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Der alte Hildebrand
Grimm Märchen

Der alte Hildebrand - Märchen der Gebrüder Grimm

Vorlesezeit für Kinder: 11 min

Es war amahl a Baur und a Bäurin, und dö Bäurin, dö hat der Pfarra im Dorf gern gesegn, und da hat er alleweil gwunschen, wann er nur amahl an ganzen Tag mit der Bäurin allan recht vergnügt zubringa kunnt, und der Bäurin, der wars halt a recht gwesn. No, da hat er amahl zu der Bäurin gsagt „hanz, mei liebi Bäurin, hietzt hab i was ausstudiert, wie wir halt amahl an ganzen Tag recht vergnügt mitanander zubringa kunnten. Wissts was, ös legts eng aufm Mittwoch ins Bett und sagts engern Mon, ös seits krang, und lamatierts und übelts nur recht, und das treibts fort bis aufm Sunta, wann i die Predi halt, und da werde i predigen, dass wer z‘ Haus a krangs Kind, an krangen Mon, a krangs Weib, an krangen Vader, a krange Muader, a krange Schwester, Bruader, oda wers sunst nacha is, hat, und der tut a Wollfart aufm Göcherliberg in Wälischland, wo ma um an Kreuzer an Metzen Lorberbladen kriegt, dem wirds krange Kind, der krange Mon, ’s krange Weib, der krange Vader, d‘ krange Muader, d‘ krange Schwester, oda wers sunst nacha is, auf der Stell gsund.“

„Dös wir i schon machen,“ hat die Bäurm drauf gsagt. No, drauf, aufm Mittwoch hat sie halt d‘ Bäurin ins Bett glegt und hat glamatiert und gübelt als wie, und ihr Mon hat ihr alles braucht, was er nur gwisst hat, ’s hat aber halt nix gholfn. Wie denn der Sunta kuma is, hat d‘ Bäurin gsagt „mir is zwar so miserabel, als ob i glei verschaden sollt, aber ans möcht i do no vor mei End, i möcht halt in Herrn Pfarra sei Predi hörn, dö er heund halten wird.“ – „A, mei Kind,“ sagt der Baur drauf, „tu du dös nit, du kunntst schlechter wern, wann aufstundst. Schau, es wir i in d‘ Predi gehn und wir recht acht gebe und wir dir alles wieder derzöhln, was der Herr Pfarra gsagt hat.“ – „No,“ hat d‘ Bäurin gsagt, „so geh halt und gibt recht acht und derzöhl mir alles, was d‘ gehört hast.“ No, und da is der Baur halt in d‘ Predi ganga, und da hat der Herr Pfarra also angfangt zun predigen und hat halt gsagt, wann ans a krangs Kind, an krangen Mon, a krangs Weib, an krangen Vader, a krange Muader, a krange Schwester, Bruader, oda wers sunst nacha war, z‘ Haus hät, und der wollt a Wollfart machen aufm Göckerliberg in Wälischland, wo der Metzen Lorberbladen an Kreuzer kost, dem wird ’s krange Kind, der krange Mon, ’s krange Weib, der krange Vater, d‘ krange Muader, d‘ krange Schwester, Bruader, oda wers sunst nacha war, auf der Stell gsund wern, und wer also dö Ras unternehma wollt, der soll nach der MeB zu ihm kuma, da wird er ihm den Lorbersack gebn und den Kreuzer.

