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Jungfrau Maleen
Jungfrau Maleen Märchen

Jungfrau Maleen - Märchen der Gebrüder Grimm

Vorlesezeit für Kinder: 14 min

Es war einmal ein König, der hatte einen Sohn, der warb um die Tochter eines mächtigen Königs, die hieß Jungfrau Maleen und war wunderschön. Weil ihr Vater sie einem anderen geben wollte, so ward sie ihm versagt. Da sich aber beide von Herzen liebten, so wollten sie nicht voneinander lassen, und die Jungfrau Maleen sprach zu ihrem Vater: „Ich kann und will keinen anderen zu meinem Gemahl nehmen.“

Da geriet der Vater in Zorn und ließ einen finstern Turm bauen, in den kein Strahl von Sonne oder Mond fiel. Als er fertig war, sprach er: „Darin sollst du sieben Jahre lang sitzen, dann will ich kommen und sehen, ob dein trotziger Sinn gebrochen ist.“ Für die sieben Jahre ward Speise und Trank in den Turm getragen, dann ward sie und ihre Kammerjungfer hineingeführt und eingemauert, und also von Himmel und Erde geschieden. Da saßen sie in der Finsternis, wussten nicht, wann Tag oder Nacht anbrach.

Jungfrau Maleen Märchen Gebrüder GrimmBild: Paul Hey (1867 – 1952)

Der Königssohn ging oft um den Turm herum und rief ihren Namen, aber kein Laut drang von außen durch die dicken Mauern. Was konnten sie anders tun als jammern und klagen? Indessen ging die Zeit dahin, und an der Abnahme von Speise und Trank merkten sie, dass die sieben Jahre ihrem Ende sich näherten.

Sie dachten, der Augenblick ihrer Erlösung wäre gekommen, aber kein Hammerschlag ließ sich hören und kein Stein wollte aus der Mauer fallen: es schien, als ob ihr Vater sie vergessen hätte. Als sie nur noch für kurze Zeit Nahrung hatten und einen jämmerlichen Tod voraussahen, da sprach die Jungfrau Maleen: „Wir müssen das letzte versuchen und sehen, ob wir die Mauer durchbrechen.“

Sie nahm das Brotmesser, grub und bohrte an dem Mörtel eines Steins, und wenn sie müd war, so löste sie die Kammerjungfer ab. Nach langer Arbeit gelang es ihnen, einen Stein herauszunehmen, dann einen zweiten und dritten, und nach drei Tagen fiel der erste Lichtstrahl in ihre Dunkelheit, und endlich war die Öffnung so groß, dass sie hinausschauen konnten.

Der Himmel war blau, und eine frische Luft wehte ihnen entgegen, aber wie traurig sah ringsumher alles aus: das Schloss ihres Vaters lag in Trümmern, die Stadt und die Dörfer waren, soweit man sehen konnte, verbrannt, die Felder weit und breit verheert: keine Menschenseele ließ sich erblicken. Als die Öffnung in der Mauer so groß war, dass sie hindurchschlüpfen konnten, so sprang zuerst die Kammerjungfer herab, und dann folgte die Jungfrau Maleen.

Aber wo sollten sie sich hinwenden? Die Feinde hatten das ganze Reich verwüstet, den König verjagt und alle Einwohner erschlagen. Sie wanderten fort, um ein anderes Land zu suchen, aber sie fanden nirgend ein Obdach oder einen Menschen, der ihnen einen Bissen Brot gab, und ihre Not war so groß, dass sie ihren Hunger an einem Brennesselstrauch stillen mussten.

Als sie nach langer Wanderung in ein anderes Land kamen, boten sie überall ihre Dienste an, aber wo sie anklopften, wurden sie abgewiesen, und niemand wollte sich ihrer erbarmen. Endlich gelangten sie in eine große Stadt und gingen nach dem königlichen Hof. Aber auch da hieß man sie weitergehen, bis endlich der Koch sagte, sie könnten in der Küche bleiben und als Aschenputtel dienen.

