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Die Geschenke des kleinen Volkes
Grimm Märchen

Die Geschenke des kleinen Volkes - Märchen der Gebrüder Grimm

Vorlesezeit für Kinder: 7 min

Ein Schneider und ein Goldschmied wanderten zusammen und vernahmen eines Abends, als die Sonne hinter die Berge gesunken war, den Klang einer fernen Musik, die immer deutlicher ward. Sie tönte ungewöhnlich, aber so anmutig, dass sie aller Müdigkeit vergaßen und rasch weiterschritten.

Der Mond war schon aufgestiegen, als sie zu einem Hügel gelangten, auf dem sie eine Menge kleiner Männer und Frauen erblickten, die sich bei den Händen gefasst hatten und mit größter Lust und Freudigkeit im Tanze herumwirbelten. Sie sangen dazu auf das lieblichste, und das war die Musik, die die Wanderer gehört hatten. In der Mitte saß ein Alter, der etwas größer war als die übrigen, der einen buntfarbigen Rock trug, und dem ein eisgrauer Bart über die Brust herab hing. Die beiden blieben voll Verwunderung stehen und sahen dem Tanz zu. Der Alte winkte, sie sollten eintreten, und das kleine Volk öffnete bereitwillig seinen Kreis.

Der Goldschmied, der einen Höcker hatte und wie alle Buckeligen keck genug war, trat herzu. Der Schneider empfand zuerst einige Scheu und hielt sich zurück, doch als er sah, wie es so lustig herging, fasste er sich ein Herz und kam nach. Alsbald Schloss sich der Kreis wieder und die Kleinen sangen und tanzten in den wildesten Sprüngen weiter, der Alte aber nahm ein breites Messer, das an seinem Gürtel hing, wetzte es, und als es hinlänglich geschärft war, blickte er sich nach den Fremdlingen um. Es ward ihnen Angst, aber sie hatten nicht lange Zeit, sich zu besinnen, der Alte packte den Goldschmied und schor in der größten Geschwindigkeit ihm Haupthaar und Bart glatt hinweg. Ein gleiches geschah hierauf dem Schneider.

Doch ihre Angst verschwand, als der Alte nach vollbrachter Arbeit beiden freundlich auf die Schulter klopfte, als wollte er sagen, sie hätten es gut gemacht, dass sie ohne Sträuben alles willig hätten geschehen lassen. Er zeigte mit dem Finger auf einen Haufen Kohlen, der zur Seite lag, und deutete ihnen durch Gebärden an, dass sie ihre Taschen damit füllen sollten. Beide gehorchten, obgleich sie nicht wussten, wozu ihnen die Kohlen dienen sollten, und gingen dann weiter, um ein Nachtlager zu suchen. Als sie ins Tal gekommen waren, schlug die Glocke des benachbarten Klosters zwölf Uhr. Augenblicklich verstummte der Gesang, alles war verschwunden und der Hügel lag in einsamem Mondschein.

Die beiden Wanderer fanden eine Herberge und deckten sich auf dem Strohlager mit ihren Röcken zu, vergaßen aber wegen ihrer Müdigkeit, die Kohlen zuvor herauszunehmen. Ein schwerer Druck auf ihren Gliedern weckte sie früher als gewöhnlich. Sie griffen in die Taschen und wollten ihren Augen nicht trauen, als sie sahen, dass sie nicht mit Kohlen, sondern mit reinem Gold angefüllt waren; auch Haupthaar und Bart waren glücklich wieder in aller Fülle vorhanden. Sie waren nun reiche Leute geworden, doch besaß der Goldschmied, der seiner habgierigen Natur gemäß die Taschen besser gefüllt hatte, noch einmal so viel als der Schneider.

Ein Habgieriger, wenn er viel hat, verlangt noch mehr, der Goldschmied machte dem Schneider den Vorschlag, noch einen Tag zu verweilen, am Abend wieder hinauszugehen, um sich bei dem Alten auf dem Berge noch größere Schätze zu holen. Der Schneider wollte nicht und sagte: „Ich habe genug und bin zufrieden. Jetzt werde ich Meister, heirate meinen angenehmen Gegenstand und bin ein glücklicher Mann.“ Doch wollte er, ihm zu Gefallen, den Tag noch bleiben.

