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Lieb und Leid teilen
Grimm Märchen

Lieb und Leid teilen - Märchen der Gebrüder Grimm

Vorlesezeit für Kinder: 4 min

Vorgelesen von Henning Vieser

Es war einmal ein Schneider, der war ein zänkischer Mensch, und seine Frau, die gut, fleißig und fromm war, konnte es ihm niemals recht machen. Was sie tat, er war unzufrieden, brummte, schalt, raufte und schlug sie.

Als die Obrigkeit endlich davon hörte, ließ sie ihn vorfordern und ins Gefängnis setzen, damit er sich bessern sollte. Er saß eine Zeit lang bei Wasser und Brot, dann wurde er wieder freigelassen, musste aber geloben, seine Frau nicht mehr zu schlagen, sondern friedlich mit ihr zu leben, Lieb und Leid zu teilen, wie sich’s unter Eheleuten gebührt.

Eine Zeit lang ging es gut, dann aber geriet er wieder in seine alte Weise, war mürrisch und zänkisch. Und weil er sie nicht schlagen durfte, wollte er sie bei den Haaren packen und raufen.

Die Frau entwischte ihm und sprang auf den Hof hinaus, er lief aber mit der Elle und Schere hinter ihr her, jagte sie herum und warf ihr die Elle und Schere, und was ihm sonst zur Hand war, nach. Wenn er sie traf, so lachte er, und wenn er ihr fehlte, so tobte und wetterte er. Er trieb es so lange, bis die Nachbarn der Frau zu Hilfe kamen.

Der Schneider ward wieder vor die Obrigkeit gerufen und an sein Versprechen erinnert. „Liebe Herren,“ antwortete er, „ich habe gehalten, was ich gelobt habe, ich habe sie nicht geschlagen, sondern Lieb und Leid mit ihr geteilt.“

„Wie kann das sein,“ sprach der Richter, „da sie abermals so große Klage über Euch führt?“

„Ich habe sie nicht geschlagen, sondern ihr nur, weil sie so wunderlich aussah, die Haare mit der Hand kämmen wollen: sie ist mir aber entwichen und hat mich böslich verlassen.

Da bin ich ihr nachgeeilt und habe, damit sie zu ihrer Pflicht zurückkehre, als eine gut gemeinte Erinnerung nachgeworfen, was mir eben zur Hand war. Ich habe auch Lieb und Leid mit ihr geteilt, denn sooft ich sie getroffen habe, ist es mir lieb gewesen und ihr leid. Habe ich sie aber gefehlt, so ist es ihr lieb gewesen, mir aber leid.“

Die Richter waren mit dieser Antwort nicht zufrieden, sondern ließen ihm seinen verdienten Lohn auszahlen.

Hintergründe zum Märchen „Lieb und Leid teilen“

„Lieb und Leid teilen“ (KHM 170) ist ein Schwank, der in den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm enthalten ist. Die Brüder Jacob und Wilhelm Grimm waren deutsche Sprach- und Literaturwissenschaftler, die im 19. Jahrhundert lebten. Sie sind bekannt für ihre Sammlung von Märchen, die sie von mündlichen und schriftlichen Quellen sammelten. Diese Sammlung wurde erstmals 1812 veröffentlicht und ist heute als Grimms Märchen bekannt.

Die Erzählung „Lieb und Leid teilen“ stammt aus Jörg Wickrams Rollwagenbüchlein, einer Sammlung von humoristischen Schwänken, die in der frühen Neuzeit in Deutschland populär waren. Die Brüder Grimm integrierten die Geschichte in ihre Sammlung ab der vierten Auflage von 1840. Sie gaben der Geschichte einen neuen Titel und veränderten den Text leicht, um den moralischen Aspekt der Geschichte hervorzuheben.

Die Geschichte enthält Elemente des volkstümlichen Humors und der Ironie und dient als Beispiel für die damalige Auffassung von Ehe und Geschlechterrollen. Es zeigt, wie Männer ihre Ehefrauen in der damaligen Zeit behandeln und kontrollieren durften, ohne Konsequenzen befürchten zu müssen. Darüber hinaus zeigt die Geschichte auch die List und Schlauheit des Schneiders, der seine Taten vor Gericht zu rechtfertigen versucht.