Der Sohn des Königs, in dessen Reich sie sich befanden, war aber gerade der Verlobte der Jungfrau Maleen gewesen. Der Vater hatte ihm eine andere Braut bestimmt, die ebenso hässlich von Angesicht als bös von Herzen war.

Die Hochzeit war festgesetzt und die Braut schon angelangt, bei ihrer großen Hässlichkeit aber ließ sie sich vor niemand sehen und Schloss sich in ihre Kammer ein, und die Jungfrau Maleen musste ihr das Essen aus der Küche bringen. Als der Tag herankam, wo die Braut mit dem Bräutigam in die Kirche gehen sollte, so schämte sie sich ihrer Hässlichkeit und fürchtete, wenn sie sich auf der Straße zeigte, würde sie von den Leuten verspottet und ausgelacht.

Jungfrau Maleen Hochzeit MärchenBild: Paul Hey (1867 – 1952)

Da sprach sie zur Jungfrau Maleen: „Dir steht ein großes Glück bevor, ich habe mir den Fuß vertreten und kann nicht gut über die Straße gehen: du sollst meine Brautkleider anziehen und meine Stelle einnehmen: eine größere Ehre kann dir nicht zuteil werden.“ Die Jungfrau Maleen aber schlug es aus und sagte: „Ich verlange keine Ehre, die mir nicht gebührt.“ Es war auch vergeblich, dass sie ihr Gold anbot. Endlich sprach sie zornig: „Wenn du mir nicht gehorchst, so kostet es dir dein Leben: ich brauche nur ein Wort zu sagen, so wird dir der Kopf vor die Füße gelegt.“

Da musste sie gehorchen und die prächtigen Kleider der Braut samt ihrem Schmuck anlegen. Als sie in den königlichen Saal eintrat, erstaunten alle über ihre große Schönheit, und der König sagte zu seinem Sohn: „Das ist die Braut, die ich dir ausgewählt habe, und die du zur Kirche führen sollst.“

Der Bräutigam erstaunte und dachte: „Sie gleicht meiner Jungfrau Maleen, und ich würde glauben, sie wäre es selbst, aber die sitzt schon lange im Turm gefangen oder ist tot.“ Er nahm sie an der Hand und führte sie zur Kirche. An dem Wege stand ein Brennesselbusch, da sprach sie:

„Brennesselbusch,
Brennesselbusch so klein,
was stehst du hier allein?
Es hat Zeiten geben,
da hat‘s dich ungesalzen,
ungebraten gegeben.“

„Was sprichst du da?“ fragte der Königssohn. „Nichts,“ antwortete sie, „ich dachte nur an die Jungfrau Maleen.“ Er verwunderte sich, dass sie von ihr wusste, schwieg aber still. Als sie an den Steg vor dem Kirchhof kamen, sprach sie:

„Kirchensteg, brech‘ nicht,
ich bin die rechte Braut nicht.“

„Was sprichst du da?“ fragte der Königssohn. „Nichts,“ antwortete sie, „ich dachte nur an die Jungfrau Maleen.“ – „Kennst du die Jungfrau Maleen?“ – „Nein,“ antwortete sie, „wie sollte ich sie kennen, ich habe nur von ihr gehört.“ Als sie an die Kirchentüre kamen, sprach sie abermals:

„Kirchentor, brech‘ nicht,
ich bin die rechte Braut nicht.“

„Was sprichst du da?“ fragte er. „Ach,“ antwortete sie, „ich habe nur an die Jungfrau Maleen gedacht.“ Da zog er kostbaren Schmuck hervor, legte es ihr an den Hals und hakte die Kettenringe ineinander. Darauf traten sie in die Kirche, und der Priester legte vor dem Altar ihre Hände ineinander und vermählte sie.