Abends hing der Goldschmied noch ein paar Taschen über die Schulter, um recht einsacken zu können, und machte sich auf den Weg zu dem Hügel. Er fand, wie in der vorigen Nacht, das kleine Volk bei Gesang und Tanz, der Alte schor ihn abermals glatt und deutete ihm an, Kohlen mitzunehmen. Er zögerte nicht, einzustecken, was nur in seine Taschen gehen wollte, kehrte ganz glückselig heim und deckte sich mit dem Rock zu. „Wenn das Gold auch drückt,“ sprach er, „ich will das schon ertragen,“ und schlief endlich mit dem süßen Vorgefühl ein, morgen als steinreicher Mann zu erwachen.

Als er die Augen öffnete, erhob er sich schnell, um die Taschen zu untersuchen, aber wie erstaunte er, als er nichts herauszog als schwarze Kohlen, er mochte so oft hineingreifen, als er wollte. „Noch bleibt mir das Gold, das ich die Nacht vorher gewonnen habe,“ dachte er und holte es herbei, aber wie erschrak er, als er sah, dass es ebenfalls wieder zu Kohle geworden war. Er schlug sich mit der schwarz bestäubten Hand an die Stirne, da fühlte er, dass der ganze Kopf kahl und glatt war wie der Bart.

Aber sein Missgeschick war noch nicht zu Ende, er merkte erst jetzt, dass ihm zu dem Höcker auf dem Rücken noch ein zweiter ebenso großer vorn auf der Brust gewachsen war. Da erkannte er die Strafe seiner Habgier und begann laut zu weinen. Der gute Schneider, der davon aufgeweckt ward, tröstete den Unglücklichen, so gut es gehen wollte, und sprach: „Du bist mein Geselle auf der Wanderschaft gewesen, du sollst bei mir bleiben und mit von meinem Schatz zehren.“ Er hielt Wort, aber der arme Goldschmied musste sein Lebtag die beiden Höcker tragen und seinen kahlen Kopf mit einer Mütze bedecken.

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Hintergründe zum Märchen „Die Geschenke des kleinen Volkes“

„Die Geschenke des kleinen Volkes“ ist ein Märchen der Brüder Grimm, das in ihrer Sammlung „Kinder- und Hausmärchen“ erscheint. Es wurde erstmals in der 6. Auflage von 1850 veröffentlicht und basiert auf Emil Sommers „Der Berggeister Geschenke“ aus dem Buch „Sagen, Märchen und Gebräuche aus Sachsen und Thüringen“ von 1846.

Handlung: Das Märchen erzählt die Geschichte eines Schneiders und eines buckligen Goldschmieds, die im Mondschein auf kleine, singende Leute treffen. Diese kleinen Leute sind vermutlich Naturgeister oder Elfen. Sie tanzen zusammen, und das Oberhaupt der kleinen Leute, ein alter Mann mit einem eisgrauen Bart, schert ihnen das Haar und schenkt ihnen Kohlen, die sich über Nacht in Gold verwandeln.

Motive: Begegnung mit übernatürlichen Wesen: Die Begegnung mit den kleinen Leuten ist ein typisches Motiv in Märchen und Sagen. Hier stehen die Wesen in Verbindung mit Reichtum und sind bereit, diesen mit Menschen zu teilen, die ihre Gesellschaft schätzen und respektieren.

Belohnung und Bestrafung: Die Hauptfiguren werden unterschiedlich belohnt oder bestraft, abhängig von ihrer Einstellung und ihrem Verhalten. Der großzügige Schneider wird belohnt, während der gierige Goldschmied bestraft wird.

Moralische Lektion: Das Märchen vermittelt eine moralische Lektion über Gier und Großzügigkeit. Es lehrt, dass man nicht gierig nach Reichtum sein sollte und dass es wichtig ist, das Glück, das man hat, mit anderen zu teilen.

In der Forschung wird das Märchen als Zaubermärchen mit Motiven der Sage eingestuft, und es gibt verschiedene literarische und kulturelle Bezüge zu anderen Märchen und Sagen, wie zum Beispiel in Grimms Irische Elfenmärchen Nr. 3 „Fingerhütchen“ und einer Erzählung aus der Bretagne (bei Souvestre, S. 180). Die Geschichte ist hauptsächlich in Westeuropa bekannt, und das Motiv der missglückten Nachahmung taucht auch in anderen Erzähltypen auf.

