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Der Zaunkönig und der Bär
Grimm Märchen

Der Zaunkönig und der Bär - Märchen der Gebrüder Grimm

Vorlesezeit für Kinder: 8 min

Zur Sommerzeit gingen einmal der Bär und der Wolf im Wald spazieren, da hörte der Bär so schönen Gesang von einem Vogel und sprach „Bruder Wolf, was ist das für ein Vogel, der so schön singt?“ – „Das ist der König der Vögel,“ sagte der Wolf, „vor dem müssen wir uns neigen;“ es war aber der Zaunkönig.

„Wenn das ist,“ sagte der Bär, „so möchte ich auch gerne seinen königlichen Palast sehen, komm und führe mich hin.“ – „Das geht nicht so, wie du meinst,“ sprach der Wolf, „du musst warten, bis die Frau Königin kommt.“ Bald darauf kam die Frau Königin und hatte Futter im Schnabel, und der Herr König auch, und wollten ihre Jungen ätzen.

Der Bär wäre gerne nun gleich hinterdrein gegangen, aber der Wolf hielt ihn am Ärmel und sagte „nein, du musst warten, bis Herr und Frau Königin wieder fort sind.“ Also nahmen sie das Loch in Acht, wo das Nest stand, und trabten wieder ab. Der Bär aber hatte keine Ruhe, wollte den königlichen Palast sehen, und ging nach einer kurzen Weile wieder vor.

Da waren König und Königin richtig ausgeflogen: er guckte hinein und sah fünf oder sechs Junge, die lagen darin. „Ist das der königliche Palast!, rief der Bär, „das ist ein erbärmlicher Palast! ihr seid auch keine Königskinder, ihr seid unehrliche Kinder.“ Wie das die jungen Zaunkönige hörten, wurden sie gewaltig bös und schrien „nein, das sind wir nicht, unsere Eltern sind ehrliche Leute; Bär, das soll ausgemacht werden mit dir.“

Dem Bär und dem Wolf ward angst, sie kehrten um und setzten sich in ihre Höhlen. Die jungen Zaunkönige aber schrien und lärmten fort, und als ihre Eltern wieder Futter brachten, sagten sie „wir rühren kein Fliegenbeinchen an, und sollten wir verhungern, bis ihr erst ausgemacht habt, ob wir ehrliche Kinder sind oder nicht: der Bär ist da gewesen und hat uns gescholten.“

Da sagte der alte König „seid nu r ruhig, das soll ausgemacht werden.“ Flog darauf mit der Frau Königin dem Bären vor seine Höhle und rief hinein „alter Brummbär, warum hast du meine Kinder gescholten? das soll dir übel bekommen, das wollen wir in einem blutigen Krieg ausmachen.“

Also war dem Bären der Krieg angekündigt, und ward alles vierfüßige Getier berufen, Ochs, Esel, Rind, Hirsch, Reh, und was die Erde sonst alles trägt. Der Zaunkönig aber berief alles, was in der Luft fliegt; nicht allein die Vögel groß und klein, sondern auch die Mücken, Hornissen, Bienen und Fliegen mussten herbei.

Als nun die Zeit kam, wo der Krieg angehen sollte, da schickte der Zaunkönig Kundschafter aus, wer der kommandierende General des Feindes wäre. Die Mücke war die Listigste von allen, schwärmte im Wald, wo der Feind sich versammelte, und setzte sich endlich unter ein Blatt auf den Baum, wo die Parole ausgegeben wurde. Da stand der Bär, rief den Fuchs vor sich und sprach „Fuchs, du bist der Schlauste unter allem Getier, du sollst General sein und uns anführen.“

„Gut,“ sagte der Fuchs, „aber was für Zeichen wollen wir verabreden?“ Niemand wusste es. Da sprach der Fuchs „ich habe einen schönen langen buschigen Schwanz, der sieht aus fast wie ein roter Federbusch. wenn ich den Schwanz in die Höhe halte, so geht die Sache gut, und ihr müsst drauflos marschieren: lass ich ihn aber herunterhängen, so lauft, was ihr könnt.“ Als die Mücke das gehört hatte, flog sie wieder heim und verriet dem Zaunkönig alles haarklein.

