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Der Räuberbräutigam
Der Räuberbräutigam Märchen

Der Räuberbräutigam - Märchen der Gebrüder Grimm

Vorlesezeit für Kinder: 11 min

Achtung: Es handelt sich um eine Grusel-Geschichte.

Es war einmal ein Müller, der hatte eine schöne Tochter, und als sie herangewachsen war, so wünschte er, sie wäre versorgt und gut verheiratet: er dachte „kommt ein ordentlicher Freier und hält um sie an, so will ich sie ihm geben.“ Nicht lange, so kam ein Freier, der schien sehr reich zu sein, und da der Müller nichts an ihm auszusetzen wusste, so versprach er ihm seine Tochter. Das Mädchen aber hatte ihn nicht so recht lieb, wie eine Braut ihren Bräutigam lieb haben soll, und hatte kein Vertrauen zu ihm: sooft sie ihn ansah oder an ihn dachte, fühlte sie ein Grauen in ihrem Herzen. Einmal sprach er zu ihr „du bist meine Braut und besuchst mich nicht einmal.“ Das Mädchen antwortete „ich weiß nicht, wo Euer Haus ist.“ Da sprach der Bräutigam „mein Haus ist draußen im dunkeln Wald.“ Es suchte Ausreden und meinte, es könnte den Weg dahin nicht finden.

Der Bräutigam sagte „künftigen Sonntag musst du hinaus zu mir kommen, ich habe die Gäste schon eingeladen, und damit du den Weg durch den Wald findest, so will ich dir Asche streuen.“ Als der Sonntag kam und das Mädchen sich auf den Weg machen sollte, ward ihm so Angst, es wusste selbst nicht recht, warum, und damit es den Weg bezeichnen könnte, steckte es sich beide Taschen voll Erbsen und Linsen. An dem Eingang des Waldes war Asche gestreut, der ging es nach, warf aber bei jedem Schritt rechts und links ein paar Erbsen auf die Erde. Es ging fast den ganzen Tag, bis es mitten in den Wald kam, wo er am dunkelsten war, da stand ein einsames Haus, das gefiel ihm nicht, denn es sah so finster und unheimlich aus.

Der Räuberbräutigam Märchen Gebrüder GrimmBild: Paul Hey (1867 – 1952)

Es trat hinein, aber es war niemand darin und herrschte die größte Stille. Plötzlich rief eine Stimme: „Kehr um, kehr um, du junge Braut, du bist in einem Mörderhaus.“

Das Mädchen blickte auf und sah, dass die Stimme von einem Vogel kam, der da in einem Bauer an der Wand hing. Nochmals rief er

„kehr um, kehr um, du junge Braut, du bist in einem Mörderhaus.“

Da ging die schöne Braut weiter aus einer Stube in die andere und ging durch das ganze Haus, aber es war alles leer und keine Menschenseele zu finden. Endlich kam sie auch in den Keller, da saß eine steinalte Frau, die wackelte mit dem Kopfe. „Könnt Ihr mir nicht sagen,“ sprach das Mädchen, „ob mein Bräutigam hier wohnt?“ – „Ach, du armes Kind,“ antwortete die Alte, „wo bist du hingeraten! du bist in einer Mördergrube. Du meinst, du wärst eine Braut, die bald Hochzeit macht, aber du wirst die Hochzeit mit dem Tode halten. Siehst du, da hab ich einen großen Kessel mit Wasser aufsetzen müssen, wenn sie dich in ihrer Gewalt haben, so zerhacken sie dich ohne Barmherzigkeit, kochen dich und essen dich, denn es sind Menschenfresser. Wenn ich nicht Mitleid mit dir habe und dich rette, so bist du verloren.“