Interpretationen zum Märchen „Die Geschenke des kleinen Volkes“

„Die Geschenke des kleinen Volkes“ (KHM 182) von den Brüdern Grimm ist ein Märchen, das mehrere Interpretationen zulässt. Hier sind einige mögliche Deutungen der Geschichte:

Die Moral von Gier und Großzügigkeit: Eine offensichtliche Interpretation des Märchens ist die Moral, die Gier und Großzügigkeit gegenüberstellt. Der Schneider, der großzügig und bescheiden ist, wird am Ende belohnt, während der gierige Goldschmied bestraft wird. Diese Lektion lehrt, dass Gier negative Folgen hat und Großzügigkeit und Teilen geschätzt werden sollten.

Die Bedeutung von Respekt und Demut: Eine weitere Interpretation betrifft die Haltung der beiden Protagonisten gegenüber den kleinen Leuten. Der Schneider zeigt Respekt und Demut gegenüber den übernatürlichen Wesen, während der Goldschmied versucht, sie auszunutzen, um seinen Reichtum zu mehren. Die Geschichte zeigt, dass Respekt und Demut vor anderen, insbesondere vor übernatürlichen Wesen, wichtig sind, und dass der Versuch, solche Kräfte auszunutzen, negative Konsequenzen haben kann.

Die Rolle von Schicksal und Zufall: Das Märchen verdeutlicht auch, wie Schicksal und Zufall das Leben der Menschen beeinflussen können. Der Schneider und der Goldschmied haben die gleiche Begegnung mit den kleinen Leuten, aber ihre Entscheidungen und ihr Verhalten führen zu unterschiedlichen Ergebnissen. Dies zeigt, dass das Schicksal oft in den Händen der Menschen liegt und ihre Entscheidungen und Handlungen das Ergebnis beeinflussen.

Die Dualität von Mensch und Natur: Die Begegnung mit den kleinen Leuten, die als Naturgeister oder Elfen interpretiert werden können, zeigt auch die Dualität von Mensch und Natur. Die Menschen sind oft auf die Gaben der Natur angewiesen und müssen sie respektieren und schätzen. Der Schneider, der diese Prinzipien befolgt, wird belohnt, während der Goldschmied, der sie missachtet, bestraft wird.

Der Wunsch nach Transformation: Schließlich kann das Märchen auch als Darstellung des menschlichen Wunsches nach Transformation gedeutet werden. Die Verwandlung der Kohlen in Gold und die Veränderungen im Aussehen der Protagonisten zeigen, wie Menschen sich selbst und ihre Umstände verändern möchten. In diesem Fall lehrt das Märchen, dass wahre Veränderung nur durch innere Entwicklung und persönliche Werte, wie Großzügigkeit und Respekt, erreicht werden kann.

Die verschiedenen Interpretationen des Märchens „Die Geschenke des kleinen Volkes“ zeigen die Vielschichtigkeit und Tiefe der Geschichte und betonen unterschiedliche Aspekte menschlicher Erfahrungen und Werte.

Adaptionen zum Märchen „Die Geschenke des kleinen Volkes“

Obwohl „Die Geschenke des kleinen Volkes“ (KHM 182) nicht so bekannt ist wie einige der anderen Märchen der Brüder Grimm, gibt es dennoch einige Adaptionen und Variationen der Geschichte in verschiedenen Medien. Hier sind einige Beispiele:

Theateraufführungen: Verschiedene Theatergruppen haben das Märchen als Bühnenstück adaptiert, indem sie die Handlung und die Charaktere für die Bühne neu interpretiert haben. Dies kann beispielsweise in Form von Kinder- oder Puppentheateraufführungen erfolgen.

Hörbücher und Hörspiele: Das Märchen wurde auch in Form von Hörbüchern und Hörspielen adaptiert, wobei professionelle Sprecher die Geschichte erzählen und die verschiedenen Charaktere zum Leben erwecken. Dies kann sowohl für Kinder als auch für Erwachsene ansprechend sein.