Als der Tag anbrach, wo die Schlacht sollte geliefert werden, hu, da kam das vierfüßige Getier dahergerannt mit Gebraus, dass die Erde zitterte; Zaunkönig mit seiner Armee kam auch durch die Luft daher, die schnurrte, schrie und schwärmte, dass einem angst und bange ward. Und gingen sie da von beiden Seiten aneinander.

Der Zaunkönig aber schickte die Hornisse hinab, sie sollte sich dem Fuchs unter den Schwanz setzen und aus Leibeskräften stechen. Wie nun der Fuchs den ersten Stich bekam, zuckte er, dass er das eine Bein aufhob, doch ertrug er’s und hielt den Schwanz noch in der Höhe: beim zweiten Stich musste er ihn einen Augenblick herunterlassen: beim dritten aber konnte er sich nicht mehr halten, schrie und nahm den Schwanz zwischen die Beine. Wie das die Tiere sahen, meinten sie, alles wäre verloren, und fingen an zu laufen, jeder in seine Höhle: und hatten die Vögel die Schlacht gewonnen.

Da flog der Herr König und die Frau Königin heim zu ihren Kindern und riefen „Kinder, seid fröhlich, esst und trinkt nach Herzenslust, wir haben den Krieg gewonnen.“ Die jungen Zaunkönige aber sagten „noch essen wir nicht, der Bär soll erst vors Nest kommen und Abbitte tun und soll sagen, dass wir ehrliche Kinder sind.“

Da flog der Zaunkönig vor das Loch des Bären und rief „Brummbär, du sollst vor das Nest zu meinen Kindern gehen und Abbitte tun und sagen, dass sie ehrliche Kinder sind, sonst sollen dir die Rippen im Leib zertreten werden.“ Da kroch der Bär in der größten Angst hin und tat Abbitte. Jetzt waren die jungen Zaunkönige erst zufrieden, setzten sich zusammen, aßen und tranken und machten sich lustig bis in die späte Nacht hinein.

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Hintergründe zum Märchen „Der Zaunkönig und der Bär“

„Der Zaunkönig und der Bär“ ist ein Tiermärchen, das in der Sammlung der Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm als KHM 102 erscheint. Die Brüder Grimm, Jacob und Wilhelm, waren deutsche Sprachwissenschaftler, Literaturwissenschaftler und Volkskundler, die im 19. Jahrhundert lebten und arbeiteten. Sie sind vor allem für ihre Märchensammlung bekannt, die sie in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts veröffentlichten.

Die Erzählung vom Krieg der Tiere: Die Geschichte thematisiert den Krieg zwischen Flugtieren und Vierbeinern, der aufgrund einer Beleidigung gegenüber den Kindern des Zaunkönigs ausbricht. Dieses Motiv des Krieges der Tiere wurde in verschiedenen Kulturen und Zeiten aufgegriffen und zeigt den Überlebenskampf der Tiere aus menschlicher Perspektive.

Anthropomorphismus: Ein Hauptmerkmal dieses Märchens ist die Vermenschlichung der Tiere. Die Tiere sprechen, haben Familien, organisieren sich und führen Krieg wie Menschen. Diese Darstellung von Tieren in menschenähnlichen Rollen ist in vielen Märchen und Fabeln üblich und soll dazu beitragen, menschliche Verhaltensweisen, Werte und Moralvorstellungen zu vermitteln.

Strategie und List: In der Geschichte spielt die List und Taktik des Zaunkönigs eine entscheidende Rolle. Mithilfe der Mücke und der Hornisse gelingt es ihm, den schlauen General Fuchs zu überlisten und die Vierbeiner in die Flucht zu schlagen. Solche Geschichten, in denen die Schwächeren oder Kleineren ihre Gegner durch Klugheit und List besiegen, sind häufig in der Märchenliteratur zu finden und dienen dazu, die Bedeutung von Intelligenz und Weisheit gegenüber roher Gewalt und Stärke zu betonen.