Er führte sie zurück, aber sie sprach auf dem ganzen Weg kein Wort. Als sie wieder in dem königlichen Schloss angelangt waren, eilte sie in die Kammer der Braut, legte die prächtigen Kleider und den Schmuck ab, zog ihren grauen Kittel an und behielt nur das Geschmeide um den Hals, das sie von dem Bräutigam empfangen hatte.

Als die Nacht herankam und die Braut in das Zimmer des Königssohns sollte geführt werden, so ließ sie den Schleier über ihr Gesicht fallen, damit er den Betrug nicht merken sollte. Sobald alle Leute fortgegangen waren, sprach er zu ihr: „Was hast du doch zu dem Brennesselbusch gesagt, der an dem Wege stand?“

„Zu welchem Brennesselbusch?“ fragte sie, „ich spreche mit keinem Brennesselbusch.“ – „Wenn du es nicht getan hast, so bist du die rechte Braut nicht,“ sagte er. Da half sie sich und sprach:

„Muss hinaus zu meiner Magd,
die mir meine Gedanken trägt.“

Sie ging hinaus und fuhr die Jungfrau Maleen an: „Dirne, was hast du zu dem Brennesselbusch gesagt?“ – „Ich sagte nichts als

„Brennesselbusch,
Brennesselbusch so klein,
was stehst du hier allein?
Es hat Zeiten geben,
da hat‘s dich ungesalzen,
ungebraten gegeben.“

Die Braut lief in die Kammer zurück und sagte: „Jetzt weiß ich, was ich zu dem Brennesselbusch gesprochen habe,“ und wiederholte die Worte, die sie eben gehört hatte. „Aber was sagtest du zu dem Kirchensteg, als wir da rüber gingen?“ fragte der Königssohn. „Zu dem Kirchensteg?“ antwortete sie, „ich spreche mit keinem Kirchensteg.“ – „Dann bist du auch die rechte Braut nicht.“ Sie sagte wiederum:

„Muss hinaus zu meiner Magd,
die mir meine Gedanken trägt.“

Lief hinaus und fuhr die Jungfrau Maleen an: „Dirne, was hast du zu dem Kirchsteg gesagt?“ –

„Ich sagte nichts als,
Kirchensteg, brech‘ nicht,
ich bin die rechte Braut nicht.“

„Das kostet dich dein Leben,“ rief die Braut, eilte aber in die Kammer und sagte: „Jetzt weiß ich, was ich zu dem Kirchensteg gesprochen,“ und wiederholte die Worte. „Aber was sagtest du zur Kirchentür?“ – „Zur Kirchentür?“ antwortete sie, „ich spreche mit keiner Kirchentür.“ – „Dann bist du auch die rechte Braut nicht.“ Sie ging hinaus, fuhr die Jungfrau Maleen an: „Dirne, was hast du zu der Kirchentür gesagt?“ – „Ich sagte nichts als

„Kirchentor, brech‘ nicht,
ich bin die rechte Braut nicht.“

„Das bricht dir den Hals,“ rief die Braut und geriet in den größten Zorn, eilte aber zurück in die Kammer und sagte: „Jetzt weiß ich, was ich zu der Kirchentür gesprochen habe,“ und wiederholte die Worte. „Aber wo hast du das Geschmeide, das ich dir an der Kirchentür gab?“ – „Was für ein Geschmeide?“ antwortete sie, „du hast mir kein Geschmeide gegeben.“ – „Ich habe es dir selbst um den Hals gelegt und selbst eingehakt: wenn du das nicht weißt, so bist du die rechte Braut nicht.“

Er zog ihr den Schleier vom Gesicht, und als er ihre grundlose Hässlichkeit erblickte, sprang er erschrocken zurück und sprach: „Wie kommst du hierher? Wer bist du?“

„Ich bin deine verlobte Braut, aber weil ich fürchtete, die Leute würden mich verspotten, wenn sie mich draußen erblickten, so habe ich dem Aschenputtel befohlen, meine Kleider anzuziehen und statt meiner zur Kirche zu gehen.“

„Wo ist das Mädchen?“ sagte er, „ich will es sehen, geh und hol es hierher.“ Sie ging hinaus und sagte den Dienern, das Aschenputtel sei eine Betrügerin, sie sollten es in den Hof hinabführen und ihm den Kopf abschlagen.