Da war niembd fröher als der Bauer, und nach der Meß is er gleich zum Pfarra ganga, und der hat ihm also den Lorbersack gebn und den Kreuzer. Drauf is er nach Haus kuma und hat schon bei der Haustür eini gschrien „juchesha, liebes Weib, hietzt is so viel, als obs gsund warst. Der Herr Pfarra hat heunt predigt, dass, wer a krangs Kind, an krangen Mon, a kranges Weib, an krangen Vader, a krange Muader, a krange Schwester, Bruader, oda wers sunst nacha war, z‘ Haus hat, und der macht a Wollfart aufm Göckerliberg in Wälischland, wo der Metzen Lorberbladen an Kreuzer kost, dem wird ’s krange Kind, der krange Mon, ’s krange Weib, der krange Vader, d‘ krange Muader, d‘ krange Schwester, Bruader, oda wers sunst nacha war, auf der Stell gsund; und hietzt hab i mir schon den Lorbersack gholt vom Herrn Pfarra und den Kreuzer, und wir glei mein Wanderschaft antreten, dass d‘ desto ehender gsund wirst“ und drauf is er fort ganga. Er war aber kam fort, so is die Bäurin schon auf gwesn, und der Pfarra war a glei do. Hietzt lassen wir aber dö zwa indessen auf der Seiten und gänga mir mit,n Baur.

Der is halt alleweil drauf los ganga, damit er desto ehender aufm Göckerliberg kummt, und wie halt so geht, begegnt ihm sein Gvatter. Sein Gvatter, dös war an Eiermann, und der is just von Mark kuma, wo er seine Ar verkauft hat. „Globt seist,“ sagt sein Gvatter, „wo gehst denn so trabi hin, Gvatter?“ – „In Ewigkeit, Gvatter,“ sagt der Baur, „mein Weib is krang worn, und da hab i heund in Herrn Pfarra sein Predi ghört, und da hat er predigt, dass, wann aner z‘ Haus an krangs Kind, an krangen Mon, a krangs Weib, an krangen Vader, a krange Muader, a krange Schwester, Bruader, oda wers sunst nacha war, hat, und er macht a Wollfart aufm Göckerliberg in Wälischland, wo der Metzen Lorberbladen an Kreuzer kost, dem wird’s krange Kind, der krange Mon, ’s krange Weib, der krange Vader, d‘ krange Muader, d‘ krange Schwester, Bruader, oda wers sunst nacha war, auf der Stell gsund, und da hab i mir von Herrn Pfarra den Lorbersack und den Kreuzer gholt, und hietzt trit i halt mein Wanderschaft an.“ – „Aber hanz, Gvatter,“ hat der Gvatter zum Baur gsagt, „seits denn gar so einfältig, dass so was glauben könts?

Wissts, was is? der Pfarra möcht gern mit engern Weib an ganzen Tag allan recht vergnügt zubringa, drum habn’s eng den Bärn anbunden, dass ihr’en aus’n Füßen kumts.“ – „Mein,“ hat der Baur gsagt, „so möcht i do wissen, ob das wahr is.“ – „No,“ hat der Gvatter gsagt, „wast was, setz di in mein Arkorb eini, so will i di nach Haus tragn, und da wirst es selber segn.“ No, das is also geschegn, und den Baur hat sein Gvatter in sein Arkorb eini gsetzt, und der hat,n nach Haus tragn. Wie’s nach Haus kuma san, holla, da is schon lusti zuganga. Da hat die Bäurin schon fast alles, was nur in ihren Hof war, abgstochen ghabt, und Krapfen hats bachen, und der Pfarra war a schon da und hat a sein Geige mitbracht ghabt. Und da hat halt der Gvatter anklopft, und d‘ Bäurin hat gfragt, wer draußen war. „I bins, Gvatterin,“ hat der Gvatter gsagt, „mei, gebts mir heund Nacht a Herberg, i hab meini Ar aufm Mark nit verkauft, und hietzt muss i’s wieder nach Haus trage, und sö san gar z‘ schwar, i bring’s nit fort, es is a schon finster.“ – „Ja, mein Gvatter,“ sagt d‘ Bäurin drauf, „ös kumts mir recht zur unglegna Zeit. No, weils halt her nit anders is, so kömts eina und setzts eng dort auf d‘ Ofenbank.“ No hat sie der Gvatter also mit sein Buckelkorb auf d‘ Ofenbank gsetzt. Der Pfarra aber und d‘ Bäurin, dö warn halt recht lusti. Endli fangt der Pfarra an und sagt „hanz, mein liebi Bäurin, ös könnts ja so schön singa, singts mir do ans.“ – „A,“ sagt die Bäurin, „hietzt kann i nix mehr singa, ja, in mein junge Jahren, da hab i’s wohl könna, aber hietzt is schon vorbei.“ – „Ei,“ sagt wie der der Pfarra, „singts do nur a bißl.“ No, da fangt die Bäurin an und singt

