagt hat, sie werde wunderbare Kinder gebären, wie in „Das tanzende Wasser, der singende Apfel und der sprechende Vogel“, „Prinzessin Belle-Etoile“, „Ancilotto, König von Provino“, „Die bösen Schwestern“ und „Die drei kleinen Vögel“. Ein verwandtes Thema taucht in „Aarne-Thompson Typ 710“ auf, wo die Kinder der Heldin bei der Geburt gestohlen werden, was zu der Verleumdung führt, sie habe sie getötet, wie in „Marias Kind“ oder „Das Mädchen und ihre Patin“.

Auch im zweiten Teil der Erzählung haben sich die Brüder Grimm von den gängigsten Folklore-Themen entfernt. Typischerweise wird das Mädchen das Opfer seiner Schwiegermutter, wie in „Die zwölf Wildenten“, „Die sechs Schwäne“, Perraults „Dornröschen“ und „Die zwölf Brüder“. Dieses Motiv, bei dem der (männliche) Bösewicht aus einem früheren Groll stammt, taucht auch in der französischen literarischen Erzählung „Bärenfell“ auf.

Viele zeitgenössische Belletristiker und Dichter haben sich von diesem Märchen inspirieren lassen. Beispiele dafür sind Loranne Browns Roman Das handlose Mädchen, Midori Snyders Kurzgeschichte „Das armlose Mädchen“ und Gedichte von Margaret Atwood („Mädchen ohne Hände“), Elline Lipkin („Gespräche mit meinem Vater“), Vicki Fever („Das handlose Mädchen“), Nan Fry („Birne“), Rigoberto González („Das Mädchen ohne Hände“). In Andrea L. Petersons „Keine Ruhe für die Bösen“ gibt es eine Figur namens Clare, das Mädchen aus dieser Geschichte.

Anne Sexton schrieb eine Adaption als Gedicht mit dem Titel „Das Mädchen ohne Hände“ in ihrer Sammlung Transformationen (1971), ein Buch, in dem sie sechzehn der Grimm’schen Märchen neu revidiert.

Stephanie Oakes schrieb eine moderne Nacherzählung mit dem Titel „The Sacred Lies of Minnow Bly“, ein Buch für junge Erwachsene über ein 17-jähriges Mädchen ohne Hände, das im Gefängnis lebt.
Terri Windling veröffentlichte eine Anthologie moderner Märchenerzählungen mit dem Titel „The Armless Maiden: And Other Tales of Childhood’s Survivors“.

„Das Mädchen ohne Hände“ wurde in einer Episode des amerikanischen McGee’s Grimm adaptiert, in der sich das Mädchen am Ende mit Hilfe der Armee ihres Mannes an ihrem Vater rächt.

Die Geschichte war 2011 auch die Grundlage für eine Produktion des Kneehigh Theatre mit dem Titel Die wilde Braut.

Die Geschichte wurde von Regisseur Miyagi Satoshi zu einem Theaterstück adaptiert und von 2011 bis 2012 in Japan aufgeführt.

Das Mädchen ohne Hände ist eine Verfilmung unter der Regie von Sébastien Laudenbach im Jahr 2016.

Informationen für wissenschaftliche Analysen


Statistiken zum Märchen
Wert
NummerKHM 31
Aarne-Thompson-Uther-IndexATU Typ 706, 930
Übersetzungen english
Lesbarkeitsindex nach Amstad74.4
Lesbarkeitsindex nach Björnsson36.9
Flesch-Reading-Ease Index63.6
Flesch–Kincaid Grade-Level9.8
Gunning Fog Index11
Coleman–Liau Index11.1
SMOG Index10.4
Automated Readability Index11.1
Zeichen-Anzahl12.560
Anzahl der Buchstaben9.929
Anzahl der Sätze99
Wortanzahl2.173
Durchschnittliche Wörter pro Satz21,95
Wörter mit mehr als 6 Buchstaben324
Prozentualer Anteil von langen Wörtern14.9%
Silben gesamt3.107
Durchschnittliche Silben pro Wort1,43
Wörter mit drei Silben156
Prozentualer Anteil von Wörtern mit drei Silben7.2%

Bildquellen: © Andrea Danti / Shutterstock

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