Der Schwank kann als Kritik an der damaligen Gesellschaft verstanden werden, insbesondere in Bezug auf die Geschlechterungleichheit und die Akzeptanz von Gewalt in der Ehe. Die Brüder Grimm waren jedoch keine Feministen, sondern präsentierten die Geschichte vor allem als humoristischen Volksscherz. In späteren Ausgaben der Kinder- und Hausmärchen ließen die Grimms den Schneider am Ende der Geschichte jedoch nicht mehr straffrei davonkommen, was auf eine zunehmende Sensibilität gegenüber diesen Themen hindeutet.

Insgesamt ist „Lieb und Leid teilen“ ein interessantes Beispiel für die Art von Geschichten, die in der Sammlung der Grimms enthalten sind. Es bietet Einblicke in die sozialen Normen und Werte des 19. Jahrhunderts und zeigt, wie Märchen und Schwänke als Unterhaltung und soziale Kommentare genutzt wurden.

Interpretationen zum Märchen „Lieb und Leid teilen“

„Lieb und Leid teilen“ (KHM 170) von den Gebrüdern Grimm ist ein Schwank, der verschiedene Interpretationsmöglichkeiten bietet. Hier sind einige mögliche Interpretationen der Geschichte:

Kritik an Geschlechterrollen und Ungleichheit: Die Geschichte kann als Kritik an den damaligen Geschlechterrollen und der Ungleichheit zwischen Männern und Frauen verstanden werden. Der böse Schneider missbraucht seine Frau, ohne Konsequenzen befürchten zu müssen, was die patriarchale Struktur der damaligen Gesellschaft widerspiegelt. Die Frau hat in der Geschichte keine Stimme und muss die Misshandlung ertragen. Die Geschichte zeigt, wie Männer ihre Ehefrauen kontrollieren und dominieren durften.

List und Schlauheit: Der Schneider in der Geschichte ist ein Beispiel für List und Schlauheit. Er findet immer wieder Ausreden und Wege, seine Frau zu quälen, ohne dabei offensichtlich gegen das Gesetz zu verstoßen. Diese Interpretation stellt den Schneider als einen trickreichen, aber unmoralischen Charakter dar, der sich mit seiner Schlauheit aus schwierigen Situationen herauswinden kann.

Ironie und Humor: Die Geschichte enthält Elemente der Ironie und des Humors, insbesondere in Bezug auf die Ausreden des Schneiders vor Gericht. Seine Argumente sind offensichtlich absurd, und das Märchen zeigt auf humoristische Weise die Absurdität der damaligen Rechtsprechung und der gesellschaftlichen Normen.

Moralische Botschaft: Obwohl „Lieb und Leid teilen“ ein Schwank ist und in erster Linie humoristisch erscheint, kann man auch eine moralische Botschaft in der Geschichte erkennen. Die Grimms zeigen in späteren Ausgaben der Kinder- und Hausmärchen, dass der Schneider am Ende der Geschichte nicht mehr straffrei davonkommt. Diese Änderung kann als ein Appell an die Leser verstanden werden, ihr Verhalten und ihre Einstellungen gegenüber Geschlechterrollen und Gewalt in der Ehe zu überdenken.

Insgesamt bietet das Märchen „Lieb und Leid teilen“ (KHM 170) von den Gebrüdern Grimm eine Vielzahl von Interpretationsmöglichkeiten, die auf soziale, moralische und humoristische Aspekte der Geschichte eingehen.

Adaptionen zum Märchen „Lieb und Leid teilen“

Obwohl „Lieb und Leid teilen“ (KHM 170) von den Gebrüdern Grimm nicht zu den bekanntesten Märchen der Sammlung zählt, gibt es dennoch einige Adaptionen und Bearbeitungen des Stoffes in verschiedenen Medien. Hier sind einige Beispiele:

Theater: Das Märchen „Lieb und Leid teilen“ wurde in Form von Theaterstücken und szenischen Lesungen adaptiert. Diese Aufführungen konzentrieren sich häufig auf die humoristischen Aspekte der Geschichte und die Interaktion zwischen dem Schneider und seiner Frau. Ein Beispiel ist das Stück „Lieb und Leid teilen“ von Bernhard Lassahn, das 2005 in Hamburg uraufgeführt wurde. In dieser Version wird die Geschichte in einer moderneren Version erzählt, in der das Paar lernen muss, gemeinsam ihre Probleme zu lösen.