Versöhnung: Am Ende des Märchens kommt es zu einer Versöhnung zwischen den Zaunkönigkindern und dem Bären, nachdem dieser um Vergebung bittet. Dieses Motiv der Versöhnung und Vergebung ist in vielen Märchen präsent und vermittelt die Botschaft, dass Konflikte beigelegt werden können, wenn man bereit ist, Fehler einzugestehen und Verantwortung für das eigene Handeln zu übernehmen.

Insgesamt ist „Der Zaunkönig und der Bär“ ein Märchen, das verschiedene Motive und Themen aufgreift und menschliche Verhaltensweisen, Strategien und Werte auf unterhaltsame und lehrreiche Weise vermittelt.

Interpretationen zum Märchen „Der Zaunkönig und der Bär“

„Der Zaunkönig und der Bär“ (KHM 102) von den Brüdern Grimm bietet verschiedene Interpretationsmöglichkeiten, die je nach Perspektive unterschiedliche Aspekte des Märchens hervorheben. Hier sind einige mögliche Interpretationen:

Macht und Hierarchie: Das Märchen thematisiert Machtstrukturen und Hierarchien, sowohl innerhalb der Tierwelt als auch im Vergleich zur Menschenwelt. Der Bär, ein großes und starkes Tier, wird von den kleineren und vermeintlich schwächeren Tieren herausgefordert. Die Geschichte zeigt, dass Macht und Autorität nicht immer von physischer Stärke abhängen, sondern auch von Klugheit, List und Zusammenarbeit.

Überwindung von Unterschieden: Der Krieg zwischen den Flugtieren und den Vierbeinern symbolisiert die Konflikte, die aus Unterschieden und Missverständnissen entstehen können. Die Geschichte zeigt, wie diese Unterschiede durch Kommunikation, Verständnis und Versöhnung überwunden werden können, was zu einer friedlichen Lösung führt.

Die Kraft der Gemeinschaft: In dem Märchen arbeiten die kleineren Tiere zusammen, um den mächtigeren Bären und seine Verbündeten zu besiegen. Dies zeigt, dass es nicht immer auf die Größe oder Stärke des Einzelnen ankommt, sondern auf die Zusammenarbeit und die gegenseitige Unterstützung innerhalb einer Gemeinschaft.

Intelligenz und List: Das Märchen betont die Bedeutung von Klugheit und List, wenn es darum geht, schwierige Situationen zu meistern. Der Zaunkönig und seine Verbündeten sind zwar körperlich unterlegen, können aber durch ihre Intelligenz und ihre Fähigkeit, ihre Gegner zu überlisten, die Oberhand gewinnen.

Versöhnung und Vergebung: Eine zentrale Botschaft des Märchens ist die Bedeutung von Versöhnung und Vergebung. Der Bär erkennt seine Fehler, bittet um Vergebung und wird daraufhin von den Zaunkönigkindern akzeptiert. Dies vermittelt die Botschaft, dass Vergebung und Versöhnung wichtig sind, um Konflikte beizulegen und Frieden wiederherzustellen.

Insgesamt bietet „Der Zaunkönig und der Bär“ verschiedene Interpretationsansätze, die gemeinsam ein Bild von einer Welt zeichnen, in der die Überwindung von Unterschieden, die Kraft der Gemeinschaft, Intelligenz und List sowie Versöhnung und Vergebung wichtige Werte darstellen.

Adaptionen zum Märchen „Der Zaunkönig und der Bär“

Es gibt verschiedene Adaptionen des Märchens „Der Zaunkönig und der Bär“ (KHM 102) von den Brüdern Grimm. Hier sind einige konkrete Beispiele:

Zeichentrick: Gurimu Meisaku Gekijō (グリム名作劇場): Diese japanische Zeichentrickserie aus dem Jahr 1987, auch bekannt als „Grimm’s Fairy Tale Classics“, adaptiert verschiedene Märchen der Brüder Grimm, darunter auch „Der Zaunkönig und der Bär“. In Folge 44 der Serie wird das Märchen als Zeichentrickfilm umgesetzt.

Hörspiel: „Der Zaunkönig und der Bär“ wurde in verschiedenen Hörspielfassungen adaptiert. Eine solche Adaption ist beispielsweise die von Europa, die in der Hörspielreihe „Die schönsten Märchen der Brüder Grimm“ erschienen ist. In dieser Version wird das Märchen von professionellen Sprechern erzählt und durch Musik und Soundeffekte untermalt.