Darauf führte es die Alte hinter ein großes Fass, wo man es nicht sehen konnte. „Sei wie ein Mäuschen still,“ sagte sie, „rege dich nicht und bewege dich nicht, sonst ist’s um dich geschehen. Nachts, wenn die Räuber schlafen, wollen wir entfliehen, ich habe schon lange auf eine Gelegenheit gewartet.“ Kaum war das geschehen, so kam die gottlose Rotte nach Haus. Sie brachten eine andere Jungfrau mitgeschleppt, waren trunken und hörten nicht auf ihr Schreien und Jammern. Sie gaben ihr Wein zu trinken, drei Gläser voll, ein Glas weißen, ein Glas roten und ein Glas gelben, davon zersprang ihr das Herz. Darauf rissen sie ihr die feinen Kleider ab, legten sie auf einen Tisch, zerhackten ihren schönen Leib in Stücke und streuten Salz darüber. Die arme Braut hinter dem Fass zitterte und bebte, denn sie sah wohl, was für ein Schicksal ihr die Räuber zugedacht hatten. Einer von ihnen bemerkte an dem kleinen Finger der Gemordeten einen goldenen Ring, und als er sich nicht gleich abziehen ließ, so nahm er ein Beil und hackte den Finger ab: aber der Finger sprang in die Höhe über das Fass hinweg und fiel der Braut gerade in den Schoß. Der Räuber nahm ein Licht und wollte ihn suchen, konnte ihn aber nicht finden. Da sprach ein anderer „hast du auch schon hinter dem großen Fasse gesucht?“ Aber die Alte rief „kommt und esst, und lasst das Suchen bis morgen: der Finger läuft euch nicht fort.“

Da sprachen die Räuber „die Alte hat recht,“ ließen vom Suchen ab, setzten sich zum Essen, und die Alte tröpfelte ihnen einen Schlaftrunk in den Wein, dass sie sich bald in den Keller hinlegten, schliefen und schnarchten. Als die Braut das hörte, kam sie hinter dem Fass hervor, und musste über die Schlafenden wegschreiten, die da reihenweise auf der Erde lagen, und hatte große Angst, sie möchte einen aufwecken. Aber Gott half ihr, dass sie glücklich durchkam, die Alte stieg mit ihr hinauf, öffnete die Türe, und sie eilten, so schnell sie konnten, aus der Mördergrube fort. Die gestreute Asche hatte der Wind weggeweht, aber die Erbsen und Linsen hatten gekeimt und waren aufgegangen, und zeigten im Mondschein den Weg. Sie gingen die ganze Nacht, bis sie morgens in der Mühle ankamen. Da erzählte das Mädchen seinem Vater alles, wie es sich zugetragen hatte.

Als der Tag kam, wo die Hochzeit sollte gehalten werden, erschien der Bräutigam, der Müller aber hatte alle seine Verwandte und Bekannte einladen lassen. Wie sie bei Tische saßen, ward einem jeden aufgegeben, etwas zu erzählen. Die Braut saß still und redete nichts. Da sprach der Bräutigam zur Braut „nun, mein Herz, weißt du nichts? erzähl uns auch etwas.“ Sie antwortete „so will ich einen Traum erzählen. Ich ging allein durch einen Wald und kam endlich zu einem Haus, da war keine Menschenseele darin, aber an der Wand war ein Vogel in einem Bauer, der rief

„Kehr um, kehr um, du junge Braut,
du bist in einem Mörderhaus.“

Und rief es noch einmal. Mein Schatz, das träumte mir nur. Da ging ich durch alle Stuben, und alle waren leer, und es war so unheimlich darin; ich stieg endlich hinab in den Keller, da saß eine steinalte Frau darin, die wackelte mit dem Kopfe. Ich fragte sie „wohnt mein Bräutigam in diesem Haus?“ Sie antwortete „ach, du armes Kind, du bist in eine Mördergrube geraten, dein Bräutigam wohnt hier, aber er will dich zerhacken und töten, und will dich dann kochen und essen.“ Mein Schatz, das träumte mir nur. Aber die alte Frau versteckte mich hinter ein großes Fass, und kaum war ich da verborgen, so kamen die Räuber heim und schleppten eine Jungfrau mit sich, der gaben sie dreierlei Wein zu trinken, weißen, roten und gelben, davon zersprang ihr das Herz. Mein Schatz, das träumte mir nur. Darauf zogen sie ihr die feinen Kleider ab, zerhackten ihren schönen Leib auf einem Tisch in Stücke und bestreuten ihn mit Salz. Mein Schatz, das träumte mir nur. Und einer von den Räubern sah, dass an dem Goldfinger noch ein Ring steckte, und weil er schwer abzuziehen war, so nahm er ein Beil und hieb ihn ab, aber der Finger sprang in die Höhe und sprang hinter das große Fass und fiel mir in den Schoß. Und da ist der Finger mit dem Ring.“ Bei diesen Worten zog sie ihn hervor und zeigte ihn den Anwesenden.