Jungfrau Maleen Märchen Gebrüder GrimmBild: Paul Hey (1867 – 1952)

Die Diener packten es und wollten es fortschleppen, aber er schrie so laut um Hilfe, dass der Königssohn seine Stimme vernahm, aus seinem Zimmer herbeieilte und den Befehl gab, das Mädchen augenblicklich loszulassen. Es wurden Lichter herbeigeholt, und da bemerkte er an ihrem Hals den Goldschmuck, den er ihm vor der Kirchentür gegeben hatte. „Du bist die rechte Braut,“ sagte er, „die mit mir zur Kirche gegangen ist: komm mit mir in meine Kammer.“

Als sie beide allein waren, sprach er: „Du hast auf dem Kirchgang die Jungfrau Maleen genannt, die meine verlobte Braut war: wenn ich dächte, es wäre möglich, so müsste ich glauben, sie stände vor mir: du gleichst ihr in allem.“ Sie antwortete: „Ich bin die Jungfrau Maleen, die um dich sieben Jahre in der Finsternis gefangen gesessen, Hunger und Durst gelitten und so lange in Not und Armut gelebt hat: aber heute bescheint mich die Sonne wieder.

Ich bin dir in der Kirche angetraut und bin deine rechtmäßige Gemahlin.“ Da küssten sie einander und waren glücklich für ihren Lebtag. Der falschen Braut ward zur Vergeltung der Kopf abgeschlagen. Der Turm, in welchem die Jungfrau Maleen gesessen hatte, stand noch lange Zeit, und wenn die Kinder vorübergingen, so sangen sie:

“ kling, klang kloria,
wer sitt in dissen Toria?
Dar sitt en Königsdochter in,
Die kann ik nich to seen krygn.
De Muer, de will nich bräken,
De Steen, de will nich stechen.
Hänschen mit de bunte Jak,
Kumm unn folg my achterna.“

Hintergründe zum Märchen „Jungfrau Maleen“

Das Märchen „Jungfrau Maleen“ (KHM 198) stammt aus der Sammlung „Kinder- und Hausmärchen“ der Brüder Grimm, die im 19. Jahrhundert von Jacob und Wilhelm Grimm zusammengestellt wurde. Diese Sammlung enthält eine Vielzahl von Volksmärchen aus verschiedenen europäischen Regionen, die die Grimms in schriftlicher Form aufzeichneten und oft von mündlichen Erzählungen oder bereits vorhandenen Texten adaptierten.

„Jungfrau Maleen“ ist ein Märchen von Liebe, Treue, Entschlossenheit und Gerechtigkeit, in dem ein junges Mädchen namens Maleen wegen ihrer Weigerung, einen von ihrem Vater ausgewählten Ehemann zu heiraten, für sieben Jahre in einen Turm eingesperrt wird. Als sie schließlich aus dem Turm entkommt, entdeckt sie, dass das Land von Hunger und Krieg verwüstet ist. Maleen macht sich auf die Suche nach ihrem Geliebten und gerät in verschiedene Abenteuer, bevor sie letztendlich ihr wahres Glück findet.

Die genauen Ursprünge des Märchens „Jungfrau Maleen“ sind nicht eindeutig, aber es wird angenommen, dass es sich um eine Adaption eines älteren Volksmärchens handelt. Die erste schriftliche Aufzeichnung dieses Märchens stammt aus der 1845 veröffentlichten Sammlung „Sagen, Märchen und Lieder der Herzogthümer Schleswig, Holstein und Lauenburg“ von Karl Müllenhoff. Die Grimms nahmen die Geschichte in ihre Sammlung auf und gaben ihr den Titel „Jungfrau Maleen“. Das Märchen ist als Aarne-Thompson Typ 870 klassifiziert, die begrabene Prinzessin.