Kinderbücher: Das Märchen „Der Zaunkönig und der Bär“ wurde in zahlreichen illustrierten Kinderbüchern adaptiert. Beispielsweise findet man es in Sammelbänden der Brüder Grimm, in denen die Geschichte von verschiedenen Illustratoren bildlich dargestellt wird.

Theater- und Puppenspiel-Adaptionen: Das Märchen wurde auch für die Bühne adaptiert und als Theaterstück oder Puppenspiel aufgeführt. So gibt es beispielsweise Adaptionen für Kinder- und Jugendtheater, bei denen die Handlung des Märchens in eine zeitgemäße Form gebracht wird.

Moderne Interpretationen: In einigen Fällen wurde das Märchen „Der Zaunkönig und der Bär“ auch in modernen Interpretationen adaptiert, bei denen die Handlung in eine andere Zeit oder einen anderen Kontext versetzt wird. Solche Adaptionen können in Form von Kurzgeschichten, Gedichten oder anderen literarischen Formaten erfolgen.

Obwohl „Der Zaunkönig und der Bär“ nicht zu den bekanntesten Märchen der Brüder Grimm gehört, gibt es dennoch einige Adaptionen und Umsetzungen, die zeigen, wie die Geschichte in verschiedenen Medien und für unterschiedliche Zielgruppen interpretiert und präsentiert wurde.

Zusammenfassung der Handlung

„Der Zaunkönig und der Bär“ ist ein Tiermärchen der Brüder Grimm (KHM 102), das von einem Krieg zwischen Flugtieren und Vierbeinern erzählt. Die Geschichte beginnt, als Bär und Wolf im Wald spazieren gehen und den Gesang des Zaunkönigs, des Königs der Vögel, hören. Neugierig auf dessen Palast, werfen sie einen Blick in das Nest der Zaunkönigkinder, während die Eltern nicht da sind. Der Bär kritisiert das Nest als ärmlichen Palast und bezeichnet die Kinder als unehrlich. Diese Beleidigung führt dazu, dass der Zaunkönig dem Bären den Krieg erklärt.

Die Tiere organisieren sich für den Krieg, wobei die Flugtiere auf der einen und die Vierbeiner auf der anderen Seite stehen. Eine Mücke dient als Spion und berichtet dem Zaunkönig über die Strategie des schlauen General Fuchs. Während der Schlacht schickt der Zaunkönig eine Hornisse, die dem Fuchs unter den Schwanz sticht. Der Fuchs senkt daraufhin seinen Schwanz, ein Zeichen für die Vierbeiner, dass sie fliehen sollen. Die Geschichte endet mit der Versöhnung zwischen dem Bären und den Zaunkönigkindern. Der Bär bittet um Vergebung für seine Beleidigung, und die Kinder nehmen seine Entschuldigung an. Nach dieser Aussöhnung beginnen die Zaunkönigkinder wieder zu fressen.


Informationen für wissenschaftliche Analysen

Kennzahl
Wert
NummerKHM 102
Aarne-Thompson-Uther-IndexATU Typ 222
ÜbersetzungenDE, EN, EL, DA, ES, FR, PT, FI, HU, IT, JA, NL, PL, RU, TR, VI, ZH
Lesbarkeitsindex nach Amstad71.3
Lesbarkeitsindex nach Björnsson38
Flesch-Reading-Ease Index59.3
Flesch–Kincaid Grade-Level10.5
Gunning Fog Index11
Coleman–Liau Index11.6
SMOG Index11.6
Automated Readability Index11.7
Zeichen-Anzahl5.029
Anzahl der Buchstaben3.949
Anzahl der Sätze38
Wortanzahl848
Durchschnittliche Wörter pro Satz22,32
Wörter mit mehr als 6 Buchstaben133
Prozentualer Anteil von langen Wörtern15.7%
Silben gesamt1.252
Durchschnittliche Silben pro Wort1,48
Wörter mit drei Silben80
Prozentualer Anteil von Wörtern mit drei Silben9.4%
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