Kinderbücher und illustrierte Ausgaben: Die Geschichte von „Die Geschenke des kleinen Volkes“ wurde auch in Form von illustrierten Kinderbüchern adaptiert. Diese Bücher präsentieren die Geschichte mit bunten und detaillierten Illustrationen, die die Charaktere und Ereignisse der Handlung darstellen. Zum Beispiel gibt es die Ausgabe „Märchen der Gebrüder Grimm: Mit Illustrationen von Anne Anderson“ (1922), die das Märchen mit ansprechenden Illustrationen versehen hat.

Fernseh- und Filmadaptionen: Es gibt auch einige Adaptionen des Märchens in Fernsehserien und Filmen, oft im Rahmen von Anthologien oder Sammlungen von Grimms Märchen. Eine solche Adaption findet sich beispielsweise in der japanischen Zeichentrickserie „Grimm’s Fairy Tale Classics“ (1987-1989), die zahlreiche Märchen der Brüder Grimm als animierte Episoden adaptiert hat. In einer der Episoden wird die Geschichte von „Die Geschenke des kleinen Volkes“ nacherzählt.

Moderne Neuinterpretationen: In einigen Fällen wurden auch moderne Neuinterpretationen des Märchens erstellt, die die ursprüngliche Handlung und die Charaktere in einen zeitgenössischen Kontext setzen oder die Geschichte aus einer neuen Perspektive erzählen. Solche Adaptionen können in Form von Romanen, Kurzgeschichten oder Filmen auftreten.

Während es nicht so viele bekannte Adaptionen von „Die Geschenke des kleinen Volkes“ gibt wie von einigen anderen Grimms Märchen, haben Künstler und Autoren dennoch auf verschiedene Weise mit der Geschichte experimentiert und sie für neue Generationen zugänglich gemacht.

Zusammenfassung der Handlung

„Die Geschenke des kleinen Volkes“ ist ein Märchen der Brüder Grimm, das von der Begegnung eines Schneiders und eines buckligen Goldschmieds mit einer Gruppe kleiner, singender Leute handelt. Die beiden Männer treffen die kleinen Leute bei Mondschein und tanzen mit ihnen. Das Oberhaupt der kleinen Leute, ein alter Mann mit einem eisgrauen Bart, schert ihnen das Haar und schenkt ihnen jeweils einen Haufen Kohlen, der sich über Nacht in Gold verwandelt.

Der Schneider ist zufrieden mit seinem unerwarteten Reichtum und entscheidet, das Gold gerecht mit dem Goldschmied zu teilen. Der Goldschmied hingegen ist gierig und kehrt in der folgenden Nacht mit großen Taschen zu den kleinen Leuten zurück, um noch mehr Gold zu bekommen. Doch diesmal verwandelt sich das zusätzliche Gold wieder in Kohlen, und sein Haar wächst nicht mehr nach.

Zusätzlich erhält er einen zweiten Buckel – einen vorne und einen hinten. Der Schneider, der großzügig und bescheiden ist, teilt sein Gold mit dem Goldschmied, trotz dessen Gier und schlechtem Verhalten. Das Märchen lehrt eine wichtige Lektion über Gier, Großzügigkeit und Respekt gegenüber anderen, insbesondere gegenüber übernatürlichen Wesen.


Informationen für wissenschaftliche Analysen

Kennzahl
Wert
NummerKHM 182
Aarne-Thompson-Uther-IndexATU Typ 503
ÜbersetzungenDE, EN, DA, ES, FR, PT, IT, JA, NL, PL, RO, RO, RU, TR, VI, ZH
Lesbarkeitsindex nach Amstad65.9
Lesbarkeitsindex nach Björnsson43.8
Flesch-Reading-Ease Index52
Flesch–Kincaid Grade-Level11.8
Gunning Fog Index12.6
Coleman–Liau Index12
SMOG Index12
Automated Readability Index12
Zeichen-Anzahl5.163
Anzahl der Buchstaben4.147
Anzahl der Sätze36
Wortanzahl842
Durchschnittliche Wörter pro Satz23,39
Wörter mit mehr als 6 Buchstaben172
Prozentualer Anteil von langen Wörtern20.4%
Silben gesamt1.305
Durchschnittliche Silben pro Wort1,55
Wörter mit drei Silben91
Prozentualer Anteil von Wörtern mit drei Silben10.8%
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