„i hab mein Mon wohl ausgesandt
aufm Göckerliberg in Wälischland“

Drauf singt der Pfarra

„i wollt, er blieb da a ganzes Jahr,
was fragt i nach dem Lorbersack.
Halleluja!“

Hietzt fangt der Gvatter hinten an und singt (da muss i aber derzöhln, dass der Baur Hildebrand ghassen hat), singt also der Gvatter

„ei du, mein lieber Hildebrand,
was machst du auf der Ofenbank?
Halleluja!“

Und hietzt singt der Baur in Korb drinna

„hietzt kann i das Singa nimmermehr leiden,
hietzt muss i aus mein Buckelkorb steigen.“

Und steigt aus’n Korb und prügelt den Pfaffen beim Haus hinaus.

Lesen Sie ein Kurz-Märchen (5 min)

Hintergründe zum Märchen „Der alte Hildebrand“

„Der alte Hildebrand“ ist ein österreichisches Märchen, das von den Gebrüdern Grimm in Grimms Märchen (KHM 95) gesammelt und in einem österreichischen Dialekt geschrieben wurde. Es ist Aarne-Thompson Typ 1360C. Die Erzählung wurde 1819 von den Brüdern Grimm in der zweiten Ausgabe von Kinder- und Hausmärchen veröffentlicht. Ihre Quelle war eine ungenannte Quelle aus Österreich.

Handlung und Zusammenfassung des Märchen

Eine Bäuerin und der Pfarrer schwärmten füreinander, so dass die Ehefrau Krankheit vortäuschte, und der Pfarrer predigte, dass jeder, der ein krankes Familienmitglied habe, zum Kuckucksberg in Italien gehen könne, um Lorbeerblätter zu holen, die den Kranken heilen würden. Der Bauer Hildebrand ging, um Lorbeerblätter zu holen, und der Pfarrer kam in sein Haus. Unterwegs traf Hildebrand jedoch seinen Cousin, einen Eierhändler, der ihn alarmierte und ihn in seinem Karren zum Haus brachte. Der Pfarrer und die Frau begannen zu singen, der Kaufmann sang, und Hildebrand sang, dass es genug sei. Er sprang aus dem Korb und schlug den Pfarrer aus dem Haus.

Informationen für wissenschaftliche Analysen


Statistiken zum Märchen
Wert
NummerKHM 95
Aarne-Thompson-Uther-IndexATU Typ 1360C
Übersetzungen english
Lesbarkeitsindex nach Amstad75.3
Lesbarkeitsindex nach Björnsson40.5
Flesch-Reading-Ease Index67.2
Flesch–Kincaid Grade-Level10.7
Gunning Fog Index11.8
Coleman–Liau Index8.9
SMOG Index11.3
Automated Readability Index12
Zeichen-Anzahl7.103
Anzahl der Buchstaben5.397
Anzahl der Sätze47
Wortanzahl1.284
Durchschnittliche Wörter pro Satz27,32
Wörter mit mehr als 6 Buchstaben169
Prozentualer Anteil von langen Wörtern13.2%
Silben gesamt1.698
Durchschnittliche Silben pro Wort1,32
Wörter mit drei Silben93
Prozentualer Anteil von Wörtern mit drei Silben7.2%

Bildquellen: © Andrea Danti / Shutterstock

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