Kinderliteratur: In Kinderbüchern und Märchenanthologien wurden gekürzte und angepasste Versionen von „Lieb und Leid teilen“ veröffentlicht. Solche Adaptionen fokussieren sich auf die moralischen Aspekte der Geschichte und sind oft mit Illustrationen versehen, die die Handlung unterstützen. Ein Beispiel ist das Buch „Märchen der Brüder Grimm“ (2012) von Philip Pullman, in dem der Autor seine Version von „Lieb und Leid teilen“ präsentiert.

Film und Fernsehen: Es gibt keine direkten Film- oder Fernsehadaptionen von „Lieb und Leid teilen“, aber das Märchen könnte als Inspiration für bestimmte Episoden oder Handlungsstränge in Filmen und Fernsehserien gedient haben. Beispielsweise könnten Geschichten, die von ungleichen Ehepaaren oder von Männern handeln, die ihre Frauen auf humorvolle Weise manipulieren, von diesem Märchen inspiriert sein.

Musik: In der Musik sind keine direkten Adaptionen von „Lieb und Leid teilen“ bekannt, aber das Thema der Geschichte – das Teilen von Freude und Leid in einer Beziehung – wurde in vielen Liedern und musikalischen Werken aufgegriffen.

Obwohl „Lieb und Leid teilen“ keine der bekanntesten Geschichten der Gebrüder Grimm ist, bietet das Märchen dennoch vielfältige Möglichkeiten für kreative Adaptionen und Interpretationen.

Zusammenfassung der Handlung

„Lieb und Leid teilen“ (KHM 170) ist ein Schwank aus der Sammlung der Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm. Die Handlung dreht sich um einen bösen Schneider, der seine Frau misshandelt. In der Geschichte schlägt der Schneider seine Frau, bis er schließlich ins Gefängnis kommt. Um aus dem Gefängnis entlassen zu werden, muss er geloben, sich zu bessern und Lieb und Leid mit seiner Frau zu teilen. Jedoch wird der Schneider rückfällig und findet neue Wege, seine Frau zu quälen, ohne sie direkt zu schlagen. Er zieht an ihren Haaren und wirft Gegenstände wie Elle und Schere nach ihr.

Als der Schneider erneut vor Gericht gestellt wird, verteidigt er seine Taten geschickt, indem er behauptet, er habe lediglich versucht, die Haare seiner Frau zu richten und sie mit den Würfen daran zu erinnern, dass sie bei ihm bleiben muss. Er erklärt, wenn er sie getroffen habe, sei es ihm lieb gewesen und ihr leid und umgekehrt. Die Geschichte zeigt auf humorvolle und ironische Weise die damalige Auffassung von Ehe und Geschlechterrollen und kritisiert indirekt die gesellschaftliche Akzeptanz von Gewalt in der Ehe. In späteren Ausgaben der Kinder- und Hausmärchen lassen die Grimms den Schneider am Ende der Geschichte nicht mehr straffrei davonkommen.

Informationen für wissenschaftliche Analysen


Statistiken zum Märchen
Wert
NummerKHM 170
Aarne-Thompson-Uther-IndexATU Typ 921D
Übersetzungen DE, EN, DA, ES, PT, IT, JA, NL, PL, RU, TR, VI, ZH,
Lesbarkeitsindex nach Amstad75.6
Lesbarkeitsindex nach Björnsson38.1
Flesch-Reading-Ease Index64.9
Flesch–Kincaid Grade-Level9.4
Gunning Fog Index11.6
Coleman–Liau Index10.9
SMOG Index11.3
Automated Readability Index10.5
Zeichen-Anzahl2.096
Anzahl der Buchstaben1.625
Anzahl der Sätze17
Wortanzahl358
Durchschnittliche Wörter pro Satz21,06
Wörter mit mehr als 6 Buchstaben61
Prozentualer Anteil von langen Wörtern17%
Silben gesamt510
Durchschnittliche Silben pro Wort1,42
Wörter mit drei Silben34
Prozentualer Anteil von Wörtern mit drei Silben9.5%

Bildquellen: © Andrea Danti / Shutterstock

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