Das Märchen zeigt einige typische Merkmale der Märchenliteratur, wie etwa das Motiv der „falschen Braut“ und die Prüfung der Liebe und Treue der Hauptfiguren. Es folgt auch der klassischen Struktur der „Reise des Helden“, bei der die Protagonistin verschiedene Hindernisse überwinden und persönliche Schwierigkeiten bewältigen muss, um ihr Ziel zu erreichen. Insgesamt ist „Jungfrau Maleen“ ein interessantes Beispiel für ein klassisches Volksmärchen und hat zahlreiche künstlerische Adaptionen und Interpretationen in verschiedenen Medien und kulturellen Kontexten hervorgebracht.

Interpretationen zum Märchen „Jungfrau Maleen“

„Jungfrau Maleen“ (KHM 198) ist ein Märchen aus der Sammlung der Brüder Grimm, das verschiedene Interpretationsmöglichkeiten bietet. Hier sind einige mögliche Interpretationen:

Die Selbstbestimmung der Frau: Im Märchen weigert sich Maleen, den von ihrem Vater ausgewählten Ehemann zu heiraten, und wird dafür bestraft. Die Geschichte kann als eine Darstellung des Kampfes einer Frau um Selbstbestimmung und die Ablehnung einer arrangierten Ehe betrachtet werden. In diesem Sinne kann das Märchen als eine Kritik an patriarchalen Strukturen und als ein Plädoyer für die Autonomie von Frauen gesehen werden.

Die Prüfung von Liebe und Treue: „Jungfrau Maleen“ zeigt die Prüfung der Liebe und Treue zwischen Maleen und ihrem Geliebten. Beide Figuren müssen verschiedene Herausforderungen überwinden und ihre Loyalität zueinander unter Beweis stellen, bevor sie letztendlich zusammenkommen. Dieses Motiv findet sich in vielen Märchen und symbolisiert oft die Bedeutung von Hingabe und Beständigkeit in romantischen Beziehungen.

Gerechtigkeit und Belohnung: Das Märchen zeigt auch das Motiv der Gerechtigkeit und Belohnung. Maleen und ihr Geliebter werden aufgrund ihrer Treue und ihrer Bereitschaft, für ihre Liebe zu kämpfen, letztendlich belohnt. Dies spiegelt die Vorstellung wider, dass Gutes belohnt und Böses bestraft wird, ein häufiges Thema in Märchenliteratur.

Persönliche Entwicklung und Reifung: Die Geschichte von „Jungfrau Maleen“ kann auch als eine Erzählung von persönlicher Entwicklung und Reifung interpretiert werden. Maleen wächst im Laufe der Geschichte, lernt aus ihren Erfahrungen und findet schließlich ihr Glück. In diesem Sinne kann das Märchen auch als eine Allegorie für den Übergang vom Kindes- zum Erwachsenenalter und die damit einhergehenden persönlichen Veränderungen und Herausforderungen gesehen werden.

Überwindung von Hindernissen: Das Märchen zeigt auch das Motiv der Überwindung von Hindernissen. Maleen muss verschiedene Schwierigkeiten bewältigen, um ihre Ziele zu erreichen, und ihre Entschlossenheit und Stärke sind wichtige Faktoren für ihren Erfolg. Dieses Motiv kann als eine Darstellung der Fähigkeit des Menschen, Widrigkeiten zu überwinden und sich anzupassen, um letztendlich Glück und Erfüllung zu finden, gesehen werden.

Diese verschiedenen Interpretationsmöglichkeiten machen „Jungfrau Maleen“ zu einem vielschichtigen und interessanten Märchen, das sowohl klassische Märchenmotive als auch tiefere Bedeutungen und Botschaften erkundet.