Der Räuber, der bei der Erzählung ganz kreideweiß geworden war, sprang auf und wollte entfliehen, aber die Gäste hielten ihn fest und überlieferten ihn den Gerichten. Da wurden er und seine ganze Bande für ihre Schandtaten gerichtet.

Lesen Sie ein Kurz-Märchen (5 min)

Hintergründe zum Märchen „Der Räuberbräutigam“

„Der Räuberbräutigam“ ist ein deutsches Märchen, das von den Brüdern Grimm gesammelt wurde, Märchen Nummer 40. Joseph Jacobs enthielt eine Variante, Mr. Fox in English Fairy Tales, aber die ursprüngliche Provenienz ist viel älter; Shakespeare (um 1599) spielt auf die Mr. Fox-Variante in Much Ado About Nothing, Act 1, Scene 1 an: Wie das alte Märchen, Mylord: „Es ist nicht so, noch war es nicht so; aber Gott bewahre, dass es so sein sollte.“

Es ist Aarne-Thompson Typ 955, der Räuberbräutigam. Dieser Typ ist eng verwandt mit Geschichten vom Typ 312, wie z.B. Blaubart, und Typ 311, wie z.B. Wie der Teufel drei Schwestern heiratete und Fitchers Vogel.

Handlung und Zusammenfassung des Märchen

Ein Müller wollte seine Tochter verheiraten, und als ein reicher Freier auftauchte, verlobte er sie mit ihm. Eines Tages beschwerte sich der Freier, dass die Tochter ihn nie besuchte, erzählte ihr, dass er im Wald lebte, und setzte sich über ihren Widerwillen hinweg, indem er ihr sagte, er würde eine Spur aus Asche hinterlassen, damit sie sein Zuhause finden könne. Sie füllte ihre Taschen mit Erbsen und Linsen und markierte den Weg mit ihnen, während sie der Asche folgte.

Sie führten sie zu einem dunklen und stillen Haus. Ein Vogel in einem Käfig rief: „Kehr um, kehr um, du hübsche Braut, noch bleibe in diesem Haus des Todes“. Eine alte Frau in einer Kellerküche sagte ihr, dass die Leute dort sie töten und essen würden, wenn die alte Frau sie nicht beschützen und hinter einem Fass verstecken würde. Eine Räuberbande kam mit einer jungen Frau an, die sie töteten und zu essen bereit waren. Als man einen Finger abhackte, um an den goldenen Ring daran zu gelangen, flogen Finger und Ring durch die Luft und landeten auf dem Schoß der versteckten Frau. Die alte Frau riet ihnen von der Suche ab, da weder der Finger noch der Ring weglaufen würden: sie würden ihn am Morgen finden.

Die alte Frau setzte den Wein der Räuber unter Drogen. Sobald sie eingeschlafen waren, flohen die beiden lebenden Frauen. Der Wind hatte die Asche weggeweht, aber die Erbsen und Linsen waren zu Sämlingen aufgegangen: Die beiden folgten dem Weg der Pflanzen und erreichten das Haus der jungen Frau.

Als der Hochzeitstag kam und die Gäste Geschichten erzählten, drängte der Bräutigam die junge Frau, eine Geschichte zu erzählen. Sie sagte, sie würde einen Traum erzählen, den sie hatte, und erzählte die Geschichte, wie sie in die Höhle des Mörders ging, wobei sie zwischen den einzelnen Sätzen sagte: „Das war nur ein Traum, meine Liebe! Als sie den Teil des Fingers erzählte, der ihr in den Schoss fiel, produzierte sie den Finger. Der Räuberbräutigam und seine ganze Bande wurden hingerichtet.

Varianten und Adaptionen des Märchen

In Jacobs‘ Version ging die Frau, Lady Mary, aus Neugierde in das Haus, wobei Herr Fox nicht einmal vorgeschlagen hatte, dass sie kommen sollte, und man erzählte ihr nicht von den Schrecken dort, sondern sie fand die ermordeten Leichen von Frauen, wie in Blaubart.

Puschkin hat eine Variante der Erzählung mit dem Titel Жених (Der Bräutigam) geschrieben, die mit der Frau beginnt, die aus dem Haus der Räuber nach Hause kommt.