Adaptionen zum Märchen „Jungfrau Maleen“

Das Märchen „Jungfrau Maleen“ (KHM 198) von den Gebrüder Grimm hat im Laufe der Zeit einige Adaptionen erfahren, die sowohl in Literatur als auch in Film und anderen Medien erschienen sind. Hier sind einige konkrete Beispiele:

Theater: Maurice Maeterlinck schrieb 1889 das Bühnenwerk „La Princesse Maleine“, das auf „Jungfrau Maleen“ basiert und eine mystische Tragik in der Geschichte einführt. Die deutsche Übersetzung des Stücks heißt „Prinzessin Maleine“. Bei den Brüder Grimm Märchenfestspielen in Hanau war „Jungfrau Maleen“ im Jahr 2005 im Programm.

Oper: Lili Boulanger, eine französische Komponistin, verfasste eine Oper „La Princesse Maleine“ nach Maeterlincks Vorlage. Obwohl die Oper unvollständig ist, diente der Märchenstoff als Inspirationsquelle für interessante musikalisch-kompositorische Neuerungen.

Musik: Börries von Münchhausen schrieb 1910 eine Ballade mit dem Titel „Die Ballade vom Brennesselbusch“, die auf dem Märchen basiert.

Filme: Der DEFA-Märchenfilm „Rapunzel oder der Zauber der Tränen“ aus dem Jahr 1988 enthält Motive aus „Jungfrau Maleen“, insbesondere die vertauschte Braut beim Kirchgang und die Gespräche zu Brennnessel, Kirchentreppe und Kirchentor. Der Märchenfilm „Prinzessin Maleen“ aus dem Jahr 2015 ist Teil der ARD-Reihe „Sechs auf einen Streich“ und basiert auf dem Grimm’schen Märchen. Cleo von Adelsheim spielt die Rolle der Maleen.

Literatur: Shannon Hales Roman „Book of a Thousand Days“ basiert auf dem Märchen „Jungfrau Maleen“ und erzählt die Geschichte einer jungen Frau, die für ihre Liebe kämpft und verschiedene Prüfungen bestehen muss. Eine weitere Nacherzählung findet sich in Ludwig Revolution.

Comics: Im Manga „Ludwig Revolution“ von Kaori Yuki ist „Jungfrau Maleen“ Teil der Handlung.

Diese verschiedenen Adaptionen zeigen, wie „Jungfrau Maleen“ verschiedene Künstler und Kreative im Laufe der Jahre inspiriert hat und weiterhin ein interessantes Märchen für verschiedene Medien bleibt.

Zusammenfassung des Märchen „Jungfrau Maleen“

„Jungfrau Maleen“ ist ein Märchen der Gebrüder Grimm (KHM 198) und erzählt die Geschichte einer Prinzessin, die für ihre Liebe kämpfen muss. Die Handlung kann wie folgt zusammengefasst werden: Prinzessin Maleen liebt einen Prinzen, den ihr Vater, der König, für unwürdig hält. Er versucht, sie zur Heirat mit einem anderen Mann zu zwingen, aber Maleen bleibt standhaft in ihrer Liebe zum Prinzen. Aus Zorn sperrt der König Maleen für sieben Jahre in einen Turm, ohne Türen und Fenster, zusammen mit ihren Zofen. Dort leben sie von den Vorräten, die sie im Turm finden.

Nach sieben Jahren haben sie keine Nahrung mehr und brechen schließlich aus dem Turm aus, indem sie durch die Mauern graben. Als sie den Turm verlassen, stellen sie fest, dass das Königreich verwüstet und verlassen ist. Hungrig und verzweifelt machen sie sich auf den Weg und gelangen schließlich zum Königreich des Prinzen, den Maleen liebt. Dort arbeiten sie als Dienstmädchen und erfahren, dass der Prinz gezwungen ist, eine andere Frau zu heiraten. Maleen ist entsetzt, doch sie bleibt am Hof und versucht, ihr Schicksal zu akzeptieren.