In einer amerikanischen Variante von den Usaken beschloss die Heldin, nie zu heiraten, und tat es auch nie, weil sie zu dem Schluss gekommen war, dass Männer schlecht sind; sie blieb einfach bei ihrer eigenen Familie, die froh war, sie zu haben.

Eudora Weltys erster Roman Der Räuberbräutigam passt die Geschichte an Natchez, Mississippi, aus dem achtzehnten Jahrhundert an. In dieser Version ist der Bräutigam ein heroischer Gesetzloser, dessen Rivale (der historisch reale Bandit aus Mississippi, Little Harp) der blutrünstige Bösewicht ist. Dieser Bräutigam tötet schließlich Harp und heiratet das Mädchen Rosamond. Die Version von Welty wurde zur Grundlage für das gleichnamige Broadway-Musical.

Norman Partridges Geschichte „Mr. Fox“ ist eine in die Moderne übertragene Nacherzählung dieser Legende, die in seinen Sammlungen „Der Mann mit den Stacheldrahtfäusten“ und „Mr. Fox und andere wilde Geschichten“ veröffentlicht wurde.

Neil Gaiman schrieb eine Kurzgeschichte mit dem Titel The White Road, die auf „Mr. Fox“ basiert. In dieser Kurzgeschichte, die 1998 in Gaimans Buch „Smoke and Mirrors“ veröffentlicht wurde, ist ihm eine neue Liebesbeziehung von Herrn Fox nach Hause gefolgt. Sie findet in seinem Haus Beweise für einen Mord und wird später Zeuge des grausamen Mordes an einem weiteren Opfer. Sie enthüllt seine wahre Natur einer Menschenmenge in einem örtlichen Gasthaus durch eine „Geschichte eines Traums“. Schließlich schreit sie, dass er „Blaubart“ und „Gilles de Rais“ sei. Doch im Gegensatz zum ursprünglichen „Mr. Fox“ ist Mr. Fox in Gaimans Version tatsächlich unschuldig, und die Frau tötet ihn mit ihrer Geschichte.

Margaret Atwoods Roman „Die Räuberbraut“ verändert das Geschlecht des Bösewichts in eine räuberische Frau, Zenia, die Männer metaphorisch verschlingt, nachdem sie sie von ihren Partnern weg verführt hat. Die Geschichte wird mit den Augen der Ehefrauen/Partnerinnen der Männer erzählt, Frauen, mit denen Zenia sich anfreundet und die sie dann betrügt. Weitere Anspielungen auf Märchen und Folklore finden sich im ganzen Buch.

Der Räuberbräutigam wurde für die sechste Ausgabe der Comicserie Grimm-Märchen adaptiert. Die Geschichte wird als zwei Schwestern wiedererzählt, die von einem mysteriösen Grafen umworben werden. Als er sich für die jüngere der beiden entscheidet, ermordet die ältere Schwester sie und wird die Braut des Grafen. Es stellt sich jedoch heraus, dass der Graf in Wirklichkeit ein fleischfressender Ghul ist, und er und die Leute in seinem Schloss verschlingen das Mädchen. Dies ist eine Geschichte innerhalb einer Geschichte, die zwei zankenden jugendlichen Schwestern erzählt wird, die sich um einen Freund streiten.

Die Titelfigur von Helen Oyeyemis Roman Herr Fuchs ist nach dem Räuber benannt.

Informationen für wissenschaftliche Analysen


Statistiken zum Märchen
Wert
NummerKHM 40
Aarne-Thompson-Uther-IndexATU Typ 955
Übersetzungen english
Lesbarkeitsindex nach Amstad75.9
Lesbarkeitsindex nach Björnsson35.6
Flesch-Reading-Ease Index64.7
Flesch–Kincaid Grade-Level9
Gunning Fog Index9.9
Coleman–Liau Index11.2
SMOG Index10.6
Automated Readability Index9.9
Zeichen-Anzahl7.327
Anzahl der Buchstaben5.776
Anzahl der Sätze65
Wortanzahl1.258
Durchschnittliche Wörter pro Satz19,35
Wörter mit mehr als 6 Buchstaben205
Prozentualer Anteil von langen Wörtern16.3%
Silben gesamt1.822
Durchschnittliche Silben pro Wort1,45
Wörter mit drei Silben108
Prozentualer Anteil von Wörtern mit drei Silben8.6%

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