Am Hochzeitstag vertauscht sie heimlich ihre Kleidung mit der Braut und schafft es, sich mit dem Prinzen zu unterhalten. Sie erzählt ihm ihre Geschichte und erkennt sie. Als die wirkliche Braut entlarvt wird, gesteht sie, dass sie bereits einen anderen Mann geheiratet hat, um ihr Leben zu retten. Der Prinz ist entsetzt über den Betrug und bestraft die falsche Braut, indem er sie aus seinem Königreich verbannen lässt. Anschließend heiratet er Prinzessin Maleen und beide leben glücklich und zufrieden miteinander.

Die Handlung des Märchen

Es gab einmal eine Prinzessin namens Jungfrau Maleen, die sich in einen Prinzen verliebte, aber ihr Vater lehnte seinen Anzug ab. Als Jungfrau Maleen sagte, dass sie keinen anderen heiraten würde, ließ der König sie und ihre Magd im Turm einsperren, mit Lebensmitteln, die für sieben Jahre ausreichten, um sie zu ernähren.

Nach sieben langen Jahren ging das Essen schließlich aus, aber niemand kam, um sie freizulassen oder mehr Nahrung zu liefern. Die Prinzessin und ihre Magd beschlossen daraufhin, mit einem einfachen Messer aus dem Turm zu fliehen. Als es ihnen schließlich gelang, sich aus dem Turm zu befreien, fanden sie das Königreich zerstört und den König längst verschwunden vor. Ohne zu wissen, wohin sie gehen sollten, gelangten sie schließlich in das Land von Maleens Geliebten und suchten Arbeit in der königlichen Küche.

Seit Maleens Gefangenschaft war der Prinz von seinem Vater mit einer anderen Prinzessin verlobt worden. Diese Prinzessin, der es an Selbstvertrauen fehlte, glaubte nicht, dass sie gut genug für den Prinzen sein würde. Daher verließ sie ihr Zimmer nicht und ließ ihn nicht zu ihr. An ihrem Hochzeitstag schickte die Prinzessin, da sie nicht gesehen werden wollte, an ihrer Stelle Jungfrau Maleen.

Bei der Hochzeit legte der Prinz eine goldene Halskette um den Hals von Jungfer Maleen als Beweis für ihre Heirat. Später in der Nacht ging der Prinz in die Hochzeitskammer, wo die Prinzessin wartete, aber er sah die goldene Halskette um ihren Hals nicht. Sofort wusste er, dass die Prinzessin nicht diejenige war, mit der er verheiratet war. In der Zwischenzeit hatte die Prinzessin einen Mörder ausgesandt, um Jungfrau Maleen zu töten. Der Prinz, der die Hochzeitskammer verließ, um nach seiner wahren Braut zu suchen, ließ sich vom Glanz der goldenen Halskette leiten und kam rechtzeitig, um sie zu retten. Mit der goldenen Halskette als Heiratsbeweis waren sie verheiratet und lebten glücklich und zufrieden, mit Lachen im Herzen.

Informationen für wissenschaftliche Analysen


Statistiken zum Märchen
Wert
NummerKHM 198
Aarne-Thompson-Uther-IndexATU Typ 870
Übersetzungen DE, EN, ES, FR, PT, IT, JA, NL, PL, RU, TR, VI, ZH,
Lesbarkeitsindex nach Amstad75.3
Lesbarkeitsindex nach Björnsson35.3
Flesch-Reading-Ease Index62.5
Flesch–Kincaid Grade-Level8.6
Gunning Fog Index9.5
Coleman–Liau Index12
SMOG Index10.9
Automated Readability Index9.5
Zeichen-Anzahl11.210
Anzahl der Buchstaben8.754
Anzahl der Sätze110
Wortanzahl1.817
Durchschnittliche Wörter pro Satz16,52
Wörter mit mehr als 6 Buchstaben342
Prozentualer Anteil von langen Wörtern18.8%
Silben gesamt2.739
Durchschnittliche Silben pro Wort1,51
Wörter mit drei Silben196
Prozentualer Anteil von Wörtern mit drei Silben10.8%
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